Vorschulzeit – Acht

„Ach, wären wir bloß allein geblieben!“, ist einer der Lieblingssätze meines Vaters. Mit „wir“ meint er sich und mich unter Ausschluss meiner Mutter, die er bei jeder Gelegenheit als Wurzel alles Bösen und Quelle alles Üblen darstellt. Ich komme gar nicht auf den Gedanken, ihn zu fragen, warum er die Frau dann überhaupt geheiratet hat. Die berüchtigte Schere im Kopf ist größer und wird früher angesetzt, als ich wahrzunehmen vermag.

Zudem ist dies einer der Sätze, die mich durch meine ganze Kindheit begleiten. Es gibt mehrere solcher Sätze, die mein Vater in den Raum stellt, als wolle er eherne Gesetzestafeln installieren. Natürlich zähle ich nicht mit, aber dieser Satz kommt bestimmt einige Dutzend Male. Oft ist die Äußerung des Satzes begleitet von einer für meinen Vater überaus typischen, ja, der typischen Handbewegung – diesem abkippen Lassen der Hand aus dem Gelenk. Diese Geste führt mein Vater meist derart müde und resigniert aus, dass man zögern muss, von „Abwinken“ zu sprechen. Der Betrag der für diese Geste verwandten Energie reicht nicht aus, um diese Bezeichnung zu rechtfertigen. Es hat eh‘ alles keinen Sinn! Alles Haschen nach Wind!