Vor-Sätze

Ein Schriftsteller hat einmal sinngemäß erklärt, dass sich Künstler in zwei Gruppen einteilen ließen. Einmal gäbe es diejenigen, denen es gelungen wäre, sich von den Fesseln oder jedenfalls von den behindernden Bindungen ihrer ersten Gruppen, insbesondere ihrer Familie, zu befreien. Sie würden gleichsam täglich neue Welten entdecken und erkunden. Dann wären da die Anderen, die glücklich oder zumindest zufrieden wären, mit fünfzig die Zimmer ihrer Kindheit malen oder beschreiben zu können.

Ich weiß nicht, ob ich ein Künstler bin und ich scheue mich, mich als Schriftsteller zu bezeichnen; seit dem Beginn meiner bewussten Versuche des im belletristischen Sinne Schreibens mit etwa 16 Jahren hatte ich jedoch immer die Sehnsucht, zu der ersten Gruppe zu gehören und musste immer wieder einsehen, unfreiwilliges Mitglied der zweiten Gruppe zu sein.

Schließlich wird mir bei diesem Versuch meiner Selbstdarstellung in einer Art Lebensreportagen gefühlsmäßig klar, nicht nur mit dem Kopf, dass auch oder gerade Schreiben mit Bindung und Verbindlichkeit zu tun hat. Ich wollte unbewusst offenbar immer Texte erstellen, die zu niemandem in Bezug stehen; unter anderem dieser mangelnde Bezug scheint jedoch die Textproduktion immer wieder behindert oder gar verhindert zu haben. Das ist nur eines der zahlreichen Paradoxa, von denen mein Leben bestimmt wird.

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