Blitzartige Erkenntnisse. Angenehme Abläufe. Und so weiter.

Eine Mitschülerin im kurzem Rock geht vor mir die Treppe hinauf. Beinahe genießerisch langsam erscheint wie eine Frucht aus der Schale ihr runder Po aus dem Höschen. Mädchen tragen meist Baumwollslips von VEB Malimo und die verrutschen wunderbar insbesondere in die Arschritze. Manchmal wird eine ganze Pobacke sichtbar. Wenn ein solches Mädchen sich dann hinsetzt, scheint mir der Anblick des Streifens weißen Stoffs zwischen ihren Beinen mit dem dafür gebrauchtem Wort „blitzen“ sehr treffend bezeichnet.

Schon in der zweiten Klasse werde ich auf etwas aufmerksam, das mir eigentlich schon lange klar ist, dessen Wahrnehmung bis dahin jedoch nicht mit dieser angenehmen Spannung verbunden ist. Mädchen tragen Röcke und Kleider und darunter Höschen und oft auch Strumpfhosen, unter denen die Höschen durchschimmern. Erneut stelle ich fest, dass es für Mädchen ein weitaus größeres Angebot an Anziehsachen gibt als für Jungen, auch und gerade bei der Unterwäsche. Die Weiber haben nicht nur weiße Höschen mit der allerdings stärksten Signalwirkung drunter, sondern auch himmelblaue und rosafarbene und gelbe und grüne und solche mit eingearbeiteten Blümchen, Teddybären, Katzen usw.

Scheinbar plötzlich fürchte und suche ich ab der dritten Klasse diese Art gleichzeitig quälenden und angenehm erregenden Schnappschüsse. Spannend und faszinierend ist dergleichen jedoch beileibe nicht nur für mich. Das überrascht mich, weil ich wie häufig unausgesprochen überzeugt bin, was mich beschäftigen und umtreiben würde, könne nur mich betreffen. Ich kenne das nicht anders; in meinen ersten sieben Lebensjahren war ich in solchen Augenblicken starker Eindrücke und Empfindungen fast immer allein.

Ich muss schnell feststellen, dass ich auch bei erotischen Erkundungen mittelmäßig bin. Ein Mitschüler führt vor, wie er mit einem kleinem Taschenspiegel in den Laschen seiner Sandalen in Treppenhäusern steht. Nicht nur ich bin begeistert. Wenn Weiber mit schwingenden Röcken und Kleidern die Treppen benutzen, ergeben sich aufregende Blicke in ihren Schritt. Derartige Einfälle habe ich nie, schon gar nicht im Zusammenhang mit dem Thema Nr. 1.

Das ist überaus spannend und faszinierend! Es beginnt eine aufregende Jagd nach derartigen Einblicken in die zahlreichen Varianten, mit denen bei Mädchen das verdeckt wird, um das es wirklich geht; um das, was sie da unten haben und was anders ist als bei Jungen. Da muss etwas sein und es muss ermittelt werden, um was es sich handelt! Etliche Jahre später lese ich bei Freud, dass diese kindlichen Erkundungen Ausdruck einer Suche nach dem weiblichem Penis wären. Wieder einmal scheint mir, dass der Mann recht hat. Aber das behalte ich für mich, denn wieder einmal sehe ich im mehrfachem Sinne keinen Raum, über so was zu sprechen.

Es beginnt eine regelrechte Jagd vieler Jungen auf blitzende Schlüpper. Manche Mädchen sind davon derart genervt, dass sie so oft wie möglich Turnhosen oder Badehosen unter Röcken und Kleidern tragen. Deshalb freue ich mich auf offizielle Anlässe, bei denen wir Pionier-Kleidung anziehen müssen. Dies nicht der Anlässe oder gar der ideologischen Inhalte wegen, sondern weil die Mädchen dann immer Höschen drunter haben und fast immer beim Blitzen geradezu leuchtende weiße. Zudem tragen viele Mädchen in der siebten Klasse dieselben Röcke wie in der Vierten, als diese Röcke bereit sehr kurz sind.

Deshalb sind diese offiziellen Anlässe für mich in besonderem Maße festlich. Eine mindestens merkwürdige Konditionierung, die ich jedoch genieße; heimlich, denn so was ist natürlich erst recht geheim.

Weil ich nach meinem Schulbeginn zum ersten Mal viele Mädchen in Gruppen erlebe, nehme ich verstärkt wahr, dass Mädchen anders sind. Das hat zunächst nichts mit den körperlichen Merkmalen zu tun, von denen ich mir ohnehin einrede, dass sie mich nicht interessieren. Brüste haben gleichaltrige Mädchen noch lange nicht und sonst sieht man ja nichts. Ich habe jedoch immer wieder diesen Gedanken, den ich nicht ausspreche, auch nicht vor mir selbst, dass Mädchen oft hübscher sind als Jungen und dass sie viel mehr und schönere Sachen zum Anziehen haben. Dies ist eher eine beiläufige Wahrnehmung, wie das Registrieren einer im ohne große Aufmerksamkeit im Vorübergehen erlebten Tatsache.

Die erste Klasse, in der ich gewissermaßen hospitiere, ist in drei Bankreihen aufgeteilt, in denen immer zwei Kinder nebeneinander sitzen. Ich sitze in der Mittelreihe links. Auf dem rechtem Platz in der Fensterreihe links von dieser Mittelreihe sitzt einen Platz vor mir ein Mädchen, das ich merkwürdig finde auf eine Art, die ich nicht genau beschreiben kann und auch nicht beschreiben will. Das liegt nicht nur an ihren dicken und langen rotblonden Zöpfen. Zöpfe interessieren mich bereits, ohne dass ich sie als etwas typisch Weibliches sehe.

Worum es geht, wird in und nach einer Unterrichtsstunde klar. Zunächst tröpfelt es nur unter ihrem Stuhl, dann plätschert es leise und schließlich beginnt sich eine Pfütze auszubreiten. Jetzt beginnt das Mädchen zu weinen in der angeblich mädchenhaften Art, über die sich mein Vater immer wieder lustig macht. Zunächst ist nur ein Schluchzen zu hören, das jedoch wie ein Sirenenton drohend anschwillt und nach wenigen Augenblicken in durchdringendem Plärren gipfelt, mit dem sie die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse und vor allem die unser Lehrerin hat.

Da dergleichen in den ersten Klassen immer einmal wieder vorzukommen scheint, ist die Lehrerin eher verärgert über die Unterbrechung ihres eben besonders engagierten Vortrags. Sie beauftragt eine Mitschülerin, das weinende Mädchen nach Hause zu begleiten und schickt einen weiteren Mitschüler zu den Reinigungskräften. Wieder einmal fällt mir auf, dass ich nie zu derartigen beinahe erwachsenen Aufträgen heran gezogen werde. Aber ich bin viel zu beschäftigt mit dem sensationellem Ereignis, dass eine Mitschülerin sich im Unterricht einnässt, als dass ich darüber nachdenken kann.

Jetzt mache ich eine wichtige, aber empörende Entdeckung. Unter dem Stuhl des Mädchens ist schließlich eine große Pfütze. Da ihr Rock während des peinlichen Ablaufs jedoch von der Sitzfläche herabhängt, sind nur Höschen und Strumpfhosen nass. Aber man sieht nichts, als sie aufsteht. Bei Jungen dagegen sieht man immer sofort, wenn sie eingepisst haben. Das ist unfair und ungerecht! In diesem Augenblick nehme ich vielleicht zum erstem Mal bewusst einen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen wahr.

Ein paar Tage später muss ich meine Eltern in die Stadt begleiten. Wir treffen das Mädchen, das ebenfalls mit seinen Eltern eine Art Einkaufsbummel macht. Sie begrüßt mich geradezu stürmisch und ich bin neuerlich fassungslos. Dies nicht nur, weil ich wieder einmal Gefühlsäußerungen Anderer ihrer Heftigkeit wegen schwer ertragen kann. Vielmehr bin ich insgeheim überzeugt, dass das Mädchen nach ihrem erst wenige Tage zurückliegendem Malheur im Boden versinken müsste. Stattdessen ist sie überschwänglich freundlich und fröhlich!

Es wird mir etwas deutlicher klar, warum und inwiefern ich dieses Mädchen merkwürdig finde, und keineswegs im abwertendem Sinne. Das in die Hose machen im Klassenraum ist nur ein Höhepunkt dieses Verhaltens. Sie tut andauernd Dinge, die sie meinen Erfahrungen nach zum Sündenbock oder gar zur Zielscheibe machen müssten. Das geschieht aber nie. Im Gegenteil ist das Mädchen bei Schülern und Lehrern gern gesehen und beliebt. Das finde ich wiederum unfair und ich verstehe es nicht.

Natürlich bin ich auch hier nicht fähig, den Sachverhalt zu beschreiben. Ich nehme aber durchaus wahr, dass die Situation des Mädchens damit zusammenhängen könnte, dass die Eltern bedingungslos zu ihr stehen, und zwar nicht in ihrem Recht, sondern in dem des Mädchens. Erst recht vermag ich nicht wahrzunehmen, dass ich neidisch und eifersüchtig bin und dass meine Spießigkeit in Denken und Handeln viel früher geprägt wird, als man zu denken geneigt ist.

Zurück zu „Au-Tor, belle trist“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.