Krasser Kreml-Pop, voll schwul, Digga!*

Juri Gagarins „Mein Flug ins All“ war das erste Buch, das ich „fakultativ“ gelesen habe, d. h., freiwillig und außerhalb des mentalen Ertüchtigungsprogramms der Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule. „Die Katze auf dem Fenster sitzt/lächelt lustig und verschmitzt“, stand in dem Buch. Man muss jetzt nicht Dr. Anna Lyse zu Rate ziehen, um ermitteln zu lassen, warum ich mich gerade daran erinnern kann. Auch beschrieb Gagarin, wie er als Kind in einer holzverarbeitenden Werkstätte den Geruch des Holzes und das schaumartige Gleiten der korkenzieherartigen Sägespäne durch seine Hände genossen habe. Immer vorausgesetzt, dass ich mich recht entsinne, was trotz allem des Öfteren zu geschehen scheint.

Ähnliches, Achtung, Intelligenz-Witz, geerdet Sein, Bodenständigkeit usw., findet man auch bei anderen Weltraumgestaltern wie z. B. Jähn. Das, liebe kapitalistische Menschen, ist halt Dialektik! Wie ich schon mehrfach launig anmerkte, könnte ich die Problematik meines Lebens unter anderem auf den Punkt bringen mit dem Verweis auf die Tatsache, dass an meinem 17. Geburtstag der erste Deutsche ins Weltall geflogen wurde und sich an meinem 52. Geburtstag Herrndorf erschossen hat…

Nee, is‘ nich‘ witzig, habe ich auch nicht gesagt! Ich ziehe den Hut vor Herrndorf! Der wollte nicht zusehen, wie er zum Gemüse wird und hat ’n Cut gemacht. Wie oft habe ich schon diese Aussage gehört, sinngemäß, wenn man Krebs bekäme oder Alzheimer oder MS, wenn man im Rollstuhl sitzen müsse usw., dann würde man Schluss machen. Nee, macht man nicht, weil man am Leben hängt, sei es noch so „beschissen“. Das ist relativ, deshalb die Anführungsstriche. Herrndorf hat in diesen wahrlich letzten Dingen Konsequenz bewiesen. Diese Grundhaltung war es mit Sicherheit auch, unter anderem, die ihm das Schreiben von Geschichten ermöglicht hat, die, Achtung, entsetzlich durchgekaute Floskel, einen Nerv getroffen haben. – Na, Herr Koske, sind das wieder die sauren Trauben? Schnauze.

Das erinnert mich an einen anderen Schriftsteller, den Russen Juri Nagibin, womit ich beinahe beim Thema bleibe. Der beschreibt in seiner Novelle „Auf dem Gipfel des Ruhms“ einen sehr erfolgreichen Wissenschaftler, der sich umbringt, weil die Geliebte seines Lebens ihn verlässt, aber zum im Story-Titel angedeutetem Zeitpunkt. Das muss eine Frau von Charakter gewesen sein, die mit einem Typen Schluss macht in dem Augenblick, wo Ruhm und Kohle usw. rein kommen.

Am Ende der Geschichte wundert sich ein Kollege über diesen Selbstmord an diesem markantem Punkt eines Lebenslaufes. Ein weiterer Kollege erwidert darauf, deshalb würde er, der sich Wundernde, als Wissenschaftler nie über Mittelmaß hinaus kommen, weil er nicht in der Lage wäre, sich umzubringen, wenn die Frau ihn verlassen, die er über alles lieben würde. Emotionales Engagement zählt, nicht unbedingt, als Beispiel, ein Studienabschluss mit „summa cum laude“ ohne Beschiss, sorry. – Na, Herr Koske, sind das wieder die sauren Trauben? Schnauze.

Dergleichen habe ich mit 15, 16 gelesen, Bilanz- und Krisenprosa für Leute 40+. Das scheint, wie ich gleichfalls bereits thematisierte, eine „interessante“ Form subtiler Parentifizierung. Aber ich habe mir so was gemerkt und ich scheine Etliches begriffen zu haben, das ich dann wieder verdrängt habe. Das scheint mir über meine Person hinaus bezeichnend, weswegen ich hier einige Worte dazu sage.

Beispielsweise habe ich mich immer geärgert, dass ich während meines letzten Therapieversuches nur ungefähr zweitausend Mal zu hören bekommen habe, was eine Symbiose wäre, während kein Mitglied des Freudeskreises Anna Lyse auch nur einmal anschaulich und überzeugend darzulegen versuchte, wie denn eine konstruktive, „gesunde“, „normale“ usw. Partnerschaft aussehen müsste. Das ist auch nicht Aufgabe einer Therapie, wie ich heute immer wieder denke, gewissermaßen modellhafte Entwürfe für den Lebensvollzug anzubieten, oder? Noch heißt der Beruf „Therapeut“ und nicht „Life Content Manager“, oder? **

Andererseits gibt es die Logotherapie und Existenzanalyse des wirklichen Weisen, nicht ironisch gemeint, Viktor Emil Frankl, als Dritte Wiener Schule der Psychotherapie usw. Na ja, mittlerweile gibt es hunderte therapeutische Schulen und Richtungen, und alle haben Recht. Wenn man als emotional Beeinträchtigter nach der passenden Therapie sucht, kann es Einem passieren, dass man bei der Suche noch einige weitere Symptome entwickelt. Was nun aber mich betrifft, denn ich will wieder einmal über mich sprechen, weil ich das selten tue, so werde ich die paar Jahre auch noch absolvieren, die mir gegeben sind hienieden, ach…

Allein – ich habe schon einmal alles gewusst… Ebenfalls als körperlich Pubertierender habe ich „Das strahlende Metall“ von Wilhelm Strube gelesen, einen biografischen Roman über Marie und Frédéric Joliot-Curie, und zwar, wenn ich mich recht entsinne, zweimal hintereinander, Alta!

Ein gemeinsames Projekt, eine gemeinsame Aufgabe, gemeinsame Ziele, etwas Drittes, Außer- und Überpersönliches, das über individuelle Bedürfnisse und Erwartungen hinaus geht bis zu, igitt, Werken für die Großgruppe Menschheit, das ist es vielleicht, was zusammen hält. Nicht die Pärchenscheiße, die sich nach neuesten Erkenntnissen eh‘ nach drei Jahren tot gelaufen hat. Nicht, dass Mann sich nicht mehr abmühen muss, bis zur Begleitung in den Schuhladen, jemanden zu finden, der ihn regelmäßig ran lässt, und so weiter. Manchmal kommen Kinder, steht im Internet.

Wieso habe ich so was mal gewusst, und dann nicht mehr? Das widerspricht doch den Prämissen von Erziehung, was immer das sein mag? – Wir bleiben dran, wir berichten, *hüstel*…

Was aber Major Tom betrifft, so dürfte der inzwischen Lieutenant General oder im Ruhestand sein. Das ist auch wieder eine tragikomische Sache, dass ich erst vor ein paar Jahren auf Bowie wirklich aufmerksam geworden bin. Der hat seine chronische Chamäleonose (morbus zelig) konstruktiv transformiert, oder so ähnlich.

Bla.

PS: Aktuelle Rückmeldungen per Mental-Funk? – ‚Kabarett!‘ Vergesst es!

** Mitnichten will ich mich lustig machen, vielmehr ich es, ohne Ironie usw., ganz erstaunlich finde, was da bei dem technischem und vor allem dem „sonstigem“ Background zustande gekommen ist. Ich meine – die Beatles haben auch mit Vier-Spur-Aufnahmen angefangen, hihihi. Und so. Bla.
** Sollte ich diese Berufsbezeichnung rechtlich schützen lassen? – Ich muss das noch einmal mit meiner inneren Gruppe durcharbeiten!

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