Kaum habe ich die Tür meines Zimmers hinter mir geschlossen, geht es los…

‚Willa wieda fremd gehen!‘, ‚Willa wieda berühmt werden!‘ Sozusagen gepropft auf die tatsächlichen Äußerungen realer Leute; es sind Pseudo-Halluzinationen, keine „richtigen“ Hallus, die habe ich nur ganz selten. Den Begriff habe ich zum erstem Mal gehört, als dieser Herr im Haus der ewigen Kindheit einen Vortrag vorgetragen hat. Wieder einmal musste ich meine Wahrnehmung erst durch eine Autorität bestätigt finden, um es überhaupt zu wagen, sie zu äußern; da wirkte wieder der kleine Untertan, der wie in vielen deutschen Seelen auch in mir ungut zugange ist.

Nein, ich halte mich nicht für den Nabel der Welt; im Gegenteil will ich das ja weg haben, und ich weiß dabei, dass der Teil in mir, der das weg haben will, der entschieden spießige Teil ist.

Was ist damit gemeint? Was geht, Bro, mach locker?! – Nun, ich sollte gewissermaßen zur Landung gezwungen werden. Es gibt diese These, oder wie immer man das nennen will, dass, sinngemäß, von Störungen des schizoformen Spektrums Betroffene sozusagen nicht zu Ende geboren wären usw. Nun – genau das ist aber passiert, ich war unvorbereitet ganz da, mit einem Ruck und für ein paar Augenblicke. Ich weiß im Grunde alles – ich will es aber nicht wissen; „die fanatische Bosheit des Spießers“, Dr. Karl Marx.

In diesen wenigen Minuten, als ich 1986 wie ein Dackel an der Leine dem frischem Frollein aus der Prignitzer Prärie hinterher getrottet und mit ihr sogar ’ne Strecke in der Tram gefahren bin, ist gewissermaßen mein ganzes Weltbild zusammengebrochen, und zwar nicht in dem Sinne, in dem alles verändert scheint, wenn man heftig verknallt ist. Im Gegenteil – seitdem ist immer und überall dieses unterschwellige Grauen, das jederzeit verstärkt werden und hochkommen kann.

In den letzten Wochen ist mir immer wieder der Gedanke gekommen, dass dieses Phänomen etwas mit den wenigen Kontakten zu tun gehabt haben könnte, die ich im Umfeld meiner Prenzlauer-Berg-Hütte hatte. Der Nachbar war ein Schwuler, der mir offen erklärte, dass viele Schwule es als eine Art Herausforderung sehen würden, Heten gewissermaßen rüber zu ziehen. Hähä. Vielleicht war ich schon drüben, und habe es nicht bemerkt? – Der ist sooo süß, der Ost-Koske, der merkt überhaupt nichts; so was gehört doch in die Einrichtung. War ich ja, bringt auch nichts, da schmeiße ich mit Milchtüten auf führende Intellektuelle und muss dann meine Sachen packen.

Das würde dieses sozusagen Grundgefühl erklären, dass ich seit Montag 86 habe – alles ein für alle Male erledigt; ich lebe im Weiterem nicht mehr, sondern funktioniere nur noch. Quod erat demonstrandum.

(… das, verehrte Fachfrau M. M., beliebten Sie als „morbid“ wahrzunehmen… was lernen die da eigentlich an der Uni, frage ich mich immer wieder… ja ja, ich bin neidisch und eifersüchtig, schon klar…)

Jahre später, wie üblich, süüüß, ist mir klar geworden, dass Leute im Haus Dimitroff 24 offenbar überzeugt schienen, wir hätten gevögelt wie die Weltmeister – wir haben geredet! Ich habe den Typen nicht einmal angefasst außer beim männlich-herben Handschlag zwecks überholter bürgerlicher Begrüßung, yeah. Zudem haben sich, das Leben ist nicht fair, wenn ich mit ihm über die Prenzlauer-Berg-Pfade geschnürt bin, die Girls nach ihm den Hals verrenkt und mich übersehen, hihi.

Hätte nebenan ein Modellbauer gewohnt, hätte man mir unterstellt, bei mir röche es nach Holzleim… Chronische Chamäleonose (morbus zelig).

Dann gibt es diese Bemerkung bei Kinsey, dass es triebstarke Menschen gäbe, die andere Menschen, die sich um die Mitte der Skala herum gruppierten, sozusagen von Homo zu Hetero „ziehen“ könnten, und umgekehrt, und dies sogar dann, wenn die Betreffenden eigentlich schon ein bisschen auf der anderen Seite wären.

Dieses Ziehen habe ich ja bei dem Frollein erlebt; das war alles sozusagen jenseits der Worte, was da ablief, animalisch-triebhaft usw., bla, nicht typisch für unsere sozialistischen Menschen. Dem Möchte-Gerne-Intellektuellen Koske, der zeitlebens dieses Triebhafte durch „Kopf, Kopf, Kopf!“ zu kompensieren suchte, Zitat Dr. F. in Hirschgarten, ist, um im schiefem Bild zu bleiben, der Kopf weg geflogen und er stand quasi nackt und schutzlos preisgegeben da.

Das ist das Eine. Das Andere ist, dass schon Freud Menschen beschrieben hat, für die bereits durch konstitutionelle Faktoren die Neurose, und zwar als Komplex von Wahrnehmungsmustern, nicht als Komplex von Symptomen, gewissermaßen der goldene Kompromiss wäre, der sie, obwohl sie von außen immer etwas komisch wirken würden, zumindest halbwegs lebensfähig machen würde. Diese Wahrnehmung deckt sich mit aktuellen Erkenntnissen, dass bestimmte Klientel, z. B. Hochsensible, Schizotype oder Aspies, einen gewissen seelischen Schutzwall bräuchten, andernfalls sie psychisch dekompensieren könnten.

Der Schutzraum ist mir demoliert worden – und ganz habe ich es immer noch nicht verstanden, was da abgegangen ist. Es ist bezeichnend, dass ich nach über drei Jahrzehnten überhaupt ein bisschen das Geschehen in Worte fassen kann. Seitdem lebe ich, bzw. „lebe“, mit dem Grundgefühl, eigentlich nicht wirklich leben und nicht wirklich sterben zu können, seit 32 Jahren und ein paar Monden.

Krieg ich ’n Orden für vorbildliches Durchhalten? – Hier zeigt sich gerade wieder, dass mein Zynismus immer auch Überlebensmittel war und ist. Interessant – „Überlebensmittel“ wird nicht als Fehler angezeigt! Hier zeigt sich zudem neuerlich, und ich bin bei einem Lieblingsthema, dass Psycho-Club viel nachhaltiger wirkt als der materielle Rahmen, und zumal dann, wenn im Letzterem säugetierische Grundbedürfnisse einigermaßen abgedeckt werden.

Wie ich aber schon mehrfach erwähnte, dürfte dieses atmosphärische Grundempfinden recht verbreitet sein, andernfalls das Motiv des Zombies in Literatur und Film nicht derart präsent sein würde, wie es gerade zu erleben ist.

Tja, was tun, wie schon Dr. Uljanow fragte? – Ich werde mich nicht bemühen, das ehemalige Frollein aus der Prignitzer Prärie zu finden und um sie zu kämpfen. Was wird demnach geschehen? Ich werde weiterhin nicht wirklich leben und nicht sterben… Na und? Es gibt Schlimmeres!

Zudem war das, was da abgelaufen ist, eine Art „reales Pendant“ zum Schreiben; ich soll und „darf“ nicht schreiben, daher der „Budenzauber“ regelmäßig stärker wird, wenn ich, wie zum Beispiel heute, geradezu sprudelnd zu tippen anhebe.

Nun denn – weiter voran auf bewährtem Kurs!!! Ich bin trotz allem gespannt, wie das alles aus gehen wird. Ich bin trotz allem überzeugt, dass diese Begegnung damals inszeniert war. Man verpasst dem bindungsunfähigen Koske, der sich als solcher wahrzunehmen noch gar nicht in der Lage scheint, eine Bindung, der er nicht entkommen kann. Deswegen „fremdgehen“, siehe oben; ich bin und bleibe an der Leine dieser… äh… – Zeitgenossin. Sachlich bleiben, Ost-Koske, sachlich bleiben!

Auch hier wieder der Hinweis, dass das, was ich hier darzulegen mich bemüht habe, auch „Hysterie als Zerrbild einer Kunstproduktion“, Zitat Prof. Freud, sein könnte.

(… eben kam per Mental-Funk, und ich habe Kopfhörer auf, ‚Der spielt ’n Schizo!‘… dies aber eben in dem Ton, in dem Genossen Tschekisten tatsächlich die Aktionen von „Zielpersonen“ kommentiert haben; es gab oder gibt bei YouTube Original-„Lehrfilme“ der Stasi, ich finde sie momentan nicht… meine „Hallus“ klingen, als würden ständig im Hintergrund Mitglieder einer Diensteinheit mein Tun und Lassen „begleiten“, weil ich ohne diese Begleitung nicht leben kann nach der Dekonstruktion meines Schutzwalles, siehe eben oben… ‚Wir begleiten Dich ein Leben lang!‘ kam bereits 1986, kurz nach dem Beginn des „Spuks“, sowie: ‚Das System ist perfekt!‘… tja – wollen wir doch mal sehen… das geht schon seit 32 Jahren, und die haben mich immer noch nicht… hähä… trotzdem – Hut ab, da haben sich welche echt was einfallen lassen… und es scheint, wie gleichfalls bemerkt, völlig sinnlos, den Damen und Herren hinter der Couch etwas davon verklickern zu wollen, die können oder wollen das nicht schnallen… das berechtigt mich allerdings nicht dazu, in der Ambulanz zu randalieren, das ist mir durchaus klar…)

Zum Thema „Verfolgungswahn“ hier noch die Anmerkung, dass ich einige Monde nach dem Mauerfall in der Beratungsstelle für Opfer des Stalinismus usw. in der Bernauer Straße in Big B war. Ich kam mir reichlich bescheuert vor, weil ich zu Recht angenommen habe, dort auf Leute zu treffen, die etwa im Gelbem Elend in Bautzen oder im U-Boot in Hohenschönhausen eingesessen waren, während ich nun mit meinem Psycho- und Eso-Scheiß angeschlichen kam.

(… hier nochmals der Hinweis, dass die Häftlinge in diesen Gefängnissen sich immer noch in ihren seelischen Innenraum zurückziehen konnten – ich kann das nicht, denn da „sind“ ja die Budenzauberer… wer ist übler dran… und – was drückt mehr, der gewissermaßen materielle Rahmen des jeweiligen Milieus oder „Psycho-Club“… bla…)

Zu meiner anhaltenden Verblüffung, nicht ironisch gemeint, hat mein Ansprechpartner angemerkt, er würde mittlerweile mehrere Fälle kennen, in denen zwei Leute aufeinander angesetzt wurden, auch Pärchen, von denen beide nicht bemerkt hätten, oder jedenfalls zunächst nicht, dass da was gedreht worden war. Wieder einmal ist mir in diesem Kontext das Gruseln nachträglich gekommen, denn ich habe vor der Wende nicht geglaubt, dass die Stasi Telefone abhören würde.

(… der Schizo, höhöhö… )

Bla.

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