Man liest. – Sich (?)

Es ist nicht nur ein Klischee! Ein paar Tage wenig oder gar nichts essen war nicht halb so krass wie einige Zeit ohne die Möglichkeit, sich in einen Innenraum zurückziehen zu können, wozu ein gewisser abgeschlossener Außenraum notwendig scheint. Ganz abgesehen davon, dass mir dergleichen ohnehin gut tut bei meinem infolge meiner Körpergröße kaum bemerkbarem Viertelzentner zu viel nicht nur auf den Rippen.

„Was ist neu?“ Ich liebe diesen Textbaustein, sorry! Man muss das doch mal aussprechen dürfen

Ich lese wieder recht viel, und das ist ein Fortschritt. Dass es mir wirklich nicht gut geht, merke ich, wenn überhaupt, daran, siehe eben oben, dass ich nicht einmal mehr lesen kann.

„Die Bourne Identität“ habe ich jetzt auch gelesen, und wieder habe ich ein Klischee nicht nur als solches erlebt, denn das Buch scheint mir um Längen besser als der Film, der ohnehin mit der Glanzleistung des Hauptdarstellers steht und fällt.

Dann habe ich mir den dritten Teil von „Maze Runner“ gegeben. Jetzt geht die Frage in mir um, und ich darf das, denn ich bin schizotyp, ob es eine seltsame Synchronizität ist, dass ich in beiden Büchern dieselbe, milde formuliert, merkwürdige Identitätsschwäche finde wie in hunderten meiner Träume bzw. „Träume“. In völlig unbekannter Umgebung mit völlig unbekannten Regeln und Normen, ohne materielle Mittel im als immer selbstverständlich erlebtem Umfang, in unfroher Bewegung gehalten von der Erwartung, einen Test bestehen zu müssen, aber nicht zu wissen, wann der kommen und worin der bestehen wird. Und so weiter.

Derlei „Prüfungen“ hat mein Vater mit mir in meiner Vorschulkindheit zelebriert. Was ist das? Zeittypische seelische Schieflagen, die bis in den banalen Alltag rotlackierter Spießer hinein wirken? Na na, entspann Dich, Opa, alles easy, ejh.

Nein, ich wünsche nicht, im Unbewusstem, Trittbrett zu fahren und ich spiele nicht in Vollzug nach 28 Jahren DDR immerhin noch vorhandener histrionischer Strukturanteile Jason Bourne! Das muss zudem allein schon insofern unwahrscheinlich erscheinen, als das Buch zwar bereits 1980 erschienen, aber für mich unerreichbar gewesen ist, und dass der Film 2002 auf den Markt geworfen wurde, während mein Budenzauber vor fast genau 32 Jahren initiiert wurde. – Thx, folks!

(… ich stelle mir das immer bildlich vor… ein Bildhauer schmeißt seine neueste Venus-Skulptur auf den Marktplatz einer Kleinstadt und erklärt auf die Frage des KOB, er habe hiermit sein neues Werk auf den Markt geworfen… sorry – ich bin Unterschicht, wir berichteten erst ca. 200 Mal…)

Dann habe ich die Autobiografie von Wolf Biermann gelesen. Ja, die Mischung meiner Lektüre ist interessant! Das Buch kann ich unseren kapitalistischen Menschen, immer aktiv und dynamisch, dringend empfehlen, oder ich bilde mir gar ein, es empfehlen zu müssen. Nur ganz kurz dazu! Das Teil ist ein Hammer und man muss es mehrmals lesen, jedenfalls, wenn man Old Ron ist, was nach übereinstimmenden Aussagen auf mich zuzutreffen scheint.

Geradezu elektrisiert hat mich die ausdrückliche Versicherung Biermanns, seine Mutter hätte ihm unbedingtes Urvertrauen vermittelt – im Bombenhagel. Das widerspricht jedoch nur scheinbar meinen diesbezüglichen „Thesen“, weil es sich um ein singuläres Erlebnis gehandelt haben dürfte. Viele Kriegs- und Nachkriegskinder dürften stattdessen existentielle Verunsicherung buchstäblich mit der Muttermilch eingesogen haben und das Defizit elementarer emotionaler Erfahrungen weiter gegeben.

Des Weiteren erklärt Biermann sinngemäß, seine Entwicklung wäre in gewissem Sinn und Maße mit sechs stehen geblieben, in diesem Feuersturm in Hamburg. Dass selbst der dieses auf einer Stufe emotionaler Entwicklung Stehenbleiben erlebt hat, ist gräulich grandios. Ich hatte schon mehrfach die Vermutung geäußert, dass Grass mit der „Blechtrommel“, schon wieder Klischee-Alarm, einen Nerv getroffen hätte, weil er das in vielen Familien wirkende Lebens- und Wachstumsverbot dialektisch aufhebt, indem er den Betroffenen es sich gar im wörtlichem Sinn selbst auferlegen lässt. – Hier hätte man beginnen müssen mit Befreiung von Unterdrückung, nach der Schaffung einer materiellen Basis, hier hat man aufgehört, und nicht zuletzt deshalb haben Künstler wie Biermann als erste nicht mehr mitgespielt im Kinderheimkombinat Margot, Erich & Erich.

So weit wieder der Klugschiss to go vom unterem Rand der Gesellschaft! – Weiter voran auf bewährtem Kurs zu gar keinem Horizont mehr!

PS: Übrigens kam was mit der „Blechtrommel“ gestern Abend als Pseudo-Halluzination. Auch diesen Mechanismus habe ich bereits hunderte Male erlebt, dass abends etwas „gesendet“ wurde, was sich auf meine Handlungen des nächsten Tages bezog… Ich weiß, wie das klingt, und ich wünschte, ich könnte mir so was ausdenken. – Es gibt keine Erklärung! Es gibt Dinge zwischen Penis und Vagina, von denen sich unsere Spermien nichts träumen lassen!

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