Mein größtes Talent kommt zum Vorschein

Mein größtes Talent ist meine Fähigkeit, mich mit allem, was mir lieb und wichtig ist, so gut zu verstecken, dass es manchmal, oder gar häufig, nicht einmal hochqualifizierte Kräfte hinter der Couch bemerken. Wenn man das überhaupt so formulieren kann, denn naturgemäß sind alle meine Bindungen oberflächlich, und „naturgemäß“, weil aus meinen frühen Konditionierungen resultierend. Dann fühle ich mich sehr wohl, weil ich in meiner subtilen, wenn nicht skurril verdrehten Möchtegerne-Märtyrer-Rolle endlich wieder angekommen bin und klein-fein in der Depression kuscheln kann.

Das meine ich nicht witzig oder zynisch usw., das ist einfach, leider, die Realität. Mir ist das in den letzten Monaten irgendwann gekommen, dass kleine Kinder, wenn sie etwas fertig gestellt haben, sagen wir als Beispiel, einen Turm aus Bauklötzen, berechtigt stolz sich und ihr Werk den Zeit-, Streit- und Leidgenossen, besonders aber Erziehungsberechtigten aller Art präsentieren.

Das habe ich nie gemacht, oder fast nie. Ich hätte, um beim Beispiel zu bleiben, har har, den Turm wieder eingerissen. Mit dieser, pathetisch geschwollen gesagt, existentiellen Prägung hat man keine Chance in einer Gesellschaft, in der es wesentlich um sich zeigen und gesehen werden geht, von der humanstrukturellen Tanz-Therapie bis zum Selfie-„Wahn“ (?)

Viele, insbesondere Intellektuelle, scheinen nicht zu verstehen, dass es gar nicht um Katzen-Content geht, um die angebliche oder tatsächliche Banalität solcher Mitteilungen an die Welt wie „Sitze in der Tram und es regnet immer noch, suboptimal!“ usw. Es geht um sich zeigen und gesehen werden. Auf technischem Wege soll etwas nachgeholt und in gewissem Sinn und Maß repariert werden, was auf natürlichen Wege, insbesondere in den prägenden Phasen der Kindheit, nicht oder nicht ausreichend oder zu unsicher und ambivalent schwankend stattgefunden hat.

Weil das immer mehr Leute betrifft, was nach den Traumatisierungen in bisher nicht erlebtem Ausmaß im XX. Jahrhundert logisch ist, ist die Kamera als sozusagen technisches Äquivalent der insbesondere frühen Mutter ein Zentralapparat dieser Zeit. Ruhm ist gesehen werden. Da aber das eben angedeutete Defizit durch Ruhm nicht oder nicht hinreichend aufgefüllt wird, stürzen zahlreiche Stars und „Stars“ ab. Man findet täglich, ob man will oder nicht, -zig Beispiele dafür in den Medien.

Ist doch eigentlich ganz einfach… – Kriege ich ’n Bienchen ins Klassenbuch? Meine Güte, bin ich schlau! Wem nützt es?

Bla.

Was gerade stattfindet, ist, nach den meiner unmaßgeblichen Meinung nach grandiosen theoretischen Ansätzen von Höck und König, die Transformation der Fehlentwicklung in eine Aktualneurose. „Zu Deutsch“, stark vereinfacht, die ein Leben lang mitgeschleppten und halb oder gar nicht bewussten Grundkonflikte in Kontakt, Beziehung und Bindung manifestieren sich in den Beziehungen zu Mitmenschen der Gegenwart. Ich hoffe trotz allem, dass ich es einmal schaffe, so lange da zu bleiben, bis ich einmal eine konstruktive Lösung erlebe oder gar erarbeite, aber, ach…

Blubb blubb.

Aktueller Budenzauber? – ‚Komm, gib auf, wir nehmen Dich auf als einfacher Arbeiter!‘. Dies per Mental-Funk, und das bezieht sich darauf, dass ich wieder nur berichte und nicht dichte, nicht wirklich kreativ werde. Ich muss petzen, tut mir leid. – Tut mir nicht leid, das ist so ’ne Redewendung. Folgerichtig kam auch wieder, zum -zigstem Male, ein Traum mit dem Versuch, eine Bindung an einen Job zu erzeugen. Heute war es etwas mit Großküche, Küchenhelfer. Könnt ihr vergessen! Ich habe über drei Jahrzehnte mit solchen Jobs verplempert! Entweder komme ich jetzt durch, ins Freie usw., oder es ist Pumpe und Schicht im Schacht.

Wie machen die das? Wer macht das? Es ist genial! Ich verstehe auch immer besser, dass Mitglieder des Freudeskreises Anna Lyse dergleichen nicht hören wollen. Wenn sie akzeptieren würden, dass ich nicht spinne oder simuliere, dann müssten sie ihren Job aufgeben, weil er angesichts der Rund-um-die-Uhr-in-vivo-Therapie überflüssig ist. Hähä.

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