Gestern kam was mit „Altersheim“.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese Rückmeldung „real“ oder phantasiert war und dass ich gemeint war. Letzteres scheint mir aber ziemlich sicher, weil in der entsprechenden Situation kaum jemand anders gemeint sein konnte. An dieser Stelle ein Gedanke, den ich schon seit Langem aussprechen wollte. Es ist eigentlich gleichgültig, ob eine Mitteilung „real“ oder „halluziniert“ ist – es handelt sich immer um Kommunikation. Das erkläre man nun einem „klassischem“ Psychiater! Muahaha!

Was geht da ab, Alter, lass gehn!? – Irgendwann in der körperlichen Pubertät habe ich diese innere Kündigung vollzogen. Ein Begriff, der aus der Arbeitspsychologie* stammt, während ich das mit dem Begriff Gemeinte „im Leben insgesamt“ vollzogen habe. Ich hatte sehr schnell aufgegeben, mich um Lebendigkeit und Wachstum zu bemühen, weil mir der Aufwand dafür und der Widerstand dagegen zu groß schien. Richtig, Herr Dr. R., Teilzeit-Chassid, das hatte auch etwas mit Faulheit zu tun, das streite ich gar nicht ab.

Nicht nur mir ist heute noch nicht klar, ob diese Wende in meinem Leben durch diese unbewusste und daher umso wirksamere innere Kündigung bestimmt wurde oder ob bereits psychopathologische Abläufe einsetzten. Womöglich liegt die Wahrheit auch hier in der Mitte. Ich entsinne mich jedoch deutlich, dass eine Lehrerin einmal in Richtung dieser Pathologie ausführlich referierte. Das sollte für mich ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, was ich, ohne Ironie angemerkt, immerhin mitbekommen habe.

Ich meine, was hätte die Frau tun sollen? Damals gab es keine Therapie im heutigem Sinne. Außerdem habe ich ja funktioniert. Ich war immer unter den Schülern an der Leistungsspitze und habe die mittlere Reife mit 1.5 erworben. Zudem hatten unsere Menschen keine psychischen Störungen, weil die materielle Basis dafür beseitigt worden war. Es handelte sich um Überbleibsel der alten Gesellschaft usw., trallala.

Ich habe mich, anders formuliert, aus der sogenannten Wirklichkeit verabschiedet in die Welt der Lektüre von Romanen und Erzählungen. Genauer gesagt, endgültig zurück gezogen. Das Empfinden, das Innenleben wäre das Wichtige und das da draußen wäre gewissermaßen als Pflichtübung zu bewältigender Husch-Reiz, hatte ich schon in meiner Vorschulkindheit. Damit war ich aber nicht nur völlig untypisch für unsere sozialistischen Menschen, sondern konträr entgegengesetzt den Prämissen abendländischer Kultur.

Ja, das klingt wieder völlig überspannt, der arme Kerl braucht dringend ’n guten Fick usw., bla bla bla. Fickt Euch selbst! Aber hier deutet sich eine Problematik an, die mir weit über meine Person hinaus bedeutsam erscheint. Unter anderem deshalb schreibe bzw. tippe ich das hier.

Als Erstes drängt sich eine Frage auf, die ich leider erst vor einigen Jahren gefunden habe. „Wo sind wir, wenn wir denken?“ („Der is‘ schon wieder full wie ’ne Radehacke!“)

Übrigens hätte ich die Ausführungen von Frau Arendt über Eichmann gar nicht lesen müssen. Ich habe zumindest geahnt, was drin steht. Nein, kein Größenwahn! Es ist auch nicht „lustig“! Völlige Phantasielosigkeit, immer nur die Pflicht erfüllt usw. usf. Das kenne ich, aber nicht nur ich. Das steckt in -zig tausenden Zeitgenossen drin. „Gnade der späten Geburt“ ist eine Verkehrung ins Gegenteil, wie sie für Politiker möglicherweise typisch ist. Aber das jetzt alles nebenbei und außer der Reihe, dazu komme ich mit einiger Sicherheit noch.

Dann will ich hier weitere Überlegungen anbringen, die mich schon seit Jahrzehnten beschäftigen und die ich dennoch oder deswegen nie mündlich oder schriftlich geäußert habe. Tja, wenn man alles nur mit sich selbst abmacht…

Sehr viele Menschen, wenn nicht die meisten, eben die Masse, haben und wollen keine geistige Ebene. Fressen, Ficken, Fernsehen, oft auch nur zwei dieser Tätigkeiten. Nein, das ist nicht zynische Menschenverachtung, das ist, leider, die Realität. Man kann diese Menschen auch nicht zum Versuch eines anderen Selbst- und Weltverständnisses zwingen wollen, das wäre undemokratisch. Eines der zahllosen Dilemmata in jeder Art Gesellschaftssystem. Leider, liebe Nossinnunnossn, hat auch der sogenannte Sozialismus nichts daran geändert. Im Gegenteil, die prollig-polternde Geistfeindlichkeit wurde zum Vorzug und zur Errungenschaft umgedeutet. Siehe bzw. höre Mielkes Anmerkung nach Gorbatschows Verlassen des Spielfelds, „Jetzt ist Schluss mit dem Humanismus!“

„Bleiben sie bei sich, Herr Koske!“ Schon gut, Herr Dr. Freudlos! – Das habe ich jetzt nicht „halluziniert“, sondern bewusst sarkastisch phantasiert. Diese Rückmeldung würde aber in einer sogenannten realen Situation mit einiger Wahrscheinlichkeit tatsächlich getätigt werden von Mitgliedern des Freudeskreises Anna Lyse.

Mein Problem besteht in diesem Zusammenhang darin, dass ich immer wieder in Situationen komme… – dass ich mich immer wieder in Situationen bringe, in denen ich solchen Leuten in eingebildeten oder leider oft auch realen Machtpositionen ausgesetzt bin. Ich habe mich in meinem Leben noch nie bewusst bemüht, in irgend einem Kontext unter meinesgleichen zu kommen, süüüß!

Mit anderen Worten bin ich atmosphärisch wieder bei meinem märchenhaftem Stiefmütterchen, die einige meiner Tagebücher und Bücher aus dem Fenster wirft. Abgrundtiefer Hass auf alles Geistige. Ich habe ihn noch nicht völlig verstanden, halte ihn aber, wie schon einmal angemerkt, unter anderem für den Kern des Antisemitismus, womit auch verständlicher werden könnte, warum der nicht auszumerzen scheint.

Diese Leute können gar nicht begreifen, dass jemand Stunden und Tage lang liest und schreibt und sinistre Klangbilder erstellt usw. usf., und dabei happy ist, boah! Das ist außerhalb des Wahrnehmungsbereichs, es existiert nicht. Der Typ ist full und pennt seinen Rausch aus, basta! – Diese Rückmeldung kam bereits vor einigen Jahren real im Sinne von nicht „halluziniert“. Ab und zu bekomme ich dergleichen mit, weil ich auch nach Jahrzehnten derartiger Verstopfung nicht den ganzen Tag lang Kopfhörer auf oder Ohropax in den Ohren haben kann.

Nach außen hin bin ich ein zugegebenermaßen häufig leicht desorientiert wirkender älterer Mitbürger, der melancholisch bis verbissen durch eine sogenannte Wirklichkeit manchmal elastisch zu federn versucht und manchmal schlurft, die für ihn, siehe oben, schon immer sekundär war. Das Eigentliche kommt ja nicht rüber, es existieren keine Begriffe dafür.

Jetzt aber kommt die Pointe – Sloterdijk! Seine These, dass die Reanimation des Epoché-Menschen eines der wichtigsten Merkmale der Gegenwart wäre, sinngemäß, ist selbst von einem entsetzlich Viertelgebildeten wie mir nicht von der Hand zu weisen, weil man sie buchstäblich an allen Ecken und Enden bestätigt findet. Man, nicht nur ich!

Tja, und nun? – Gehe ich in den Waschsalon, zwecks reiner Weste usw.

Bla.

* „Interessant“ ist diese Information: „Einer Erhebung zufolge haben 24 % der deutschen Beschäftigten innerlich gekündigt.“ Ich besitze die Arroganz zu behaupten, dass hier eine der Wurzeln destruktiver Aggression wäre und dass bei deren Eindämmung hier anzusetzen erfolgversprechender sein könnte als die Verbesserung der technischen Ausrüstung der Bereitschaftspolizei. – Höhö, der Schizo! Willa wieda die Welt heilen, höhöhö!

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.