Morgenstund‘ hat ’nen Stützzahn weniger im Mund

Wieder wurde K. von der Weltgeistin gegen vier Uhr morgens geweckt, wieder hat K. lichte Momente, wenn alle Anderen im Dunklen ruhen, weil er anders ist als die Anderen insbesondere dann, wenn Keiner weiter da ist, und wieder ist ihm klar, dass er auf einen Job als Zeitungszusteller eingestellt werden soll, und wieder versucht K., sich zu wehren, denn er war schon immer im Widerstand, und wieder gelingt es ihm nur in kläglichen Ansätzen.

Bla. Jetzt ist es halb fünf und K. ist immer noch kein bisschen weise, hat aber wieder „Anwandlungen“ zum Beispiel der Art, dass er sich fragt, ob er nicht noch vor seinem Ableben versuchen sollte, den schon vor fünfzig Jahren gehabten Gedanken umzusetzen, in solchen Momenten des im doppelten Sinne wach Seins nachts draußen spazieren zu gehen.

Abgesehen aber davon, dass es mangels räumlicher Kapazitäten unsinnig sein dürfte, drinnen spazieren gehen zu wollen, würde K. dann da draußen, aua, mit Sicherheit von dienstlich kleidsam gewandeten „Kameraden Volksschützern“ frei nach Franz Fühmann angehalten und angesprochen werden, weil er enorme Schuldgefühle ausstrahlen würde, weil er gegen Gesetze verstoßen hätte, nur eben nicht gegen offizielle, sondern gegen persönlichkeitsspezifisch mindestens neurotische, was den erwähnten Kameraden verklickern zu wollen Zeit- und Energieverschwendung darstellen dürfte, wie K. aus Erfahrung weiß.

Es sind Gesetze wie: „Du sollst nicht aus der Spur kommen!“ oder: „Du sollst nicht versuchen, kreativ zu sein auch nur im weitesten Sinne, über künstlerische Versuche hinaus etwa durch Durchbrechen von Alltagsroutinen!“ und so weiter und so weiter, und ewig murmeln Bataillone von Murmeltieren.

Blubb. Alles Ausreden, K. ist einfach zu faul, und er wird auch gleich wieder tun, was Spießerchen eben tun in solchen Momenten, nämlich noch ’ne Mütze Schlaf nehmen.

Während aber jetzt der Budenzauber fast weg ist, was K., was niemanden überraschen dürfte, misstrauisch stimmt, wird er dann, wenn K. noch einmal weggenickt sein wird, wieder einsetzen, und so ist es halt, das grauhaarige Kind mit Brille, das sich zudem nach 36 Jahren an den Spuk gewöhnt hat.

In diesem Sinn – fuck! – Das wird man ja wohl noch sagen dürfen in dieser unserer dynamischen Postmoderne.

***

Was war das vorgestern? Wieder diese totale Veränderung der sozusagen atmosphärischen Weltwahrnehmung, die in Worten schwer darstellen zu können K. erst höchstens dreißig Mal beklagt hat und allerdings zu Recht.

Es wird „heller“ gar im wörtlichen Sinne von „Stimmungsaufhellung“, alle Eindrücke werden intensiver, alle und alles scheinen wichtiger, näher, vertrauter; ach, lass es, Dinogenes, es ist nicht in Worten abbildbar, was da abgeht.

Ja, na ja, und dann war K., voll schwul im doppelten Sinne, vor dem Sub in der Müllerstraße, wo er, what a joke, nicht im Traum hingewollt hatte; merkt nich‘, dissa schwul is‘, merkt nich‘, dissa schwul is‘, hähähähä.

Immer wieder „vergisst“ K. den Budenzauber, und immer wieder muss er dann feststellen, dass er, milde formuliert, einem Irrtum aufgesessen war mit dem auch vorgestern wieder entwickelten Empfinden, im doppelten Sinn ins Freie gelaufen zu sein.

Es gibt das Freie nicht; alles ist determiniert, und dies eben nicht im Sinne angeblich psychotischen Empfindens des „gemacht Werdens“ von Realität. Manche machen Filme draus erstellen audiovisuelle Kommunikate zum Thema, wie „Dark“, andere dümpeln in ihrer von Symptomen überfüllten Filterblase vor sich hin und kauen Mitgliederinnen und Mitgliedern des Freudeskreises Anna Lyse eher erfolglos mehr Ohren ab, als denen je wachsen könnten selbst bei weiteren Fortschritten der Gentechnik, heule heule.

Wer ist schuld? – Die Eltern, die Stasi, die Erichs! K. hat nichts gemacht, außer natürlich immer das, was er getrunken und gegessen hat.

Den Gedanken jedoch, der K. in diesem Kontext immer öfter kommt, hält er gleich selbst für krass ballaballa; den Gedanken nämlich, dass der angeblich männliche Drang zum Krieg Führen im „Kleinen“ wie im „Großen“ aus dem Bemühen folgt, dieser Determination zu entkommen.

(… uhuhu… gibt er wieder den Genius… willa wieda ’ne Umschulung zum Quantenmechaniker machen… hihihi… hatta wieda was aufgeschnappt, der Viertelgebildete… hähähähä…)

Na ja… Es ist jetzt fünf nach halb sechs, was es allerdings zugegebenermaßen auch ohne „na ja“ wäre, und: „Nachti, Nachti!“, wie Karl immer gesagt hat, der beste Freund von „Herrn Lehmann“.

So. – Bla.

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