(… Morgenstund hat keine Dritten im Mund…)… (… oder so ähnlich…)

Es ist jetzt 04.44 Uhr, was ja schon schön klingt, nicht wahr, und es ist in den letzten Wochen und somit den ersten dieses unseren im mehrfachen Sinne recht frischen neuen Jahres schon mindestens ein halbes Dutzend Mal geschehen bzw. geschehen worden, dass K. morgens gegen drei bis fünf Uhr wach geworden wurde, wobei er just itzt auf seinem Lotterlager liegend und mit einer gewissen zierlichen Anmut ins Tablet tippend zu seiner eigenen Überraschung gackernd erheitert war über seine Freudvolle Fehlleistung „hell“ statt wach geworden wurde“, und er weiß genau, dass diese, *hüstel*, Erweckung keine präsenile Bettflucht ist oder nicht nur eine solche, vielmehr er dergleichen schon vor Jahrzehnten erlebt hat und ihm auch daher klar sein muss und klar ist, dass die Weltgeistin oder wer auch immer ihn neuerlich auf Nacht- bzw. Morgenarbeit einzustellen versucht wie Printmedien durch die Nacht tragen und in diese Blechkästen in den Hausfluren stopfen.

K. kann nicht leugnen, und er will das allerdings zugegebenermaßen auch gar nicht, dass er auf diesen eben oben in die virtuellen Tasten getasteten Satz ganz tief drin ein ganz kleines bisschen stolz ist, weswegen es ihm mehr als sonst bei diesem ewig murmelnd grüßenden Murmeltier schnurz und schnuppe ist, dass er nun mit Mentalfunksprüchen des Inhalts rechnen muss, er würde sich Mannhaft für den Nachfolger des Großen Lübecker Wortsetzmeisters halten, obwohl er die mental funkende Virtuellenbogengesellschaft erst höchstens ein Dutzend Mal darauf hinzuweisen sich bemüht hat, dass es einen solchen Nachfolger gar nicht geben könne, was man auch wissen würde, wenn man Thomas Mann wirklich gelesen hätte.

Hat K. eigentlich seine Pflicht erfüllt und, *albern kicher*, die Weltgemeinschaft darüber informiert, dass er sich letztens, denn einmal im Quartal wird er nach Ankündigung planmäßig ganz spontan, für eine Wohnung in Lübeck beworben hat,*besonders albern kicher*?

K. musste sich bewerben, weil er sich geärgert, wenn er es nicht wenigstens versucht hätte, denn es handelte sich um ein Superschnäppchen; zwei Zimmerchen unterm Dach in einem Uralt-Giebelhaus in der Glockengießerstraße, in der, und das muss jetzt kommen, die auch den „Buddenbrooks“ bekannte Frau Stuht gewohnt hat, „die in den ersten Kreisen verkehrte“.

Vor allem wäre die angegebene Miete in M, Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren, für einen äußerst plumpen Versuch der Veräppelung dieser unserer postsozialistisch-kapitalrestauratiefsinnigen Menschen, immer aktiv und dynamisch, gehalten worden.

Natürlich aber haben auch andere Leutinnen und Leute von diesem Superschnäppchen hansemütterlichen Seewind bekommen, weswegen die Anzeige bereits nach zwölf Stunden entfernt worden ist.

K. hatte jedoch bei diesem zugegebenermaßen kläglichen Abklatsch eines Geniestreichs den Hintergedanken, dessen generiert Werden von seinem störungsspezifischen Größenideen ihm durchaus bewusst war, dass Lübeck eigentlich eine Art virtuelle Heimat für ihn wäre, weil in gewissem Sinn und Maß eine Heimat auf einer geistigen Ebene, „weil unser einziges Nest unsere Flügel sind“, wie ein Dichter gesagt hat, dessen Namen K. selbstverständlich entfallen ist, was jedoch ebenfalls nicht altersbedingt ist, vielmehr K. auch in dieser Hinsicht schon immer so war, wofür, nun schon zur Tradition geworden, um diskrete Anteilnahme gebeten wird.

Voll schwul, Digga; kriegst ’ne Rastung. – Man muss zugeben, auch dieser hier eben vollzogene heftige Stilbruch hat was, tandaradei.

***

Dabei hatte K. den Job des Zeitungszustellers schon vor Wochen ins Auge gefasst, um einen Fernkurs oder ein Fernstudium zu finanzieren oder erst einen Fernkurs und dann ein Fernstudium.

Hat K. das seiner völlig zu Recht unübersehbaren Nichtleserschaft berichtet? – Nee, hatta nich‘, machta jetze, ejh.

K. hat sich vor einiger Zeit neuerlich nach dem Motto „Hagen wagen ohne Klagen und ohne zu fragen“, an der Fernuniversität gar artig inskribieret und hat dann innerhalb 48 Stunden alle Leistungen vom Amt gestrichen bekommen, wobei die amtlich zuständige Sachbearbeiterin ihm einige Dutzend Seiten aus dem Gesetzbuch ausgedruckt hat, aus denen eindeutig hervorging, dass dieses Fernstudium für vierfach Verhartzte nicht möglich wäre, was K. geglaubt hatte, sooo süüüß, weil selbst inhaftierte Bürger sich an der Fernuni einschreiben können und das auch immer wieder tun, tandaradei!

Nun hat K. zwar morgen einen Termin im Amt, bei dem es darum gehen soll, was noch geht, amtlich finanziert umschulisch und fortbildend, beim grauhaarigen Kind mit Brille K., aber der ist, was niemanden überraschen dürfte, sehr pessimistisch, diesbezüglich.

K. wird immer wieder mit Mentalfunksprüchen aufgefordert, seine Pläne für sich zu behalten, aber er plauscht hier dennoch und erst recht ein wenig darüber, denn er war schon immer im Widerstand, ha!

Nämlich hat K. sich gedacht, bzw. es dachte in ihm, denn er macht ja nichts außer immer wieder das, was er gegessen und getrunken hat, wie sein unmittelbar vorgesetzter Vorfahre zu sagen pflegte, dass er doch einem kleinem Zusatzjöbchen nachgehen, mit dem er zunächst einen Fernkurs finanzieren könnte, und „zunächst“, um zu prüfen, ob er so was noch bringen würde, denn er ist ja auch einer der Jüngsten nicht mehr, wofür er aber nichts kann, vielmehr sich das ergeben hat, zefix.

Ein solcher Kurs hätte zudem den Vorteil, dass K. die sozusagen Lerngeschwindigkeit selbst bestimmen könnte, denn er hat durchaus die Absicht, was er nun aber wirklich für sich behält, endlich einmal wieder zu zeigen, was er noch so drauf hat außer mit dem Finger in der Nase bohrenden Fragen nachzugehen und verdrossen am Präputium zu zupfen, allerdings immerhin nie beides gleichzeitig.

***

Es ist jetzt 06.37 Uhr, und K. wird nun, nachdem er ein bisschen abgehoben hat, keineswegs anheben, etwas zu tun, sondern spießerchenmäßig, what a joke, Toleranz gegenüber homoerotischen Neigungen vortäuschen, indem er sich neuerlich in Morpheus‘ Arme sinken lässt.

K. hat das Gefühl, „verkatert“ zu sein; irgendwie hat diese Eruption von Textmasse nichts gebracht, zumal K. wieder, Klappe, die x+1., nicht richtig gedichtet, sondern nur wieder berichtet hat, und wahrscheinlich wird er in diesem Leben nicht mehr über diese Hürde drüber kommen, aber erstens gibt es Schlimmeres und zweitens ist das besser als nichts, zumal es K., und er weiß das aus Erfahrung, ohne diese Textouren noch übler gehen würde als sowieso und überhaupt und ohnehin.

Oder so. – Was aber die heutigen Traumprüfungen angeht, so können sie unter der Rubrik „Wie üblich“ abgeheftet werden.

K. ist in der Gegend um das Frankfurter Tor in Big B zugange; er findet nicht zurück zu Orten und Personen, an oder mit denen er noch was zu erledigen hat, was nicht einmal ihn selbst nicht einmal im Traum überrascht.

In einer Szene muss K. eine Art Trank aus Apfelstückchen bereiten, was ihm offensichtlich früher schon einmal gelungen war, jetzt aber nach der eben oben angedeuteten Rückkehr an einen Ort nach Erledigung eines Auftrages nicht mehr gelingt; nicht bestanden, was sonst.

Hier könnte ein Tagesrest verarbeitet worden sein; in „Dark“ erscheint mehrfach unvermittelt Noah vor dem Höhleneingang und schnippelt mit einem Taschenmesser Apfelschnitze von einem, Überraschung, Apfel.

Ob sich die Macher solcher Filme bewusst sind, dass sie nicht nur dichten und phantasieren, sondern zumindest auch dicht an realen Interventionen der Weltgeistin sind? – Auch dies ist eine rein rhetorische Frage…

Es ist 07.12 Uhr, und es beginnt zu dämmern, wenn vielleicht auch, what a joke, nicht bei K., und K. ist trotz allem ein bisschen angetan davon, dass er in aller Herringöttinnenfrühe, immer hübsch politisch korrekt gendern, nicht wahr, garstige Hobbitse, 1313 Wörter in sein Tablet getastet hat, was aber keine Arbeit ist, sondern psychopathisch asozialer Eskapismus.

Auch ist M, Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren, allerliebst silbrig überzuckert, nachdem es draußen stundenlang kleinflockig zwar, aber beharrlich geschneit hat, wobei K. allerdings durchaus klar ist, dass man, wenn es drinnen schneit, jemanden anrufen sollte.

„Kleiner Scherz zur Auflockerung!“, wie der völlig zu Recht schon des Öfteren zitierte Oberstleutnant Sanftleben gesagt hätte.

Während der Niederschrift bzw. Niedertippe des hier geposteten Postings hat K., um der Vollständigkeit halber auch das zu erwähnen, etliche Mentalfunksprüche empfangen müssen, zum Beispiel kam etwas mit Müllabfuhr, bei der K. wohl wieder einmal anfangen sollte, und dann wurde mehrfach: ‚Lauf!‘ gesendet, und K. wird das selbstverständlich nicht tun, denn er war schon immer im Widerstand, ha!

Unrockbar, der Typ, und er schließt nun deshalb wieder die Augen, die lieben Fensterlein usw., und so lebe denn einstweilen wohl, herbe Dame Welt!

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2 Antworten zu (… Morgenstund hat keine Dritten im Mund…)… (… oder so ähnlich…)

  1. Herr Ösi sagt:

    Und hier sind sie, die Berührungspunkte zwischen Deutsch und Englisch…

    Hell ist ja nicht nur hell, hell ist auch die Hölle. Verdammt hell draußen… oder klar ist es in der Hölle ständig hell, weil ständig irgendwas brennt. Sonst wär es in der Hölle kalt. Und das will ja auch keiner haben…

    (Soweit meine „hellen“ Gedanken nach Einbruch der Dunkelheit)

    *Räusper* Ab.

    • Herr Koske sagt:

      Das, aua, leuchtet ein…

      (aus unserer in weiten Kreisen völlig unbeliebten Serie „Herr K. übt, sich kurz zu fassen, um die Weltliteratur zu schädigen“)

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