(… diese wohlige Abgestumpfheit ist das Schönste am Spießerdasein…)

Eben wieder! Zum Beispiel liest K., dass im Iran der erste Demonstrant hingerichtet worden wäre; ja, und er liest das und geht dann zur Tagesordnung über. Was soll man auch machen, nich‘, bla. Es ist krass, und immerhin empfindet K. das so, dass selbst oder gerade solche durchgekauten Sprüche dieses je nach Standpunkt des Betrachters berühmte oder berüchtigte Fünkchen Wahrheit enthalten. Auch muss K. wieder an den Jungen in diesem Woody-Allen-Film denken, der, nachdem er erfahren hat, dass das Weltall „explodiert“, keine Hausaufgaben mehr machen will, muaha. Ja, es ist gerade nicht angesagt, den Meister Konigsberg zu erwähnen, aber das ist K. völlig schnurz und schnuppe, denn er ist im Widerstand, ha!

Wenn man emotional reagieren würde auf das, was passiert in der Welt, und auf das, was unterlassen wird, müsste man eigentlich von früh bis Abend schreiend und tobend durch die Gegend rennen. Aber das geht nicht, das ist irre, und dann kommen die kleidsam weiß oder hellblau oder grün gewandeten Jungs und vollziehen geübt gezielte Würfe mit diesen Kanülen sedierenden Inhalts. Ja, auch die Mädchen, ist ja gut; kämpft man schön!

Bla. Das war nicht immer so. Immer noch und immer einmal wieder laboriert K. aufs Unergötzlichste an seinen Lebensreportagen herum, und er wird das so lange tun, bis er das Gefühl hat, die wären jetzt einigermaßen fertig. Deshalb fallen ihm Episoden ein, in denen er bei solchen Meldungen wütend und aufgewühlt war; damals, als er noch keine hoffnungsvolle Zukunft hinter sich hatte. K. erwägt immer wieder, „Lebensreportagen“ rechtlich schützen zu lassen, weil ihm scheint, das hätte was, das Wort. Na ja…

Vielleicht ist das für K. die sozusagen Definition des Spießers…

Ein Spießer ist jemand, der in keiner Weise mehr, also auch nicht als zumindest emotional Beteiligter, an etwas teilhat, das über seine Person hinaus geht, mit dem Großen und Ganzen zu tun hat, in irgendeiner Weise fortschrittlich ist, auf die Zukunft verweist usw. Eine sehr dürftige Definition; allein, K. ist eine Universal-Marginal-Person, passt schon.

Letztens hat K. in einem Printmedium eine launige Anmerkung eines Reporters gelesen, eigentlich wäre es bei gewissen Demonstranten völlig egal, was sie sozusagen vorn stehen hätten auf Plakaten und Transparenten usw., sinngemäß. Das hat K. wieder einmal einen Moment stutzen lassen, weil er wieder einmal eine Wahrnehmung oder einen Gedanken bestätigt gefunden geglaubt hat, die zu äußern er gar nicht erst versucht hat, weil alles Haschen nach Wind ist.

Das ist sehr durchsichtig, nicht wahr. Der Abgehängte möchte gern mit, Hundchen will rein, ja ja ja, bla bla bla. Aber das ist, wie immer, nur die eine Seite der Medaille oder wie man da sagt als voll der fitte Publizist. K. hat schon mehrfach, denn man wiederholt sich im Alter, wie er wiederholt angemerkt hat, auf Kellers „Fähnlein der sieben Aufrechten“ verwiesen, in dem einer dieser sieben Bürger zum eigentlichen Helden Karl Hediger sagt, sinngemäß, der solle doch froh sein, wenn er seine Gedanken unerwartet bei Anderen wiederfinden würde, denn das würde zeigen, dass er, ha, siehe eben oben, am Großen und Ganzen beteiligt wäre usw. Bla.

Was will K. mitteilen? Hat er ein Thema?

Nun, K. hatte schon lange den Gedanken, denn er scheint zuweilen ein recht pfiffiges Kerlchen, es hat nur niemand etwas davon, und irgendetwas in ihm fährt fort zu denken, obwohl alles gesagt ist, siehe das gar artige Sprüchlein im Blog Header; in K. denkt es schon längere Zeit, dass es bei Demos eigentlich zumindest auch um etwas ganz Anderes gehen könnte als das beim ersten Augen-Blick erkennbar Werdende.

Natürlich möchte K. hier nur oder vor allem seine Resignation usw. durch die Abwehrformation Rationalisierung bemänteln; alles klar, Frau Dr. Anna Lyse.

Was passiert bei einer Demo? Erstens ist man, und sogar im Wortsinn, raus aus der Spur; abseits oder jenseits der alltäglichen Rituale, Procederes, Zeremonien usw., die es bei jedem Menschen gibt, weil Alltag sonst gar nicht funktionieren würde, sondern im Chaos versinken. Andererseits scheinen diese starr strukturierten Abläufe, vorsichtig ausgedrückt, die Tendenz zu haben, im Sinne einer sozusagen sozialen Entropie völlig zu erstarren, und am Ende, als Beispiele, ist dann nur noch „immer nur die Pflicht erfüllt“ oder „weiter voran auf bewährtem Kurs“ usw. angesagt.

Zweitens erlebt man Kontakt außerhalb der sozusagen durch die Umstände zugewiesenen Personenkreise; ein Phänomen, das ebenfalls seit Langem in K. umgeht, denn er kann seinen Neocortex nicht auf Standby schalten, wie erst höchstens zwanzig Mal gesagt, und in ihm denkt daher dauernd was, furchtbar.

Man wird in eine Familie hinein geboren, ob man will oder nicht, man kann sich, wenn man nicht Milliardär ist, und auch hier zeigt sich wieder, dass es eigentlich nicht um die Kohle geht, sondern dass sie für etwas steht, seine Nachbarn nicht aussuchen; ebenso wenig wie seine Mitschüler, Genossen oder Kameraden im Army-Camp, Kollegen im Team von Werktätigen usw. usf. Das ist festgelegt, da kann man nichts machen, wobei K., weil er keine Phantasie hat, unter anderem phantasiert, dass es irgendwann möglich sein könnte, Babys zu „fragen“, wo sie geboren werden wollen; wieder ein Plot, den K. nicht ausarbeitet, weil eh‘ alles Haschen nach Wind ist, ach herrje, unser verhinderter Au-Tor wieder.

Bei einer Demo wird dieses sozusagen Axiom des Alltags aufgehoben; man bewegt sich, und zwar aus eigenem Antrieb, außerhalb der determinierten sozialen Strukturen oder wie man da sagt als voll der fitte Publizist. Bereits das hat, igitt, Psycho-Club, einen in gewissem Sinn und Maß heilsamen Effekt.

Drittens zeigt man sich und wird gesehen, und das muss gar nicht heißen, dass wirklich welche kieke mitte Oogen im Kopp, vielmehr eine gewisse Bewältigung schon durch das nach außen Bringen eines Problems stattfindet; es ist nicht mehr dasselbe, es ist in anderem Zusammenhang sichtbar, es ist zumindest in gewissem Maß abgegrenzt und damit eben auch in gewissem Maß bewältigt.

Viertens findet eine Abreaktion von nach inadäquater Sozialisation häufig als unangenehm empfundenen Emotionen durch körperliche Bewegung statt, und dies bei gewissem Schutz durch ein gewisses eingebunden Sein in eine, igitt, Gruppe.

Hitler hat von „Bewegung“ gesprochen; nein, K. möchte nicht, auch nicht im Unbewussten, Reichskanzlerin von Zentraleuropien werden*, und er erliegt auch nicht, muaha, Godwins Gesetz, vielmehr er im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten emotionalen Ausdrucks altersmilde verblüfft war, als er Frau Wagenknecht von „Bewegung“ hat sprechen sehen und hören. K.’s erster Impuls war, Frau W. dieses Büchlein zu senden, aber er hat davon abgesehen, weil der Oskar ihn dann mit seinen harten Arbeiterfäusten verkloppt hätte.

So. Na ja… Hähä. Auch hier wird jedoch wieder offensichtlich, dass K. so was von leicht zu durchschauen ist, auch oder gerade von sich selbst. Unter dem Vorwand, fürchterlich furztrocken theoretisierendes Tastaturtänzeln auflockern zu wollen durch Beiträge, die er allen Ernstes für witzig zu halten scheint, erliegt K. dem unwohlbekannten Phänomen konkretistischen Denkens, indem er „fröhliche Wissenschaft“ wörtlich nimmt, was aber erstens störungsspezifisch ist und zweitens vernachlässigt werden kann, weil im Kontext nicht destruktiv wirkt. Oder so, trallala.

***

‚Er sitzt den ganzen Tag am PC und wartet auf Kommentare!‘

Das kam gestern morgen gleich nach dem Erwachen per Mentalfunk. K. hatte, wie seit Jahrzehnten in seinen Lotterbetten, Ohropax in den, Überraschung, Ohren, und das könnte daher eventuell unter diesem Phänomen abgebucht werden; hier äußert sich wieder der kleine Buchhalter im Jedermann, der auch in K., Klischeealarm, Aktenstaub inhalierender Weise zugange ist.

Dazu möchte K. nicht allzu viel sagen, weil das tatsächlich Haschen nach Wind wäre; dergleichen scheint echt nicht zu vermitteln.

K. hat, als Beispiel, Jahre lang für die wieder je nach Standpunkt des Betrachters berühmte oder berüchtigte Schublade geschrieben, es ist ihm wirklich nicht zuvörderst darum zu tun, Unterstar von Oberbayern zu werden oder dgl. Offenbar, und das im Ernst, ist K. dermaßen konträr dem Mainstream zugange, dass sich, meine Güte, wie poetisch, die darin behaglich auf den Wellen Schaukelnden so was nicht vorstellen können und, wieder einmal, projizieren, was sie für selbstverständlich halten würden in K.’s Situation, also nach dreimaligem rhythmischen Furzen sich um Coaching und Casting zu bemühen. Nein, das ist nicht zynistisch gemeint oder Ausdruck von Eifersucht usw.; K. will etwas Anderes.

Ja, was will er denn, der goldlockige Dichterjüngling? – Er will endlich lernen zu wollen; seit Beginn des Budenzaubers soll er wollen, das wird vorgegeben von wem auch immer. Kleiner Scherz zur Auflockerung, wie Oberstleutnant Sanftleben gesagt hätte, wie erst etwa dreißig Mal schier spielerisch angemerkt.

Eines der Grundprobleme des Fossils; es will im „Café Central“ sitzen und es soll 1890 sein, sooo süüüß! Allein schon deshalb ist dieses ‚Wende verpennt!‘, das auch eben wieder per Mentalfunk kam, gequirlte vornehmlich rückwärtig ausgeschiedene Fäkalie von meist pastenartiger Konsistenz; K. verarbeitet vielmehr die Abdankung unseres herrlichen Kaisers, wir berichteten mehrfach.

Außerdem, und das ist weniger witzig gemeint, hat K. den Zusammenbruch des Systems seiner Wahrnehmungsmuster, den viele Absolventen der DDR nach der Wende bewältigen mussten, bereits 1986 erlebt, und seitdem versucht er zu ermitteln, wer da wie warum zugange war; jedenfalls ist da was gemacht worden, basta! Dass es sinnlos scheint, diplomierten Kräftinnen des Freudeskreises Anna Lyse dergleichen verklickern zu wollen, hat K. begonnen einzusehen, ha! K. will nicht das Wort „Weltanschauung“ benutzen, weil das im XX. Jahrhundert negativ besetzt worden ist, was hoffentlich nicht erklärt werden muss, und er verwendet daher das sperrige Konstrukt aus eigener Produktion „System der Wahrnehmungsmuster“, das er allerdings zugegebenermaßen auch nicht übel zu finden sich gestattet.

Wenn jedoch das, dieser Budenzauber, die Wende ist und K. die dann tatsächlich verpennt hätte, warum haben dann die Mitgliederinnen des Freudeskreises Anna Lyse – lassen wir das, ist sinnlos, heule heule heule…

***

Während des in die Tasten Dreschens des hier geposteten Postings kamen wieder, Überraschung, die üblichen Mentalfunksprüche. ‚Will nich‘ arbeiten!‘, ‚… seine Berichte schreibt…‘, ‚Wo willan nu wieda hin?‘, ‚Weilla berühmt werden will!‘, ‚Nur weilla homoszächszuell is‘!‘, ‚Tut nur so, als wenna Bewerbungen schreibt!‘

Usw. usw. usf; ewig murmeln die Murmeltiere. Tja, das hat K. nun 36 Jahre lang durchgehalten; ’ne Weile macht er noch, o edle Eumel!

So weit wieder das Wort zum Tage aus der Unterschicht in Gestalt eines Klugschisses to go, häff fann usw.!

* In diesen Tagen dieser unserer dynamischen Postmoderne hat K. neuerlich feststellen müssen, dass er selbst als vermeintlicher oder tatsächlicher Bekloppter erbärmliches Mittelmaß ist, was augenfällig sein muss, wenn man sich das Reichsbürgertum ansieht. Dennoch und trotzdem muss K. anmerken, dass jedes Phänomen immer sozusagen in beide Richtungen wirkt. Diesen gewissen Bezug auf die Welt vor dem nach Thomas Mann „Fallen des Vorhangs“ findet man sowohl beispielsweise hier und hier als auch bei den Reichsbürgern, aber das ist wieder Psycho-Club und kann weg, *hüstel*. Das scheinen viele Absolventen der DDR nicht geschnallt zu haben, dass man nicht nur Freiheit in Form zum Beispiel von Bananen und Singspielen auf Mallorca haben kann, sondern dann auch die Obdachlosen und Drogentoten nehmen muss; es scheint hienieden alles nur immer quasi im Gesamtpaket zu geben, und so gehet denn hin, meine Kindlein, und frevelt fürderhin nicht länger.

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