(… K. fühlt sich ’n bisschen lebendig, er muss sich ’n bisschen hinlegen…)

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Obwohl er ahnt oder sich sogar sicher sein muss, dass das sowieso nichts bringt, fängt K. immer wieder damit an. Gestern war das wieder ein, yeah, Highlight; die sind plötzlich in ihm drin. Nee, nix mit, muaha, hormosechsuell; es ist vielmehr, als wenn sich eine Art mentaler Kanal öffnet und Leute kommentieren, was K. gerade tut und lässt. 1986 hat K. das in seiner Prenzlauerberghütte real erlebt, und die Leute, die da unten standen, waren sehr wahrscheinlich vom Ministerium für Glas- und Keramikindustrie, haben wir wieder Fann. Gestern kam: „Kiekt ‚Wednesday‘, höhöhö!“, fast wörtlich.

Unwohlbemerkt stehen dort real Leute und reden tatsächlich.* Es handelt sich um sogenannte Pseudo- oder Quasi-Halluzinationen; „nur“ wird für K. gewissermaßen Text aufgespielt, der sich auf ihn bezieht, und das Erstaunlichste ist, bzw. das „Erstaunlichste“, dass viele dieser Rückmeldungen wenn nicht real, so doch realistisch sind.

Beispielsweise kommt häufig: ‚Dichtet doch nich‘!‘, und das ist korrekt, weil adäquate Wahrnehmung. K. dichtet in der Tat nicht, vielmehr er immer noch und immer wieder Berichte schreibt an seine unmittelbare Vorgesetzte in seinem Command Center, Major General Krssdiplpffst.

Mit solchen Jokes macht sich K. noch unglaubwürdiger, als er ohnehin zu sein scheint, das ist ihm klar. Dazu nochmals der Hinweis, dass jemand, der seit 36 Jahren zum Beispiel eine Beinprothese oder ein Glasauge hat, sich daran gewöhnt hat; so was ist nicht normal, es ist nicht natürlich usw., aber es ist nun einmal, wie es ist. Zudem, um auch das zu wiederholen, ist K.’s Zynismus immer auch oder gar vor allem (Über-)Lebensmittel.

Was hat das nun mit diesem im mehrfachen Sinne phantastischen YouTube-Clip zu tun?

Alles. Noch ’n Freak; nur einer, der leider keine Lösung zweiter Ordnung packt, indem er sein marginales Empfinden und Erleben künstlerisch aufarbeitet oder gar durch Kunstproduktion kompensiert, heule heule…

Selbstverständlich wünscht K. nun, im Unbewussten, schier schnurstracks mit Mademoiselle Ortega aka Wednesday nach Tasmanien durchzubrennen. Warum ausgerechnet Tasmanien, kann er nicht sagen; es klingt einfach gut, scheint ihm, und zum Zynismus siehe eben oben. Da K. angehalten ist, das Positive zu sehen, schließlich hier noch der Hinweis, dass er mit diesem Schwarm endlich wieder einmal Mitglied einer Massenorganisation sein dürfte, bestehend aus sicherlich vielen Tausend rezenten Männchen der Hominiden auf dem dritten Planeten des Systems. Damit ist nun allerdings sein Kontingent positiven Empfindens und Denkens für dieses Quartal aufgebraucht; wir bitten um diskrete Anteilnahme…

Gestern war das wieder derart krass, dass K. sich sicher war, dass er keine Pseudo-Hallus hatte, sondern, dass das real war; jetzt glaubt er das selbst nicht mehr wirklich; „Weil“, so schließt er messerscharf, „nicht sein kann, was nicht sein darf“, Christian Morgenstern. Auch das hat K. in den letzten Jahrzehnten hunderte Male erlebt. Na ja… Jeder hat sein Päckchen zu tragen, bla bla bla.

K.’s rasender Geltungsdrang sowie sein therapeutisch schwer erreichbarer, wenngleich offenbar durchaus zeitgemäßer Narzissmus zwingen ihn dazu, etwas zu der Serie abzulassen, aus der dieses zum Kringeln schräg-schöne Video ist; der abgehängte Prekarier usw. fühlt sich mit dem Großen und Ganzen verbandelt, man kennt das, ach.

Aber im Ernst („Hört! Hört!“) hätte K. vielleicht nichts dazu gesagt, wenn er nicht wieder einen weiteren mindestens merkwürdigen Effekt allerdings eher konstruktiver Art erlebt hätte.

Unter anderem an dieser Stelle, beim Tanz der grandiosen Heldin, hat es K. gerissen, morgens gegen zwei Uhr auf seinem Lotterbette lagernd; ja, er zieht sich nicht nur spezialperverse Pornos für harmlose Lustgreise rein, obwohl er voll krass Unterschicht ist, Alter. Andererseits ist es ihm leider neuerlich nicht gelungen, die Nacht zu durchwachen, was er zu tun wünscht, weil, wie erst höchstens ein halbes Dutzend Mal erwähnt, Schlafentzug antidepressiv wirkt und K. zudem, wie erst höchstens ein halbes Dutzend Mal erwähnt, keine lecker Smarties einpfeifen will, auch keine Antidepressiva, Alter.

Was sollen denn bloß die Leute denken… Der Irre! Liegt im Bett und kriegt Lachflashs, nachts um zwei, und das war verständlicher Weise, wie K. meint, nicht die einzige Stelle, an der er von konvulsivischen Zuckungen seines Zwerchfells gebeutelt wurde; holt doch mal kraftvolle Fachkräfte, besorgte Bürger! „Hier wohnt ’n Irrer, wir müssen leise sein!“ Diese Rückmeldung ist ein weiteres Beispiel für sinistere Übergangsformen der Art, dass K. nicht sicher sein kann und ist, ob er Realität oder Mentalfunk erlebt. Meist kann K. das unterscheiden, was typisch ist für Schizotypische in Abgrenzung von Schizophrenen, wie erst höchstens ein halbes Dutzend Mal erwähnt.

Um sich neuerlich an einer Übung zu versuchen, die man mit einigem guten Willen als „zum Thema kommen“ bezeichnen könnte, hier nun die Anmerkung, dass K. kurze Zeit später feststellen musste, das genau diese Tanzszene Begeisterungsstürme im Netz ausgelöst hat.

Wie das? K. ist doch janz weit draußen, „überall fremd“ usw. Wieso passiert ihm das andauernd, dass er, ohne zu wissen und ohne wissen zu wollen, was angesagt ist, oder wie man das formuliert als voll der fitte Publizist, dennoch immer wieder Angesagtes findet und von ihm begeistert ist, ohne zunächst, wie gesagt, zu ahnen oder gar zu bemerken, dass er im Mainstream schwimmt, *plätscher*?

(… ja, sehr durchsichtig… der Trittbrettfahrer will rein und mit… lassen wir das jetzt bitte… thx…)

Man kann nicht aus der Menschheit aussteigen, hat Dr. Rosa Luxemburg gesagt, und die kannte K. nicht, aber es scheint etwas dran zu sein an dem Luxemburgdenken, bla.

Außerdem interessant scheint K., dass der YouTube-Clip von einer Vietnamesin oder einem Vietnamesen gepostet wurde; alles ist vernetzt, ach, und hoffentlich übernehmen die östlichen Völker nun bald das alte Europa.

Aber hier noch die sozusagen Urbilder, die bereits, um wieder einmal volkstümliche Ausdrucksweise vorzutäuschen, der Hammer sind; abgebildet ist zudem auch K., Abbildung ähnlich, *hüstel*…

* „Unwohlbemerkt“ wird nicht als Fehler angezeigt; „Faszinierend!“, wie Mr. Spock völlig zu Recht sagen würde.

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