(… zunehmende Trennschärfe…)

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Das Thema ist – Trennung, und am schwersten trennt es sich nicht von dem, was war, sondern von dem, was nicht war… Der Satz ist zwar sozusagen nur teilweise von K., aber das ändert nichts daran, dass er zutreffend ist.

Was bedeutet das jedoch im Fall des alten Kindes mit Brille (DAKIMIBRI)?

  • K. wird sehr wahrscheinlich keine Familie mehr erleben.
    a) Keine Herkunftsfamilie; Vater, Mutter und märchenhaftes Stiefmütterchen sind bereits in die ewige Großgruppe abberufen worden, andere leibliche Verwandte hat K. nie wirklich gekannt (was natürlich an ihm liegt, *hüstel*).
    b) Keine eigene Familie und daraus resultierend vor allem und am heftigsten
    c) keine Kinder. Im Auge behalten! Nachher klaut er doch noch ’n Vierkäsebreit aus dem Friseurladen beim Personal Hair Coach.
  • K. wird kein Haus mehr besitzen, bauen, einreißen rückbauen, unterkellern, besprühen usw.
  • K. wird kein Student mehr sein; dies gilt allerdings nur bedingt, denn erstens hat er sich schon mehrfach für kürzeste Zeit durchaus inskribieret an hohen und höchsten Stätten des Wissens, und zweitens denkt etwas in ihm, dass er vielleicht doch noch, nicht wahr, diesbezüglich, ha! Zumal es genügend Wunderkinder gegeben hat und es Zeit ist für Wunder-Opas, he he!
  • K. wird keine Dorfschönheit mehr.
  • K. wird nicht mehr ganz gesund; er wird Heilungsmöglichkeiten der chronischen Leukämie wahrscheinlich nicht erleben und muss sich z. B. damit abfinden, jeden Morgen aufzuwachen mit dem Empfinden, nachts hinter seinem Rücken große Mengen Holz gehackt zu haben. Das arme, arme Kerlchen, ts ts ts! Der Facharzt für Vampirologie wörtlich: „Sie haben sich vom Beschissensten das Beste ausgesucht!“ Sehr gut, der Mann! Außerdem – Prostata! Usw. Wir wollen da jetzt aber nicht weiter eindringen; breiten wir den Mantel der Eigenliebe darüber, nicht wahr!
  • K. wird kein Auto mehr fahren und schon gar nicht besitzen. Zwar könnte man nach Aussage eines Augenarztes, aua, ein Auge zudrücken und tricksen, was das nur rudimentär vorhandene räumliche Sehen des Sehers K. angeht, aber, na ja, K. und tricksen, da kriegt ja sogar er selbst ’ne Kicher-Attacke.
  • K. wird mit keinem Hollywoodstar nach Kalifornien durchbrennen, zumal er feststellen musste, dass die eh‘ schon alle da wohnen.
  • K. wird es nicht mehr erleben, dass der Budenzauber und insbesondere der Mentalfunk aufhört (‚Wir begleiten Dich ein Leben lang!‘, ‚Das System ist perfekt!‘ usw.), zumal sich über Jahre hinziehende Versuche, sich hochwertiger Sozialisation unterzogen habende Mitglieder des Freudeskreises Anna Lyse zu heilsamer Intervention anzuregen, milde formuliert, wenig erfolgreich waren. „Sie sind nicht sichtbar geworden, kommen Sie in die Tanztherapie!“ Wie gesagt – das isses, Alter!
  • K. wird es nicht mehr genießen können, über reichlich schöne Klamotten zu verfügen und damit überhaupt Wahlmöglichkeiten zu haben, diesbezüglich. Wie heißt es, sinngemäß, im „Tom Sawyer“? Außer dieser hatte er noch eine Hose für Sonntage, woraus der Umfang seiner Garderobe leicht erhellt. Muaha.
  • K. wird es sehr wahrscheinlich nicht mehr packen, seinem Vater zu verzeihen, und auch oder vor allem deshalb wird K. es nie zu was bringen; allein, auch das ist ’n Lebensinhalt, die Eltern bestrafen wollen…
  • K. wird sehr wahrscheinlich nie fliegen, außer irgendwo raus, versteht sich, aharhar (aber das ist eigentlich sogar okay, weil voll ökologisch usw., boah).
  • K. wird keine wirkliche Kindheit mehr erleben, auch nicht durch nachholende Ich-Entwicklung und dgl. Psychoclubbing.
  • K. wird nicht Oberbürgermeister von Kaliningrad (mitten in der Stadt Grünflächen, wo Wohnhäuser standen, in Kalinin- wie in Eisenhüttenstadt; „Faszinierend!“, wie Mr. Spock völlig zu Recht anmerken würde).
  • K. baut keine Blockhütte in den Rockies oder am Yukon oder an der Lena*, auch keine auf einer Südseeinsel, wobei Letzteres ohnehin fragwürdig ist, weil da unten eh‘ bald alles absaufen könnte.
  • K. wird sehr wahrscheinlich mit keiner rothaarigen Erstsemestrine Fenster putzen.
  • K. wird seine Vorstellungen über die Gestaltung seiner Heimatstadt nicht realisieren (das war ja nur eine Idee, hä hä, garstige Hobbitse, garstige Hobbitse).

Okay, dass muss genügen… Na ja, muss nicht, aber soll, bla.

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Ja ja, einen Baum bauen, ein Haus zeugen und einen Sohn pflanzen, wobei hier wohl, Überraschung, wieder einmal etwas nicht stimmt, bla…

Dann war da auch noch, irgendwie und irgendwo, etwas mit „Buch schreiben“. Na ja, das hat das rezente Fossil nun getan… Und? Na ja.

Aber! Bäume gepflanzt hat K.; neuerlich ein subtiler Beweis für seinen latenten Antisemitismus, aber das ist die schönste Urkunde, die K. erhalten hat, und es waren Spendenzahlen vorgegeben wie 5, 15, 50 usw. und außer K. dürfte niemand auf den Gedanken gekommen sein, sieben Bäume zu spenden. „Man bringt sich ins Gespräch!“, wie Dr. R., der Teilzeit-Chassid, bereits 1985 anmerken zu können sichtlich genossen hat.

* Gemeint ist der Fluss in Syberia, nicht die anerkannte Vokalkommunikatorin Meyer-Landrut; wir bitten um diskrete Anteilnahme.

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