(… [Nichts] Neues vom Simulanten-Spieler…)

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Das dürften wohl rund 25 Kilometer gewesen sein, mit’m Radl da im goldenen Herbst, mindestens, das alte Kind mit Brille hat Ressourcen. Allein, es kommt nichts dabei raus, schon gar keine Kohle, bla, und es ist übrigens auch wichtig, was vorn raus kommt, aber das am Rande. Natürlich erfolgten Winke mit dem Zaunpfahl, um nicht zu sagen, mit der Rolle Maschendraht, beispielsweise durch einen Fahrradkurier, der K. fast rein gefahren ist.

Eine nicht geplante, aber im Unbewussten strukturierte Fahrt durch die ehemaligen und möglichen Landeplätze des K.; streckenweise der Zustelltour des K. in seinem letzten Job in M folgend und damit unter anderem an der Studentenstadt vorbei.

Dann am ehemaligen Boardinghouse vorbei, im für das Alter des K. beachtlich großen Bogen zur und durch die Osterwaldstraße fast schon im Englischen Garten, schließlich durch malerische Gassen hindurch und an der jesuitischen hohen und höchsten Stätte des Wissens in der Kaulbachstraße vorbei, in der K. persönlichkeitsspezifisch gastspielerisch einige Wochen lang leibhaftig erschienen ist. Dies scheint der im mehrfachen Sinn ehrwürdigen Institution jedoch nicht geschadet zu haben; ein bisschen Größenwahn muss sein in dieser unserer dynamischen Postmoderne. Usw. usw. usf.

Nun ja… Oft hat sich das ergeben, haha. ‚Oh!‘, hat es in K. gedacht, ‚Da war ich schon mal; so ein Zufall!‘

So lange K. sich bewegt, joggender oder radelnder Weise, ist alles gut…

Ein freier Bereich, wie die Mitglieder des Freudeskreises Anna Lyse sagen würden, der allerdings, und das ist wieder diese urst lustige Dialektik, in diesem Fall an einem blinden Fleck des Gesichtsfeldes sich befindet, Körperarbeit usw.

(… in letzter Zeit fällt K. in seiner nach Dr. Marx „fanatischen Bosheit des Spießers“ immer wieder, wenn er an Therapeuten denkt, die sinngemäße Bemerkung Thomas Manns ein, Schriftsteller wären Leute, denen Schreiben besonders schwer fallen würde… das wird man ja wohl noch sagen dürfen…)

Wie soll K. das nun realisieren, 24 Stunden am Tag in Bewegung bleiben? – Little joke, btw…

So weit, so gut bzw. so nah, so ungut. Dann ist K. irgendwo in Obermenzing heraus gekommen, und er musste an einen ehemaligen Mitbewohner denken, der jetzt dort in O in einem anderen Haus wohnt. Wenige Minuten später hat K. diesen Bürger an einer Haltestelle gesehen; ein echtes Original im durchaus positiven Sinne, aber für K. schwer zu ertragen gewesen, wenn er ihn den ganzen Tag um sich hatte. Der tägliche Tanz um die Balance zwischen Nähe und Distanz; lernt man ja in der Schule, weil man in der Schule fürs Leben lernt, *hüstel*.

(… irgendjemand muss doch schuld sein… K. hat nichts gemacht…)

Trotz des buchstäblichen Budenzaubers konnte K. sich ein sozusagen inneres Grinsen nicht verkneifen. Besagtes Haus befindet sich keine 300 Meter von dieser Haltestelle entfernt, aber selbstverständlich ist der Mann diesen nicht einmal Drittelkilometer mit dem Bus gefahren, obwohl er nicht gehbehindert ist oder dergleichen, und so kennt man ihn, und „man“, nicht nur K.

K. hat, immerhin, beigedreht, und hat den Bürger angesprochen. Der konnte sich nicht nur an K. erinnern, sondern auch an dessen Namen, obwohl er K. seit über sechs Jahren nicht gesehen hatte. Das dürfte wieder einmal eindeutig bewiesen haben, dass der Mann auch mental keineswegs derart eingeschränkt ist, wie er des Öfteren möglicherweise vorsätzlich ungeschickt vorgibt.

Dies war ein weiterer Anlass für K., sich an etwas zu versuchen, das man mit einigem guten Willen als mimischen Ausdruck der Erheiterung hätte bezeichnen können. Einhundert Meter weiter kam dann aber die nächste Rückmeldung für, har har har, den Nabel der Welt K. Ein Typ ist völlig ausgestiegen, indem er immer aufs Neue einen Schuh an ein Plakat gefeuert hat, das einen bekannten Politiker des Stammesgebietes zeigte, in dem K. gerade versucht, dahinter zu kommen, was Leben ist.

Einige Minuten früher hatte K. in einer seiner Wachphantasien, Untergruppe Heldenphantasien, an einen Kollegen dieses Politikers gedacht; keine Pseudologia phantastica, kein Simulieren, keine psychotische Symptomatik „Empfinden des gemacht Werdens von Realität“ usw. Der Vollständigkeit halber, wieder etwas zynisch gesagt, sei hinzugefügt, dass K. auch so was hunderte Male erlebt hat seit dem Beginn des Budenzaubers 1986.

Es gibt Dinge zwischen Penis und Vagina, von denen sich unsere Spermien nichts träumen lassen, Schehksbier heute, har har, und es ist sinnlos, diplomierten und promovierten Fachkräften des Freudeskreises Anna Lyse darüber Mitteilung machen zu wollen, wie K. nach unzähligen Versuchen in dieser Richtung immer wieder anmerken muss. Die schnallen es nicht… Vielleicht können sie es nicht, weil sie ihre In-Vitro-Einrichtungen zumachen müssten, wenn sie zugeben würden, dass längst, von wem auch immer, möglicherweise in meisterhafter Vollendung der Konzepte Milton Ericksons In-Vivo-Therapie praktiziert wird.

Diese Szene mit dem Schuhwurf als Ausdruck politischer Unzufriedenheit, *hüstel*, eines emotionalen Kindes in einem Erwachsenenkörper nach Dr. Casriel sollte K. mitteilen, denn der politische Aktivist war sehr wahrscheinlich auch aus dem Haus, in dem das Original jetzt wohnt, dass K. die Prüfung nicht bestanden hatte. Es ging wieder einmal um Ankommen und Landen usw., nachdem K. dort vor einiger Zeit einmal angefragt hatte.

(… aber – immer dichter dran… wie ’ne Asymptote, wie gesagt… es ist uns nicht gegeben, das Werk zu vollenden, aber es ist uns auferlegt, nicht davon abzulassen… steht laut Dr. Feuchtwanger sinngemäß im Talmud… wenn K. noch zehn, fünfzehn Jahre in der jetzigen räumlich-körperlichen Konfiguration auf dem dritten Planeten des Systems zugange ist, dann könnte er es packen, tandaradei… jaharhar, lustig, nich’… das ist „Unterdrückung“, nicht der Nicht-Besitz von etwas Materiellem… bla…)

Und schön wärs, wie gesagt, wenn dergleichen gesponnen oder phantasiert wäre; Klappe, die zweihundertsechzigste…

Warum aber fängt K. immer wieder damit an? Weil er nicht aufgibt zu hoffen, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, dass jemand ihm aus dieser, milde formuliert, mentalen Schleife heraus hilft… Sooo süüüß!

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