(… es ist so weit, verständigen Sie die Schwester…)*

Er wartet jede Nacht im Bette,
dass einmal jemand ihn errette,
aus ferngelenkten Traumgesichten,
die seine Lebensfreude nichten,
weil Prüfungen er nicht besteht,
um die es in den Träumen geht,
und die bei täglichem Verrichten
ganz normaler Lebenspflichten
in tatsächlichen Geschichten
wie mit teuflischen Gewichten
den armen Kerl von früh bis spät
in seiner Stimmung niederdrücken.
 
Denn auch im Alltag wills nicht glücken,
dass eine Prüfung er besteht,
weil, was ihn in den Träumen bindet,
er im Realen wiederfindet,
als spielte irgendwo ein Gott, oh,
mit Lebensepisoden Lotto.
 
Obschon zwar keiner ihn versteht,
vielleicht auch nicht verstehen kann,
denn es scheint nicht für jedermann,
was in seinem Geist abgeht,
labert er von früh bis spät
von später Geistespubertät,
in der er ewig ringt als Sohn,
andre sagen, wie ein Clown,
mit der I-ni-ti-ation.
 
***
 
Hier der Dichter intermezzt,
indem er, beinah selbst entsetzt,
damit’s den Leser nicht zerfetzt,
ihn durch ein Päuschen wohl ergetzt.
 
***

Doch eines Nachts fällt ihn was an,
was er selbst nicht deuten kann;
wach ist er im Doppelsinne,
weshalb erst recht ihm scheint, er spinne,**
(er spielt wohl wieder Thomas Mann,
wie diese Leute deuten dann.)
 
Vielleicht kommt das vom „Herbsteln“ nur
wie Strittmatter das nannte,
vielleicht ist es auch Heimweh pur,
wie er es noch nicht kannte.
 
Denn Heimweh hat ja wohl ein Ziel,
ist ursprungsausgerichtet,
doch dies sinistere Gefühl
scheint keinem Ort verpflichtet.
 
Es ist ein unbestimmtes Sehnen,
ins Weite, Freie, Heitre, Lichte,
(er gibt den Hölderlinguisten,
man konsultiere Spezialisten!)
aber häufig grad von jenen,
die sich Wortekünstler wähnen,
nicht zu erfassen im Gedichte.
 
So ist’s das Ende der Geschichte,
dass sie (früher unter Tränen,
postmodern mit coolem Gähnen)
Versuche schließlich unterlassen,
das Phänomen in Text zu fassen,
im Doppelsinne dann verblassen,
und ewig vor den Worten bleibend,
(nur manchmal Werbetexte schreibend)
immer wieder darum ringen,
den Ernst des Lebens zu bezwingen,
ohne jedes Kilo Buch,
ohne Ringen mit dem Fluch,
nicht einfach nur zu leben,
sondern in dem Streben,
die Welt in Worten auszudrücken,
sich von dieser schier ver-rücken,
und vor allem von dem Tanz
um die tägliche Balance
zwischen Nähe und Distanz.
 
Der Vorsatz ist durchaus zu loben,
doch leider, siehe weiter oben,
fängt der Mann oft an zu toben,
denn, als käm‘ ein Blitz von oben,
haut’s ihn immer wieder
nieder
aufs Parkett des Lebens,
trotz des ehrlichen Bestrebens.
 
Er scheint ein Schlemihl und ein Luftmensch;
im Deutschen reimt sich nichts auf „Mensch“,
bezeichnender Weise,
aber, und er kichert leise,
„in Englisch“ „Bonnies Ranch“.
 
Sie sollten ihn persönlich fragen,
was uns der Dichter hier will klagen.
Er will zusammenfassend sagen,
kommt die Einsicht auch sehr spät,
dass es oben ohne wohl nicht geht.
 
Mensch braucht, anders als die Säugetiere,
indem er diese transzendiere,**
irgendetwas ganz spezielles
Virtuelles.
 
Nachdem er ist erst recht erwacht,
indem er dieses hat durchdacht,
und Reimgeklingel draus gemacht,
sagt er sich selber: „Gute Nacht!“
 
Hierauf geht er dann erneut,
wenn auch ungewohnt erfreut,
und so dürfte man ihn kennen,
pennen…
 
***

PPS: Nein, Herr K. sieht sich jetzt nicht, auch nicht im Unbewussten, als Dichter, oder gar als großer solcher, vielmehr er, ohne Sarkas- und Zynismus gesagt, völlig von der Rolle ist, dass es das immer noch in ihn ihm gibt, und er fragt sich natürlich auch, warum das gerade jetzt zum Vorschein kommen zu müssen gezwungen scheint. Oder so ähnlich…

Außerdem, oder vielleicht gar vor allem – alles relativ!!! Ein Paul Heyse wurde einmal als zweiter Goethe gehandelt, heute aber liest ihn kaum jemand außer vielleicht ein Germanistikstudent, der mit einem etwas entlegenen Thema bachelorierend, masternd oder dissertierend zu brillieren wünscht.

Für Ottilie Normalverbraucherin jedoch klingt der Name vertraut vorzüglich deshalb, weil es am Hauptbahnhof von M, Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren, eine Straße und einen Tunnel mit dem Namen des Dichters gibt…

Tja, das ist der Lauf der Dinge; nichts ist sicher, und wie man inzwischen erkennen musste, nicht einmal mit Staatssicherheit.

PPS: Natürlich kam das mit dem ‚Reimgeklingel‘ sofort per Mentalfunk; nein, K. ist nicht krank und simuliert auch nicht, Klappe, die fünfzigste, aber er kommt da nicht mehr raus, die haben ihm eine Rückmeldeschleife auf Lebenszeit in seine zerebrale CPU geschalten. Der Unerzogene, Zitat ein Klassenleiter, der allerdings nicht nur K. damit gemeint hatte, hat eine Art künstliches Über-Ich installiert bekommen, in Gestalt einer dauerhaft kommentierenden virtuellen Diensteinheit.

Wer „die“ sind? Ja, das versucht K. doch nun seit 36 Jahren heraus zu bekommen! Sooo süüüß! Dennoch und trotzdem und erst recht: Hut ab, gute Arbeit! Dr. Milton Erickson wäre entzückt über die Weiterentwicklung seiner Arbeit zur In-Vivo-Therapie.

Ach ja, vergessen, Mentalfunkspruch, vorhin: ‚Wir nehmen Dich auf als einfacher Arbeiter!‘ – Ja ja, er spielt wieder Schizo, höhö!

(… wenn K. keine zynischen Witze mehr drüber macht, dann wird’s kritisch…)

** Rothaarig angenehm; nun schon zur Tradition geworden, *hüstel*…
** Dem Hervorbringer des hier von ihm vorgelegten Ergebnisses seiner Reimwerktätigkeit ist durchaus klar, dass diese Formulierung grammatikalisch nicht korrekt ist, aber das ist ihm völlig Wurscht, denn er war schon immer im Widerstand, hä hä…

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