(… an wen richtet man sich, wenn man schreibt…)

Die Frage hat Dr. R., der Teilzeit-Chassid, 1985 dergestalt an K. gerichtet, dass der sich angesprochen fühlen musste. Da R. wusste, dass bei K. die Jalousie runter gehen würde, wenn er direkt angesprochen würde, so dass wichtiger Inhalt von Rückmeldungen nicht ankommen konnte, hat er, der Herr und Doktor R., in den Raum hinein gesprochen in der Gewissheit, dass sich jeder das Passende raus suchen würde. K. war nämlich beileibe nicht das einzige Gruppenmitglied, das wie eben oben angedeutet neurotisch blockiert war.

Ja, an wen richtet man sich, und gemeint ist mit „wenn man schreibt“ natürlich das, was K. launig-flapsig abzuwerten pflegt mit der Formulierung: „Ich belle trist!“; d. h., es geht um durch Ausagieren des Literatouris-Tics entstandene Texte, dideldum.

Die Frage ist für K. unbeantwortet… – Wir bleiben dran, wir werden, sehr zum Leidwesen der völlig zu Recht unübersehbaren Nichtleserschaft, sehr wahrscheinlich berichten.

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Die gestern geposteten Zitate von Alexijewitsch gehen K. gar nicht mehr aus dem Kopf, aber was soll man mehr verlangen von Literatur; ist doch der Oberhammer, um neuerlich volkstümliche Ausdrucksweise vorzutäuschen.

Ja, natürlich, der wild gewordene Kleinbürger K. möchte wieder am Großen und Ganzen teilhaben, der Trittbrettfahrer hechelt dem prächtigen Schnellzug hinterher usw. – Vielen Dank im Voraus; K. macht das mit den durchschnittlich zu erwartenden Rückmeldungen gleich wieder selbst, nun schon zur Tradition geworden, *hüstel*.

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Nein, das ist kein sich runter machen; es war Sonntag, so wie heute, als K. vor vielen, vielen Jahren, als er noch geglaubt hat, dass Therapie ihm etwas bringen könnte, eine der krassesten Rückmeldungen bzw. „Rückmeldungen“ zuteil wurde, die er je erlebt hat.

K. hat vor dem Hauptbahnhof gestanden, hier in M, Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren, und ein älterer Mann, also noch älter als K., *hüstel*, den K. noch nie gesehen hatte, kläffte K. aus heiterem Himmel an: „Würschtl!“

K. war darauf einige Augenblicke in dem bei ihm bekanntlich sehr seltenem Zustand der Sprachlosigkeit und hat sich, obwohl er sich immerhin dabei leicht dämlich vorkam, verstohlen umgesehen, ob noch wer in der Nähe war, der gemeint gewesen sein könnte; da war aber niemand, K. war gemeint.

Das heißt, er war eben nicht gemeint; das war krasse Übertragung vom Allerunfeinsten. Womöglich war das wieder ’n alter Luftwaffenhelfer, der K. mit ’nem Kettenhund „verwechselt“ hat. Nein, das ist nicht witzig gemeint, und es ist auch alles andere als lustig, und dergleichen ist K. nicht nur einmal widerfahren; Gottchen, nee, wie süüüß, uns‘ Opfa, ts ts ts…

Wie aber soll man, zum Beispiel K., einem solchem Rückmelder rückmelden, dass der eben einem seelischen Ablauf unterlegen war, den zum Beispiel Freud vor ca. hundert Jahren zu erforschen begonnen hat, und therapeutisch zu nutzen, und den besagter Freud „Übertragung“ genannt hat?

Tja – geht nich’… Dazu bedürfte es einer therapeutischen Kultur, und mit der wird es wohl nichts, denn die sozusagen andere Variante, die des verdeckt Arbeitens an einer Art, ha, unsichtbaren Front, scheint sich durchgesetzt zu haben. K. ist ja nun seit vielen Jahren ebenso verbissen wie ergebnislos damit beschäftigt, heraus finden zu wollen, wer da wie und warum zugange ist.

Allerdings hatte K. heute morgen wieder den Gedanken, denn etwas denkt in ihm, er kann nichts dagegen tun, dass vielleicht gar keine Personen wirken würden, sondern ein sich selbst regulierender Mechanismus; aber K. will jetzt nicht, was man ganz erstaunlich finden muss, vom Hundertsten ins Tausendste kommen.

(… während des in die Tasten Tastens der letzten Zeilen kam immer einmal wieder etwas mit ‚Weilla Tagebuch führt!‘ und dergleichen… was soll K. dazu sagen… richtig – nichts…)

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Zurück zum, man glaubt es kaum, Thema; die gestern geposteten Zitate von Frau Alexijewitsch. „Die Menschen möchten einfach nur leben, ohne große Idee.“*

Hammer, Alter! – Sorry; Opa gibt den zornigen jungen Mann, sehr durchsichtig wieder, nicht wahr…

Das ist jedoch genau das, worüber K. einige Tage vorher in einem seiner nicht kunstlos gruppierten Wortgruppen ein schriftliches Selbstgespräch geführt hat.

K. hat die Vermutung geäußert, sinngemäß, dass das Fehlen großer Ideen, Ideale, Ziele, Visionen usw. dazu geführt haben könnte, dass gewissermaßen dezentral in mehr oder weniger großen Gruppen mehr oder weniger vor sich hin agiert würde, was immer wieder bis zu schier skurrilen Ergebnissen führen müsste.

Ein paar Tage später findet K. völlig unerwartet eine Art Bestätigung dafür, dass seine Überlegungen offenbar nicht völlig abgedreht sein dürften, tandaradei! – Korrekt, derartige Synchronizitätlichkeiten sind K. im Verlauf seines wirren Wandels hienieden Dutzende Male widerfahren, hach herrje…

(… ja ja… Herr K. will mit, er will rein in den großen Bund, Schiller und so… er ist zudem eifersüchtig und neidisch, und hat wieder keinen Zugang zu seinen Gefühlen, furchtbar, weil er auch ’n Nobelpreis möchte… wenigstens ’n kleinen zum hier Essen, brauchense nich‘ einwickeln… zudem bedeutet seine Klage über fehlende Leitideen usw., dass er eigentlich, im Unbewussten, als kleiner Diktator Mitteleuropa hüpposieren will… vielen Dank für die durchschnittlich zu erwartenden Rückmeldungen… aber – hat doch was, oder… entbehrt doch nicht eines gewissen Unterhaltungswertes, nicht wahr… K. braucht gar kein RTL 2, als Beispiel für eine Bildungseinrichtung von höchster Qualität…)

(… ‚Will‘ nich arbeiten, weilla ’n Weblog hat!‘… kam eben per Mentalfunk… Ihr könnt noch weitere 36 Jahre an K. rummachen – der macht den Scheiß nicht mit… so, ällabätsch… ja ja – Ihr nehmt ihn auf ‚als einfacher Arbeiter‘, ist ja wieder ungut…)

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Korrekt, das war wieder ein frisch-forscher Klugschiss to go als Wort zum Sonntag aus der Unterschicht, häff fann usw.!

* Swetlana Alexijewitsch, „Secondhand-Zeit“, Suhrkamp 2015, Seite 10.

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