(… Neues von draußen – K. sortiert Eindrücke…)

Quelle.

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Es vergeht nicht eine Woche, in der K. nicht wenigstens zwei bis drei Mal als öffentlicher Container für Übertragungen und Projektionen zur Verfügung stehen darf, und natürlich genießt K. das auch ein bisschen im Ausagieren seines mentalen Automasochismus (MAMA); fester, fester, aaaaah…

Sorry! Muaha. – Heute aber war das wieder besonders krass, indem schon zwei Minuten, nachdem er das Haus verlassen hatte, um seine Pflicht zu erfüllen und seine weitläufige Runde um die Sonderfreifläche Theresienwiese zu drehen, eine Fahrrad fahrende Bürgerin K. entgegen schmetterte: „Assi!“

K. weiß nun nicht, ob es als sozial hinreichend adäquate Reaktion gewertet werden würde, wenn er in Tränen ausbrechen würde, oder ob er sich doch ein bisschen auf dem Boden wälzen sollte; er würde ja sogar in den Teppich bei… – Ooopa?!!! Dein Prostata-Tee!“

Was war das? – O schöner Schmerz von edler Tiefe!

Das Faszinierende aber ist immer wieder, dass Leute, die sich über Psycho-Club glauben lustig zu machen, weil sie sich darüber erhaben dünken, in genau diesen Momenten demonstrativ lauter bis krakeelender Erheiterung grundlegenden Mechanismen eben dieses Psycho-Clubs unterliegen, ohne das zu bemerken und ohne es bemerken zu können und zu wollen.

Das traf nun auf das eben beschriebene Beispiel gerade nicht zu, aber K. wollte diesen Gedanken schon lange einmal äußern, denn das wird man ja wohl noch sagen dürfen

Projektionen und Übertragungen, jede Woche mindestens zwei bis drei Mal. „Studieren Sie doch Psychologie, wir brauchen männliche Therapeuten!“ – Nee, macht Herr K. nicht, weil das ’ne Scheinlösung wäre, mehr desselben nach Watzlawick et. al. So, ällabätsch!

Allein, es wird nun nichts mit der therapeutischen Kultur, die erfahrene Therapeuten zu konstituieren immer wieder vorgeschlagen haben, nicht etwa der sinistere K., vielmehr die Budenzauberer sozusagen verdeckt arbeiten, gewissermaßen an einer, ha, unsichtbaren Front.

Übrigens ist K. auch oder gerade in diesem Kontext furchtbar neidisch und eifersüchtig, und er hat auch und gerade in diesem Kontext überhaupt keinen Zugang zu seinen Gefühlen, denn mehrere seiner ehemaligen Mitklienten aus ambulanten Gruppen und Schwester-WGs sind nun in leitender Position im Haus der ewigen Kindheit zugange, und ganz tief drin möchte K. doch promoviert haben und chefärztlich tätig werden, ach herrje.

Dergleichen würden etliche Mitgliederinnen und Mitglieder des Freudeskreises Anna Lyse, aua, mit Sicherheit wieder einmal als tief schürfend auslotende Interpretationen des Seins und Wesens des K. empfinden und würden wieder einmal nicht wahrnehmen, dass sie, wie sag ich’s meinem Kinde, an K.’s Person ein bisschen vorbei gedeutet hätten.

Was aber wollte K. denn in der Therapie? – „Is‘ zu doof, sich ’ne Alte zu suchen; geht in die Klapper, damitta was zu nageln hat, höhöhö!“ O-Ton vox populi, gewiss. „Harte Worte, harte Worte!“, „Herrn Lehmann“, Szene Prinzenbad, wobei der Titelheld dort gar geschwommen ist; möglicherweise wird dies jedoch nur im Film rückgemeldet, nicht im Buch; K. hat keineswegs altersbedingt, sondern nach wie vor persönlichkeitsspezifisch den Überblick verloren.

K. hat einen Anschluss an die brutal abrupt abgebrochene kontinuierliche Entwicklung der Welt „vor dem Fallen des Vorhangs“ gesucht; Thomas Mann, wer sonst, denn K. sieht sich, O-Ton vox populi, als Nachfolger des Großen Lübecker Wortsetzmeisters.

Klar, ‚Das Bürgerliche gibt es nicht mehr!‘, wie ein bereits vor etlichen Monaten gesendeter Mentalfunkspruch lautete, und wieder einmal in für Hallus sehr erstaunlich zutreffender Weise.

Das eigentlich Tragikomische aber ist, dass K. dieses Antriebes schon in den ersten Minuten seines ersten Aufenthaltes in einer Klapse hätte gewahr werden können, wenn er zur Verbalisierung emotionalen Inhalts in der Lage und bereit gewesen wäre, denn schon beim Erreichen des berlinisch-hirschgärtnerischen Villenviertels mit der Klinik und erst recht beim Betreten von deren Hauptgebäude hatte K. nicht typische Gedanken wie etwa die, dass das hier ja wie bei „Buddenbrooks“ wäre oder wie eine Kulisse der Verfilmung von Alexej Tolstois Trilogie usw.

(… der ist sooo süüß, der Stino-Dino Ossi-Kossi…)

Schließlich aber wollte K. in, O-Ton vox populi, Bekloppten-Vereinen aus der lebenslänglichen Blockierung von Phantasie, Spiel- und Experimentierfreude und Kreativität heraus, ins Helle, Leichte, Freie, Weite, Heitere, wobei „Kreativität“ im weitesten Sinne gemeint ist, nicht nur etwa als Streben nach dem Aufstieg zum Hyperstar von Mittel-Süd-Niederbayern und was dergleichen postmoderne mentalgymnastische Selbstertüchtigungsübungen mehr sind.

Man kann auch etwa als Koch oder Tischler usw. überaus kreativ sein, des seiest Du gewiss, herbe Dame Welt! K. sieht sich seit Längerem immer einmal wieder Videos in der DuRöhre an, in denen Leute zum Beispiel aus forstwirtschaftlichen Holzabfällen kleine Kunststücke fräsen, hobeln, bohren und drehen usw., und K. kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und nimmt sich neuerlich vor, im nächsten Leben einen anständigen Handwerksberuf zu erlernen, zum Beispiel Quantenmechaniker.

„Der Klient ist gut in die Gemeinde integriert.“ Als Teilzeit-Hilfsarbeiter auf dem Wertstoffhof… Nee nee nee! Dabei hätte es völlig gereicht, wenn einer in der Tee-Weh-Geh etwas gesagt hätte wie, es wäre Semesterbeginn und er würde K. schnell hinfahren, um ihm dann vor Ort einen Tritt in den Hintern provokativtherapeutisch zu verabfolgen, damit er, K., auch wirklich sich an die Brüste der nährenden gütigen Mutter begäbe; dann hätte man sich 50 Sitzungen mit Anna Lyse sparen können, und K. hätte dem Hinfahrer sogar noch das Benzin gezahlt, denn es waren ein Dutzend Kilometer von der Tee-Weh-Geh zur hohen und höchsten Stätte des Wissens, ach.

(… sooo süüß…)

„Dem Klienten ist es nach wie vor nicht gelungen, sich in angemessener Weise aus dem therapeutischen Feld zu lösen; wir empfehlen Überweisung in die Abteilung für fossile Schachtelhalme des nächsten Tierheimes.“ Gezeichnet Unleserlich, leitender Unter-Assistent; bei den Unleserlichs scheint es sich um eine weit verzweigte Großfamilie zu handeln, deren Mitglieder zumeist im medizinischen Bereich tätig sind.

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‚Der is‘ so schräg, der könnte von mir sein!‘, denkt etwas in K. – Quelle.

PS: K. ist durchaus bereit und in der Lage, das Positive zu sehen, weswegen er darauf hinweist, dass die druckvollen Messergebnisse heute der Hammer waren, um wieder einmal volkstümliche Ausdrucksweise vorzutäuschen, denn vor dem Laufen hat K.’s Blut mit 147/95/63 gedrückt, oder so ähnlich, und nach dem Laufen mit 115/85/77, und 115 ist nicht mehr nur normal, sondern optimal in Richtung niedrig, und hält denn auch das Alter noch kleine Überraschungen bereit fürwahr, des seiest Du gewiss, herbe Dame Welt.

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