(… „Sie angefasster Spießer!“…)

Der Beschluss muss nun allerdings von den Jugendfreunden der inneren Gruppe des K. zunächst diskutiert werden, um dann zur Durchführung der Realisierung gelangen zu können, oder so ähnlich. Zudem möchte Prof. Unrat-Kroske zu den fehlenden Kommata heute nicht nur nichts bemerken, sondern bemerkt auch nichts dazu, denn dergleichen scheint in der Tat im Trend; voll schwul, Digga, kriegst ’ne Rastung… (Quelle)

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Gestern hat sich K. prechtig unterhalten, indem er sich unter anderem dieses Video reingezogen hat.

Zwar ist ihm, K., eingefallen, dass er dieses audiovisuelle Kommunikat schon einmal rezipiert hatte, aber ihm ist auch wieder ein sehr bemühter, ja, überspannter Brief eingefallen, den er, K., vor fast 40 Jahren geschrieben hat, und auch abgesandt, und zwar an seinen ehemaligen Klassenleiter während seiner, K.’s, Abitour.

(… gibta wieda an, dissa Abitur hatwill nich‘ abeitn, weilla Abitur hat…)

In dieser Epistel ist K. ausführlich auf den Unterschied zwischen Bildung und Wissen eingegangen. „Bildung“ wäre eine Qualität, eine Haltung, ein Komplex von Mustern der Wahrnehmung, zum Beispiel des Wissens, usw., während „Wissen“ eine Quantität darstellen würde. Schule würde günstigstenfalls Wissen vermitteln und nur in den seltensten Fällen Bildung. Etwas in dieser Art, und K. war sich wieder selbst angenehm unheimlich angesichts seiner Höhenflüge.

(… „Halbes Jahr Tiefbau, denn is‘ Schluss mit Fühlosophie, hähähä!“… ja, auch der Humor kommt nicht zu kurz, nicht wahr…)

Ein bisschen verblüfft war K. jedoch, als er Precht in einem weiteren Beitrag, den K. jetzt nicht mehr findet, oder genauer gesagt, zu faul ist zu suchen, über das Thema „Arbeit“ sprechend erlebt hat, wobei Precht wiederum Gedanken geäußert hat, die K. nicht fremd sind, um den Tatbestand milde zu umschreiben.

K. hat schon mehrfach versucht zu erörtern, und sogar lebenden Personen, dass er das Problem vierfacher Verhartzung weniger darin sehen würde, dass er sich nichts leisten könne, jeden Cent fünfmal umdrehen müsse usw., sondern dass er sich nicht mehr drücken könne vor existentiellen Fragen, die sehr angenehm zu verdrängen gewesen wären, solange ihm eine Struktur insbesondere der Werktätigkeit vorgegeben worden wäre. Dies wären etwa Fragen wie, was das Ganze solle, was man überhaupt auf dem dritten Planeten zu suchen hätte, was noch drin wäre in der verbleibenden Frist auf diesem Planeten usw.

K. hat auch hier mit einer Art müden Genugtuung, wie sie seiner Altersweisheit entspricht, *hüstel*, feststellen können, dass Precht nicht unähnliche Gedanken äußert.

K. weiß, wie das klingt! Wieder ist er fürchterlich neidisch und eifersüchtig und hat wieder keinen Zugang zu diesen Gefühlen; furchtbar, der Mensch! – Kann man das stecken lassen, danke im Voraus???

Was hat das nun jedoch alles zu bedeuten? – Die Budenzauberer gewinnen sowieso und K. fängt mittelfristig als Verkäufer oder bei der Müllabfuhr an, basta.

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K. nutzt jetzt des Öfteren den digitalen Auskunftsdienst Quora, und er ist aus mehreren Gründen überrascht, womit er sich wiederum sehr vorsichtig ausgedrückt hat, was ihn neuerlich überrascht.

Das Internet scheint K. schon lange nicht nur eine neue Technologie, vielmehr es auch im an Hegel gemahnenden mehrfachen Sinne etwas aufhebt, konkret im Sinne von „konservieren“ und von „auf eine höhere Stufe heben“ und eher nicht im Sinne von „auslöschen“.

K. hat das, was nicht einmal ihn selbst überrascht, schon mehrfach angedeutet, indem er erklärt hat, dieses „Atmosphärische“ der nach von Rezzori „Epochenverschleppung“ wäre ausgerechnet in den modernsten Produkten der digitalen Kultur wie etwa PC-Games oder Filmen auf Blu-ray Disc usw. weitaus deutlicher und überzeugender dargestellt als in den schmerzlich theoretisierenden Texten des K.

Buchstäblich augenfällig kommt rüber, was K. mit vielen Worten umkreist, in „Syberia“; da ist diese Stimmung, diese Anmutung, wie es in der Werbung Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation heißt, derart klar, dass man nicht mehr labern muss, zefix. Dasselbe gilt auch für Filme wie „Grand Budapest Hotel“.

(… ganz tief drin schlummert auch in K. eine Hofdame…)

Dann bietet Quora häufig sozusagen Jahrmarkt auf der digitalen Ebene; „Monstren“ wie Missgebildete usw. werden gezeigt, von monstrare.

Als erstes aufgefallen ist K. jedoch, dass er jeden Tag einige ausnahmslos ausführlich beantwortete, sich auf die gräulich darminhaltsfarbenen zwölf Jahre beziehende Fragen findet. Hitlers hypnotische Augen, die Panzer Panther und Tiger, wer war der größere Feldherr, von Manstein, Rommel oder Paulus usw. usf. Sinngemäß.

Ist sie da wieder, die „Gnade der späten Geburt“, von der Dr. Kohl gesprochen hat?

(… im Auge behalten, den K…. der ist nicht einmal in der Lage, und scheint vor allem nicht bereit, Dankbarkeit zu empfinden dafür, dass Birne ihn befreit hat… hat Tatsache die Wende verpennt…)

(… aber es ist doch wirklich sooo süüüß, wie der postpubertär-präsenile Stino-Dino schier zwanghaft versucht, Einen auf Interlecktueller zu machen, oder… man soll das nicht unterschätzen… es war immerhin die aus mehreren Gründen ungewöhnliche Autorin Helga Königsdorf, die sinngemäß angemerkt hat, sie hätte lange Zeit gebraucht, um zu lernen, das es eine hohe Kunst wäre, Andere zum Lachen zu bringen…)

(… allein, K. ist doch ein pfiffiges Kerlchen, wie Tante Paula gesagt hätte, wenn es sie gegeben hätte…)

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Und wenn diese mindestens merkwürdigen Träume nun doch sozusagen selbstgemacht sind? Vorhin, als K. seinen Rausch ausgeschlafen hat, denn er ist jeden Tag breit, was man auch deutlich an diesem Text merkt, waren diese Träume nicht ganz so tief wie nachts, und K. hatte das Empfinden, er könne sie steuern.

In zwei Szenen wurde das besonders deutlich. Einmal war K. in einem Saal mit Bühne, und es schien nicht das Theater seiner Heimatstadt zu sein, sondern das dortige, längst abgerissene rückgebaute Kulturhaus, das sich leider nicht verlinken lässt, wozu K. jetzt gar nichts weiter sagen will, was sehr erstaunlich klingen muss.

(… da sind wohl bzw. unwohl die Nossinnossn an der unsichtbaren Front wieder zugange… höhöhö, bildet sich ein, er wird vonna Stasi hüpposiert…)

In diesem Haus hat K.’s Abi-Ball stattgefunden, bei dem er eines der seltsamsten Erlebnisse seines Lebens hatte, indem ein etwa sechzehnjähriges Mädchen, das K. noch nie gesehen, das aber dieses gewisse Etwas jenseits langweilig perfekter Schönheit hatte, K.’s Sinti-und-Roma-Steak nicht ohne Anmut von seinem Teller genommen und mit schelmischen Vergnügen in appetitlichen Stücken sich hat kussmunden lassen.

K. hat dann kein neues Steak bekommen, weil das Menü der Anzahl der angemeldeten Gäste entsprechend vorbestellt war, hat aber von der Möglichkeit rege Gebrauch gemacht, seine harmlosen erotischen Wachphantasien mit einem im mehrfachen Sinne frischem Gesicht beleben zu können.

Die Symbolik dieses persönlichkeitsspezifisch possierlichen Geschehens war K. jedoch bereits damals zumindest vorbewusst. Noch in den letzten Stunden seiner Schulzeit hat sich K. in der abwartend-beobachtenden Haltung, die für ihn typisch, jedoch für unsere Menschen völlig untypisch war, ihm zustehende Leckerbissen widerstandslos buchstäblich vor der Nase weg fressen lassen.

(… K. wusste spätestens seit der 10. Klasse, dass er nach der Schulzeit eine Leere beginnen würde…)

War sie eine von denen, aus der realsozialistischen Oberschicht, befreit auch und gerade von emotionaler Unterdrückung? Nichts Genaues weiß man nicht, und wir bleiben auch nicht dran…

Etwa ein Dutzend mit Gebetsmänteln usw. bekleidete Juden kommen in K.’s Traum in den fast vollen Zuschauerraum des Saales mit Bühne, und K. ist zu seiner eigenen Überraschung im Traum spontan, indem er sich vom Platz erhebt und zu applaudieren beginnt, worin ihm alle Anwesenden nachfolgen. – Nicht schlecht für einen latenten Antisemiten, oder?

Dann ist K. General der Infanterie, der US-Marines oder dergleichen, und erscheint am Tor eines Zeltlagers für Jugendliche, und ein junger Kommandeur der Quasi-Kadetten grüßt K. vorschriftsmäßig. Nein, es war kein HJ-Lager, sondern eher das der Pfadfinder in „Moonrise Kingdom“, gnihi, ebenfalls vom Großmeister Anderson.

(… dieser Film malt eine der vielen Geschichten aus, in denen K. in seinem Leben schon in Ansätzen stecken geblieben ist… wer aber ist schuld… die Eltern, Erich und die Stasi… alles klar…)

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Herr K. trinkt nämlich Bier, ha! Ihm scheint, dass er sich damit in gewisser Weise einer gewissen Normalität annähert. Außerdem halten ihn sowieso alle für ’n Schlucki; jedenfalls ist das den Mentalfunksprüchen zu entnehmen.

Nachdem K. sich auf diese Weise um „immer bessere Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung“ bemüht hat, wird das noch deutlicher und schärfer. ‚Jeden Abend voll, gehört in die Trinkerheilanstalt!‘ usw. kommt nun per Mentalfunk, und das ist zwar auch nichts Neues, aber trotzdem wunderbar ärgerlich.

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‚Will berühmt werden mit Tagebuch Schreiben!‘, kam eben per Mentalfunk.

Wisst Ihr was, Leute? – Unabhängig davon, dass kleiner Arsch natürlich schnell geleckt ist, könnt Ihr K. alle mal!!!

(… hähä… garstige Hobbitse, garstige Hobbitse…)

Bla.

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