(… über weitere Versuche des K., sichtbar zu werden…)

Eines der in den erwähnten „Lebensreportagen“ versammelten leicht schrägen Erlebnisse des K. ist seine dort beschriebene Teilnahme an der Eignungsprüfung für die Fachrichtung Schauspiel an der Filmhochschule. Man sagt „versammelt“, denn dies ist intellektuell und vor allem literarisch sowie – überhaupt…

Nein, Herr K. möchte nicht Reichskanzlerin werden, auch nicht im Unbewussten, *hüstel*. Er wollte eigentlich, wie in dem eben oben verlinkten wichtigen Werk der Weltliteratur gnadenlos meisterhaft dargestellt, gar nichts werden, und zumindest das ist ihm sehr gut gelungen. Aber er musste aus dem Zustand leichter Trance, in dem er bis zur mittleren Reifung erstaunlich gut funktioniert hat, zumindest kurzzeitig hinaus, um seine Pflicht zu erfüllen und sich zum Beispiel um eine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz zu bemühen. K. musste und wollte durch diesen Erwachsenenquatsch, der sowieso nichts für ihn war, vor allem hindurch, um dann wieder in Ruhe gelassen zu werden von den entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten.

Längst hatte K. die Kennung verloren und war ohne Ziele, ohne Plan, ohne Ehrgeiz. Das scheint jedoch, was über seinen unwohl tiefgeborenen Bauchnabel hinaus von Bedeutung gewesen sein dürfte, gar nicht aufgefallen zu sein, weil alles seinen Gang gegangen ist und K. im sozusagen realsozialistischen Mainstream bequem antriebslos voran getrieben wurde. Weiter voran auf bewährtem Kurs – auch auf der Stelle Treten ist dynamische Bewegung!

Seine Klassenleiterin jedoch, von der K. gar nicht wahrzunehmen vermochte und wagte, dass er in sie verschossen war, von der er aber sicher war, dass sie wissen würde, was gut für ihn wäre, hat ihm empfohlen, Regisseur zu werden. K. ist dieser Anweisung gern gefolgt, da er die berühmte Frage „Was tun?“ für sich schon lange nicht mehr beantworten konnte.

(… er kann sie heute noch nicht beantworten, er weiß immer noch nicht, was er auf dem dritten Planeten des Systems eigentlich soll… furchtbar, das Mensch… so was gehört doch in die Einrichtung… nachher zählt er doch noch die Schlüpferblümchen auf den Blümchenschlüpfern der minderjährigen Hausmeisterwitwe… im Auge behalten…)

Da aber ein anderer Lehrer angedeutet hatte, dass man besser und schneller auf einen Regiestuhl kommen, wenn man Schauspiel studieren würde, ist K. auch dieser Anregung gefolgt, denn er wusste wie angedeutet schon lange nicht mehr, was er machen sollte, abgesehen natürlich immer von dem, was er gegessen hatte, wie sein unmittelbar vorgesetzter Vorfahre sich immer wieder, aua, ausgedrückt hat.

Desto mehr Zeit vergeht, desto gruseliger erscheint K. seine damalige seelische Schieflage, die, wie ebenfalls erwähnt, niemandem aufgefallen scheint, eigentlich nur dieser Klassenleiterin. K. war sozusagen eine Art wandelnde Speichereinheit, die nur senden konnte, was man ihr aufgespielt hatte, und er war ohne Anbindung an eine klare Anweisungen gebende Person zu keinem Schritt fähig und bereit, rrrrrrr, wuff!

Mitleid, Mitleid, Mitleid! Schnuller, Schnuller, Schnuller!

Aber! In den letzten Tagen hatte K. immer wieder den Gedanken, den er hier mit der Weltöffentlichkeit teilen möchte, dass er doch im gewissen Sinn zum Schauspieler „neigte“, jedoch nicht auf der Bühne oder vor der Kamera, sondern beim Lesen, Lesen, Lesen. Seine eben angedeutete Identitätsschwäche vermochte K. im Wortsinn zu überspielen, indem er sich für die Dauer der Lektüre unter Ausblenden der lästigen sogenannten Realität die Identität des jeweiligen Buchhelden gewissermaßen geliehen hat. Das entsprach zudem der in seinen ersten sieben Lebensjahren erfolgten und für unsere Menschen nicht typischen Konditionierung auf den Vorrang der innenweltlichen Kontemplation vor dem außenweltlichen Handeln.

Was wollte uns der verhinderte Dichter damit sagen? – Im nächsten Leben geht’s anders lang, des seiest Du gewiss, herbe Dame Welt; in diesem Leben aber gilt es nun, o schöner Schmerz von edler Tiefe, zwar weise nicht, jedoch immerhin salondebil milde zu verdämmern fürwahr…

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