(… s i n d das Fortschrittchen… [Fragezeichen]…)*

(K. wiederholt sich zum wiederholten Male, aber das merkt ja nirgends keiner nie nich’…)

***

K. hat sich auch um die Beschreibung dieses Phänomens schon mehrfach bemüht, das man vorschnell als psychiatrisch relevant werten könnte. Er liest ein Buch, das er noch nicht kennt, insbesondere aus den, boah, Marktsegmenten SF und High Fantasy, und nach der Lektüre einiger bis einiger Dutzend Seiten unterbricht er diese Lektüre im günstigsten Fall mit einer Art innerem Stöhnen und im ungünstigsten Fall, der jedoch, Pionierehrenwort, fast nicht mehr auftritt, indem er das Werk von sich schleudert.

(… bereits Professor Freud hat erörtert, sinngemäß, dass Kleinkinder durch das Wegschleudern von Gegenständen die Abwesenheit der Mutter gewissermaßen trainieren würden… das am Rande und um neuerlich auf die prekäre Viertelbildung des K. zu verweisen…)

*Hüstel*‚Wieder rein gelegt!‘, denkt K. in solchen Momenten in etwa. Bei Beginn der Lektüre war ihm zumindest halb bewusst, oder, um sich endlich wieder einmal eines Begriffs aus dem Freudeskreis Anna Lyse zu bedienen, vorbewusst, dass er wieder einmal kurz davor war, sich an richtiger Literatur zu versuchen, nicht an launig plänkelnden Wortgruppen, die er in seinem Bloghäuschen zugegebenermaßen nicht ganz ohne Anmut zu gruppieren pflegt und die etwa dem „Aufwärmen“ eines Musikers im Probenraum entsprechen.

Dutzende Male hat K. es dann erlebt, dass er in dem jeweiligen Buch die Idee oder das Sujet oder den Plot oder was auch immer ausgeführt gefunden hat, die ihm gerade vorbewusst durch den Kopf gegeistert sind. Er war jedoch nicht neidisch und eifersüchtig, wie man ihm sehr gern und oft zu unterstellen scheint, sondern wütend und vor allem befremdet bis kafkaesk schaudernd, weil die Budenzauberer ihn schon wieder reingelegt hatten und dabei vor allem in etwa mitgeteilt: „Brauchst gar nicht erst anzufangen, das gibt es schon!“

Das hat K., wie gesagt, viele Dutzend Male erlebt. Nun aber scheint etwas zumindest in hoffnungsvollen Ansätzen Neues geschehen zu sein, denn auch das Alter hält noch Überraschungen bereit, wir berichteten.

Seit etwa 1984 hat K. 50 Plots sozusagen gesammelt. Das ist kein müder Joke, und K. ist durchaus klar, dass „Prokrastination“ hier euphemistisch bis verniedlichend klingen dürfte. Es sind „Coverversionen“ zum Beispiel des Romeo-und-Julia-Motivs dabei, denn K. neigt störungsspezifisch zu Größenideen, aber auch viele SF-Plots.

Einer dieser Plots soll hier andeutungsweise erörtert werden; er ist die Nr. 32 in der erwähnten Sammlung und vom 29.03.2018.

Durch unbekannte Strahlungen oder Stoffe halten plötzlich alle Erdbewohner inne und dringen durch die durch Erfahrung, Erziehung, Prägung, insbesondere frühe Konditionierung usw. sozusagen aufgetragenen Schichten des Wahrnehmens, Fühlens, Denkens und Handelns hindurch zum gesunden Menschenverstand vor, trallala.

Das manifestiert sich dann zum Beispiel dergestalt, dass Flugzeugträger begrünt und bewaldet werden und als schwimmende Kinderheime mit High-Tech- und Luxusausstattung sowie hochqualifizierten Pädagogen und Therapeuten an Bord Waisen aus aller Welt heilsame Weltreisen ermöglichen; Kreuzfahrtschiffe dagegen bieten einen ähnlichen Service weltweit für Flüchtlinge an.

Milliardäre fischen mit ihren Super-Jachten systematisch Flüchtlinge aus dem Mittelmeer und fliegen mit ihren Superjets bedürftige Arme weltweit in medizinische Zentren. Dutzende Millionen Militärangehörige aus aller Damen und Herren Länder beginnen, die Sahara und die „Rodungsgebiete“ des Amazonas-Regenwalds aufzuforsten.

Herr, Zitat Erwin Strittmatter senior, „Spezialkamerad“** Sarrazin macht sich einen Namen als Leiter eines Schulverbunds für Kopftuchmädchen, Gospodin Putin wird ein überaus begehrter und erfolgreicher Anbieter für erlebnispädagogische Abenteuerreisen durch Sibirien und Mr. Trump werden buchstäblich die Buden eingerannt, seit er als Moderator und Animator sowie Friseurmodel in einem Steinzeit-Themenpark von der Größe Alabamas arbeitet, in dem Alternativkamerad Höcke für die Errichtung und den Betrieb von prähistorischen Wehranlagen berechtigt berühmt ist. Frau Bürgerin Genossin Wagenknecht bietet überaus erfolgreich für die weltweit Millionen Wohlstandsfetten medizinisch betreute Langstreckenwanderungen an, und zwar ebenfalls um den gesamten Globus, und zwar immer linksherum; sie nennt das „Die Schwimmwesten-Bewegung“. Usw. usw. usf.

(… jetzt kommt der Oskar und verkloppt Herrn K. proletarisch-dynamisch, dieser jedoch ist „Immer bereit!“, ha…)

(… der Typ hat sie echt nicht alle… der gehört in ’ne Einrichtung… Bürger, werdet aktiv, zefix…)

Ja, so sähe man Herrn K., wenn zumindest einige der „Schichten“, siehe eben oben, von seinem sozusagen Mentalkern abgetragen wären, vor allem die äußerste Schicht der destruktiven Aggression. – Was tun mit dem grauhaarigen Kind? Soll es ins Heim?

Wird K. es schaffen, noch vor seiner Abberufung in die ewige Großgruppe ein bisschen von seinen Ideen wenigstens sichtbar zu machen, zum Beispiel durch literarische Verarbeitung, oder dreht er irgendwann völlig ab?

Deswegen nämlich, liebe besorgte Bürger, ist Herr K. bereits mehrfach in seinem Lebens-Slalom-Lauf durchgeknallt, weil kaum etwas von ihm sichtbar oder gar wirksam wird, und nicht, weil er ein gewaltbereiter Staatsfeind ist und was dergleichen bequeme Etikettierungen mehr sind. Dieses Problem ist aber ein krasses solches weit über seinen tief unwohlgeborenen Bauchnabel hinaus, denn K. verkörpert „nur“ in zugespitzter und zugegebenermaßen immer wieder herzallerliebst tragikomischer Weise, was in ganz vielen Leuten herum rumort.

(… ‚Höhöhö, spielta wieda Lenin, höhöhö!‘… das kam nicht jetzt, kommt aber des Öfteren…)

***

Was aber soll in diesem Kontext nun bitteschön neu sein, siehe ganz oben?

Nun, gestern hat K. endlich wieder einmal was Vernünftiges gemacht und nämlich „Kelwitts Stern“ von Andreas Eschbach gelesen, und zwar in einem Zug und immer wacher werdend.

„Es passiert nicht alle Tage, dass man seine Tochter aus dem Internat zurückerwartet und bei ihrer Ankunft feststellen muss, dass sie einen Außerirdischen mitgebracht hat.“
Andreas Eschbach, „Kelwitts Stern“, Bastei Lübbe Taschenbuch, Januar 2001, Seite 100

Dergleichen ist K., wie er, was überraschen muss, erwähnt hat, in den letzten vierzig Jahren allerhöchstens ein halbes Dutzend Mal gelungen, und beispielsweise das empfindet K. als „Unterdrückung“, nicht Hartz IV. – Das scheint schwer bis gar nicht zu vermitteln, was sogar K. mittlerweile geschnallt hat.

Zudem hat K. lange nicht mehr so gelacht, und das bis nach Mitternacht, womit sich wieder eine Ungereimtheit reimt, ha. Der Außerirdische Kelwitt lernt Deutsch durch massiven Konsum von Fernsehsendungen, weswegen er zumindest anfangs in Werbe-Slogans- und Floskeln spricht, und das war sehr wahrscheinlich auch schon mal da, aber K., der anhedonische Miesepeter, hat sich gekringelt auf seinem lumpenproletarischen Lotterlager (LUPROLOLA).

Ein Beispiel; dieses scheint das am meisten humoristische Buch von Andreas Eschbach zu sein. Herr K. hat immer noch nicht alle Schriften dieses Autors gelesen, aber in den letzten Wochen drei weitere als Printmedium erworben, und nun will sich leises Behagen in K. breit machen, allein, er weiß ihm durchaus zu wehren. – Wäre ja noch gelachter, vielleicht noch Spaß am Leben haben, was, pah!

Auch und gerade bei dieser Lektüre aber hätte der ganz oben angedeutete Effekt eigentlich eintreten müssen, „schon wieder reingelegt“, denn der von K. oben erörterte 32. seiner eingelagerten Plots wird von Eschbach zumindest andeutungsweise verarbeitet.

Eine Pflanze, die Augenöffnerblume, deren Samen beim Absturz von Kelwitts Raumschiff über die Erde verteilt wurden, blüht weltweit und bewirkt ein Innehalten aller Menschen, die sich für einige Augenblicke bewusst werden, was sie gerade wirklich tun, d. h., ähnlich wie in K.’s Plot dringen sie durch alle alltäglichen Procederes hindurch zum gesunden Menschenverstand vor. Im Grunde, und das muss Hilfstherapeut K. an dieser Stelle anbringen, eine seelenheilpädagogische Intervention, denn viele Menschen scheinen in ihrem Leben noch nie adäquat gespiegelt worden zu sein, aber das ist Psychogedöns und kann weg.

Aber! Dieser sozusagen schockartige Heilungsprozess wird erst ganz am Ende des Buches dargestellt, auf den knapp zehn letzten von knapp 445 Seiten des Buches in der K. vorliegenden Paperback-Ausgabe.

Hm. Ist Herr K. deshalb dieses Mal nicht unwirsch geworden, obwohl ihm neuerlich scheinen musste, dass die ihm mitteilen wollten, er bräuchte erst gar nicht anfangen mit der Ausgestaltung seines Plots, weil es die schon gäbe?

(… wer „die“ sind, versucht K. seit Jahrzehnten unter zeitweise massivem Zutexten von Mitgliedern des Freudeskreises Anna Lyse vergeblich zu explorieren… heule heule heule…)

Oder hat dieses Ende eher eine Art Aufforderungscharakter? Könnte man nicht sagen, und „man“, nicht nur K., dass Eschbach auch hätte richtig loslegen können an der Stelle, an der er den Roman enden lässt?

(… K. legt nicht los… er legt sich höchstens hin… har har…)

Tja, womöglich ist das eine neue Erfahrung des K. in seinem heil- und ziellosen umher Irren im, meine Güte, wie poetisch, Zerrspiegel-Labyrinth des Budenzaubers (ZELABYBUZ)…

In diesem Sinne – Gott ist tot und K. hat auch immer wieder diese Schwindelanfälle!

** Schon lange hat Herr K. das im Ostpreußischen überaus häufig gebrauchte Suffix „-chen“ nicht mehr verwendet, weswegen er dem Drang nicht widerstehen konnte und wollte, es hiermit wieder einmal zu versuchen.
** Nämlich für „Sozialdemokrat“, was von den führenden Genossen sehr goutiert wurde, als Strittmatter sein Buch mit dieser Verballhornung auf den Markt geworfen hat.

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