(… neuerliche kleine Morgensitzung des K. mit sich selbst…)

Quelle.

Es kommt nichts dabei raus, und wichtig ist doch, was hinten raus kommt, wie Dr. Kohl richtig bemerkt hat, wobei K. aus eigenem Erleben hinzufügen möchte, und er möchte nicht nur, sondern fügt nun in der Tat hinzu, dass auch, was vorn raus kommt, wichtig sein kann, gerade beim Übergang vom spätpubertären zum frühsenilen Kunden. – Jaha, das ist lustig, aharhar!

K. steht auf, immerhin, unterzieht sich seinen Morgenroutinen, die ihm entsetzlich auf den Zeiger gehen, und Viertelstunden lang hält er in seinem Kopf Ansprachen an Unbekannt.

Es sind Verteidigungsreden, die immer wieder im Selbstlauf generiert werden ohne erfolgten Angriff, es sind Monologe voller Vorwürfe und Rechtfertigungen, die fast nie aufs Papier oder auf den Monitor gelangen, geschweige denn zu realen Adressaten. K. fragt sich dementsprechend immer wieder, was diese seit Jahrzehnten von ihm erlebten unausgesprochenen Plädoyers sollen und wie er die abstellen könnte.

Sind die Ausdruck der Phantasie, über deren Mangel zu klagen K. nicht müde wird, dabei immerhin gelegentlich wahrnehmend, dass die dabei verbrauchte Energie einer besseren Sache wert wäre? Müsste er endlich lernen, so was Schrift stellend umzusetzen und dann auch, ha, nur noch zu verkaufen? – Ewig murmeln Bataillone von Murmeltieren, der Mann kommt nicht mehr raus aus der Spur, er muss ins Heim…

Eigentlich wollte K. heute zu seiner Hausärztin, um sich, nach Anregung durch in bewundernswerter Weise mit seiner Begleitung befasste Fachkräfte, eine Überweisung in eine Tagesklinik zu besorgen, eigentlich… Womöglich haben Leute im Haus interveniert; es geht nicht so weiter mit dem Typen, nachher frisst er doch noch ’n Hamster usw.

Nein, die Leute haben nicht Angst vor Herrn K., der auf was drauf sitzt, wie gewisse Fachkräftinnen sofort mit einiger Sicherheit hier erklären würden, immerhin jedoch nicht mit Staatssicherheit; K. soll ja üben, das Positive zu sehen, *hüstel*.

Die Leute, bekanntlich sind das zum Glück immer die Anderen, haben Angst vor ihren eigenen Aggressionen, die sie ständig unterdrücken und unterdrücken müssen, um in dieser unserer dynamischen Postmoderne halbwegs funktionieren zu können, und sie brauchen daher einen Omega, der dieses Unterdrückte sozusagen in ausgeprägter Form oder in Reinform ausdrückt oder vielmehr auszudrücken scheint. Vor allem deshalb wird sich im Netz ausgekotzt, dass die Bits taumeln; dort kann man die Abgrenzung kompakt realisieren, die man im täglichen Umgang nicht hin kriegt, was sogenannte weite Kreise denn auch täglich heftig tun.

Wobei natürlich auch und gerade hier wieder die typische Tragikomik des K. sichtbar wird. Herr K. hat Jahre gebraucht wahrzunehmen, wie beispielsweise sein Einzug in die WG in Grünwald 1999 auf die dortigen Anwohner gewirkt haben muss; da hat eine Team-Mitgliedin das auch ausgesprochen, dass die Leute Angst hätten. K. ist am Freitag eingezogen und am Samstagmorgen in Handschellen zugeführt worden. – Was war passiert?

K.’s Schulden bei den Berliner Verkehrsbetrieben nach mindestens merkwürdigen, weil fast immer auf dem Weg zu seinem Analytiker vollzogenen Schwarzfahrten waren zuzüglich Inkassogebühren usw. auf über 1000 DM angestiegen. K. hatte wie die meisten seiner Mitklienten die Klinik als seine Wohnadresse gemeldet, ‚War Tatsache mal Dauerpatient, uäääh!‘, was aber in München im Kreisverwaltungsreferat erfolgte, so dass K. sozusagen nicht mehr sichtbar war, was ihm natürlich sehr behagt, wenn er es wahrgenommen hätte.

Da es sich bei den über 1000 DM jedoch nicht mehr um ein Vergehen, sondern um ein Delikt handelte, hatte die BVG Haftbefehl wegen Fluchtgefahr erlassen. Nachdem sich K. am Freitag unter der Adresse der im Landkreis gelegenen WG angemeldet hatte, war er bei der Polizei auch im Wortsinn wieder auf dem Schirm und die Beamten konnten und mussten bei Dienstbeginn den Haftbefehl vollstrecken.

Wegen Schwarzfahren, wie gesagt, aber das konnten die Anwohner in Grünwald natürlich nicht ahnen. Für sie sah es so aus, als würde einer dieser Typen im, O-Ton vox populi, Bekloppten-Verein, gleich nach dem Einzug verhaftet werden, und dann noch einer mit einer solchen Ganoven-Fresse, laut Dr. S. einem Charakterkopf. Nun ja, die seltsamen Feedbacks der Psychiater…

Was K. damals überhaupt nicht begriffen hat, war die Tatsache, dass der Fehler bei ihm lag, denn er hat, anstatt, igitt, Kontakt aufzunehmen und mit den Leuten der Verkehrsgesellschaft zu kommunizieren, überhaupt nicht reagiert.

Warum erzählt K. das? – Er hat es schon einmal erzählt, in einer seiner vielen rückgebauten Blog-Häuschen, und immerhin bemerkt er das, und wahrscheinlich will er jetzt wieder gelobt werden.

Weil diese sinistere Schmonzette überaus typisch ist, was gerade das Ende des Geschichtchens zeigte. Einer der beiden Polizisten konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, als er den hauptstädtisch-verkehrstechnischen Hintergrund der polizeilichen Zuführung bemerkte, hat in Big B angerufen, und übrigens die Haftrichterin aus dem Bett geholt, was K. ganz tief drin durchaus ein bisschen erheitert hat, und nach einigen Telefonaten mit Marginalpersonenbeaufsichtigungsbeauftragten des, O-Ton vox populi, Beklopptenvereins, war K. wieder auf freiem Fuße.

K. kann machen, was er will, abgesehen natürlich immer von dem, was er gegessen hat, es wird immer tragikomisch. Es gelingt K. jedoch nicht, um wieder mit gewiss störungsspezifischem Größenwahn zu sprechen, wie beispielsweise Herr von Bülow oder Herr Konigsberg (ein Zeichen, der Name, wie gesagt, *hüstel*), was draus zu machen, eine Lösung zweiter Ordnung zu bewältigen, hier in Gestalt künstlerischer Umsetzung des subtilen Elends menschlichen Daseins.

(… heule heule heule, Opa hat ’ne Beule…)

(… ganz übrigens hat K. vorgestern einen Brief vom Amtsgericht erhalten, in dem sinngemäß mitgeteilt wurde, dass K. in wenigen Wochen das Insolvenzverfahren dergestalt erfolgreich abgeschlossen haben wird, man beachte die seltene Verwendung des Futurs 2 im letzten Teilsatz, aber das natürlich am Rande mit einem verschmitzten Zwinkern, nich‘ wahr, dass K. dann schuldenfrei sein wird und vor allem ohne SCHUFA-Eintrag, der ein Hindernis bei Bewerbungen bei Wohnungsgenossenschaften darstellte… und jetzt freuen Sie sich doch mal, Herr K…. hau ruck… Mist, funzt nich’… K. glaubt das eh‘ erst, wenn er auch das schriftlich vorliegen hat…)

***

Was aber nun soll K. da überhaupt, in dieser Tagesklinik? – Wobei er, was niemanden überraschen kann, gestern Abend noch überzeugt war, das könnte was bringen, zumal eine gründliche Untersuchung incl. EEG und dgl. angesagt wäre, was K. auch schon lange weiß, theoretisch, wie immer.

Schon jetzt, im Vorfeld sozusagen, spürt K. diese Abneigung, die immer stärker wird, und die er zu seinem eigenem Befremden vor nunmehr auch schon wieder einigen Monaten auf dem Weg zu diesem Zustellstützpunkt in der Leonrodstraße deutlich wie nie erlebt hat. Dabei hatte ihm damals seine Sozpäd, milde formuliert, ausdrücklich erklärt, dass sie das nicht mitmachen würde, wenn K. zum mindestens zwanzigsten Mal zu tun anheben würde, was er schon mindestens neunzehn Mal getan hätte, nämlich wieder Zeitungen austragen oder Teller waschen oder Kohlen schippen oder Flaschen sortieren oder Waggons ausladen usw.

Das heißt also, K. bleibt jetzt in dieser Art seltsamen psychischem Zwischenreich, in dem keine richtige Handlung zustande kommt, aber auch keine gewissermaßen Ersatzhandlung wie künstlerische Tätigkeit wie vor allem Schreiben? – Nichts Genaues weiß man nicht, doch wir bleiben dran.

(… während des Tippens der letzten Zeilen kamen wieder mehrfach innere Zurufe etwa des Inhalts, K. solle XYZ anrufen und er solle laufen gehen… womöglich macht er Letzteres auch gleich, um überhaupt etwas zu tun…)

Was für ein Leben! – Aber K. hält es aus und will wahrscheinlich dafür gelobt werden, das weiß er selbst nicht genau; zudem ist ihm klar, dass der entsetzlich durchgekaute Spruch zutrifft, es gäbe Schlimmeres.

PS: ‚Er dichtet doch nich‘, er dichtet doch nich‘! Vielen Dank, liebste Budenzauberer, das hätte K. jetzt gar nicht bemerkt! Wie soll K. so was nun einer hirnbiochemisch diplomierten Fachkräftin oder Fachkraft zu verklickern versuchen, nachdem er das Jahre lang bei Mitgliederinnen und Mitgliedern des Freudeskreises Anna Lyse vergeblich versucht hat? Rein rhetorische Frage, wie immer! Diese Histrionischen wieder, nicht wahr, mit ihren Münchhausiaden, dergleichen kennen wir doch, was?! Wie gern aber würde K. das können, wir berichteten höchstens dreißig Mal, „Lügen“ im Sinne von Spinnen, Dichten, Phantasieren!!!

1350 Wörter hat K. in die bedauernswerten Tasten gedroschen, die nun wirklich nichts für seinen Lebens-Slalom-Lauf können, ein ganz ordentliches Pensum; allein, wer hat etwas davon? – Herr K. hat sich entladen, die übliche Ejakulation von Text, und im nächsten Leben wird er richtige Romane schreiben, in diesem Leben wird das sehr wahrscheinlich nichts mehr.

So weit wieder das orgastische Gejammer der frustrierten Hausfrau mit Schwanz; weiter voran auf bewährtem Kurs usw.!!!

Quelle. – Das muss jetzt sein, sorry, gnihi!

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