(… das wird man ja wohl noch sagen dürfen…)

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Die bilden sich tatsächlich ein, dass K. nicht bemerkt, dass sie ihn bescheißen, gnihi; wie Uns bedünken möchte, amüsiert sich die Plebs ganz vortrefflich. Heute war das ganz offensichtlich, es war aber allein in dieser Woche das dritte Mal, dass K. dieses schmerzliche Erleben erleiden musste, oder so ähnlich.

K. hatte einen Pfandschein* über 1.50 und der Gesamtpreis seines unterschichtig bescheidenen Einkaufs belief sich auf 3.20, so dass K. 1.70 in handlichen Münzen hätte übergeben müssen; der Kassenmensch hat aber 2.20 verlangt, die ihm K. allerdings schier stoisch übergeben hat, denn Geld spielt keine Rolle, wenn man eh‘ keines hat.

Pah! Darüber ist K. voll erhaben; er wird doch wegen solcher Kinkerlitzchen nicht sichtbar werden und, igitt, in Kontakt gehen, das wäre ja noch gelachter.

Ruth Cohn hat das in ihrem grandiosen Buch angedeutet. Sie wäre in New York City emotional offen herum gelaufen, wie sie es aus jahrelang erlebten psychotherapeutischen Kontexten gewohnt war, was, milde formuliert, nicht gut angekommen wäre bei den hippen Bürgerinnen und Bürgern Big Apples.

Natürlich ist es überaus bezeichnend, dass K. sich neuerlich mit dem Weibe identifiziert, er neigt zum Lesbischen, wir berichteten mehrfach, und dass die Zielperson seines zunehmend Suchtcharakter annehmenden Dranges zur symbiotischen Verschmelzung „Cohn“ heißt, deutet selbstverständlich auf seinen latenten Antisemitismus. – Alles klar; weiter im Auge behalten, den Mann!

Ist es das, ganz im Ernst? K., das grauhaarige Kind, bewegt sich in dieser unserer dynamischen Postmoderne offen und vertrauensselig, als wäre er im geschützten Rahmen eines therapeutischen Milieus, in dem man, günstigstenfalls, in einer Atmosphäre von Aufrichtigkeit und tiefem Vertrauen alle sozusagen Betriebsmasken absetzen kann?

Sooo süüüß, der Ossi-Kossi; gehört doch in die Einrichtung, echt!

Kommen deshalb immer wieder diese, und das wird man ja wohl noch sagen dürfen, beknackten bis bekackten Rückmeldungen? – Heute hat K. das wieder erlebt; „Kuckuck!“ kam von irgendwelchen Tussies nicht mehr ganz so jungen Frauen, als Herr K. recht elastisch über den Rotkreuzplatz geradelt ist.

Na ja, lassen wir das! Immer noch der kleine Junge, der vom unmittelbar vorgesetzten Vorfahren im Wald oder in der Stadt stehen gelassen wird und verzweifelt nach Orientierung und Anbindung sucht. Sooo süüüß – so was gehört doch in die Einrichtung.

Übrigens war K. heute keineswegs einfach so unterwegs, vielmehr er tatsächlich eine Überweisung von seiner Hausärztin erhalten hat, was, ohne Ironie und dergleichen gesagt, zu seiner Überraschung nur wenige Minuten dauerte. Allerdings gilt diese Überweisung nur bis zum Ablauf dieses Quartals, welcher, muaha, morgen statthat, so dass es K. im Unbewussten wieder einmal gelungen scheint, sich aufs Köstlichst-Konstruktivste selbst auszutricksen, denn nun muss er morgen da hin, wo er eigentlich nicht hin will, obwohl er eigentlich dort hin wollen sollte. Korrekt – oder so ähnlich.

Aus Erfahrung unklug hat K. nun geguckt, wo das ist, wo er morgen hin will zum neuerlichen Versuch professionellen Symptombündelns, und hat das Haus nach nur einem Mal vorbei Fahren denn auch gefunden; so was gehört doch… – siehe eben oben.

Und Ruth Cohn ist übrigens die Entwicklerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI); einer der bezeichnender wie bedauerlicher Weise ganz wenigen Versuche, reichhaltige Erfahrungen aus therapeutischen Feldern auch außerhalb von, O-Ton vox populi, Klapsmühlen und Beklopptenvereinen einzusetzen.

Bla.

* „Pfadschein“ hat ja auch was; Freud Euch des Lebens, es lebe die Libido. – K. wünscht, im Unbewussten, mit einer Pfadfinderin den Wald zu fegen, alles klar…

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