(… die gute Nachricht: auch begnadete Autorinnen werden 60, hähä…)

Quelle.

Immer wieder gibt es Leutinnen und Leute, immerhin, die aussprechen, dass der Kaiser nackt ist! – Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, denn K. ist völlig harmlos, er wirkt nur so; „Sieht aus wie ’n Direktor, bloß druff hatta nüscht!“, O-Ton vox populi bereits 1982, heule heule heule.

Wie sieht denn ein Direktor aus? Hat er ein Firmenlogo auf die Stirn tätowiert? Und wie müsste eine Welt aussehen, in der Probleme wie die eben oben im Zitat angedeuteten im Fokus von Kontemplation und Aktivismus stehen würden, nicht das versiegende Erdöl oder die siegenden Panzerbataillone und dgl.? – Das kann man sich gar nicht vorstellen, das ist es ja gerade.*

Dass K. mehrere Bücher von Frau Sybille** zu lesen begonnen hat, dann aber nicht weiter gekommen ist, macht ihn sehr misstrauisch; sich selbst gegenüber, nicht gegenüber der Autorin und ihren Büchern. K. ist diese Blockierung unwohl bekannt aus seiner Laufbahn als Viertelbildung chaotisch akkumulierender Leser. Auch freut sich K. immer, wenn er weiß, warum er Schuldgefühle hat.

Eine Geschichte von Frau Sybille hat K. jedoch ganz gelesen, diese. Bezeichnenderweise kann sich K. kaum noch an die Handlung erinnern, obwohl er sich entsinnt, dass während der Lektüre Dutzende Bilder aus seiner Hoch-Zeit im Schülerwochenheim vor seiner geistigen Brille erstanden sind, was einer der Auslöser für den Beginn seiner Niederschrift bzw. Niedertippe von Lebensreportagen war.

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar!“, hat Ingeborg Bachmann gesagt. K. wird den Verdacht nicht los, dass sein angedeuteter Lesewiderstand mit seinem mühsam unterdrückten Empfinden zu tun haben könnte, dass Frau Sybille mit ihrer Dichtung sehr dicht an der Wahrheit ist, was der depressiv dümpelnde Kleinbürger K. wieder nicht erträgt, weshalb er sich gerade wieder einmal lieber Romanreihen und Fernsehserien aus dem Marktsegment SF-Unterhaltung rein zieht, Alter! Ach, Herr K. ist, wir berichteten mehrfach, leicht zu durchschauen; sogar von sich selbst.

Dies der pfingstmontägliche Klugschiss to go aus der Unterschicht, häff fann usw.!

** Der Klient versucht neuerlich auf sehr durchsichtige Weise, seine geistige Trägheit zu bemänteln, die ihn darin hindert, etwa eine Alternativweltgeschichte zum Thema zu schreiben. – ‚Will nich‘ abeitn, will nich‘ abeitn!‘, ‚Tut bloß so, als wenna Bewerbungen schreibt!‘ usw. usw. usf. Kurzum – nichts Neues in Schizogorsk; der Erfinder dieses Ortsnamens war ja auch Schweizer Schriftsteller, und außerdem Züchator.
** Gleichfalls zum wiederholten Male ist Herr K. neidisch und eifersüchtig, weil er, im Unbewussten, gern Kulomm… Komul… Gollum… äh… – auch für dem SPIEGEL schreiben tun würde nähmlich, jedoch wie häufig keinen Zugang zu seinen tiefen Gefühlen hat, da deren Wahrnehmung bereits in der Phase frühkindlicher Prägung unterdrückt wurde, ja, unter Androhung oder gar Ausführung von Strafen verboten. Furchtbar, der Mensch; im Auge behalten!

Dieser Beitrag wurde unter Bücher, Klugschiss to go veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.