(… K. hatte eine Art Vision…)

Quelle.

Etwas in ihm hat sich vorgestellt, das Politbüro säße vollständig auf einer Tribüne und würde singen, bzw. „singen“, nämlich wie beim Karaoke, und zwar einen westlich-dekadent-dynamischen Rock-Song wie etwa, was durchaus als dialektisch gewertet werden könnte, „(I Can’t Get No) Satisfaction“ der bekannten Tanzmusik-Combo „Rollende Steine“.

(… wie gesagt – „Wende verpennt“furchtbar, der Mensch…)

Okay, eben ist K. eingefallen, immerhin, dass es in Bulgakows grandioser Coverversion der Geschichte vom Doktor Faust eine Szene gibt, in der ein ganzes Team Kollektiv von Kulturschaffenden wider Willen Arien schmettert, aber trotzdem und erst recht bewegt sich der rigide K. mit so was in die richtige Richtung. Wir lernen Phantasie, ha, siehe Dach seines Bloghäuschens!

K. wartet nun auf ein Zeichen der Weltgeistin; Gott ist tot, es lebe die Göttin, wir berichteten.

Soll er? Soll er nicht? Muss er? Könnte er? – Er würde gern wollen können, soll aber nicht dürfen! – Eine gar artige Verbeugung vor Meister Valentin, in der Tat!

Es soll, und das muss jedermann einleuchten, eine Verbesserung sein, wenn K. in eine eigene Wohnung zieht… Wäre diese Wohnung eine Verbesserung? Hm. Sehr hm. Aber fliegt er nicht ganz aus den Wartemassen bei sowon.de raus, wenn er diese Wohnung nicht nimmt?

Nachher kommt der Sozpäd, um die panisch hysterisch herum flatternde Hausfrau K. ein bisschen auf den Boden zu bringen, und dann werden wir ja sehen, ob einer guckt, nich‘.

(… irgendjemand hat eben ‚auch aufgegeben‘‚Einfacher Arbeiter!‘… Mentalfunk…. ‚Er dichtet doch nich‘, er dichtet doch nich‘!‘… Hut ab, wer immer da zugange ist mit der Dauerschaltung dieses illustren Feedback-Loops…)

***

Was aber nun die Vision angeht, siehe eben oben, so war K. beim Arzt, Herr Schmidt seligen Angedenkens; das hat aber nichts gebracht, „Sie sind nicht sichtbar geworden!“, „Bindungsloser Psychopath!“ usw., O-Ton vox populi bzw. Freudeskreis Anna Lyse.

„Keine Experimente!“, Adenauer, „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!“, Helmut Schmidt, und wahrscheinlich kann man die Reihe derartiger Äußerungen weiter fortsetzen, nur kann K. das mit seinem begrenztem Gesichtsfeld nicht.

Was geht da ab? – Möglicherweise dasselbe wie bei „Weiter voran auf bewährtem Kurs!“, was „übersetzt“ werden könnte unter anderem mit: „Wir deuten auf der Stelle Treten zu dynamischer Bewegung um!“?

Um das begonnene Politbürokratischgespräch fortzusetzen, sei hier Biermann zitiert, der fast wörtlich von verdorbenen Greisen im Politbüro gesprochen oder geschrieben oder gesungen hat.

Könnte man das etwas anders formulieren? Zum Beispiel: „Traumatisierte, die sich verbissen weigern, ihre Traumata auch nur anzusehen“?

Unsere Menschen sind nicht traumatisiert! Wenn doch, sind das Überbleibsel der alten Gesellschaft, die im Zuge gesetzmäßiger Entwicklung Schritt für Schritt überwinden werden. Nein, kein Zynismus; einer der zahlreichen sozusagen offiziellen Textbausteine, mit denen etliche unserer Menschen beinahe gesteinigt worden sind. Es gibt quasi keine Vertriebenen, als Beispiel, aber es waren fast genau ein Viertel.

Was ist eine der wesentlichen Eigenschaften von Traumatisierten, vielleicht die wesentliche Eigenschaft? – Das Vermeiden von Bewegung, und Bewegung im wörtlichen und im übertragenen Sinne, bis hin zum Totstellreflex bei traumatisierten Tieren und stark histrionisch strukturierten Menschen.

Das könnte eine Erklärung für die eben in Zitaten von Wessis und Ossis angedeuteten Phänomene sein; das könnte seine existentielle Grundstimmung erklären, die K. etwa 1986 im Tagebuch zu beschreiben versucht hat in etwa mit den Worten, er hätte manchmal das Gefühl, sich in den Alltagsroutinen, und sein Alltag bestand nur aus solchen Routinen, durch zähes Gelee zu bewegen.

Das weit über seine zugegebenermaßen hoch wichtige Person hinaus mindestens Interessante scheint K. hier, dass er dieselben Beschreibungsversuche dieser Grundstimmung Jahrzehnte später in einem Buch über die Weitergabe von Traumata über Generationen hinweg gefunden hat, und dort allerdings geäußert von einem erfolgreichen (west-)deutschen Manager, nicht von einem Luftmenschen und Schlemihl wie K.

Ha! Wie das? Könnte es sein, dass die Überbetonung der Unterschiede zwischen Ossis und Wessis zumindest in den Jahren nach der Wende zumindest auch den Zweck hatte, die Gemeinsamkeiten zu verdrängen, weil, würde man sich denen zuwenden, siehe eben oben, die vornehmlich rückwärtig ausgeschiedene Fäkalie von zumeist pastöser Konsistenz richtig am Dampfen wäre?

Was wollte der verhinderte Dichter K. uns nun damit sagen? – Er sieht sich, im Unbewussten, nach wie vor als Gruppentherapeut der lokalen Gruppe; verständigen Sie gegebenenfalls kraftvolle Fachkräfte.

Im Übrigen hat K. den sich hier neuerlich deutlich manifestierenden Widerspruch zwischen Unfähigkeit zu einem Verhalten, das im „kleinen“, persönlichen Kontext als situationsadäquat gesehen wird, und hochfliegendem Theoretisieren in letzter Zeit des Öfteren thematisiert. K. schiebt, persönlichkeitsspezifisch, nicht situationsspezifisch, voll die Panik, weil er ’n Wohnungsangebot hat, was ihn aber nicht nur nicht davon abhält, die Welt erklären zu wollen, sondern sein Bedürfnis nach dem Mauern derartiger Theorie- bis Wahngebäude noch verstärkt.

Das konnte man aber, wie K. in letzter Zeit mehrfach angedeutet hat, auch bei Persönlichkeiten wie Hermann Hesse, Alice Miller oder Erwin Strittmatter sen. beobachten, die mit grandiosen belletristischen und (populär-)wissenschaftlichen Büchern über Kindheit, Kindlichkeit im positiv-kreativen Sinne usw. zu Recht berühmt geworden sind, im „kleinen“, persönlichen Kontext jedoch ihre Kinder nahezu tyrannisiert haben oder sie gleich ins Heim gesteckt usw.

Sehr durchsichtig, nicht wahr! K. sieht sich nun quasi entschuldigt für die von ihm ausgelebte bzw. ausagierte Version dieses Widerspruchs und fühlt sich zudem wieder als durchgeknallter Kleinbürger mit dem Großen und Ganzen wohlig verbandelt.

(… der Mann ist so was von leicht zu durchschauen, sogar von sich selbst…)

Bla.

(… „Herr K., müssen Sie sich immer selbst runter machen?“… „Ja, muss ich, das ist urst fetzig und fördert Durchblutung und Haarwuchs und verlangsamt das Anschwellen der Prostata!“… angeblich gutartig, aber das sagen die Weißkittelinnen und Weißkittel ja immer, hähä… so… ph… basta… hättättätä…)

So weit wieder der Klugschiss to go zum Tage aus der Unterschicht, häff fann usw.!

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