(… K. erhält ein Lob… – ’n kleines zum hier Essen…)

Das war ja schon mal, nich‘, aber damals war es krasser. Fast genau 24 Stunden nach der erfolgreich bestandenen Prüfung in erster Hilfe, der sich K. als Altenpflegehelfer unterziehen musste, ist dieser Senior in einem U-Bahn-Zwischengeschoss derart heftig gestürzt, als hätte er einen Sprung in ein Schwimmbecken vollzogen, und schon als K., der voll im Stoff stand, den Gestürzten erreicht hatte, war der Mann zyanotisch. Zudem hatte er eine Narbe vom Hals bis zum Bauchnabel und demnach offenbar bereits mindestens eine große Operation hinter sich, sehr wahrscheinlich am Herzen.

Dieses Zögern

Zwei bis drei Sekunden lang hat K. gezögert trotz seines Fachwissens, das sozusagen frischer kaum sein konnte, bis er zu dem Mann geeilt ist. Wieder der Spießer im Jedermann! Mal sehen, was die Anderen machen, muss ich denn aus der anonymen Masse heraus treten und sichtbar werden usw.; furchtbar, diese Konditionierungen!

Heute war K. deutlich besser.

Während er seine durch auf den Sendlinger Berg hinauf Hecheln und das alte Messegelände Durchqueren erweiterte Runde um die Sonderfreifläche Theresienwiese gelaufen ist, hatte er den Eindruck, dass hinter einem parkenden Wagen eine etwa siebzigjährige und etwa 1.65 Meter große Frau gestürzt wäre, und dieses Mal hat er wirklich nur einen Augenblick gezögert und ist dann um das Auto herum gelaufen, um festzustellen, dass bereits eine etwa vierzigjährige Frau der Seniorin zu helfen versuchte.

Neuerlich musste K. feststellen, dass er Schwierigkeiten zu haben scheint, sich jenseits der Produktion keineswegs kunstlos mäandernder, aber überflüssiger Texte verständlich zu machen; er fragte nämlich: „Brauchen Sie Hilfe?“, worauf die Begleiterin der Gestürzten erwiderte: „Können Sie mir helfen?“ Es war wie in diesen zahllosen Traumszenen, in denen K. das Gefühl hatte, sich eines extragalaktischen Idioms zu bedienen, heule heule.

Allein, alles wurde gut, ha! Die Gestürzte hatte keine Kreislaufschwäche oder Schlimmeres; sie war nur unglücklich weg gerutscht, als sie ihre Krücke abstellen wollte. K. musste allerdings wieder einmal einsehen, dass sein Training sehr einseitig ist, d. h., er sollte vielleicht nicht nur seine Beinmuskeln fit halten, um mit seinen schmalen Waden zu punkten, sondern auch seinen Bizeps und dergleichen. Trotz der geringen Größe erwies sich die alte Dame als recht schwer, als K. sie, immerhin erfolgreich, in den aufrechten Stand zurück gehievt hat.

Die Frau hat sich dermaßen überschwänglich bedankt, dass K. mit deutlich höherer Geschwindigkeit weiter gelaufen ist, als er an den Wagen heran getappt war, und ihm ist auch erst etliche Meter weiter aufgefallen, dass die Gestürzte auf der Fahrerseite in den Wagen gestiegen ist. Aber das ist halt die Postmoderne, die selbst für K. immer wieder überraschend ist, obwohl er sich mit ihr auskennt, weil er einige Zeit sowohl Briefträger als auch Postsortierer im Amt war.

Kurzum wird deutlich, dass die Weltgeistin auch für Marginalpersonen aus der Unterschicht kleine Abenteuer bereit hält, die immer auch irgendwie, igitt, Prüfungen sind fürwahr!

Ansonsten sind die Zeichen der Göttin sehr merkwürdig. Dauernd besetzt, schlechte Verbindung, Verbindung mehrfach abgebrochen usw. – Was hier „usw.“ heißen soll, weiß K. nicht, aber er findet die Wendung sehr literarisch; wir bitten um diskrete Anteilnahme.

Mehr will K. dazu nicht sagen, weil ihm das Geschehen äußerst unwahrscheinlich erscheint und weil hier wieder magisches Denken wirkt, das K. gar nicht abstellen will; wieder einmal der Tonio-Kröger-Effekt, nicht wahr, was ausgesprochen ist, ist erledigt.

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