‚Meine Probleme möchte ich nicht haben…‘

… dachte K. und wälzte sich auf die andere Seite, um weiter das zu zelebrieren, was er als Schlaf anzusehen gezwungen schien. Da es ihm jedoch nicht gelingen wollte, wie er in einem von ihm selbst als sehr dürftig empfundenem Witzchen zu sagen pflegte, schwuler Weise in die Arme von Morpheus zurück zu sinken, begann er seine rigiden Rituale, die ihm immer noch und immer wieder das Gefühl gaben, an sogenannten normalen Abläufen wenigstens symbolisch beteiligt zu sein.

Wieder eines dieser dürftigen Witzchen, die er aber immerhin meist für sich behielt; die Erklärung, er würde sich nun unter Labor-Bedingungen um das Nachvollziehen der Erfindung des Hackepeters bemühen, den sogenannte normale Männer „Rasieren“ nennen würden. Dabei musste K. feststellen, und er stellte es mit leisem Grauen in der Tat fest, dass älter Werden sich fast unmerklich zu vollziehen schien.

Beispielsweise hatte er in den letzten Wochen immer erneut unwirsch bemerkt, dass die Haut unter seinem Kinn schlaff zu werden begann, was das Rasieren immer mehr erschweren würde; er kannte das aus seinem Gastspiel als Altenpflegehelfer, einem der vielen Gastspiele, die er in der sogenannten Arbeitswelt gegeben hatte.

Schließlich stand K. an einem geöffneten Fenster seines klischeehaft klassischen Dichte-, Denk- und Darbe-Dachstübchens; eine weitere der seine zahlreichen Jokes für den Hausbedarf darstellenden insgeheimen Umbenennungen. Er bemerkte mit Erstaunen, dass er im krassen Gegensatz zu seinen Wahrnehmungen und Überlegungen zum älter Werden in solchen Augenblicken immer noch der kleine Junge zu sein schien, der da draußen diese leise Lockung und Verheißung spürte und der sich vor allem sicher war, jedenfalls für die Dauer dieser Augenblicke, dass noch was kommen würde, dass noch nicht Ende Gelände und Schicht im Schacht wäre, dass er nochmal durchstarten, die Zügel herum reißen, in konstruktiver Weise sich entpuppen würde und dgl.

Dies waren dann auch immer die Augenblicke, in denen K. sarkastisch anmerkte, und dies sogar laut und gegenüber Gesprächspartnern in der sogenannten Realität, dass der Gedanke wohl angemessen wäre, ihn mildtätig sozialprophylaktisch in einer Einrichtung zu beherbergen.

Selbstverständlich jedoch hatte K. auch oder gerade hier eine privathumoristische Bezeichnung oder Floskel zur Hand, indem er statt von einem „Jungen“ von einem „Vierkäsebreit“ sprach oder schrieb oder dachte, was er zudem zu seinem eigenem Befremden insgeheim immer wieder urst lustig fand.

***

Herr K. haut sich nämlich die Taschen voll, was er immerhin mitbekommt, was jedermann ganz erstaunlich finden muss; ja, auch jederfrau, ist ja schon gut, kämpft man schön!

K. hat sich vor allem, wobei er diese Bezeichnung ganz ordentlich findet, in seinen, ha, jetzt auch in Ostarrîchi, Lebensreportagen, sehr bemüht, alle die guuut gemeinten Ratschläge, bzw. „Ratschläge“, zu beherzigen oder wenigstens zu begalligen, die ihm während der letzten Jahre seiner zumindest halb offiziellen Textproduktion in diesem Netz schier um die Ohren gehauen wurden, vor allem: „Kurze Sätze, kurze Sätze, kurze Sätze!“

Und? – K. hat nun das Empfinden, in Zungen zu sprechen oder gar sozusagen einen Knoten in der mentalen Zunge zu haben…

Ist ja schön und gut, Einen auf Papa Ernest zu machen, mit dieser klaren, knappen bis kargen Diktion; es merkt ja eh‘ keiner, dass K. keinesfalls Hemingway im Hinterkopf hatte, diesen Katzenerschießungskommandanten, sondern vielmehr seinen, K.’s, heimlichen Obermeister der Kurzprosa Isaac Singer, ha!

Aber das wirkt alles „irgendwie“ steril, es ist eben nicht K., der da „spricht“, scheint jedenfalls K. immer wieder…

„Was tun?“, wie schon Dr. Uljanow fragte, sich seinerseits auf Tschernyschewski beziehend?

Siehe oben! – Sich ein bisschen hinlegen…

(… chchch…)

***

Übrigens gibt es, was zumindest K. nicht überrascht, zu der eben angedeuteten Problematik ein herausragendes Werk in der russischen Literatur, „die so recht eigentlich die heilige darstellt“*, wie Thomas Mann seinen Helden bzw. Anti-Helden Tonio Kröger sagen lässt, Gontscharows Roman „Oblomow“.

Nicht, dass K. das Buch gelesen hätte, aber Männer müssen angeben, steht im Internet; zudem und vor allem erlaubt sich K. in seiner Arroganz nochmals darauf hinzuweisen, dass auch und gerade diese im mehrfachen Sinne mächtige Literatur Russland ausmacht, nicht vornehmlich Gospodin Putin.

(… und immer dran denken: „Sprechen Sie nie mit Unbekannten!“… Dr. med. Bulgakow, erste Kapitel-ÜberschriftHeadline in „Der Meister und Margarita“…)

Es sagt allerdings, wie K. in seiner Arroganz überzeugt ist, Einiges über die Zeit, in der er zu hospitieren gezwungen ist, dass Bulgakows grandiose Coverversion der Erzählung vom Dr. Faustus in einer großen Buchhandlung unter „Fantasy“ zu finden war, neben Schriften wie: „Der Vampir im Kühlschrank“, Band 22, „Beißende Kälte“ usw.

Auch das hat K. bereits vor vielen Monden einmal in einem seiner rückgebauten Bloghäuschen erwähnt, zumindest sinngemäß, aber erstens merkt das keiner, zweitens ist die Wiederholung die Mutter des Kaufentschlusses, oder so ähnlich, und drittens wiederholt man sich im Alter, wie K. wiederholt angemerkt hat.

Liebe Chinesen und Japaner, übernehmt bitte endlich das Abendland, da kommt nichts mehr!

Kurzum, Gott ist tot, es lebe die Göttin!

Quelle.

* Thomas Mann, „Sämtliche Erzählungen“, S. Fischer 1963, S. 236. Vortrefflich, das; ganz vortrefflich! Wie aber kann eigentlich nach Thomas Mann überhaupt noch irgendwer deutsche Prosa schreiben wollen? – Das wird man ja wohl noch sagen dürfen, gerade als arroganter Fatzke, hähä…

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8 Antworten zu ‚Meine Probleme möchte ich nicht haben…‘

  1. Herr Ösi sagt:

    Wow!

    K. haut ein Buch nach dem anderen raus, während ich…

    Dahindümple?

    Dahindümpeln tut auch mal gut… 😉

    • Herr Koske sagt:

      Herr Ösi! Zage nicht (oder so ähnlich)! Du siehst das völlig falsch! – Ich korrigiere mich wie folgt: „Sie sind nicht sichtbar geworden, Herr Koske!“ Zynist, ja ja! – Erstens, ha, bin ich wieder nicht sichtbar geworden, denn kaum jemand liest das Buch*, wobei auch oder gerade hier das Tonio-Kröger-Syndrom wirkt, indem die, die „gemeint sind“, es sowieso nicht lesen, während die, die es lesen, eh‘ Bescheid wissen und nicht lesen müssten; zweitens bin ich, Überraschung, total unzufrieden (das geht schon los mit der krassen Schriftgröße, denn die Prosabücher muss man mit der Lupe lesen; das hätte ich alles gemächlich einstellen können in der Vorschau, ich Knallarsch), drittens habe ich für die Kommicks-Bücher noch keinen Handschlag gemacht (ich will diese erlesene Weltkunst mit Frau und Herrn Dino sowie Dr. Freudlos mit der grün getönten Brille getrennt editieren, man sagt „editieren“, *hüstel*, das wird sonst zu teuer), viertens dümpele auch ich, weil gerade gar nichts mehr geht, und fünftens, um mit Egon Olsen zu sprechen, habe ich einen Plan, mache aber auch dafür nix; ich will die Lebensreportagen überarbeiten und erweitern und als Hardcover auf den Markt werfen, Alter, und… – und überhaupt!!!

      War diese Auskunft für Sie zufriedenstellend? – Drücken Sie den karierten Button!

      ————————————————————————————–
      * Das Buch ist halt das „eigentliche“ Buch, das mit den Lebensreportagen; wenn Sie verstehen möchten, was ich gemeint haben könnte?!

      • Herr Ösi sagt:

        Das stimmt. Die Schriftgröße hätte größer sein können…

        (Zugegeben: bis jetzt habe ich nur ein bisschen geblättert und nicht gelesen)

        Mein Büchlein – 245 Seiten – habe ich gestern für einen ersten Probedruck abgeschickt…

        Mal schauen…

        • Herr Koske sagt:

          … ja, aber das sind doch Peanuts… das sollte man doch mit 40 Fieber hinkriegen, Schriftgröße usw….

          … ja, mach unbedingt ’n Probedruck und dann korrigier nochmal… ich habe wochenlang jeden Tag ’ne korrigierte Version hochgeladen, gnihi; wieder mal sinnvolle Tätigkeit vorgetäuscht…

          (… ich habe zwei [Ab-]Sätze mit „ja“ angefangen; wie man sieht, übe ich konstruktive Sichtweise…)

          (… „Schwestaaa!“…)

          • Herr Ösi sagt:

            Ich habe das erste Exemplar erhalten. Kostenpunkt ca. 20 Euro. Inklusive Hardcover und 30 Farbseiten (Designs), die dann doch schwarz/weiß gedruckt wurden…

            Korrigiert und neu hochgeladen. Kostenpunkt ca. 10 Euro. Softcover und ohne Farbe.

            Nun heißt es abwarten und Tee trinken…

            • Herr Koske sagt:

              … gibts ja gar nicht, Alter… ich habe gestern noch gekiekt mitte Oogen im Kopp – kein Buch von Herrn Ösi bei epubli…

              Wenn ich das richtig verstanden habe (man hat so lichte Momente, aharhar), hast Du noch nicht auf „Veröffentlichen“ geklickt, sondern nur ein Quasi-Autorenexemplar bestellt und empfangen… sehr gut… korrigiere erst mal zu Ende und veröffentliche dann „richtig“… okay, ist total subjektiefsinnig, aber Herr K. wollte mal versuchen, aharhar, seinen Blick vom Bauchnabel zu heben; wir bitten um Verständnis sowie gegebenenfalls die Hinzuziehung fachlich voll fitter Fachschwestern, rothaarig angenehm…

              • Herr Ösi sagt:

                Richtig!

                Dieses Veröffentlichen war mir noch ein bisschen dingens. Eine Chance zum letzten Korrekturlesen gebe ich mir noch… chchch

                • Herr Koske sagt:

                  … ich habe versucht, meinen Blick vom Bauchnabel zu heben und etwas von meinen, *hüstel*, reichhaltigen Erfahrungen weiter zu geben…

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