(… bald ist auch der Mai/blütenrein vorbei…)*

Quelle.

„Ach.“ Zitat von Bülow aka Loriot. – Heute Nacht aber, um wieder zur eigentlichen Wirklichkeit zu kommen, der des Traums, wurde K. eine Führungsfunktion zugewiesen, in der er für eine Wahl verantwortlich war, und K. hat sich natürlich als sensibles Mädchen sehr geziert und gewunden, was ihm aber nichts geholfen hat; auch war die Traumsendung dann gleich zu Ende bzw. wurde von den Produzenten abgebrochen.

Hier könnte eine Art Tagesrest verarbeitet worden sein; Herr K. hat in dem Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre, einen Brief zur Wahl der Seniorenvertretung von M., Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren, mit einigem Erstaunen entgegen nehmen dürfen.

Ach, ach, ach… K. ist 60 und hat das emotional noch lange nicht realisiert; etwas in ihm wartet immer noch darauf, dass das richtige Leben beginnen möge. Süüüß, so was gehört doch in die Einrichtung. Mental jedoch pubertiert K. dabei mehr als zur Zeit seiner körperlichen Pubertät…

Manchmal schwenkt er in seinen Plänen dreimal täglich, vor und nach den Mahlzeiten, in die Gegenrichtung, etwas zugespitzt etwa dergestalt, dass er richtig durchstarten will, ’ne brauchbare Aus-, Fort- oder Umbildung voll gut durchziehen, ein Werbeagentürchen gründen sowie eine urtürkische Großfamilie… äh… – ja. Usw.

Eine halbe Stunde später ist Herr K. dann wieder überzeugt, dass bei der Rigidität seiner psychischen Strukturierung alles Haschen nach Wind wäre und er sich als sozialinvalide Universal-Marginalperson um einen Platz in einem Refugium für ausgebrannt Austherapierte bemühen sollte, denn solche Plätze gibt es, steht im Internet.

Das is‘ lustich, nich‘? – Jo, höhö. Es gibt für dergleichen Smarties, aber da K. trotz Halluzinagogik diesen Scheiß 36 Jahre durchgestanden hat, wird er nicht jetzt noch anfangen, hochwertige Produkte der hocheffizienten pharmazeutischen Industrie einzudrehen.

Eine andere Szene wurde mehrfach mit den heutigen Traumsendungen ausgestrahlt. Ein Mitbewohner K.’s hat die Tür geöffnet, und es war eher die Tür des Tandemapartments in der A.-Straße als der nicht ohne Weiteres zu findende Eingang zur steilen Stiege ins hiesige Dachgeschoss, und dabei hat der Mann jedes Mal geradezu deklamiert: „Ab hier zähle ich!“

Muaha. „Faszinierend!“, wie Mr. Spock völlig zu Recht angemerkt hätte, und Herr K. unterlässt jeden freudlos Freudigen oder gar Jungen Deutungsversuch der erstaunlichen Inszenierung, was K.’s völlig zu Recht unübersehbare Nichtleserschaft völlig zu Recht erleichtern muss. Die Göttin pflegt in der Tat eines seltsamen Humors, aber – passt schon!

Der hat sie echt nicht alle, oder? Schreibt seine Träume auf, in dieser Welt?!

Allein, K. muss immer wieder an eine als interpeutische Theravention therapeutische Intervention gedachte Anekdote denken, die Dr. R., der Teilzeit-Chassid, 1985 in den gruppendynamischen Prozess schier spielerisch einzubringen wusste. Das tragikomisch bis grotesk Typische ist, dass K. diese Kürzesterzählung wahrgenommen, jedoch Bahnhof verstanden hat, dennoch die Schmonzette von seinem Gehirn sozusagen hinter seinem Rücken gespeichert wurde.

Es ging um einen auf Steinzeitniveau befindlichen Stamm irgendwo weit weg draußen in der südlichen Hälfte des dritten Planeten des Systems, in dem die Frauen auf die Jagd gegangen sind und Früchte gesammelt haben, kurz: die Wirtschaft geschmissen, während sich die Männer hübsch gemacht haben und an einem zentralem Platz lagernd sich ihre Träume erzählt, die zudem, wenn sich K. recht erinnert, was hin und wieder der Fall zu sein scheint, in sozusagen ausgewerteter Form als eine Art Strategiepapier für die Stammesentwicklung genutzt wurden.

Das Erstaunlichste aber war, dass dieser Stamm überaus friedlich lebte; es gab keine kriegerischen Auseinandersetzungen oder ähnliche Männchen-Mätzchen, ja, nicht einmal Kleinkriminalität…

Na ja. – „Das dazu!“, wie Diplomlehrer M. immer zu sagen pflegte, dabei eine autoritätsuntergrabende Kniebeuge andeutend; war nich‘ alles schlecht.

* Es geht Herrn K. den Umständen entsprechend, einigermaßen gut; die Hinzuziehung gerontopsychiatrisch ausgebildeter Fachkräfte scheint vorerst nicht vonnöten.

Dieser Beitrag wurde unter Anna Lyse, Budenzauber, Traumtanz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.