(… „Duldet für die bessre Welt!“… – wie lange denn nun noch…)*

Und dann diese Mitarbeiterin eines Hilfsteams in M., die sich in einer Intensität um K.’s Insolvenzverfahren bemüht hat, die K. sprachlos da stehen ließ als wie ein begossener Pudel fürwahr; die Frau hat am Ende sinngemäß angemerkt, und leicht befremdet, was K. immerhin mitbekommen hat, dass er, K., sich doch nun freuen könnte, ja, sollte, denn eine große Last wäre ihm von den Schultern genommen usw.

K. war schon etwas verstört; wenn sogar diese Frau bemerkt hat, dass da was nicht stimmt… Auch fällt ihm das naturgemäß gerade jetzt ein, denn in fast auf den Tag genau vier Monaten ist K. durch; das Insolvenzverfahren ist dann erfolgreich abgeschlossen, und während er sich jetzt in der sogenannten Wohlverhaltensphase befindet, ist K. dann schuldenfrei und hat keinen Eintrag bei der SCHUFA mehr, und jetzt freuen Sie sich doch mal, Herr K.!

„Hau ruck!“ Hm, funzt nich’… – K. hatte da aber womöglich schon immer ein Problem; „Der freut sich über gar nichts mehr!“, hat bereits sein märchenhaftes Stiefmütterchen des Öfteren angemerkt, was ihr zugegebenermaßen als entwickelte sozialistische Persönlichkeit auch zugestanden hat.

Nun hat K. drei Büchlein veröffentlicht, und – na ja… Mehr scheint nicht drin als „na ja“, und das ist schon merkwürdig. K. weiß natürlich, denn er ist furchtbar viertelgebildet, dass diese Anhedonie gleichfalls störungsspezifisch ist, was ihm aber auch kein bisschen weiter hilft. Und: nein, keine Therapie mehr, es hat sich aus therapiert; aber mal sehen, wie lange es dauert, bis K., der schwankende Kleinbürger, vergleiche Dr. Uljanow, in diesem Kontext umkippt.

1785, und der sich im Folgenden manifestierende Größenwahn ist gleichfalls störungsspezifisch und kann, da im konkreten Fall nicht aggressiv-destruktiv, vernachlässigt werden, 1785 hat Friedrich Schiller seine „Ode an die Freude“ geschrieben; demnach bereits zu dieser Zeit scheint der Stand materieller Absicherung derart verbreitet gewesen zu sein, dass man sich Gefühlen als wesentlich die Weltwahrnehmungsmuster von Menschen bestimmenden Tatsachen zuwenden konnte zumindest in poetischer Überhöhung, tandaradei.

(… so weit wieder eine gut handhabbare Portion Klugschiss to go zum Tage aus der Unterschicht…)

* Quelle.

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2 Antworten zu (… „Duldet für die bessre Welt!“… – wie lange denn nun noch…)*

  1. Herr Ösi sagt:

    Ja… aber…

    Mit der Freude an die Ode würde der Schiller heute womöglich keinen Hund mehr oder was weiß ich was… wovon auch immer hervorlocken…

    • Herr Koske sagt:

      Einspruch, Euer Ehren! „Man“ würde das anders ausdrücken (womöglich ohne Worte und stattdessen mit Tanz usw.), aber der Kern des Inhalts der Aussage (oder so ähnlich) dürfte ja wohl immer „dran“ sein… Gibt es Lebensfreude (nein, der Miesepeter K. projiziert nicht)? Hat man schon das nötige Level materieller Absicherung erreicht, um sich mit Gefühlen beschäftigen zu dürfen? – Umgekehrt ist das „Jammern auf hohem Niveau“, das angeblich typisch deutsch wäre, ein Zeichen dafür, wie sehr sich Psycho-Club in den Vordergrund schiebt, wenn „das Materielle“ für die meisten Leute einigermaßen abgesichert ist…

      (… korrekt – das war das Wort zum Sonntag…)

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