(… „janz weit draußen“, *hüstel*, konstruktiv umgedeutet…)

Quelle. Der alte weiße Mann ist sooo einsam; Gottchen nee, süüüß!

Das ist jetzt wieder so ein Ding; eigentlich müsste K. wütend werden, aber er schafft das nicht mehr, weil er sich halbwegs an den Budenzauber gewöhnt hat.

Eigentlich hat er gewusst, dass es nichts wird, aber er hatte ein gutes Gefühl, was erstaunlich ist für einen rezidivierend mittelschwer depressiven Miesepeter, und er ist daher tatsächlich in den Vorort von München geradelt als wie ein frischer Springinsfeld fürwahr; er denkt, dass er überhaupt einmal nachprüfen müsste, wie viele Kilometer das waren.*

K. war überrascht, dass er geradezu intuitiv dorthin gelangt ist; das ist ihm in seinem Leben noch nie passiert bei derartigen Versuchen, ins Unbekannte vorzustoßen oder wie immer man das nennen will; er hat sich quasi nicht verfahren, obwohl ihm das zweimal so schien, sondern ist zügig bis vor die gesuchte Haustür gelangt, ha, die übrigens offen gestanden hat, so dass K. schier vergnügt im Treppenhaus den Aufsteiger gegeben hat.

Nun, bis Montag waren es 13 Bewerber; da K. im ersten Drittel der Bewerber mit Dringlichkeit ist, hätte er mit Sicherheit eine Einladung zur Besichtigung der Wohnung bekommen, da die ersten 5 eine solche Einladung erhalten.

Gestern Abend waren es dann, Überraschung, 17 Bewerber, und K. wurde nicht benannt

So lautet der „Fachausdruck“; die Amts- und Behördensprache muss immer noch jeden Sprachphilosophen in groteskes Entzücken versetzen, man denke etwa an „Rückbau“, als Beispiel, für „Abriss“ usw. K. hat sich schon sein Teil gedacht und konnte daher heute morgen feststellen, Überraschung, dass er nicht benannt wurde.

Die Wohnung wäre die Lösung für K.’s Wohnungsmacke gewesen; ganz oben und ohne Nachbarn, d. h., zwischen der angebotenen und den Nachbarwohnungen waren Hausflure. Zwar ein Neubau, aber einer der mit Liebe entworfenen, und buchstäblich ins Grüne gebaut; zwischen Gruppen von Kiefern, was K. natürlich an seine Heimatstadt erinnerte.

Und so weiter und so fort, bla. K. will das hier nicht vertiefen, weil ihn das noch unwirscher macht; er weist nur noch darauf hin, dass er 2006 den Antrag gestellt hat, allerdings zwischendurch durch das schöne D gekoppheistert ist, was zwar nicht mehr zur Löschung des Antrags, aber zur erheblichen Herabsetzung der Punktzahl der Bewerbung geführt hat.

Mindestens interessant könnte erscheinen, dass die Wohlstandsbürger von M offenbar derart wohlstandsbürgerlich sind, dass es ihnen schon zu viel wird, zwei Stationen mit der S-Bahn über die Stadtgrenzen hinaus zu fahren; K. hatte nun gedacht, denn er pflegt lustigerweise hin und wieder zu denken, dass es für ihn ja von Vorteil sein könnte, wenn sich auf eine derartige Wohnung nur ein Dutzend Leutinnen und Leute bewerben würden, aber es hat nicht sollen sein.

Für weitere Wohnungen, für die sich K. beworben hat, gibt es 300+ Bewerber, keine Chance. Auch erfahrene Sozpäds können nicht erklären, nach welchen Prinzipien hier verfahren wird; sie versichern jedoch des Öfteren, dieses Verfahren hätte nichts mit vierfacher Verhartzung oder dem Status des zuagroasten Saupreißn zu tun; wer es glaubt, wird möglicherweise selig, Herr K. leider nicht.

Tja, und nun die Phantasien, bzw. „Phantasien“, die bei oder in K. einsetzen an solchen Stellen, und die man natürlich als psychiatrisch relevant oder typisch unterschichtig bezeichnen dürfte; das ist K. durchaus klar, denn er ist ja furchtbar schlau, wovon furchtbar viele Leute was haben, boah ejh.

Das war natürlich Absicht, dass auf den letzten Drücker neue Bewerbungen dazu kamen, das haben die inszeniert, damit K. nicht benannt wurde. Das ist bei K. nicht dran, eigene Wohnung; bei ihm ist dran, dass er in der unmittelbaren Umgebung Kontakt aufnehmen soll, denn der eben ausgezogene Nachbar war ja vor allem deshalb optimal für K., weil er mit ihm den symbiotischen Kontakt erlebt hat, auf den er, immer K., als Kind konditioniert wurde, was natürlich nicht typisch war für unsere Menschen.

Das ist die „Unterdrückung“, solche Wachphantasien beispielsweise, das ist es, was „Unterschicht“ ausmacht, nicht der Nichtbesitz von Materiellem wie beispielsweise Produktionsmittel, auf die Geister immer wieder rekurrieren, die sich als marxistisch-leninistisch geschult empfanden und empfinden, aber das scheint schwer zu vermitteln oder gar nicht.

(… hier sieht sich der Klient neuerlich als Reinkarnation von Dr. Uljanow; verständigen Sie bei Bedarf die Gemeindeschwester…)

(… wenn K. Fallada wäre, würde er jetzt was draus machen… allein, K. ist K. und zuweilen recht sehr betrübt darob, des seiest Du gewiss, herbe Dame Welt…)

Selbstverständlich kamen beim Schreiben dieser Niederschrift bzw. beim Tippen dieser Niedertippe wieder die sozusagen üblichen Rückmeldungen per Mental-Funk, allerdings ziemlich leise, zumal K. „vergessen“ hatte, die Ohren zu zu stopfen; er dichtet nicht, er will wieder aussteigen (aus dem Budenzauber, versteht sich), er schreibt keine Bewerbungen usw., hat die Wende verpennt (der Stasi schreibt wieder Berichte, logisch), und übrigens kam gestern, als K. mit’m Radl da war, eine Rückmeldung etwa des Inhalts, der Druck würde noch nicht ausreichen und K. müsse noch obdachlos werden, aber das macht nichts, darauf ist K. täglich gefasst.

(… letztens aber hat ihm jemand aus einen Auto heraus „Verräter!“ zugerufen… tja… na ja…)

Sinnlos, jemandem verklickern zu wollen, dass K. nicht spinnt usw.; allein, das muss irgendwo raus, und den Scheiß hier liest ja eh‘ nie Keiner nich‘, oder so ähnlich.

Kurzum – weiter voran auf bewährtem Kurs!

PPS: Wenn aber das, dieser Budenzauber, die Wende ist, warum vermag K. dann niemandem zu vermitteln, dass er nicht spinnt, psychotisch ist, simuliert usw. usf. – Fragen eines Arbeitslosen, nicht nach Brecht.
PPS: Das war gestern auch insofern eine sehr typische Situation, als Herr K. wieder einmal dieses Dilemma erleben musste, das zu beschreiben er sich gleichfalls schon -zig Male bemüht hat; er ist überzeugt, etwas Bestimmtes zu tun, hier eine Wohnung anzusehen, und in Wirklichkeit geht es um etwas ganz Anderes, hier um die Prüfung, ob K. als Fahrradkurier geeignet wäre… – Wer hat sich das ausgedacht? Nichts Genaues weiß man nicht, doch wir bleiben dran.

Quelle.

* Es waren ca. 10 Kilometer; in Luftlinie, demzufolge es angesichts der gefahrenen Schlangenlinien, auf dem Rückweg durch den Perlacher Forst und am Haus der ewigen Kindheit vorbei, realistisch sein dürfte, die gestern von K. bewältigte Strecke auf mindestens 25 Kilometer zu schätzen, was darauf verweist, dass der alte weiße Mann noch über beachtliche Ressourcen verfügt, tandaradei!

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