(… lieber überwacht werden als gar nicht wahrgenommen…)

K. ist seit fast vier Wochen auf Textour, gnihi; er findet immer noch einen und noch einen Fehler und korrigiert ihn, wobei ihm scheint, dass dies eine Ebene ist, auf der er seinen Perfektionszwang wenigstens halbwegs angemessen auszuleben vermag; er soll ja lernen, das Positive zu sehen, was er hiermit nun wieder einmal versucht hätte, *hüstel*.

Nun ist Herr K., nach seinen ersten zwei Veröffentlichungen, immerhin und weiterhin mit seinen Lebensreportagen zugange; er will aber nicht weiter darüber reden, weil hier wieder magisches Denken wirkt; was ausgesprochen ist, ist erledigt usw.; das Tonio-Kröger-Prinzip, wie erst höchstens 30 Mal erwähnt. Jedenfalls war es gut, dass K. ein wenig sichtbar geworden ist durch seine zwei Büchlein, ha; die sind real, und er ist angeregt, weiter zu machen, tandaradei!

Herr K. fallen nun jedoch bei seinen Arbeiten naturgemäß immer wieder Geschichten aus seiner Kindheit ein, von denen er nicht einmal geahnt hätte, dass seine mentale Festplatte sie gespeichert hat. Immer wieder kommen Episoden hoch, bei denen K. schon als Vierkäsebreit gespürt hat, wenngleich er natürlich seine Wahrnehmungen nicht in Worte fassen konnte und wollte, dass die Erziehungsberechtigten und insbesondere sein unmittelbar vorgesetzter Vorfahre sich überaus häufig gebärdeten, als würden sie sich vor Abwesenden oder gar einem Gremium Abwesender präsentieren.

Heute ist K. klar, dass dieses Verhalten ursächlich damit zusammenhing, dass sein Vater Vollwaise war und im Grunde eine Familie, einen Ursprung, eine Herkunft usw. gesucht hat, sich in gewissem Sinn und Maß als Kind der Gesellschaft gesehen usw., was er übrigens sofort abgestritten hätte, hätte man ihn darauf angesprochen, was jedoch natürlich nicht erfolgte.

Das scheinen die drei Hauptantriebe der, bitte Anführungsstriche beachten, „Unterschicht“ zu sein, und Herr K. ist hier mitnichten arrogant, vielmehr er selbst dazu gehört; „Hier bin ich, jetzt bietet mir was!“, „Ich will sofort geliebt werden, sonst mache ich nicht mit!“ sowie: „Es ist so vieles unerledigt geblieben; die Welt hat etwas an mir gut zu machen!“ Das scheint die „Unterdrückung“, nicht der Nicht-Besitz materieller Mittel usw.; unerledigte seelische Grundbedürfnisse, zum Teil aus der frühen Kindheit, etwas ganz Altes.

Das treibt Leute, was sie offenbar allen Ernstes als politische Meinungsäußerung wahrnehmen, auf die Reichstagstreppe, als Beispiel, nicht vornehmlich, muaha, Nanobots im Impfstoff und dgl. – Korrekt, Herr K. ist wieder eifersüchtig, weil er auf so was gar nicht kommt, weil er keine Phantasie hat, oder diese völlig blockiert ist, was die Realität wahrscheinlich besser trifft, heule heule.

Nun scheint hier, und Herr K. versucht, man glaubt es kaum, zum in der Überschrift Headline angedeutetem Thema zu kommen, eine Art Schlüssel-und-Schloss-Prinzip zu wirken; auf der einen Seite sein sich vor Abwesenden produzierender traumatisierter Vorfahre, der keineswegs eine Ausnahmeerscheinung gewesen sein dürfte, auf der anderen Seite ein ganzes Ministerium von Beobachtern; ja, das ist Dialektik, ohne Löffelchen Sarkas- und Zynis-Mus.

Zudem wirkt im Zusammenhang mit den Genossen Tschekisten ein weiterer Mechanismus, den K. auch bereits seit Längerem anzusprechen vorhatte, wozu es jedoch nicht kam, weil K. sehr sensibel und schüchtern ist, *hüstel*. – K. fürchtet übrigens, dass ihm vorgeworfen werden könnte, er würde typischem männlichen Denken unterliegen, indem er einen psychischen Sachverhalt mit einem Begriff aus der Technik wie „Mechanismus“ bezeichnet, aber das nun wirklich am Rande.

Ein seelisches Grundbedürfnis gerade in den ersten Lebenslaufstrecken scheint nun aber das Bedürfnis zu sein, gesehen zu werden, im eigenem Recht wahrgenommen insbesondere oder zuerst von Autoritäten wie den Eltern. Viele Menschen haben das nicht erlebt, oder nicht hinreichend oder, was wahrscheinlich am stärksten destruktiv wirkt, in ambivalentem Schwanken, und daher haben die Betroffenen irgendwann das versucht, was K. ebenfalls seit Langem beschäftigt und was er „Umdeutung eines Defizits zu einem Vorzug, einer Stärke usw.“ nennt. Wenn ich ein Bedürfnis nicht befriedigt bekomme, leugne ich es schließlich und scheiße drauf, was bleibt mir weiter übrig; ich mache dicht, ich mache zu, ich brettere drüber, ich werde hart und bin damit stark; etwas in dieser Art.

Das könnte einer der Gründe für den zuweilen abgrundtiefen Hass sein, den viele Menschen auf Leute entwickeln, die in irgendeiner Weise in einer Art Beobachterposition agieren, wie eben, im Extremfall, die Genossen Tschekisten. Ich habe dicht gemacht an dieser Stelle, gesehen werden, habe mich mit dem Defizit abgefunden, und jetzt beobachten mich da welche; das geht gar nicht, haut den Lukas usw.

(… höhöhö, willa wieder die Welt retten, hihihi… spielta wieder Lenin, chchch… sieht sich Tatsache als Züchoteerahpeut, hatsedochnichalle…)

(… Herr K. muss so was irgendwo raus lassen können, andernfalls es zum Gedankenstau kommt, der sich ebenso destruktiv entladen könnte wie ein Gefühlsstau, vgl. hierzu Meister Maaz, wobei zwischen beiden psychohydraulischen Grenzzuständen ein Zusammenhang bestehen dürfte… bla… „Meister“ ist mitnichten ironisch oder so gemeint… blubb…)

PPS: K. ist gezwungen, sich den Kopf der Genossen Tschekisten zu zerbrechen, weil er ja für die immer einmal wieder Eine über gebrezelt bekommt, oh, schöner Schmerz, oh, edles Martyrium, obwohl er, bitte weiter sagen, seines Wissens nicht einmal als IM auch nur geworben wurde.
PPS: Wie sich nachher herausgestellt hat, war K.’s unmittelbar vorgesetzter Vorfahre gar keine Vollwaise, vielmehr seine Ursprungsfamilie vollständig in den Westen geflüchtet war, aber das scheint im hier behandelten Kontext nebensächlich.

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