(… wie K. die Frauen betört, es eilig habend am Heiligabend…)

Quelle.

Erst hat Herr K. sich natürlich amüsiert, an der Kasse bei REWE. Eine Frau vor ihm wollte eine einzelne Birne kaufen, unter anderem und zuletzt. Das wäre eigentlich ein guter Titel für einen leichten Unterhaltungsroman, „Es war nur eine Birne“. Egal, K. hat, was ihn nachher verwundern musste und denn in der Tat auch verwundert hat, weder an Loriots kundige Ausführungen zur Birne Helene noch auch an Dr. Helmut Kohl gedacht, sorry.

Bevor K. jedoch Ansätze mimischen Ausdrucks entwickeln konnte, die man mit einigem guten Willen als „Lächeln“ hätte bezeichnen können, wobei das unter der Maske ohnehin nicht sichtbar gewesen wäre, was K. bezeichnenderweise auch erst wieder hinterher eingefallen ist, spitzte sich die Situation ein bisschen zu. Gar die Supermarkt-Managerin musste hinzugezogen werden, so dass es zum geselligen Beisammensein an einem der Knotenpunkte des beeindruckend faulenden Spätkapitalismus kam.

Worum ging es, völlig zu Recht kaum überschaubare Nichtleserschaft?

K. hat schon nicht schlecht jekiekt mitte Oogen im Kopp, denn er ist ja auch nicht von hier, der Saupreiß, als er feststellen musste, dass die eine Birne 1.39 kostete. Allein, während K. als heiter-gelassener ewiger Intellektuellen-Azubi im Sinne eines Epoché-Menschen diese Feststellung insgeheim belustigte, gab die Wutbürgerin Verbraucherin den rebellisch aufmüpfigen Part.

K. hatte wohl bemerkt, denn hin und wieder nimmt er seine Mitmenschen durchaus wahr, dass die Frau ziemlich ruppig, wenn nicht gar verbittert schien, was sie nun leider dröhnend bestätigte. Mit einer Alt-Stimme, die fast wie ein Bass klang, hub sie zu schimpfen an; es, aua, fruchtete auch nichts, als die Marktleiterin schlüssig nachweisen konnte, dass der Kilopreis für diese Birnen keineswegs, wie die Bürgerin Verbraucherin wetterte, 5 Euro betragen würde.

„Ich nehme sie nicht, ich nehme sie nicht!“, schimpfte die Frau im knarzend-knarrenden Ton eines Whiskey-Verkostungs-Profis, und meinte die Birne, und es mussten nun einige Korrekturen per Kasse vorgenommen werden. K. hatte einen Gedanken, den er zu seiner leisen Verblüffung als dem hohen Tage angemessen empfinden konnte; er hoffte unausgesprochen, dass der Verkäufer die Birne nachher essen können würde, denn der Junge wirkte recht blass, und er hatte ja auch ’n schlauchenden Job.

Warum erörtert K. diese banale Episode; abgesehen von dem triftigen Grund, dass sein Leben insgesamt und überhaupt banal ist, ach?

Nun, etwa zehn Meter und ca. eine halbe Minute vom Supermarkt entfernt sind K. die für ihn typischen Treppwörter gekommen; d. h. ihm ist nicht nur das Gesicht eingefallen, sondern auch oder vor allem, was er hätte tun können, sollen, ja, schier müssen, ha!

Nämlich hätte er dynamisch-marktwirtschaftlich sowie männlich zupackend-energisch ansagen müssen: „Ich bezahle die Birne!“… – So viel Kohle hatte er noch; Anmerkung der nicht vorhandenen Redaktion.

Die Situation wäre in der überraschenden Manier einer kleinen, feinen schönen Bescherung entschärft gewesen und vielleicht hätte die im mehrfachen Sinne arme Alte ein winziges Lichtblickchen empfinden können. K. hat ja die Wende verpennt, wie die vox populi rückgemeldet hat, wie K. erst höchstens ein halbes Dutzend Male erwähnen zu müssen gezwungen schien, und er ist daher nach wie vor bemüht um immer bessere Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung. Auch sind wir Pioniere stets freundlich und hilfsbereit.

Kurzum zeigte sich hier die übel übliche Diskrepanz von Selbst- und Fremdbild des K. Während sein (Wunsch-)Selbstbild das einer fabelweltlichen Amélie mit Schwanz ist, wird er immer einmal wieder gesehen als einsamer Reiter in der Prärie und überhaupt und insgesamt als erzverdächtig und grundschlimm.

Zwischendurch knallt er dann immer wieder einmal durch, weil er keine Möglichkeit sieht, der, igitt, gute Mensch sein zu können, der er gern wäre, und das ist in der Tat dialektisch, Nossinnunnossn.

Das Schicksal des schizotypen Schizo-Typen, verkannt werden; oh, schöner Schmerz, oh, edle Tiefe. „Sieht aus wie ’n Direktor, bloß druff hatta nüscht!“, O-Ton vox populi bereits etwa 1981, und leider zutreffender Weise. K. wäre sooo gern ein kleiner, unscheinbarer Mann, an den sich kurze Zeit nach seinem leibhaftigen Erscheinen kaum noch jemand erinnern kann, aber auch das hat er bereits höchstens zehn Mal erwähnt.

(… eben kam wieder per Mental-Funk: ‚Kuckuck!‘… das hat ja heute ’ne ganze Weile gedauert… womöglich sind selbst die Budenzauberer heiligabendlich gestimmt… brauchst Dich gar nicht bemühen mit Deiner Schreiberei, wir haben Dich an der Leine…)

Irgendwo existiert ein Gremium auf ihren Virtuellenbogen lümmelnder großer weiser Beobachter, das von K. in eben oben angedeuteter Weise über die Kante oder über seinen Schatten zu springen erwartet. – Aber ach, er packt es nie, der Jugendfreund von der traurigen Gestalt; er ist unrockbar und bekommt jetzt wegen der Masken auch noch Spätpubertätspickel.

So weit wieder ein kleiner Einblick in das kleine Leben des kleinen Mannes K. am Rande der großen, großen Welt! Möge das Große Energiefeld mit seinen zahlreichen Nichtlesern sein, wenn die Lichter hell erklingen usw. Bla.

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6 Antworten zu (… wie K. die Frauen betört, es eilig habend am Heiligabend…)

  1. Herr Ösi sagt:

    1.39 hätte ich niemals für eine einzige Birne bezahlt… und wäre sie so groß gewesen wie Kohl’s Birne, nein und nochmals nein!

    Es ist ja nicht die Schuld der armen Dame, wenn sich erst an der Kasse wahre Mondpreise herauskristallisieren, nich, da hätte der Ösi noch viel mehr getobt, wäre es ihm passiert…

    Er kauft weder Birn noch Kohl
    und fühlt sich dabei pudelwohl
    die kleinen Mandarinen
    sind im Winter nun die sinen
    die Schal‘ gibt einen guten Duft
    auf der Heizung und in der Luft

    • Herr Koske sagt:

      Hier muss ich verstummen! Die lyrische Gewalt dieses jungen Talents macht mich schlucken…

      „Was brauchst Du noch, es eilig habend?“
      „Zwei Kisten Whiskey! – Heiligabend!“

      (… mehr bringe ich nicht zustande, diesbezüglich… heule, heule…)

      • Herr Ösi sagt:

        Danke sehr, das ist sehr nett
        bloß das Reimen is hoit a Gfrett
        manchmal ist es ganz passabel
        dann wieder Hunde miserabel
        vielleicht hängt’s ab vom Wetter
        scheint die Sonne, ist es netter
        fällt der Regen
        ist’s kein Segen
        ess ich gar Koriander
        purzeln die Wörter durcheinander

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