(… nach wie vor faltet er sich in sich selbst ein… oder so…)

Quelle. In nunmehr bewährter Un-Manier hat das Bild kaum etwas mit dem
folgendem Text zu tun, sondern dient der kulturellen Umrahmung. Allein –
wenn doch noch ’ne Quarantäne kommt: „Kleines Haus am Hang“, *hüstel*.

Trotzdem K. nun erleben musste, dass selbst die, die hier mal rein sehen, nur reinsehen und nicht lesen, heule heule, zwingen ihn sein Geltungsdrang und sein therapeutisch schwer erreichbarer, allerdings groteskerweise durchaus sozusagen zeitgemäßer Narzissmus, einige Notizen zu notieren, was hiermit nun von ihm versucht wird.

Es war ja auch lustig! Dergleichen hatte noch nicht statt, jedenfalls nicht in dieser Ausprägung. K. hat in fürchterlich durchgekaut klischeehafter Weise sich bekloppt gebärdet, indem er in der Nacht zu gestern etwa gegen vier Uhr nicht nur kurz aufgelacht hat, was bereits nach einigen Träumen bzw. eben „Träumen“ geschehen ist, sondern einen richtigen kleinen Lachflash entwickelt.

Was war vorgegangen, davor? – Zunächst ist K. im Traum mit einem Fahrrad vom Rathaus Eisenhüttenstadt in die Saarlouiser Straße gefahren, wobei diese eher so wirkte wie zu den Zeiten, als sie noch „Straße des Komsomol“ hieß, druschba! Dann musste K. feststellen, und er hat es festgestellt, was für im Rahmen altersbedingter Einschränkungen adäquate Wahrnehmung spricht, dass er nicht sein Fahrrad benutzt hatte, sondern ein ziemlich klappriges Gestell.

Bereits das war leicht erheiternd; es ist für diese Prüfungsträume sehr untypisch, dass ihre Atmosphäre heiter ist und nicht dumpf bedrückend, kafkaesk bis horrormäßig.

Das „richtige“, d. h., auch in der sogenannten Realität vorhandene und von K. benutzte Rad stand dann, im Traum, in einem größerem, kargem Raum ganz vorn. Das könnte ein Tagesrest gewesen sein. Letztens war K.’s Platz in der Fahrradgarage unten vor dem Haus besetzt, und K. musste sein Radl ganz vorn in die Reihe stellen, wobei er keinen Ständer benutzen konnte. D. h., gemeint ist natürlich nicht K.’s Platz, sondern der seines Fahrrades; das am Rande.

Bereits diese kleine Abweichung vom normalem Ablauf hat K. beunruhigt; ein bisschen Aspie ist da wohl doch. Diesen Gedanken mit dem „Aspie“ hatte K. übrigens schon mit zwölf oder dreizehn, als er im Schülerwochenheim von Iron Hut City in den für die Teamis bestimmten Büchern etwas über Autismus gelesen hat und an sein als Vorschulmensch über viele Jahre betriebenes Schaukeln in einem Wohnzimmersessel und im Bett denken musste. Diese Assoziation ist demnach nicht der Tatsache geschuldet, dass Aspies derzeit, nicht zuletzt wegen Greta, mehr als früher im Blickfeld der Öffentlichkeit sind.

Der Vorwurf, K. wäre ja zynisch, sarkastisch usw. und jedenfalls witzig, und Aspies wären eben charakteristischerweise unfähig zu derartiger symbolischer oder metaphorischer Kommunikation, zieht nicht, denn das ist antrainiert.

K. muss immer wieder an die für ihn schlimmsten Episoden seiner Schulzeit denken, die er allerdings, wie ihm eben wieder auffällt, immer noch nicht in seine Lebensreportagen eingepflegt hat; man sagt „eingepflegt“, denn man ist interlecktuell.

In der großen Pause versammelten sich die Jungen seiner Abiturklasse auf dem Schulhof, stellten sich immer wieder in einem Kreis auf und warfen sich wie Bälle Worte und Wortgruppen zu. Sie sprachen Deutsch, und doch hat K. dabei oder daneben gestanden mit einem Gesichtsausdruck, der leicht blöde gewirkt haben dürfte, und hat kein Wort verstanden. Das hatte jedoch nichts mit dem Inhalt der Wortgruppen zu tun, sondern damit, dass dieser Inhalt sozusagen Vorwand war für das täglich neue Austarieren von Nähe und Distanz, von gruppendynamischen Positionen der testosterongebeutelten Jugendfreunde, der Hackordnung usw.

Das hat K. nicht geschnallt und er hat neuerlich als hochintelligenter Salondebiler brilliert. Das erinnert jedoch deutlich an Aspies.

Weil diese Situationen die am meisten verletzenden für K. in seiner Schulzeit waren, hat er sich dann in den nächsten Jahrzehnten seinen Sarkasmus usw. mühsam, aber nicht unlustig antrainiert. Damit scheint er sich jedoch auf persönlichkeitsspezifisch tragikomische Weise ein Ding gemacht zu haben, denn seine durch Sarkasmus usw. geprägte sozusagen Grundhaltung scheint deutlich anachronistisch; sie ist aus dem Kulturraum etwa von Moszkowski, Altenberg oder Karl Kraus. – Nein, Herr K. ist nicht größenwahnsinnig; es geht ums Prinzip, bla.

Eigentlich hat K. dergleichen schon lange zumindest geahnt, denn er hat wohl wahrgenommen, bezeichnenderweise, dass es bereits 1979 in Pink Floyds „The Wall“ wörtlich hieß: „Keine Sarkasmen im Klassenraum!“ usw. Bla.

Warum schreibt K. das nun alles auf? – Weil er das wichtigste Mitglied der lokalen Gruppe ist und weil er vor allem, im Unbewusstem, von dicken Mamas gepampert werden will; bitte den Schnuller mit Ingwergeschmack! Alles klar!

Dann war K. im Traum in einem sehr großem und mehrfach verwinkeltem, gewölbeartigem Keller. Auch der „beinhaltete“, wie es für Träume typisch ist, mehrere Keller aus dem Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre, unter anderem den Keller des Unbewussten, den für die Kunsttherapie benutzten ehemaligen Bunker im Haus der ewigen Kindheit. Vor ihm stand ein, jetzt nur nichts Falsches sagen, farbiger Mitbürger mit Migrationshintergrund, und sagte leicht erstaunt etwas wie: „Das ist ja wie der Fischturm in XY!“ „XY“ war dabei der Name eines afrikanischen Landes; K. hat vergessen, welches genau gemeint war.

Auch das könnten Tagesreste gewesen sein. Bei seinem scheinbar ziellosem Surfen, das eigentlich von Link zu Link Klicken ist und eine Art Gehirnjogging für den trotz allem recht rüstigen alten Herrn K. darstellt, hat er letztens interessante Infos über die deutschen Kolonien gefunden; zudem hat er sehr kürzlich einen bezaubernden „Einmannfilm“ mit Tom Hanks gesehen, dem PR-Chef von Eisenhüttenstadt, und da war doch in „Forrest Gump“ etwas mit diesem Fischkutter, shrimpstechnisch.

Nein, Herr K. möchte nicht die Kolonien wiederhaben, nur einen herrlichen Kaiser, *hüstel*! Nach dieser Traumsequenz aber ist er aufgewacht und hat angefangen zu gackern; das Feminine ist ihm nicht fremd, nur bei Frauen.

Tja. Na ja. – So vergehen die Tage, und insbesondere die Nächte, die auf Erden ihm gegeben sind! Häff fann!

PS: Hat der sie nich‘ alle? In dieser Situation in dieser Welt schreibt der seine Träume auf?! So was gehört doch in die Einrichtung! Man kann das so sehen; wir sind ein freies Land, wie es immer in diesen amerikanischen Filmen heißt. Man könnte den zumindest angedeuteten Sachverhalt aber auch so sehen, dass es konstruktiv sein könnte, wenn mehr Leutinnen und Leute sozusagen ihr Inneres erforschen würden anstatt zu projizieren; die Bullen, das Finanzamt, die Flüchtlinge, die Merkel usw. usw. usf. Bla. – Und prompt kommt, was K. beinahe vermisst hat bei der eben getätigten Niederschrift bzw. Niedertippe: ‚Kuckuck?!‘ K. erwägt, umgehendst ein wenig ins Geschirrtuch zu schluchzen fürwahr! Neuerlich aber sieht sich Herr K. als Cheftherapeut der lokalen Gruppe; verständigen Sie gegebenenfalls kraftvolle Fachkräfte!

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