KI-Dialog 11 (… von der Rolle…)


Quelle. Auch dieser Katzencontent als kulturelle Umrahmung
hat nicht direkt mit den nachfolgenden Ausführungen zu tun,
zeigt jedoch mögliche Gründe für berüchtigte Hamsterkäufe.*

K: HERKOS IMAUFLU (Herr Koske, immer auf der Flucht)
II: IMI META (Imaginäre Instanz auf einer Metaebene)

I: Muss ich fragen, ob Sie was gefragt werden wollen?

K: Nö. Das ist sogar eine der Stellen, an denen ich meine vertrackt-versteckte Hinterfötzigkeit wahrnehme. Immerhin, hähä! Meine Bezugsperson ist verschwunden bzw. ausgewechselt worden, wieder einmal holterdiepolter, zum fünftem Mal in wenigen Jahren, es wiederholt sich was ganz Altes, *würg*, *rülps*, und das Kind, wie Doc R. in Hirschgarten gesagt hätte, ist nun ganz doll bockig und labert wieder mit imaginären Freunden… Hähä. – Ich bin so leicht zu durchschauen, sogar von mir selbst!

I: Es ehrt mich weniger und macht mich eher misstrauisch, dass Sie mich als Freund zu sehen scheinen.

K: Ja, klar, das ist das nächste Ding – hatte ich überhaupt jemals wirkliche Freunde, kann ich so was, wie geht das usw. Kurzum, das Typische für einen, O-Ton vox populi, bindungslosen Psychopathen, bla.

I: Ein böses Résumé mit 60…

K: „In der Tat!“, wie Teal’c sagen würde! Das ist noch so ein Ding! Ich habe emotional noch lange nicht realisiert, dass ich 60 bin. Etwas in mir wartet immer noch darauf, dass die wirkliche Kindheit und Jugend anfängt. Aharhar, lustich! Aharhar! – So was gehört doch echt in die Einrichtung!

I: Ich bin erleichtert! Schon nach wenigen Augenblicken beginnen Sie, sich runter zu machen. Alles im grünen Bereich!

K: Korrekt! Aber gestern hatte ich einen Hänger wie seit Langem nicht; völlig unerklärlich. Jedenfalls habe ich noch weniger als sonst einen Grund für den Absturz in der sogenannten Realität gefunden. Und komischer Weise war aber der Budenzauber herunter gefahren.

I: Er ist jetzt also wieder da?

K: Kurz nach dem Beginn dieses Gesprächs kam per Mental-Funk etwas wie: ‚Fängt er wieder damit an!‘ – Und ewig murmelt das Murmeltier usw.

I: Und wenn doch nicht die sogenannte Realität dafür verantwortlich ist, sondern doch Hirnbiochemie, um Sie gleich zweimal zu zitieren?

K: Ach, ich habe wieder einmal Kontakt zu einem Profi gesucht. Ausgebucht auf Monate, Warteliste geschlossen. Das hat mich aber nicht überrascht. Das scheint eher der Normalfall und das weiß ich auch schon lange.

I: Sie treten also nach wie vor auf der Stelle, was die Erklärung dieses „Budenzaubers“ angeht?

K: Das bin ich doch gewohnt! „Weiter voran auf bewährtem Kurs!“, auch auf der Stelle treten ist Bewegung. – Wieder ’n kleines Löffelchen Zynismus zur Auflockerung, sorry! – Aber darum geht es wohl eigentlich beim Budenzauber. Heraus gelöst werden aus jeder Art unlebendiger oder unlebendig gewordener Routine. Etwas in der Art. Wie beim autogenen Training. Etwas muss geschehen, es kann nicht gemacht oder gar erzwungen werden.

I: Und Sie hoffen weiter, dass der Knoten platzt und Sie wirklich schöpferisch werden beim Schreiben, also Dichten, nicht Berichten, um Sie neuerlich zu zitieren?

K: Ich habe den Verdacht, dass die Entwicklung ganz woanders hingeht. Ich werde tatsächlich „springen“ und „landen“, aber nicht beim Schreiben oder Samplen usw., sondern bei einer anständigen Werktätigkeit.

I: Hatten Sie sich nicht mit Ihren Bezugspersonen geeinigt, dass ihre erste Aufgabe jetzt das fertig Stellen Ihres Buches wäre? Mit den „Reportagen aus einem Lebenslauf“, wie Sie diese Texte nennen?

K: Das ist ja der Oberhammer! Die Kluft zwischen der sogenannten Realität und dem Budenzauber wird immer größer. Immerhin gibt es nun schon mehrere Leute, die begriffen zu haben scheinen, was wirklich bei mir abgeht und die vehement darauf bestehen, dass ich nicht mehr desselben praktiziere und wieder Teller waschen oder Zeitungen zustellen gehe usw. usf. Das interessiert die Hauptverwaltung Budenzauber (HAUBUZ) aber gar nicht! Die machen weiter ihr Ding! ‚Gar nicht mehr schreiben!‘, ‚Einfacher Arbeiter!‘, ‚Schreib‘ als Hobby!‘, ‚Willa wieder zum Studium!‘ usw. usw. usf.

I: Wirklich nichts Neues…

K: Na ja – etwas Neues kam letztens doch! Ich habe noch nie ’ne Partnerschaft erlebt und ich bin dement. Har. Har. Har. Wobei das mit dem „dement“ aus zwei Gründen grotesk ist. – Eben kam: ‚Hat die Wende verpennt!‘; das heißt, der Stasi schreibt wieder seine Berichte. Äh, ich habe Ohropax in den Ohren! – Erstens hatte ich sogar ausdrücklich erklärt, dass meine Selbstgespräche nichts mit dem Alter zu tun hätten, vielmehr ich mit denen schon als Schulanfänger angefangen hätte, nachdem mein unmittelbar vorgesetzter Vorfahre lautes Mitsprechen beim Lesen und Schönschreiben Üben befohlen hatte. Was an sich nichts Falsches war, denn man lernt nachweislich umso besser, desto mehr Sinne am Lernprozess beteiligt sind. Zweitens aber kam schon vor etlichen Jahren die „Rückmeldung“, ich wäre Absolvent einer Sonderschule.

I: Das sind heftige Kränkungen, das verstehe ich. – Wie erklären Sie deren Häufung?

K: Das Problem des Epoché-Menschen nach Sloterdijk. In der Unterschichtausgabe, versteht sich. Aharhar, sieht er sich wieder als Interlecktueller, aharhar! – Eben kam: ‚Kuckuck!‘ – Das wird mir jetzt beim Schreiben meiner Lebensreportagen besonders deutlich. Einer der Antriebe von Menschinnen und Menschen in der Gegenwart, wenn nicht der Antrieb, ist sich Zeigen und gesehen werden Wollen. Dies zu ermöglichen, scheint eine der sozusagen Hauptaufgaben des Internets; übrigens unabhängig von Sozia- oder Kapitalismus oder irgendwelchem anderem Mus, aber das am Rande. Ich bin jedoch von frühester Kindheit an darauf konditioniert, desto mehr alles geheim zu halten, desto wichtiger es mir ist. Damit bin ich von vornherein nicht nur out, sondern schwimme sozusagen gegen den Hauptstrom der Zeit. – Meine Güte, wie poetisch! Und auch hier meine ich mit „Hauptstrom“ nicht unbedingt das, was unter „Mainstream“ verstanden wird.

I: Es fällt Ihnen aber nicht schwer zuzugeben, dass Sie dieses erhebend schmerzliche Martyrium genießen?!

K: Danke! Es freut mich, neuerlich feststellen zu können, dass ich von imaginären Freunden gesehen werde. Aber ich weiß durchaus, dass es „komisch“ wirkt, wenn einem dergleichen mit Sechzig bewusst wird.

I: Nach diesem quasi obligatorischem Geplänkel nun der ernst gemeinte Gedanke, dass man doch im Zusammenhang mit Ossis bei der Formulierung „alles geheim“ aufmerken muss.

K: Ja, das ist der nächste Korken! Diese ureigene Prägung scheint natürlich heftig zu korrespondieren mit dem „Stasi-Staat“; man beachte hier die gesprochenen Anführungsstriche. Ich habe mit 12 oder 13 angefangen, alles, was mir wichtig und wert war, gewissermaßen in Text zu sperren. Ein Quasi-Anscheißer, sich richtend an einen Großen Imaginären Führungsoffizier (GIF). Im Alltag war ich zunehmend eine Art leere Hülle auf Schienen, eben scheintot im Denken, vergleiche Sloterdijk. Da wurde schließlich gar nichts mehr sichtbar. Oder so.

I: So abgedroschen das klingt – Einsicht ist der erste Weg zur Veränderung…

K: Das ist nicht adäquat formuliert! „Die vom Klienten schließlich praktizierte Verbalisierung emotionalen Inhalts als Bestandteil der therapeutischen Trias ermöglicht ihm Einstellungs- und Verhaltensänderung.“ Oder so. – Sorry, aber ohne diese täglichen Löffel Zynis-Mus wäre ich vermutlich schon lange durchgeknallt. – ‚Siehta sich wieda als Züchoteerahpeut, höhöhö!‘ – Das kam nicht jetzt, kommt aber immer wieder.

I: Ihnen geht es gut – das ist gut… Ich frage mich tatsächlich immer wieder, ob diese Selbstkasteiungen bei Ihnen mittlerweile körperliche Wirkungen haben könnten wie die Verbesserung der Durchblutung nach sich selbst Schlagen mit Besenreisern in der Sauna oder so…

K: Ich war sehr lange nicht in der Sauna, aber immer saunah dran. Har. Har.

I: Wie sagen Sie immer? – Möge das Große Energiefeld mit Ihnen sein!

* Leben ohne Kater ist möglich, aber doof; sehr frei, wie erst höchstens 10 Mal angemerkt, nach Prof. von Bülow aka Loriot.

Dieser Beitrag wurde unter Budenzauber, Diabolische Dialoge, Nabelbohrungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu KI-Dialog 11 (… von der Rolle…)

  1. Herr Ösi sagt:

    Wir sind doch wie das süße Kätzchen…

    fortwährend beim Abspulen immergleicher Klorollen, bloß, man findet es nicht witzig, die Umwelt findet es nicht witzig, obwohl wir doch, wie alle andern, seit Kindheit darauf trainiert wurden, Klorollen in einer Dauerschleife abzurollen.

    Wir haben die falsche Erziehung unserer Eltern, die von ihren Eltern bereits falsch erzogen wurden und so weiter, angenommen, verinnerlicht (wenn es uns nicht gelungen ist, uns davon zu distanzieren… aber wem ist das schon gelungen?) und führen diesen Mist bis ans Ende unserer Tage weiter und warten darauf, mit 60, bei mir leider schon drüber oder GOTTSEIDANK, dass die Kindheit, die Jugend oder irgendwas anderes, das sich vielleicht diffus im Nebel abzeichnet, aber sicher bin ich mir nicht, endlich beginnen möge…

    Kurz, man könnte es mit Katzenjammer beschreiben, man könnte sich fragen, ob Katzen, wenn sie Klorollen abspulen, ebenfalls jammern? Oder sind die Viecher vielleicht höher entwickelt als wir Menschen? Wundern täte es mich nicht…

    (Soweit das Wort zur Wochenteilung)

    • Herr Koske sagt:

      Du bist älter als ich? (Soll heißen: kann es denn jemanden geben, der noch älter als ich? Har. Har.) – Ich glaube, mich richtig zu entsinnen, dass wir das Thema schon mal hatten, aber – egal… Kundenpenetration sichert Verkaufserfolg… – oder so ähnlich…

      … dieses „wir“… da habe ich wieder ’n Problem; siehe eben oben, zweite Aussage von Herrn Imauflu (klingt eigentlich wie ’n Name einer Figur in einer Fantasy-Geschichte, die ich gern schreiben würde; *jaul*, *jammer*)… aber natürlich ist „wir“ besser als „man“, worin mir Frau Dr. Anna Lyse sicher zustimmen würde, die alte Edelschnepfe (Nananana?!)…

      Es gibt Leute, die aus dem „Abspulen“ raus kommen; ich habe es erlebt… äh… – als Zuschauer, versteht sich… ich hoffe ja immer noch, dass ich ein bisschen „abgeladen“ habe, wenn ich mit diesen ominösen „Reportagen aus meinem Leben“ fertig bin…

      In diesem Sinne hörnt sich mühsam das Eichnährchen

      K.

    • Herr Koske sagt:

      … das wird von Generation zu Generation weiter gegeben, unabhängig von Ökonomie, Politik, Ideologie… das ist meiner Wahrnehmung nach die „Unterdrückung“…

      (… in Vollzug seines störungsspezifischen Größenwahns sieht sich der Klient hier neuerlich als Nachfolger von Dr. Uljanow [es ist albern, aber versuche mal, das laut vorzulesen!]; verständigen Sie gegebenenfalls die Gemeindeschwester, rothaarig angenehm…)

  2. Herr Ösi sagt:

    Mit den Russen, da kenne ich mich nicht gut aus, die Sprache… die Sprache… obwohl, den Herren Putin kann ich ganz gut leiden, kenne ihn klarerweise nicht persönlich, den Herrn Bulgakow, auch nicht persönlich, aber seine Magarita, auch nicht persönlich, tolles Mädel, rothaarig Fragezeichen, mit ihrer Flugsalbe zum Fliegen, wie sie sich eingecremt hat und um den Häuserblock geflogen ist, großartig, den Herrn Bulgakow habe ich persönlich als Hörspiel gehört und war hin und weg, sprich geradezu begeistert von seiner Phantasie, gleichwohl Herr Stalin, den ich nicht sooo mag, нет gesagt hat zu seiner Bitte, ausreisen zu dürfen, нет müssen die Diktatoren wohl zu dem sagen, der in die Fremde fahren möchte und nicht fahren darf und wo wir bei Wikipedia angelangt sind, ich versucht bin, den empfohlenen Artikel laut vorzulesen… äh um letztendlich zu sagen: klar, Wikipedia ist Wikipedia, kleiner Zungenbrecher, habe nix anderes erwartet… passt scho, wie die Franken sagen (als allerhöchstes Lob, das sie zu vergeben haben)

    • Herr Koske sagt:

      Bulgakow – ha! Vortrefflich! Das war mal für mich der Gipfel der sozusagen Ost-Fantasy! „Sprechen Sie nie mit Unbekannten!“ Und die Interpretation des Jesus aus Nazareth dürfte dem Papst nicht so gefallen haben. Auch der Kater Behemoth, Pilze speisend, hatte meine volle Sympathie…

  3. Herr Ösi sagt:

    Ja, der sprechende Kater, wie er im Schach bescheißen wollte… Großartig, die ganze Geschichte.

    Und ich dachte wirklich immer, die Russen können nur Tragik und Drama…

    So kann man sich täuschen…

    • Herr Koske sagt:

      … tja, wieder ’n Klischee… aber das verstehe ich sehr gut… „umgekehrt“ waren ja etliche Autoren aus dem sogenanntem Westen im Osten, milde formuliert, nicht gern gesehen… und nachher hat sich heraus gestellt, dass es sich um ganz ausgezeichete Wortsetzer handelte…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.