(… hat er das jetzt  w i r k l i c h  gesagt…)

Ab 24:12…

„… das ist im Übrigen ja überwiegend gar nich‘ ’n Problem materieller Not… sondern, ich hör das immer so, diese Armutsstatistiken… ich hab da auch meine Zweifel… es geht den… materiell geht’s den meisten Menschen viel besser als es vergleichbaren Menschen früher oder in anderen Teilen der Welt geht… aber das Gefühl, in dieser Gesellschaft nicht dazu zu gehör’n, ausgegrenzt zu sein oder nicht teilhaben zu können, das ist das große Problem…“

Herr K. war sprachlos, und das ist jetzt ohne jede Ironie gemeint. Es passiert K. ja des Öfteren, dass er Wahrnehmungen und Gedanken gar nicht äußert, weil sie ihm selbst von vornherein nicht geheuer sind, aber dass er hier einen Gedanken bestätigt findet, hätte er nun wirklich nicht vermutet.

K. muss in diesem Kontext auch immer wieder an Gottfried Kellers „Fähnlein der sieben Aufrechten“ denken. Einer der sozusagen Titel gebenden Sieben sagt zum jugendlichen Helden sinngemäß, der solle froh sein über solche Erlebnisse der Übereinstimmung, denn sie würden zeigen, dass er, der junge Mann, gewissermaßen im Strom der Zeit wäre. Wie gesagt – sinngemäß.

(… nein, Herr K. möchte nicht Bundestagspräsident werden, auch nicht im Unbewusstenthx… )

Was aber heißt denn „sich um die Menschen kümmern“? Endlich darauf eingehen, weil überhaupt wahrnehmen, dass sehr viele als politische Meinungsäußerungen angebrachte Aussagen der in eben oben angedeutetem Sinne Benachteiligten im Grunde, sorry, Auskotzen von Frust darstellen, der ganz woanders herkommt und hingehört als aus der und in die Politik?

Immer wieder hat K. dieses Bild vor den Augen, in der eine Frau in die Kamera sagte: „Die kriegen alles reingeschoben!“, und sich dabei angehört hat wie eine Zwölfjährige, der man am Zopf gezogen hat.

(… emotionale Kinder in Erwachsenenkörpern, sinngemäß Dr. Casriel… das ist die „Unterdrückung“, nicht der Mangel an Materiellem… K. ist sich sehr wohl darüber im Klaren, und möchte wahrscheinlich dafür gelobt werden, dass er selbst, aus Gründen, weit entfernt ist davon, im Sinne des sozusagen Denkgebäudes von Casriel emotional erwachsen zu sein… aber er weiß es, hoho, und wählt deswegen nicht, äh… Dings…)

K. wiederholt die Erörterung dieser Szene nicht nur deshalb, weil er, *hüstel*, etwas festgefahren ist, sondern weil er aus Prinzip über kein Bewegtbildempfangsgerät verfügt und auch bei YouTube nur hin und wieder TV-Sendungen rezipiert. Man sagt „rezipiert“, denn man hält sich für einen Interlecktuellen, höhö. Mit „die“ waren Flüchtlinge gemeint, untergebracht in dem Haus, vor dem die Frau befragt wurde.

Wie bereits gesagt, lautet für K. die sozusagen Übersetzung dieser Aussage etwa: „Auch ich will endlich im eigenem Recht gesehen werden, was ich schon nicht erleben durfte, als es als früheste Befriedigung existentieller seelischer Bedürfnisse sozusagen ‚dran gewesen‘ wäre!“ usw. usf.

Tja, aber wie setzt man solche gewissermaßen Konstellationen von „Psycho-Club“ nun praktisch konstruktiv um? – Kriterium der Wahrheit ist die Praxis, hat Dr. Marx gesagt, nicht Dr. Freud, hähä. K. weiß es nicht, aber er geht auch nicht zur Demo auf der Reichstagstreppe oder gegen die „Impfdiktatur“ usw. usf., und wahrscheinlich möchte er dafür gelobt werden.

Immerhin ertappt sich Herr K. an dieser Stelle, und wahrscheinlich möchte er dafür gelobt werden, bei diesem gewissem Widerspruch zwischen Theorie und Praxis, den er in letzter Zeit an den Beispielen von Hermann Hesse, Alice Miller und Erwin Strittmatter mehrfach zu erörtern versucht hat. Alle drei waren im literarischen oder wissenschaftlichen Sinne begnadete sozusagen Erforscher und Verteidiger des Kindlichen; im Alltag aber, als Mensch, nicht wahr, *hüstel*, haben sie ihre eigenen Kinder tyrannisiert oder weg gegeben usw.

Dieser Mechanismus, oder wie immer man das nennen mag, scheint K. über diese Beispiele hinaus weiterer Erörterung wert. Er selbst sieht dieses Problem bei sich durchaus, was ihm aber nichts daran zu ändern scheint, dass seine Überlegungen keineswegs so weltfern sein könnten, wie er oft in einer Art voraus eilenden Gehorsams selbst überzeugt scheint.

Zusammenfassend gesagt, und in Anlehnung an die Doktoren Uljanow und Gysi: „Psychoclub, Psychoclub und nochmals Psychoclub!“

Das scheint der Weg, der sich jedes Mal ergibt, siehe z. B. Stefan Zweig in „Die Welt von gestern“, wenn die materielle Basis für alle oder fast alle Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft derart gesichert ist, dass man Psycho-Club nicht mehr ausweichen zu können scheint; nicht umsonst haben Freud & Co. in eben dieser von Zweig beschriebenen Gesellschaft ihre Pionierarbeit begonnen. Womöglich ist dieser Stand der Entwicklung derart unerträglich, dass man sofort ausagieren und alles kaputt machen muss, aber das ist jetzt reine Spekulation. – Nein, Herr K. projiziert nicht; er hat das mit seiner inneren Gruppe durchdiskutiert.

Möglicherweise, und bitte die Hervorhebung beachten, sind die gegenwärtigen Strukturen der Verteilung und Ausübung vom Macht nicht geeignet zur Lösung der eben oben hoffentlich wenigstens halbwegs verständlich erörterten Probleme, und möglicherweise sind auch deshalb die Nichtwähler sozusagen die stärkste Partei. Bla.

(… so weit wieder d i e  T h e o r i e… K. legt sich nun ein bisschen hin, denn er ist auch der Jüngste nicht mehr fürwahr…)

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