(… weitere Bohr-Kernchen aus dem Nabel des K….)

Quelle der kulturellen Umrahmung.

Dabei müsste K. es besser wissen! Er hat das auch schon mehrfach ausprobiert. Kaffee tut ihm nicht gut, er sollte ihn weg lassen, zumindest am Morgen…

Bla. – Heute hat K. weg gelassen. Dies hatte eine deutliche Stimmungsänderung beim Wahrnehmen der Welt da draußen und beim sich Bewegen in dieser Welt zur Folge, im positivem Sinne! Auch das hat K. schon mehrfach erlebt. – „Der Junge lernt einfach nichts dazu!“, hätte Tante Paula vielleicht gesagt, wenn es sie gegeben hätte.

Dann hat sich auf einer der ausladenden Brücken, die in M, Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren, über die sogenannte Stammstrecke führen, ein mittelalter Mann etwa zwei Meter vor K. eine Lulle angesteckt und zwischen die Kiemen geklemmt. – K. versucht sich immer wieder, wir berichteten, an massennaher Ausdrucksweise.

Sofort war K. gut drauf, als er in die nach dem erstem Zug ausgeblasene Wolke Tabakrauch gelaufen ist. Auch das hat er bereits des Öfteren erlebt.

Er kennt die Geschichten von Alkoholikern, die schon beim Vorbeigehen an ihrer Stammkneipe drauf sind. Leider hat es sich auch 2021 immer noch nicht herum gesprochen, dass Sucht keine Charakterschwäche und kein soziales Defizit ist, sondern eine Krankheit.

Aus Gründen, die man noch nicht erkannt hat, docken bei manchen Menschen von außen zugeführte Stoffe wie etwa Alkaloide schneller, besser und nachhaltiger an Synapsen an als körpereigene Botenstoffe. Damit wird der Suchtmechanismus verständlich. Wenn diese Stoffe einmal zugeführt wurden, wollen die Synapsen die wieder und mehr davon.

Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings, dass in der eben angedeuteten Weise vorbelastete Menschen nicht süchtig werden können in Kulturen, in denen eine Zufuhr derartiger Stoffe nicht üblich oder gar nicht möglich ist. Allerdings dürfte es solche Kulturen nicht geben, weil der Drang, sich auf der Ebene abzuschießen, die den Menschen als Menschen ausmacht, und sich schlicht die Birne zu zu knallen, seltsamer und vielleicht dialektischer Weise ein menschliches Grundbedürfnis zu sein scheint.

So weit zum Thema „Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ usw., Zitat Meister Busch, und „Meister“ ist nicht im Geringsten ironisch gemeint, denn der Mann ist der Urvater der Comics.

K. wird weiter Bierchen zischen, nachdem er nun in einer Art Selbsttest glaubt festgestellt zu haben, dass er kein Schlucki zu sein scheint. Ein wenig Bier nämlich kann gutartige Prostata-Vergrößerungen sogar verlangsamen. Nein, kein Joke; aber natürlich findet K. die mittelkürzlich entdeckte diesbezügliche Meldung nicht mehr, und sie war ausdrücklich in einer Fachzeitschrift, nicht in einem Produkt der yellow press.

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Nun hat K. angeblich beide mit „BPS“ abgekürzte Krankheiten; benignes Prostatasyndrom und Borderline-Persönlichkeitsstörung. Was Letztere betrifft – hach, is‘ es wieder lustich! Das kam in den letzten Tagen immer wieder per Mental-Funk: ‚Merkt nich‘, dissa schwul ist; bildet sich ein, er is ’n Borderliner, höhöhö!‘

Was K. bei solchen Gelegenheiten am meisten fasziniert, und „fasziniert“ ist nicht nur sarkastisch gemeint, ist die Tatsache, dass immer wieder Leutinnen und Leuten, die K. als arrogant gewissermaßen brandmarken zu müssen glauben, selbst, mit Verlaub, zum Himmel stinkende Anmaßung entwickeln. Diese Diagnose, um beim Beispiel zu bleiben, hat sich schließlich K. nicht selbst gestellt, sondern ein zweifach universitätlich diplomierter Fachmann, der derzeit als Chefarzt in der Psychatrischen tätig ist, was man ihm nicht übel nehmen kann, denn nicht alle können erfolgreiche Börsenmakler werden.

(… es spielt dabei überhaupt keine Rolle, jedenfalls nicht für K., zugegebenermaßen arroganter Weise, ob die betreffenden Feedbacks „echt“ oder „Hallus“ bzw. „Pseudo-Hallus“ sind… das ist alles Kommunikation… nein, nicht nur lustich gemeint…)

Die böse Pointe aber besteht hier darin, dass K., zugegebenermaßen arroganter Weise, diese Diagnose selbst immer wieder anficht, indem er vor allem immer wieder rätselt, ob die vom Vor-Vorgänger dieses Chefarztes gestellte Diagnose, nämlich schizotypische Persönlichkeitsstörung, nicht zutreffender sein dürfte. Natürlich ist K. sich darüber im Klaren, zugegebenermaßen arroganter Weise, dass er, wenn er jetzt noch zween erlauchte Irrendoktoren gar manierlich konsultieret fürwahr, womöglich drei weitere Diagnosen erhält. K. selbst favorisiert ja nach wie vor „chronische Chamäleonose (morbus zelig)“, har har.

(… auch wieder mindestens interessant – „Irrendoktor“ wird nicht als Fehler angezeigt… welches Jahr schreiben wir nochmal… 1850, oder… na ja – irgendwas is‘ immer…)

„Das dazu!“, wie Diplomlehrer M. immer zu sagen pflegte, wobei er oft eine autoritätsgefährdende Kniebeuge angedeutet hat. Ja, war nicht alles schlecht

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Heute hat K. wieder ganz ordentlich getippselt, wobei er, was jedermann überraschen muss, nicht zufrieden ist. Vor allem ist es Unfug zu glauben, dass er sein Büchlein, mit dem er sich als Au-Tor zum Bio-Grafen zu adeln wünscht, bis zu seinem 60. Geburtstag fertig bekommen wird, heule heule heule.

(… das ist sowieso Quatsch, sich schon wieder unter Druck zu setzen; das wird doch grundsätzlich nix…)

Einige Stunden hat K. an dem Werkchen gewerkelt, dann hat er das Ohropax aus den, Überraschung, Ohren gepfriemelt, und sofort kam von unten: ‚Betätigt sich schriftstellerisch, hähähä!‘ Als K. dann in die Küche gegangen ist, um eine seiner Tassen zu spülen, damit wieder alle im Schrank sind, kam auf der anderen Hausseite von unten wieder einmal etwas mit: ‚Stasischwein!‘ Wie originell! Das hatten wir nun echt noch nicht! Und K. war nicht einmal Kandidat der Partei, geschweige denn Mitglied der hocheffizienten Firma, oh schöner Schmerz!

K. bildet sich nach wie vor ein, dass dieser Budenzauber irgendwann aufhört – die Hoffnung stirbt zuletzt…

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