(… alle  i m  Schrank… nix „Porzellan-Syndrom“…)*

Auch diese kulturelle Umrahmung hat nur bedingt mit den im Folgendem hoffentlich nicht ganz ohne Anmut gruppierten Textchen zu tun; sie ist jedoch aus einer eigenen Aufnahme des K. von ihm gestaltet worden. „Ach.“**

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K. steht an einer Ampel an der Kreuzung um die Ecke, an der er wie heute meist seine Laufrunde beendet. Er sucht und findet einen auf eine Straßenlampe geklebten Aufkleber, mit bzw. auf dem nach Fahrradkurieren gesucht wird. K. vergisst jedoch zum wiederholtem Male den Namen des oder der dergestalt Inserierenden, weil er – eine Erscheinung hat

Zwei etwa 20jährige Mädchen fahren sehr schnell auf einem dieser Scooter auf K. zu und an ihm vorbei. K. stellt erst einen Augenblick vor dem anmutig vermiedenem Zusammenprall fest, dass diese jungen Frauen sehr anmutig sind. – Ist das jetzt voll p. c., Alter, und nicht frauenfeindlich und sexistisch, zefix???!!!

Eine der Frauen murmelt unmittelbar vor dem elegant vermiedenem, yeah, Touching wörtlich: „Ja, Bro, lass gut sein!“ und K. fällt in den bekanntermaßen bei ihm äußerst seltenen Zustand der Sprachlosigkeit.

Meint die ihn? Was geht hier ab? Geht’s noch? K. war doch die Wahrnehmung der Lieblichkeit dieser rezenten Vertreterinnen der terrestrischen Hominiden erst buchstäblich in letzter Sekunde möglich? Wie können die denn, was offenbar der Fall ist, nicht nur annehmen, sondern es als Selbstverständlichkeit empfinden, dass K. sie schon Sekunden vorher wahrgenommen hat, buchstäblich aus den Augenwinkeln? War ihnen gar klar, dass K. diese Wahrnehmung nicht zulassen konnte, weil sie mit einem sehr wahrscheinlich sehr frühem Verbot belegt ist?

Das heißt gewissermaßen, etwas in K. hat die Mädchen wahrgenommen, was aber dermaßen abgespalten war, dass diese Wahrnehmung K. nicht bewusst wurde.

Er hat schon ein bisschen posiert, wie er zuzugeben bereit ist und in der Tat auch zugibt. Er hat einige Übungen zur Lockerung seiner steinharten Schultermuskulatur vollzogen; dies aber in dem sicherem Glauben, er würde eben nur ein paar Übungen versuchen, wie er sie ebenfalls des Öfteren an diesem Endpunkt seiner Läufe ausführt, und nicht, um vor den Mädchen zu posen, von denen er eben sicher war, dass er sie noch gar nicht wahrgenommen hätte.

Wieder einmal eine winzige, banale Szene, in der man mit wenig Mühe wie in einer auf der Straße liegenden Spiegelscherbe eine ganze Welt sehen kann. „Man“, nicht nur K. Männer sagen des Öfteren „man“, wenn sie besser „ich“ sagen sollten; Frauen aber auch, hähä.

(… eben kam von unten: „Der ist größenwahnsinnig!“ bzw. ‚Der ist größenwahnsinnig!‘… wieder ist K. nicht klar, ob das echt oder pseudohalluziniert war… K. tastet nun seit einer reichlichen Viertelstunde verbissen in die Tasten der PC-Tastatur und hat es leider verabsäumt, seine Ohren zu verohropaxen, was er in der letzten Zeit fast immer zu tun pflegt, wenn er monitöricht konsumiert oder produziert…)

Wenn dem jedoch so wäre, wie K. sich eben oben darzulegen bemühte, dann wäre K. noch in weitaus höherem Maße gewissermaßen ausgeliefert, als er es wiederum wahrzunehmen wagt. Er wäre auf Rückmeldungen geradezu angewiesen, weil er etliche Empfindungen und Antriebe offenbar völlig abgespalten hat und sie dementsprechend nicht selbst wahrzunehmen vermag.

K. vermutet dergleichen schon lange und hält es des Weiteren für möglich, dass ihm deshalb in unregelmäßigen Abständen auf der Straße Leute, die er noch nie gesehen hat, Rückmeldungen zuteil werden lassen, um den Sachverhalt sehr milde zu formulieren.

Verkürzt gesagt, sind die alle richtig da, ganz da, im Hier und Jetzt oder wie auch immer man diese Situation zu benennen versuchen mag, und K. nicht…

Hat das jemand verstanden in der völlig zu Recht unübersehbaren Nichtleserschaft des K.? – Drauf defäkiert!!!

Natürlich ist sich K. darüber im Klaren, dass das alles lustich ist für Außenstehende. Alte Meister wie Woody Allen oder Loriot haben mit kunstvollen Arrangements von Darstellungsversuchen dieses Phänomens geradezu Blockbuster geschaffen. Man betrachte etwa den Typen bei Loriot, der nach einer Straße gefragt wird und anfängt zu stottern und zu stammeln, obwohl er in der gesuchten Straße wohnt.

Muaha. – Der Mann ist nicht blöd. Das Problem liegt nicht im sachlichen Inhalt, in diesem Fall in der Auskunft über eine Adresse, sondern auf der Beziehungsebene, im Kontakt. Die spontane emotionale Annäherung eines unbekannten Passanten wird von diesen um eine einfache Auskunft gebetenem Mann in solchem Maße als bedrohlich empfunden, dass er geradezu Aussetzer in Gehirnfunktionen erlebt und seine eigene Straße quasi nicht mehr kennt. Das wird Gründe haben, die sich aus frühen Prägungen ergeben haben dürften.

Das dahinter oder darunter liegende Problem hat K. schon des Öfteren versucht darzustellen. Für Menschen wie diesen Filmhelden bzw. „Filmhelden“ ist die Neurose weniger ein Symptomkomplex als vielmehr ein goldener Kompromiss der Lebensbewältigung, was schon Freud sinngemäß nachdrücklich angemerkt hat, wie K. erst höchstens ein Dutzend Mal erwähnt hat.

Immer noch und immer wieder versucht K. herauszufinden, wer warum und wie 1986 seine Kompromisslösung dieser Art aufzuheben und ihn, um bei zugegebenermaßen unbeholfenen Benennungsversuchen zu bleiben, ins Hier und Jetzt zu zwingen versucht hat.

Seitdem irrt er nun gewissermaßen seelisch aufgerissen, weil ohne diese Schutzblase gar nicht mehr zum Leistungsträger entwickelbar umher und kaut diplomierten und promovierten Fachleutinnen und Fachleuten die Ohren ab in der Hoffnung, dass die ihm diese Blase reparieren könnten, har har.

Bla.

Immerhin jedoch, und um das Positive zu sehen – sie hat „Bro“ gesagt…

Könnte es sein, so frohlockt etwas in K., dass er trotz seines hohen Alters und des daraus zwangsläufig resultierenden seichten Siechtums noch nicht völlig raus aus dem Rennen ist?

Ha! Ha!!! K. plant, nach dem Posten dieses Postings ein wenig schmerzlich schmachtend dahin zu schmelzen, schluchzender Weise…

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Jedes Mal beim Öffnen des Schrankes sieht die entzückende Schrottsammlerin K. böse an, obwohl er gar nicht skywalkend mit ihr verwandt ist und sie nicht unverwandt mit dem Lichtschwert zu erleuchten versucht usw. – Ist „entzückende Schrottsammlerin“ voll politisch korrekt und nicht frauenfeindlich und sexistisch, zefix?! – Auch wollte K. nichts gegen Schrottsammlerinnen sagen, Pionierehrenwort!

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Ansonsten – nichts Neues! K. ist gerade wieder einmal schwul (???), er will nicht arbeiten, weil er Abitur hat, er soll bei der Müllabfuhr anfangen, ‚Er dichtet doch nich‘!‘, ‚Schreib am Wochenende!‘, ‚Schreib als Hobby!‘, ‚Der Typ is‘ fertig!‘ (die Verdrehung ins Gegenteil, denn K. hat noch gar nicht wirklich angefangen; er legt im nächsten Leben voll los, Mann).

Usw. usw. usf. – Und ewig murmelt das Murmeltier…

Gestern war K. wieder beim Coaching, amtlich-jobzentriert, und hat sich mehrfach entschuldigt, dass er so viel labert, und wieder ist ihm zumindest zwischen oder hinter den Worten sinngemäß mitgeteilt worden, dass er sich viel zu sehr unter Druck setzen würde usw.

Zwei Welten, die sich antagonistisch gegenüberstehen; der Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die sogenannte Realität wäre, sowie der Budenzauber. Das geht jetzt seit 35 Jahren und ’n bisschen macht K. noch, hähä. Böse Hobbitse, böse Hobbitse

Auch werkelt K. eben heftig an seinen „Banalen Geschichten aus dem Leben einer Marginalperson“ und er glaubt nun, zu diesem Untertitel einen Titel gefunden zu haben, in dem die in diesem Posting erörterte prekäre Problematik aufscheint, „Immer dichter dran.“

In diesem Sinne – häff fann, oder wie die Großbritannier da sagen!

** Porzellansyndrom. Gnihi.
** Zitat Professor von Bülow aka Loriot.

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