(… man hätte es kommen sehen müssen sollen – „Kuckucksnest“…)

War ja klar – K. macht Einen auf „Kuckucksnest“ (Mental-Funk, was sonst)… Allein, K. hat schon mehrfach darauf verwiesen, dass er rein wollte, nicht raus, klapsmühlentechnisch.

Zudem und vor allem scheint K., dass „Klapsmühle“ nur das offensichtliche, sozusagen an der Oberfläche wahrnehmbare Thema von „Einer flog übers Kuckucksnest“ wäre. Juri Trifonow hat diese Doppelbödigkeit von Plots oder Fabeln erörtert; er sprach wörtlich von „doppelter Befrachtung“.

Ein Beispiel hierfür, das derart augenfällig ist, dass es nicht weiter erörtert werden muss, wäre etwa „Der Seewolf“.

Auf den ersten Blick ist das Buch ein furioser Abenteuerroman, auf den zweiten aber, was Jack London ausdrücklich angemerkt hat, eine Auseinandersetzung zwischen Individualismus und Sozialismus. „Sozialismus“ ist hier nicht in heutiger Lesart gemeint, sondern gewissermaßen im Wortsinn als Gegensatz zum Individualismus; es geht um den Dualismus, vielleicht sogar um die Dialektik von im Kampf ums Dasein kämpfenden Einzelkämpfern und, igitt, Gruppen usw.

(… eigentlich geht es um Psychopath versus suchender und irrender Neurotiker… aber das lassen wir mal, denn das ist wieder, pfui bäh, Psycho-Gedöns…)
 
(… eines der Pärchen der Weltliteratur – Psychopath und Neurotiker… Wolzow und Holt, zum Beispiel… oder auch, oder vor allem, Mephisto und Faust…)
 
(… zudem, so schräg das zunächst klingen mag, ist „Der Seewolf“ auch ein Bildungsroman; die „Ghost“ ist ebenso eine pädagogische Provinz nach Goethe wie etwa „Der Zauberberg“böse Hobbitse, böse Hobbitse…)

Um wieder einmal zu versuchen, zum Thema zu kommen, könnte man im eben oben angedeutetem Sinne sozusagen eine Schicht tiefer das Anliegen oder den Plot oder was auch immer von „Kuckucksnest“ sinngemäß in der Frage zusammenfassen, was passieren würde, wenn eine Gruppe sich völlig isoliert, absentiert, loslöst von aller demokratischen Supervision, Regulierung und Korrektur.

(… was einem Absolventen der DDR wie K. irgendwie bekannt vorkommen muss… sorry…)

Bei dieser Fragestellung dürfte zudem augenblicklich klar werden, dass die darin angedeutete Problematik weit über Irrenhäuser hinaus wirksam ist. Die Darstellung dieser Problematik in der Klapse trägt „nur“, unter anderem, zu lauterem Klingeln der Kinokassen bei, denn die Produktion eines Filmes ist ein marktwirtschaftliches Unternehmen, was das dennoch und trotzdem Entstehen von Meisterwerken umso erstaunlicher erscheinen lassen muss.

So weit der Klugschiss zum Tage aus der Unterschicht – häff fann usw.

© Die Ursprungsdatei des Bildes ist gemeinfrei. – In seiner ungeheuerlichen Arroganz stellt sich K. hier jedoch zwei Fragen; „Vor der Quarantäne waren die Psychiater und Psychotherapeuten nicht überlastet?“ sowie „Wenn jemand seine Symptomatik, wenn es denn eine ist, wie etwa den Budenzauber, quasi als Bestandteil seiner Persönlichkeit akzeptiert hat, ist er dann bei nur gelegentlichem Leidensdruck behandlungsbedürftig?“ Bla.

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