(… werden Sie Klassenschrankenwärter…) … (…*hüstel*…)

© Die Ursprungsdatei dieser kulturellen Umrahmung ist gemeinfrei.

Man hat das als normal empfunden. „Man“, nicht nur Herr K. Irgendwo im Nordatlantik hat eine Übung der NATO stattgefunden und fast am Ostrand Ostberlins ist ein Posten mit der guten alten AK 47 Streife um die Wohnblocks gelaufen. Daher der Begriff „Wohnkomplex“? Nee, alles in Ordnung! Geht alles seinen Gang! Weiter voran auf bewährtem Kurs!

K. hat gewisse Wahrnehmungen zwar registriert, aber nie weiter darüber nachgedacht. Schon beim zweitem Mal, als er das Mädchen seiner mindestens neurotischen Träume in diesem Wohngebiet besucht hat, fuhr einer der Ladas an ihm vorbei, in denen mittlerweile geradezu standardmäßig vier Männer in Anzug und Krawatte saßen und K. auf eine Weise dienstvorschriftlich wachsam musterten, die bereits fast grimmig genannt werden musste.

„Da haben wir also den Kaiser verjagt/und seine Gemahlin verlötet!“ usw. singt Gundermann. Dennoch war K. fast in derselben Situation wie der Lümmel vom Kutscher, der durch das kunstvoll geschmiedete Eingangstor die im herrenhäuslichem Park majestätisch promenierende Grafentochter anschmachtet.

Nur war dieses sozusagen soziale Gefälle nun nicht mehr durch materielle Bedingungen verursacht und gerade deshalb wurde es umso deutlicher, denn es wurde klar, dass es eigentlich um drinnen und draußen ging, also um, sorry, Psycho-Club. Der halbwegs sozialistisch, wenn überhaupt sozialisierte K. konnte sich ebenso wenig einfach an die Tochter eines Offiziers der HVA ran schmeißen wie der Kutscher-Bengel an die Edel-Göre.

Es geht nicht darum, dass K. zu depressiv-resigniert war, und wohl auch zu faul, wie er immerhin zuzugeben bereit scheint, um wirklich um das Mädchen zu kämpfen; es geht um ein Prinzip, das weit über die natürlich hochwichtige Person des K. hinaus wirksam und sichtbar werden dürfte.

Bewusste Vertreter der siegreichen Arbeiterklasse verleugneten, ihrer Benennung dialektisch entsprechend, das Unbewusste, das dadurch umso stärker wirkte, indem wie eben oben angedeutet gewissermaßen auf einer anderen Ebene reproduziert wurde, was nicht zu Unrecht zu bekämpfen man einmal angetreten war.

Das scheint K. das Entscheidende, immer öfter und immer deutlicher, nicht die fehlende Reisefreiheit und zu wenig Bananen usw.

(… „Lieber junger Freund, es handelt sich hier um Überbleibsel der alten Gesellschaft, die wir im Zuge unserer gesetzmäßigen Entwicklung Schritt für Schritt überwinden werden!“… das isses, Nossinnossn… und wenn wir nicht gestorben sind, überwinden wir noch heute…)

Ganz in der Nähe dieses Wohngebiets hatte K. während des sechswöchigen stationären Therapieabschnitts im Hirschkindergarten von Papa Höck 1984 eine Art Schlüsselerlebnis. In der dritten und vierten Woche war jede Gruppe für Einkaufen und Kochen verantwortlich. Bei einem dieser Einkäufe hat K. mit halbem Ohr sinngemäß etwas gehört wie: „Die mit ihrer Gruppendynamik, hihihi!“

Mit anderen Worten wäre Gruppendynamik etwas für Bekloppte, während wir Normalen keine Gruppendynamik brauchen würden.* Dass eigentlich diese beim Vorübergehen der therapeutisch shoppenden Bekloppten geäußerte Überzeugung bekloppt war, schien, milde formuliert, nicht zu vermitteln.

Mittlerweile glaubt K., dass alles im eben angedeutetem Kontext quasi umgekehrt ist, um wieder einmal volksnahe Diktion vorzutäuschen, *hüstel*. Die einzigen Räume, und „Räume“ im wörtlichem und im übertragenem Sinne, in denen im Fokus täglicher Tätigkeit, und eben durchaus auch oder vor allem Werktätigkeit, das steht, was den Menschen als Menschen ausmacht, nämlich das, O-Ton vox populi, Psycho-Gedöns, sind, O-Ton vox populi, Klapsmühlen und Bekloppten-Vereine.

Nicht, dass K. ernsthaft glauben würde, er wäre der erste, der in derartigen Gedankengängen umgeht, vielmehr sie von Arno Gruen bis Manfred Lütz usw. usf. immer wieder thematisiert und reflektiert wurden. Zudem gilt, was ein Mitglied des Freudeskreises Anna Lyse schier hämisch-genüsslich anzumerken wusste, „Sie bewirken nichts, Herr K.!“

Allein, K. muss immer einmal wieder, weil er sonst zu platzen fürchtet, derartige Überlegungen schriftlich schnatternd darlegen, was er hier nun wieder einmal zur Belehrung, Erbauung und Unterhaltung seiner völlig zu Recht unübersehbaren Nichtleserschaft getan hätte.

So weit der Klugschiss aus der Unterschicht zum Donnerstag! – An Guadn!

PS: K. laboriert immer noch an seinen banalen Geschichten aus dem Leben einer Marginal-Person herum, daher die hier hoffentlich nicht völlig ohne eine gewisse Anmut dargelegten Assoziationen; wir bitten um angemessenes Unverständnis! Wird K. eine männliche Courths-Mahler? Nichts Genaues weiß man nicht, doch wir bleiben dran! Noch immer nicht hat K. die Hoffnung aufgegeben, derartige Überlegungen wie die eben oben abgekackten in einer richtigen Geschichte veranschaulichen zu können, nicht in derlei theoretisierendem Getippsel mäandernd zu kaskadieren, ach…

* Das erinnert ein bisschen an die Antwort von Donald T. auf die Frage einer Reporterin nach seinem IQ; er hätte keinen IQ, es wäre alles in Ordnung mit ihm… Korrekt, passt schon! Was aber kann man tun, um von der seit Jahrtausenden praktizierten üblen Angewohnheit wegzukommen, als Großgruppenleiter der Völker und Nationen notorisch nicht deren besten Köpfe einzusetzen, sondern immer wieder, mit Verlaub, Knallköppe? Nein, Herr K. wünscht nicht, auch nicht im Unbewusstem, in eben angedeuteter Weise zu reüssieren, weil er sich für Einen dieser Besten hält; nein, Herr K. weiß keine Antwort auf diese Frage, aber er, als Beispiel, krakeelt auch nicht auf der Reichstagstreppe herum in der Überzeugung, er würde damit politische Meinungsäußerung tätigen… Dennoch und erst recht – im Auge behalten, den wildgewordenen Spießer!

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