(… darüber muss mich mal jemand aufklären…)

Ich stehe in einer Art solide ausgebautem Keller, womöglich in einem Bunker, in einer Reihe mit Uniformierten und links von mir steht Markus Wolf.

Ja, jetzt wird’s hell! – Wenn Freud wüsste, was aus den Träumen geworden ist…

Wolf erklärt sinngemäß, dass seine Mitarbeiter alle sehr temperamentvoll bei der Arbeit wären, wobei er „temperamentvoll“ wörtlich sagt. Das ist wohl eine Zurechtweisung oder aggressive Aufforderung in meine Richtung.

Es erübrigt sich, darauf einzugehen, ob ich die in den Traumszenen enthaltene Prüfung bestanden hätte, zumal sich die Szenerie in üblicher Weise auflöst wie zerfallende Pixel eines Films auf einem Monitor.

Letztens habe ich mich, spätestpubertärer Springinsfeld, der ich bin, am Telefon mit „Ministerium für Staatssicherheit, Major Koske!“ gemeldet, har har.

Korrekt, wenn ich immer wieder für einen Schlucki gehalten werde, dann schütte ich mir halt immer einmal wieder Einen hinter die Binde und in den Gierschlund, wenn ich immer wieder für einen Stasi gehalten werde… – usw. Chronische Chamäleonose (morbus zelig).

Hinterher ist mir wieder eingefallen, dass es in der Tat einen Major Roland Koske gab, tätig in verantwortlicher Stelle in der Abteilung Bauwesen. „Faszinierend!“, wie Mr. Spock nicht zu Unrecht gesagt hätte.

Dann ist mir auch wieder eine meiner seltsamsten Erlebnisse im Fernsprechamt Berlin eingefallen. Der Parteisekretär wollte mich für die freiwillige Zusatzrentenversicherung werben. Hat er gesagt; ich hatte den noch nie so erlebt. Er war völlig aufgedreht und nervös, wuselte herum und fuhrwerkte durch die Dutzenden Blätter auf dem Tisch.

Was habe ich da unterschrieben? Süüüß! Nee, nix Paranoia, in mehreren Zeitungen Printmedien wurde nach der Wende berichtet, dass im sozialistischen Wettbewerb Leutinnen und Leute als frisch geworbene inoffizielle Mitarbeiter gemeldet wurden, die von ihrem Glück gar nichts ahnten. Das ist, har har, mit Sicherheit keine urban legend, weil das ins System der Wahrnehmungsmuster passt.

(… übrigens fehlt mir nach wie vor der Versicherungsverlauf von 1977 bis 1990, und den kriege ich auch nicht wieder… allein, ich werde auch diese schwere Bürde mit Anstand zu tragen wissen, ach…)

(… wieder sehr durchsichtig, Herr K… da wollen Sie Ihre kleine banale Person aber sehr plump aufwerten… Sie haben sehr wohl bemerkt, dass eine Umwertung begonnen hat, dass diese Geschichten langsam von aktuellen Ereignissen zu Legenden werden, dass es anfängt, schick zu werden, dabei gewesen zu sein usw….)

(… bilditt sich ein, er wird vonna Stasi hüpposiert, höhöhö…)

Bla.

PS: Warum K. immer wieder damit anfängt? – Nun, er hat seit etwa 25 Jahren etwa einem halbem Dutzend Mitgliederinnen und Mitgliedern des Freudeskreises Anna Lyse insgesamt bestimmt fünfzig Mal den Budenzauber zu erörtern versucht. Und? – Nix! Günstigstenfalls kam etwas wie „sich verselbstständigt habendes Über-Ich, insbesondere durch den verinnerlichten Vater gebildet, das sich aggressiv gegen Sie wendet“ (was K. längst exploriert und reflektiert hatte, boah), und schlimmstenfalls wurde die Gabe hochwertiger Neuroleptika versucht, die die Grenzen nach außen ein bisschen schließen sollten… Das Einzige, was gewissermaßen geschlossen wurde, war K.s Glaube, dass ihm geholfen werden könnte. Na ja, das Alter ist nicht einfach, aber es geht vorbei!

Dieser Beitrag wurde unter Budenzauber, Traumtanz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.