(… strukturelle Muster…)

Sie scheinen miteinander zu kommunizieren, zu schwingen, sich zu verstärken usw., und dies auch oder gerade in sozialen Systemen.

(… höhöhö, der wieder mit seinem Eso-Scheiß, chchch… neuerlich wünscht er seine nicht ganz unberechtigten Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren… er hat es nicht zum Leistungsträger gebracht, sondern nur zum Gebissträger… ist doch wieder sehr durchsichtig, Alter…)

Allein, was ist geschehen? Nun, gestern war Muttertag, und K. hat schon mehrfach das Witzchen (?) sich in sich formen fühlen, oder so ähnlich, dass in gewissem Maße eigentlich sein Vater seine Mutter gewesen wäre. Es hat sich nun gestern, strukturelle Muster, der Sonntagsspaziergang mit dem Vater wiederholt.

Es hat gar die übliche Prüfung stattgefunden. Man verweilte an einer Skulptur und K. wurde gefragt, was diese seltsame Ausbeulungen an der Seite der Figur sein könnten. Natürlich ist K. das alles erst hinterher eingefallen. Dennoch hat der Herr, der K. ostparkend umtrieb, K. darauf hingewiesen, dass K. anhand dieser und jener markanten Bauten wieder zurück finden könnte (!)…

Es hat sich etwas ganz Altes wiederholt, das ist kein hinein Deuten und unzulässiges Züchologisieren usw.

Das passiert K., was jedermann überraschen muss, jedoch nicht zum erstem Mal. Als er beispielsweise hier einziehen wollte, wurde er von einer Frau, die sehr wahrscheinlich zum Team gehörte, nicht zur Klientel des Werkstatt-Cafés oder der WG, schnippisch-abfällig als „Hilfstherapeut!“ tituliert, was sie offenbar lustig fand. K., das sensible Mädchen, hat sofort die Bewerbung zurück gezogen. Geht der Scheiß wieder los! Schließlich hat er sich jedoch überreden lassen; er hat das schönste Zimmer im Haus, den besten bisher erlebten Nachbarn (Letzteres nicht ironisch gemeint) usw.

Dann kam am selben Tag, an dem K. eingezogen ist, die neue Sozpäd, die mit der schweren Pflicht konfrontiert wurde (ein bisschen Größenwahn ist immer gut!), zweimal wöchentlich sich als Container für die von K. ausgeworfenen Textmassen zur Verfügung zu stellen; ihre Haarfarbe möchte K. lieber gar nicht erwähnen.

Auch das ist schon einmal passiert, strukturelle Muster. Nach seiner Flucht aus den heilsam hallenden Hallen des Heiligen Josef in Berlin-Weißensee etwa 1996 kam er in die Psychotherapie-Station zurück und traf dort als erstes auf eine neue Schwester mit prächtigen roten Locken und diesen Madonnenaugen, Archetyp usw. Am Ende hat K. der Schwester an seinem Geburtstag ein ganz zartes Küsschen auf die noch viel zartere Wange gedrückt. Sie war damals schon emotional erwachsener, als K. womöglich je sein wird; sie hätte Anzeige erstatten können, denn das war eigentlich ein Übergriff, hat das aber mitnichten getan.

Andererseits war das eine der wenigen Gelegenheiten, womöglich die einzige, bei denen K. im eigenem Recht gehandelt hat. Das Übergriffige war Folge der Verzweiflung über die Unfähigkeit, sich angemessen zu artikulieren.

(… merkt nich‘, dissa schwul is‘, merkt nich‘, dissa schwul is‘, hähähä…)

Wie viele früh depravierte und traumatisierte Kinder hat auch K. einige wenige Begegnungen erlebt, bei denen er im eigenem Recht gesehen wurde, vor allem durch seine, O-Ton Erwachsene, kleine Freundin; ein gleichaltriges Mädchen mit gewaltiger roter Mähne und großen braunen Kulleraugen, ach. K. hat als Vorschuljunge dieses Mädchen weg geknallt, im übertragenem, nicht im wörtlichem Sinne, weil er freundliche und hartnäckig immer wieder versuchte emotionale Annäherung nicht ertragen hat, was übrigens typisch für die Unterschicht sein könnte.

Grotesk, wenn nicht makaber war, dass K. diese frühen Prägungen völlig ausgeblendet hatte, als er das Mädchen nach seinem Wechsel auf die Erweiterte Oberschule in seiner zehnten Klasse wieder getroffen hat. Alles weg, alles eingebunkert im Seelenkeller. Leicht gruselig! Damals hätte Therapie was bringen können, aber es gab keine, heule heule.

Bei seinem erstem Therapieversuch in Hirschgarten 1984 hat K. nicht einmal unklar geahnt, dass seine bereits auf den ersten Blick geradezu zwanghaft erfolgte magische Bindung an die sicherheitsdienstlich hochwertig integrierte Jugendfreundin mit der roten Haarpracht bis unter den Podex mit diesen frühen Bedrohungen durch freundliche Zuwendung zusammenhing. („Koske hat ’ne Macke!“)

Im Sankt-Josefs-Krankenhaus wurde ihm das dann bewusst, dem Super-Blitzmerker K. Dieser Übergriff war demnach auch eine Art Korrekturversuch im regredierten Zustand, der in vielen Therapiesystemen erwünscht ist und gefördert wird, um an die Knackpunkte im persönlichem Präteritum des Klienten zu kommen.

Außerdem wurde K. klar, dass diese Frauen für etwas stehen, um wieder einmal einen Textbaustein aus dem Freudeskreis Anna Lyse anzubringen; für das Kindlich-Verspielte, für das Selbstbewusst-Lebensfrohe, für das Schöpferische usw. Das Phänomen hatte etwas mit C. G. Jungs Anima zu tun, von der K. damals allerdings noch nicht unterrichtet war, weil er im Osten oszillierte, wo man zu wenig Buchstaben hatte.

Das zeigte sich deutlich darin, dass K. nach Hirschgarten einige Gedichte geschrieben hat (für sie, logisch), die er noch heute für vorzeigbar hält, und dass er nach dem St.-Josefs-Krankenhaus angefangen hat zu malen, was er schon lange tun wollte.

Es geht nicht um künstlerische Qualität; es geht um das Prinzip, um den Versuch, ein Leben jenseits von herunter Schrubben, Abdienen usw. zu führen, bla. Außerdem war das wieder nur sozusagen kurzes Auftauchen, dann war wieder alles weg, alles nur geträumt.

Und? – K. erhält ein Bienchen ins Große Galaktische Klassenbuch!

Strukturelle Muster, und immer, wenn sie gewaltsam erschüttert werden, wenn man sich daraus loszureißen versucht („Man kann nicht aus der Menschheit aussteigen!“, Frau Dr. Luxemburg; aber die kannte Herrn K. nicht), scheinen sich überraschende Begegnungen zu ereignen… (???)

(… höhöhö… Eso-Scheiß… hatsedochnichalle… hält sich für den Mittelpunkt der Welt, hihihi… gehört doch in ’ne Einrichtung…)

PS: Mitnichten ist K. seine Sozpäd angegangen oder hat die Absicht, dies zu tun – ganz am Rande bemerkt. Im Gegenteil scheint die endlich erfolgte Verbalisierung der eben oben angedeuteten Zusammenhänge deshalb adäquat, weil dadurch dieses Zwanghafte, magisch Gebundene und Getriebene ausgeräumt scheint; die roten Haare cool finden darf K. ja durchaus, das scheint nicht sexistisch zu sein, höhö…

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