Entwickelt K. Selbstmitleid?

Mitnichten, oder nicht nur oder nicht vorrangig. Menschen, die nicht hinreichend das Gefühl entwickeln konnten, auf dieser Welt eine sozusagen Anwesenheitsberechtigung zu besitzen, könnten unter entsprechenden Umständen zu projizieren beginnen und im übertragenem oder gar wörtlichem Sinne auf Menschen einzuschlagen, von denen ihnen „vermittelt“ wurde, dass sie minderwertig wären. Das könnte das eigentliche Problem sein, nicht, dass z. B. Krupp & Co. die darminhaltsfarben kostümierten Kämpfer unterstützt haben, weil sie ihren Profit steigern wollten, neue Absatzmärkte erreichen usw., in Klammern Marx. – Ach, wie schön war es zu glauben, man hätte tatsächlich teil an der einzigen wissenschaftlichen Weltanschauung, ach! War nich‘ alles schlecht

(… der hat echt die Wende verpennt, hähä… der is‘ so was von überspannt, furchtbar…)

(…. das Krasse ist ja, dass K. erst mit 50+ überhaupt in der Lage war, das eben oben angedeutete Phänomen zu verbalisieren, und dies trotz seiner Neigung und immer wieder bestätigten Fähigkeit zu insbesondere schriftlichem sprachlichem Ausdruck… oder so ähnlich… K. hat immer wieder den Verdacht, dass er in seiner körperlichen Pubertät was mit Schreiben angefangen hat, weil er unklar gespürt hat, dass er buchstäblich keine Worte haben würde, wenn es um die Wurst ginge… damit scheint jedoch nicht das gemeint, was Rilke mit den Versen zu benennen versuchte, in den tiefsten und wichtigsten Dingen wären wir namenlos allein…)

***

Immer wieder steigt diese Szene vor K.’s geistiger Brille auf, und immer noch nicht hat er nachgeprüft, ob die Szene authentisch war oder fiktiv ist. Heinrich Mann, der, *hüstel*, im Gegensatz zu seinem auf bürgerlich-humanistischem Positionen verharrenden Bruder Thomas den Weg zur siegreichen Arbeiterklasse gefunden hatte, schildert diese Szene im „Untertan“. Man wird beinahe ein bisschen rebellisch, eine Menge probt in vorsichtigen Ansätzen den Aufstand usw.; dies gar vor dem Schloss in Berlin, wenn K. sich recht erinnert.

Mit preußisch stockstarrem Körper und insbesondere statuenhaft erstarrtem Gesicht reitet der Kaiser durch die ein bisschen Aufmüpfigkeit probende Menge. Er sagt nichts, er tut nichts außer steif zu reiten, er ist unbewaffnet und ohne Begleitung.

Jetzt geschieht etwas, von dem K. sicher sein zu können glaubt, dass nicht nur er es mindestens merkwürdig findet. Die Menge ist sichtlich verwirrt, die revolutionären Impulse verpuffen, ja, es werden plötzlich gar Hochrufe auf den Kaiser laut und gutbürgerliche Hüte in die Luft geworfen…

Was ist geschehen? – Der Kaiser hat unbestimmtes Verhalten praktiziert und damit Übertragungen provoziert; d. h., ganz frühe psychische Konditionierungen, insbesondere Autoritätspersonen gegenüber, in der Gegenwart (re)aktiviert…

(… scheiß Psycho-Gedöns wieder, echt… der kann es einfach nicht lassen… siehta sich wieder als Züchoteerahpeut, höhöhö…)

K. nimmt sich durchaus nochmals vor, ermitteln zu wollen, ob diese Episode authentisch war oder von Heinrich Mann erdichtet.

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So weit das Wort zum Sonntag aus der Unterschicht!

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2 Antworten zu Entwickelt K. Selbstmitleid?

  1. ja, da stimme ich rilke zu. “ in den tiefsten und wichtigsten Dingen wären wir namenlos allein…“. So ist es. Leider.

    bytheway, ich kenne nichts Schöneres als das „Rilke Projekt“. Da wird gesungen und musiziert. Rilkes Gedichte. Z.B. der Panther. Namhafte treten an … Nina Hagen … Xavier Nadoo … Montserat Caballe … Patricia Kaas … Mario Adorf … Udo Lindenberg … Katja Riemann … Otto Sander … Barbara Sukowa und und und. Ich liebe diese CD , ich habe sie bald hundert mal gehört und genossen.

    Auf youtube nix, leider.

    Und bei https://www.amazon.de/Rilke-Projekt-I-IV-%C3%9Cberflie%C3%9Fende-Weltenweiter/dp/3785755171/ref=pd_lpo_15_img_1/257-6994872-0879850?_encoding=UTF8&pd_rd_i=3785755171&pd_rd_r=b49e8ddc-c764-4154-9f77-f47f441d6d96&pd_rd_w=D00j6&pd_rd_wg=DmeaX&pf_rd_p=149f160f-468b-48f5-aa84-5abbe57cf06d&pf_rd_r=E5A1DW8SB9Q7WFRVWSVP&psc=1&refRID=E5A1DW8SB9Q7WFRVWSVP

    über 20 Euronen bezahlen ?. Vielleicht ausnahmsweise.

    Muss mal bei Apple Music und Spotify schauen. Vlt. als mp3 etwas günstiger. Ich hätte sie sooooo geeeerne.

    Den Untertan von Heinrich Mann habe ich auf meinem pocketbook rumliegen, mal sehen … Ich bin sehr lesefaul geworden. In dieser Beziehung lässt mich Analoges seit einiger Zeit kalt, das Digitale ist viel verlockender. Zum Glück werde ich jede Woche mit einer gebrauchten Ausgabe der ZEIT versorgt, das ZEIT Magazin mag ich besonders, also lasse ich mir Zeit und lese die ZEIT.

    Projektionen … In der Menter hiess es Übertragung. Es gibt da ja die Vaterübertragung ……

    Grüsse vom arrogante, überheblichen, protzigen, doofen … spox

  2. Herr Koske sagt:

    Das ist doch schon wieder Angeberei; ich habe von Rilke fast nichts gelesen und auch das mehrfach empfohlene Projekt nicht rehziepiert, andererseits es umso erstaunlicher erscheinen könnte, dass ich mir ausgerechnet diese Zeilen gemerkt habe.

    Bla. – Aber – kindle; ich habe da schon diverse gesammelte Werke für 0 oder 0.99 Euronen gekrallt (allerdings komme ich jetzt nicht rein, weil ich beim „Einwählen“ eine SMS gesandt bekomme auf eine Nummer, die abgestellt ist; ganz großes Kino, Herr K.!)

    Für Selbstkasteiung bin ich zuständig, ich kann das einfach besser, als

    Polterproll K.

    Ha!

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