(… wieder einmal ein typischer Charakter in typischer Situation…)

Quelle. Wiederum kulturelle Umrahmung ohne direkten Bezug zum Text!*

***

K. sucht allen Ernstes den Ursprung des fiependen, tschilpenden, pfeifenden Geräusches und hebt dabei gar die Kopfhörer ans Ohr, denn er sitzt wieder einmal schon seit etwa einer halben Stunde mit nicht verstopften oder bekopfhörerten Ohren am PC und harrt nun der quasi üblichen ‚Huhu?!‘ und ‚Kuckuck?!‘

Dann stellt er fest, dass diese Geräusche von einem Vogel auf dem Baum vor dem rechten Fenster lustvoll erzeugt werden (jetzt kam: ‚Kuckuck?!‘, na bitte, geht doch; versuche gar nicht erst zu schreiben, ist sinnlos!)… Gnihi. Peinlich ist auch, dass K. nicht sagen konnte, was für ein Vogel das war. Amsel? – Egal, das ist Digitalisierung des Alltags auch oder gerade in der Unterschicht!

***

„Laschet die Spiele beginnen“ war heute eine Schlagzeile Headline; nein, K. sagt nicht, wo… vor 20 Jahren gab es so was nur in der taz…

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Seit der Impfung hustet K. viel dynamischer… Har har. Aber im Ernst hat K. es in seinem wirrem Wandel hienieden bereits zweimal erlebt, dass er nach einer Impfung die Krankheit errang, oder so ähnlich, vor der die Impfung schützen sollte; einmal Masern und einmal Mumps. Aber wahrscheinlich ist das wieder altersspezifische Hypochondrie und alles wird gut, ha!

(… „Alles wird besser, alles wird besser, aber nichts wird gut…“ („Silly“)war nich‘ alles schlecht…)

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(… K. bemüht sich, sich kurz zu fassen – kommt das rüber, zu Recht zahlreiche Nichtleserinnen und Nichtleser…)

***

Gestern Abend ist K. irritiert vor seiner Regalwand gestanden und hat verblüfft festgestellt, dass er wohl Student ist; es lagen dort Studienunterlagen, die in die theoretische Philosophie einzuführen versprachen… – Ein bisschen gespalten ist K. wohl!

(… eben kam: ‚Hat Tatsache die Wende verpennt!‘… Stasi schreibt wieder seine Berichte usw….)

Egal, am Sonntag hat sich K. neuerlich einige Videoeinheiten genehmigt, denn man gönnt sich ja sonst nichts, unter anderem über Klassik; womit Klassik in der Literatur gemeint ist, denn K.’s zweites Fach ist Literaturwissenschaft. Da machte ihn etwas auflesen, womit er das Pendant zu „aufhören“ gemeint hat, wie originell! – „Aufhören“ im Sinne von „Aufmerken“, nicht im Sinne von „Beenden“. – Danke! Bitte!!!

(… ‚Geh‘ wieder arbeiten!‘… – K. sollte „richtig“ schreiben wollen, das macht er nicht, stattdessen er wieder sein Pensum herunter schrubbt…)

Klassik wäre, sinngemäß und unter anderem, gebändigter, gedämpfter, in Form gebrachter usw. Ausdruck. Selbst der Ausdruck heftigen Schmerzes soll nicht naturalistisch erfolgen, selbst die Darstellung eines Sturmes etwa habe dem Ideal der Temperierung zu folgen, zumal in der Tiefe das Meer unbewegt bleibt auch dann, wenn es an der Oberfläche stürmt.

Das haben wir nicht behandelt… Der in für K. gerade ausreichendem Abstand dozierende Dozent geht hier auf Winckelmann ein, der vorgestellt wird als erster Kunsthistoriker noch vor dem Entstehen des Begriffs der Kunstgeschichte.

Worauf will K. hinaus? Nun, ihm fallen, und er darf das, denn er ist schizotyp, seine ersten Sitzungen in der Gruppentherapie ein, zu denen er etwa um die Jahrtausendwende leibhaftig im dynamischen Sektor des Freudeskreises Anna Lyse erschienen ist.

Dort äußerten, K. übertreibt bewusst, Mitsymptombündel zum Beispiel etwas wie „Jetzt bin ich aber wütend!“, und dabei hörten sie sich jedoch für den Ost-Polterproll K. an, als würden sie nach dieser Aussage gleich in Tiefschlaf fallen. Noch krasser fand K. es, wenn MitklientInnen etwa am Mittwoch über die Wut vom Sonntagabend arbeiten wollten.

Was sollte das denn, hat K. sich gefragt, dergleichen aber nie laut geäußert; hinterfötzig, wie er ist. Das war doch alles nicht echt, oder? Wenn man wütend ist, schreit man doch, läuft rot an, entwickelt Bewegungsdrang, sich entladend durch im familiärem Wohn- und Lebensraum fliegende Untertassen, woraus sich dann in den Kindern schier spielerisch das Gefühl entwickelt, ein bisschen außerirdisch zu sein???

Sehr viel später hat K. sich gefragt, ob hier nicht er diesen berüchtigten Knick in der Optik hatte, denn, so schien ihm nun, dieses männliche Toben und Wüten war Ausagieren durch destruktives sich Entladen, dieses „Jetzt bin ich aber wütend!“ jedoch war eine Selbstdarstellung in der Weise, dass man dazu konstruktiv in der Gruppe arbeiten konnte…

Hat das jemand verstanden? – Is‘ Wurscht! – In jedem Fall scheint diese eben oben zweimal angedeutete Variante des Ausdrucksversuchs seelischen Innenlebens der, sinngemäßen, sozusagen Definition des Klassischen zu entsprechen, was K. nicht müde wird, als des Merkens in hohem Maße würdig zu empfinden.

(… Herr K., das ist jetzt aber wirklich sehr durchsichtig… da haben Sie irgendwo aufgeschnappt, Sie kleines Aufschnäpperle, dass begabte Menschen Querverbindungen herstellen würden zwischen Sachverhalten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, und Sie bilden sich nun wieder einmal ein, ein eingequetschter Genius zu sein, weil sie diese Querverbindung von literarischer Klassik und, wie Sie zu sagen pflegen, „Psycho-Club“, herstellen zu müssen überzeugt scheinen… das ist aber echt plump – ist es nicht…)

Ist Unterschicht nicht auch Ausagieren statt „Ansagen“, siehe oben? Ja ja, K. will wieder die Welt retten; verständigen Sie die Gemeindeschwester! Die Verprollung der Kultur, einsetzend mit dem „Fallen des Vorhangs“, Thomas Mann, und eben nicht vorrangig forciert durch den realen Sozialismus, geht jedoch immer in Richtung Ausagieren; siehe „politische Aktionen“ auf der Reichstagstreppe oder vor Flüchtlingsheimen usw. usf.

Hat das jemand verstanden? – Is‘ Wurscht!

(… K. hat sich wirklich ein Ding gemacht mit dem Fernstudium… wieder der einsame Reiter janz weit draußen… aber jetzt zieht er das erst einmal durch – wenn er es durchzieht, der Abbruchobermeister – und dann kann er immer noch ins Direktstudium wechseln… zumal man – man, nicht nur K. – die weitere coviderliche Entwicklung abwarten muss…)

So.

Bla.

***

Die quasi üblichen Träume, bzw. „Träume“, in den Nächten zu gestern und zu heute; „nur“ quasi das Personal ist, mit Verlaub bemerkt, der Oberhammer. In der vorletzten Nacht hatte eine gräulich grandiose Premiere statt, indem K. die Jugendfreundin aus der Prignitzer Prärie erschienen wurde, und das wurde wahrlich noch nie stattgefunden.

Die Szene ist bestimmt von dem fast schmerzhaft ziehendem Gefühl, sie emotional nicht erreichen zu können usw., das K. aus der sogenannten Realität unwohlbekannt ist. Übrigens hatte diese Szene, was K. nicht überraschen konnte und auch nicht überrascht hat, in Hütte statt. Na ja…

Nicht bestanden, was sonst…

Heute Nacht wurde K. dann seine ehemalige Untermieterin im Sinne von „unter ihm wohnende Mieterin“ erschienen, mit der er – Billard spielte, muaha!!!

Hier war der Ausgang der „Prüfung“ eindeutig, indem die Frau den Queue hinwarf und aufgebracht erklärte, sinngemäß, fast wörtlich, K. solle doch erst einmal das mit der Milch in Ordnung bringen, gnihi. Nicht bestanden, was sonst…

Womöglich eine Anspielung darauf, dass K., weil man ihn eh‘ dauernd für einen Schlucki hält, nach jahrelanger problemloser Abstinenz jetzt immer einmal ’n Bier zischt, Alter, womit das Pinterest-Bildchen ganz oben doch mit diesem hier in die Tasten gedroschenem Text zu tun hat und sich der Kreis schließt, ach…

PS: Freudvoller Verschreiber des Tages: „umschöpferisch“. K. findet dergleichen urst lustich – wir bitten um angemessenes Unverständnis!

* Außerdem fehlt ein Komma, *hüstel*…

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6 Antworten zu (… wieder einmal ein typischer Charakter in typischer Situation…)

  1. Der Bier-Bild-Witz ist köstlich, vermutlich auch da Bier. Welches, wie auch alle anderen Alkoholika mit 0 – 49 Drehzahl ich seit numehr 8 Jahren nicht mehr trinken darf und auch nicht trinke … die Bauchspeicheldrüse …

    Ich werde den Bildwitz hier unterstellen: –> https://my-cosmopolis.blogspot.com/2021/04/bildwitz-witzbild.html
    Ich darf doch ? …

    Der Rest deines Beitrags ist tiefsinnig und witzig. So stelle dein Licht nicht unter den Scheffel sagt einst J.C. und hatte damit wohl recht.

    Nachdem ich vom Neurologen zurück bin, werde ich mich noch dazu äusssern. Wohlwollend und belobigend.

    Moregen werde ich geimpft. Mit Astra-Zeneca … Der Baumeister aller Welten szehe mir bei.

    s.

    • Herr Koske sagt:

      … fällt mir einer meiner „Bonmots“ ein, „Wahrscheinlich bedeutet Älterwerden gar nicht, mehr Beschwerden zu haben, sondern immer mehr Beschwerden nicht weiter ignorieren zu können“… Aber – Klischee-Alarm – da is‘ wohl was dran… nirgends wird man darauf vorbereitet… wäre doch ein Thema für das Fach „Lebensführung“ an der Schule (dieses Fach gibt es schon sehr lange, weil man ja in der Schule fürs Leben lernt, ha), die vor allem mentale Vorbereitung auf die „Rückbildungsphase“… bla… bzw. *hüstel*…

      … es geht nicht um Licht unter den Scheffel stellen – es ist alles „nur“ Übung in der Echokammer… wie gesagt, der Pianist ohne Auftrittsmöglichkeiten klimpert auf dem Dachboden… oder so… aber trotzdem und erst recht danke für die Blumen… dergleichen ist mir nicht völlig Wurscht, wie ich in den letzten Monden festgestellt habe… immerhin, höhö…

      „Ist doch bloß ’n Pieks!“ Bla bla. Ich „hatte“ BionTech; darüber habe ich gestern wo was aufgeschnappt („Aufschnäpperle“ ist doch aber „Höchst, höchst spaßhaft!“ [Bankier Kesselmeyer, „Buddenbrooks“], nicht wahr?!), dass es gegen die Mutanten- und onkels wenig bis nichts bewirken würde; so gleicht sich das dann wieder aus. Allerdings wäre wohl die neueste Mutation zwar ansteckender, aber weniger gefährlich; sinngemäß. – Stand im Internet!!! (… ich kaufe mir in letzter Zeit des Öfteren Zitronen – für den Tee, weil ich auch mit Kaffee aufgehört habe, weil er mir nicht wirklich bekommt, was ich eigentlich auch schon lange weiß; zumindest habe ich das Morgenritual „Türkentrank“ eingestellt – und erwäge nun, mir für die Zitronen eine, har har, Lügenpresse zu besorgen; was issa heute wieder spritzig, der K….)

      Möge das Große Energiefeld mit Dir sein!

      PS: Ist „Türkentrank“ kolitisch porrekt? – Nichts Genaues weiß man nicht, doch wir bleiben dran!!!

  2. Hmm …

    Mit etwas Konzentration und zweimaligem Lesen gelingt es mir doch tatsächlich 80% des unzweifelhaft ambitionierten Textes zu verstehen, weitere 10 % zu erahnen und
    die restlichen 10 % bleiben unverständlich. Eigentlich eine gute Ratio.

    Zum Thema Klassik fällt mir als erstes „Bahnwärter Thiel“ von Hauptmann (?) oder einem Anderen ein.

    Das Büchlein las ich im Deutschunterricht mit meinen Mitschülern, da es uns Herr Bansa, unser Deutsch- und Sportlehrer, aufgegeben hatte. Wenn es wirklich von Hauptmann ist, der Bahnwärter Thiel, dann rechne ich ihn mal zur Klassik, was wahrscheinlich völlig falsch ist, aber du wirst mich als angehender Literaturwissenschaftler ja eh flugs korrigieren, woran ich keinen Zweifel habe.

    Wir lernten anhand dieses Klassikers, vielleicht war H. auch ein Romantiker oder ein Neoklassizist, wurscht, wir lernten, dass es damals für einen Autor verpönt war, über Gefühle direkt zu schreiben, erst recht unverblümt den Geschlechtsverkehr(warum in dem Wort die Wurzel[?] schlecht steckt, frage ich mich schon lange, vielleicht kannst du Auskunft geben) zu schildern. Hauptmann, oder ein Anderer, griff zu einem Kunstgriff. Als es eines nachts mit seiner Frau oder Freundin, weiss nicht mehr so genau, ist ja auch egal, als es also zum GV kommt, schreibt H. oder ein A. über ein anrückendes und sich ausbreitendes Gewitter, mit Donner und Blitz oder Blitz und Donner, das sich zum Ende hin in einem Sturzbach von Wassermassen ergiesst.

    Unschwer erkannten wir Schüler die indirekte Beschreibung eines GVs, der nach allmählicher Steigerung mit dem Samenerguss sein Ende findet.

    Solche Themen wurden im Deutschunterricht für uns zur täglichen Kost, was uns verständlicherweise erfreute. Die Pubertät …

    Ich habe Lust abzuschweifen, wie es nun mal meine Art ist …

    Ich war auf dem Goethe-Gymnasium, dem Elite-Gymnasium Frankfurts, und da sich dies in den ´60igern ereignete(blödes Verb, mir fällt auf die Schnelle kein besseres ein), war der Lehrkörper mit linken Jung ´68ern durchsetzt, die uns vorzugsweise mit Brecht und Hans Magnus Enzensberger bekannt machten.

    Enzensberger liebte ich. Werde später gleich einige seiner Gedichte und Essays nachschlagen(warum die Wurzel schlagen ? Weisst du das).

    Von Brecht(vlt. ist es auch von H.M. E.) geht mir ein Gedicht nicht aus dem Sinn. Es ist sehr kurz, deswegen an dieser Stelle zumutbar.

    Mein Großvater starb an der Westfront
    Mein Vater starb an der Ostfront

    Woran werde ich sterben ?

    Genial, irgendwie.

    So, ich will dich nicht weiter mit Jugenderinnerungen traktieren, die hebe ich mir für meine Lebenserinnerungen auf.

    Ich kenne Menschen aus allen Schichten hier in D, in der DomRep, in Marokko und der Schweiz, Länder in denen ich einige Jahre lebte.

    Ich kenne Oberschichtler, viele Mittelschichtler und auch einige Unterschichtler.

    In der Schweiz überwogen die Mittelschichtler, aber ich habe auch einige wenige Oberschichtler kennen gelernt, und auch einige Unterschichtler.

    In der Dom Rep habe ich vor allem die Mittel- und Oberschicht kennengelernt; als ich aber mein Haus baute ,verbrachte ich 6 Monate mit Bauarbeitern, mit denen ich bis zu 16 Stunden tgl. zusammen arbeitete. Ich lernte zwei Haitianer kennen, die jenseits jeder Schicht einzuordnen waren. In der DomRep sind Haitianer die diskriminierten underdogs der Gesellschaft, die ständig Häme, Spott und Ausgrenzung ertragen müssen. Oft erzählten die DomRep Bauarbeiter einen Witz. Dazu musst du wissen, dass die Gatarbeiter aus Haiti in den 60igern zurück über den Grenzfluss getrieben wurden, da die DomReps plötzlich keine Gastarbeiter mehr haben wollten. Nicht wenige wurden gejagt und auch getötet. Der Witz geht so. Wie erkennst du, ob einer ein Haitianer ist ? Lass ihn das spanische Wort perejil sagen. Perejil bedeutet Petersilie. Wenn er aus Haiti kommt, wo eine Abart des Französischen gesprochen wird, eine Art Patois, vergleichbar dem Pidgin Englisch, so kann er unmöglich perejil aussprechen. Dann treibe ihn in den Fluss.

    In Marokko habe ich alle Schichten kennen gelernt. Zunächst nur Mittelschichtler, dann auf einmal viele Kriminelle, Drogensüchtige, Diebe, Betrüger und Mörder.

    Irgendwie zog es mich in diese Gesellschaft. Dann habe ich ich rund 6-9 Monate mit zwei Bettlerinnen zusammen gelebt und naturgemäss viel Zeit mit ihnen verbracht.

    Soviel zur Unterschicht. Es geht immer auch noch wesentlich tiefer, je nachdem in welchem Land du lebst. In meinen jungen Jahren, so Mitte Zwanzig zog es mich auch zu Drogensüchtigen und Kriminellen. Ich könnte das erklären, immerhin ist mir der Freundeskreis der Anna Lyse nicht gänzlich unbekannt. Aber ich will nicht zu weit abschweifen.

    Nun bringe ich das Thema Gesellschaftsschichten zu seinem Ende. Mit einer Art Anekdote aus meinem Leben.

    Eines Tages begegnete ich einem alten Studienkollegen und ehemaligem Freund vor dem Haus, in dem ich in Frankfurt wohnte. Nennen wir ihn Adam. Adam hatte einen Zwillingsbruder mit einem schwer auszusprechendem polnischem Namen, der ihm nur in einem Punkte ähnlich war. Beide waren ausgesprochen hässlich. Die Gesichtshaut des Bruders war von Akne gezeichnet, deswegen wurde er Hautarzt.

    Adam war wie sein Bruder sehr sportlich und in vielen Sportarten mehr als begabt, fast schon meisterlich spielten beide Fußball, Basketball, Tennis und übten sich in Leichtathletik. Deswegen wurde Adam Knochenarzt. Da beide, wie erwähnt sportlich gebaut, aber hässlich waren, gelang es Adam nur mit Mühen, eine Frau zu ehelichen.

    Doch nach vielen Anläufen gelang es ihm. Er verdiente viel Geld in seiner eigenen Kassenarztpraxis und dies verhalf ihm vermutlich zu besagter Ehefrau. Nach kurzer Zeit wuchs seine Familie an, denn ihm wurden zwei Töchter geboren. Als die Töchter ein Alter erreichten, in dem es in der Mittelschicht üblich ist, ihnen eine angemessene Ausbildung und den Erwerb von Kulturassecoires angedeihen zu lassen, wurden sie zum Ballettunterricht, zum Reiten und zum Erlernen eines Musikinstruments ermutigt, vielleicht auch gezwungen, das weiss ich nicht so genau. Vermutlich mussten sie nicht gezwungen werden, denn Mittelschichtler zeigen in diesem Punkt Einsicht. Seine Ehefrau forderte einen eigenen Personenkraftwagen, so hatte die junge Familie schon sehr bald zwei Automobile. In der Mittelschicht ist es üblich, sich gegen dies und jenes zu versichern. Die sechs Versicherungen aufzuzählen, halte ich für müssig. Ein bis an sein Lebensende sehr gut verdienender Allianzvertreter, der für jede Versicherung, die er anlandete, bis an sein Lebensende jährlich einen gewissen Prozentsatz an Provisionen kassiert, könnte zu den sechs Versicherungen, die eine junge Familie so braucht, stundenlang referieren. Nebenbei, die Allianz ist jetzt in drei Ressorts zerschlagen worden, good banks and bad banks, da der Bereich Lebensversicherungen wegen der Nullzinsen, der unrentablen Rentenpapiere und der immer weiter steigenden Lebenserwartung, mittlerweile bankrott ist. Aber das nur nebenbei. Allianzaktien kann ich nicht empfehlen. Auch das nur nebenbei.

    Die Ehefrau verlangte weiterhin standesgemäße Kleidung, Schmuck und Reisen an Orte wie Dubai, den Malediven und nach Thailand, vermutlich wollte sie auch die Karibik erforschen. Standesgemäß ! Dazu gehört auch eine Luxuswohnung, welche ein standesgemäßes Ambiente aufzuweisen hat, Dinner und Parties für den Freundeskreis und die Anstellung von Haushaltshilfen auf Teilzeitbasis.

    Selbst ein Knochenarzt mit eigener Kassenarztpraxis kann das nicht bezahlen. Die Ehefrau gab aber nicht nach und bestand auf ein standesgemäßes Leben. Was tun fragte schon Lenin.

    Adam mußte immer mehr Patienten anwerben und arbeitete bald 60 Stunden in der Woche. Aber immer noch reichte das Geld nicht. Also bot er auch Samstags und Sonntags seinen Patienten die Sprechstunde an. Damit überschritt er die Achtzig Stunden Woche.

    Und dann … erlitt er einen Schlaganfall. Mit 40 Jahren. Ein sportlicher Nichtraucher und ein Mann, der eigentlich kerngesund sein sollte. Aber durch den unsäglichen Arbeitsstreß war sein Blutdruck in untherapierbare Höhen gestiegen, die eine Hirnader zum Platzen brachten. Er überlebte. lernte wieder gehen und sprechen. Und malochte weiter für seine gierige Ehefrau. Dies erzählte er mir auf der Strasse vor meinem Wohnhaus. Dann verlor ich ihn wieder aus den Augen.

    So viel zu den Gefahren und Nöten des Mittelstands. Über die Oberschicht ganz zu schweigen …

    Ich will dein Bloghäuschen nicht vollends okkupieren, deswegen nur noch eins.

    Kannst du Billiard spielen ? Poolbilliard ? 1 gelb, 2 blau, 3 rot … und die schwarze 8 zuletzt ins angesagte Loch über Bande ?

    Du bist geimpft, ich werde morgen geimpft, wir könnten als Pool spielen. Ach, ich vergass. Die Billiardspielstuben sind ja geschlossen . Zu dumm. Dabei gibt es in Obergiesing in der Nähe der Isar ein Cafe mit 4 Billiardtischen, in dem Konstantin Wecker in jungen Jahren häufig anzutreffen war, bis er die Nase zu weit in den Schnee steckte … Ich schweife ab.

    Wie komme ich auf Billiard ? Na wegen deines Traums mit den Billiardkugeln, womit d e r K r e i s s i c h s c h l i i e s s t.

    Die Billiardkugeln erinnern mich an die Eier des Mannes in seiner (Unter-) Hose.
    Los cojones del macho. Das Mojo von Austin Powers. Ich schweife ab …

    ENDE

    • Herr Koske sagt:

      Hmm …

      Das is‘ ’n kurzer, knackiger Einstieg… ich muss immer an die erste bedauernswerterweise mich bearbeiten müssende Mitgliedin der dynamischen Sektion des Freudeskreises Anna Lyse denken, die regelmäßig an die Decke gegangen ist, wenn ich mit „Na ja…“ angefangen habe… ja ja – war auch da nich‘ alles schlecht… ach ja… oje oje oje… ts ts ts… ach ach ach… – „Hören wir doch auf, über Politik zu reden!“… einer meiner Lieblingsgags aus dem Bestand jüdischer Witze, für die ich mich „interessieren“ muss, denn es sind eigentlich meistens dialektisch-philosophische Appetizer; und nicht, dass ich mir einbilden würde, dass Du das nicht wissen würdest, vielmehr ich darauf hinweisen wollte, dass ich es auch weiß…

      Sind wir hier eigentlich in einer Art Wettbewerb? Den Gedanken hatte ich letztens schon, und vor meiner geistigen Brille sah ich zwei schier rasend rivalisierende Docs auf einem Hof hinter M. I., die beide nicht unbedingt Arzt geworden sind, weil sie sich zu Heilkundlichem berufen fühlten, sondern weil Mama einen Doktor wollte… nein, ich bin nicht eiferneidisch und süchtig, ich bin „nur“ verblüfft, weil ich wieder einmal feststellen muss, dass ich da ’n volles Defizit habe… andererseits – es ist total anregend, dieses Textefluten, gerade jetzt, wo ich meine Gehirnwindungen ölen muss (die Klausuren sind im September und bis dahin muss ich mich noch durch einen krassen Berg geistigen Grießbrei durchfressen, Alta)… außerdem regt viel Schreiben den Stuhlgang an, Herr Dockta; nein, kein Witz, oder nicht nur; mir ist schon lange klar, dass Schreiben (und sei es auch „nur“ Getippsel im Bloghaus) etwas mit ganz frühen seelischen Mechanismen zu tun haben dürfte… daher auch die „Zerstörung der Schutzhülle“ 1986, über die ich jetzt mittlerweile einem halbem Dutzend Mitgliederinnen und Mitgliedern des Freudeskreises Anna Lyse über mehr als 20 Jahre hinweg Mitteilung zu machen wünschte, was ich mir auch hätte sparen können („Therapeuten in die Produktion!“), aber – lassen wir das… *heul* *jaul* *jammer* …

      Mit etwas Konzentration und zweimaligem Lesen gelingt es mir doch tatsächlich 80% des unzweifelhaft ambitionierten Textes zu verstehen, weitere 10 % zu erahnen und
      die restlichen 10 % bleiben unverständlich. Eigentlich eine gute Ratio.

      „Ambitioniert“? Hm. Okay, thx! Ich habe Dir das, glaube ich, noch nicht mitgeteilt, aber ich war bei blog.de, dem Bloganbieter, und da gab es öfter regelrechte schriftliche Diskussionen; der Rekord war, glaube ich, in meinem Blog 147 Kommentare, incl. meiner, ha. Blog.de ist in nicht nur meiner Wahrnehmung nach dubioser Weise dicht gemacht worden und die meisten haben sich verlaufen; der Herr Ösi ist „von damals“ und tappt immer noch bewundernswerterweise unerschrocken durch mein Bloghäuschen. Dann habe ich aber festgestellt, dass ich nicht nur, was mir schon lange klar war, nicht kann ohne regelmäßiges „Text rauslassen“ (Zitat „Tschick“, muahaha, „Er begann schon mit dem Unterricht, bevor er den Klassenraum betreten hatte.“, gnihi), sondern, dass ich erst recht nicht ohne öffentliche schriftliche Selbstgespräche kann; ich habe es wirklich ausprobiert, ich werde depressiv (oder noch depressiver), siehe eben oben über früheste psychische Abläufe.

      Zum Thema Klassik fällt mir als erstes „Bahnwärter Thiel“ von Hauptmann (?) oder einem Anderen ein.

      Das Büchlein las ich im Deutschunterricht mit meinen Mitschülern, da es uns Herr Bansa, unser Deutsch- und Sportlehrer, aufgegeben hatte. Wenn es wirklich von Hauptmann ist, der Bahnwärter Thiel, dann rechne ich ihn mal zur Klassik, was wahrscheinlich völlig falsch ist, aber du wirst mich als angehender Literaturwissenschaftler ja eh flugs korrigieren, woran ich keinen Zweifel habe.

      Herr S.!!! Es gibt Tante Wiki!!!
       
      Ham wir nich‘ behandelt… – Bilde ich mir ein!!! So weit ich das jetzt einschätzen kann, gibt es „Klassik“ in verschiedenen sozusagen Lesarten; in der Ringvorlesung scheint es, naturgemäß, quasi, um die relativ genau umschriebene Epoche der Literaturgeschichte zu gehen, neben Aufklärung, Sturm und Drang usw. Aber ich habe bisher nur unverbindlich „rein gesehen“ – immer unverbindlich, nur nich‘ sich auf was einlassen, so kennen wir den Ost-Koske und schätzen ihn nicht – und ich bin, wie gesagt, sehr gespannt, ob ich endlich eine Art Selbstdisziplinierung packe…

      (… siehste – der Klient hatte jetzt sehr guten Stuhlgang… sorry – aber Du bist ja schließlich Arzt, chch… wenn ich übrigens gewusst hätte, dass Du längere Zeit urologisch zu praktizieren wusstest, hätte ich mich von Dir ferngehalten… – Witz, komm raus, Du bist umzingelt… Mensch, Opa Ron…)

      Wir lernten anhand dieses Klassikers, vielleicht war H. auch ein Romantiker eigentlich der Naturalist; das haben wir behandelt oder ein Neoklassizist, wurscht, wir lernten, dass es damals für einen Autor verpönt war, über Gefühle direkt zu schreiben, erst recht unverblümt den Geschlechtsverkehr(warum in dem Wort die Wurzel[?] schlecht steckt, frage ich mich schon lange, vielleicht kannst du Auskunft geben) zu schildern. Hauptmann, oder ein Anderer, griff zu einem Kunstgriff. Als es eines nachts mit seiner Frau oder Freundin, weiss nicht mehr so genau, ist ja auch egal, als es also zum GV kommt, schreibt H. oder ein A. über ein anrückendes und sich ausbreitendes Gewitter, mit Donner und Blitz oder Blitz und Donner, das sich zum Ende hin in einem Sturzbach von Wassermassen ergiesst.

      Unschwer erkannten wir Schüler die indirekte Beschreibung eines GVs, der nach allmählicher Steigerung mit dem Samenerguss sein Ende findet.

      Solche Themen wurden im Deutschunterricht für uns zur täglichen Kost, was uns verständlicherweise erfreute. Die Pubertät …

      Ich habe Lust abzuschweifen, wie es nun mal meine Art ist …

      Das verstehe ich sehr gut!!! Ich muss endlich – was ich alles muss! – Jean Paul lesen, bei dem sozusagen die Abschweifung das Plotten war, oder so ähnlich. „Sie nannten ihn ‚Ron, den Plotter!'“, hoho!

      Ich war auf dem Goethe-Gymnasium, Weiß ich – ja, ein bisschen kriege ich mit von meinen Mitmenschen, hoho! – und ich bin neidisch; nach der Lektüre von Dr. Feuchtwangers Trilogiedrittel „Geschwister Oppermann“ mit etwa 15 habe ich mich nach einem humanistischen Gymnasium gesehnt, ich Verräter der siegreichen Arbeiterklasse dem Elite-Gymnasium Frankfurts, und da sich dies in den ´60igern ereignete(blödes Verb, mir fällt auf die Schnelle kein besseres ein), war der Lehrkörper mit linken Jung ´68ern durchsetzt, die uns vorzugsweise mit Brecht und Hans Magnus Enzensberger bekannt machten.

      Enzensberger liebte ich. Werde später gleich einige seiner Gedichte und Essays nachschlagen(warum die Wurzel schlagen ? Weisst du das).

      Von Brecht(vlt. ist es auch von H.M. E.) geht mir ein Gedicht nicht aus dem Sinn. Es ist sehr kurz, deswegen an dieser Stelle zumutbar.

      Mein Großvater starb an der Westfront
      Mein Vater starb an der Ostfront

      Woran werde ich sterben ?

      Genial, irgendwie.

      Das ist der Hammer!!! Ich weiß, wie das jetzt klingt („zumindest gelegentlich scheint das Selbstbildchen des Klienten adäquat!“ *hüstel*), aber ich kannte diesen Sinnspruch, oder was auch immer, bis eben nicht, habe aber schon vor vielen Monden ein Aphobongramm gar artig gedrechselt, dass mir dermaßen zynisch vorkam, dass ich es nur einmal quasi öffentlich angebracht habe, worauf ich wieder klein war und mein Herz rein, ach, und das geht so:
       
      Mein Vater kommt
      aus Ostpreußen,
      ich komme
      aus der DDR,
      zum Glück
      habe ich keine Kinder…

       
      Alles ist vernetzt, ach… – Möglicherweise „geht das noch tiefer“, weil möglicherweise bereits (m)ein Opa oder Uropa aus dem Litauischem vergrault wurde… da kamen, typisch für Kriegskinder, immer nur Textbrocken von meinem unmittelbar vorgesetztem Vorfahren…

      So, ich will dich nicht weiter mit Jugenderinnerungen traktieren, die hebe ich mir für meine Lebenserinnerungen auf.

      Das tust Du aber, und es ist okay, andernfalls ich meckern oder blocken würde… – Nicht zu verwechseln mit „Bloggen“… aharhar… Herr K., was ist Er wieder ein Springinsfeld fürwahr!

      Ich kenne Menschen aus allen Schichten hier in D, in der DomRep, in Marokko und der Schweiz, Länder in denen ich einige Jahre lebte.

      Ich kenne Oberschichtler, viele Mittelschichtler und auch einige Unterschichtler.

      In der Schweiz überwogen die Mittelschichtler, aber ich habe auch einige wenige Oberschichtler kennen gelernt, und auch einige Unterschichtler.

      In der Dom Rep habe ich vor allem die Mittel- und Oberschicht kennengelernt; als ich aber mein Haus baute ,verbrachte ich 6 Monate mit Bauarbeitern, mit denen ich bis zu 16 Stunden tgl. zusammen arbeitete. Ich lernte zwei Haitianer kennen, die jenseits jeder Schicht einzuordnen waren. In der DomRep sind Haitianer die diskriminierten underdogs der Gesellschaft, die ständig Häme, Spott und Ausgrenzung ertragen müssen. Oft erzählten die DomRep Bauarbeiter einen Witz. Dazu musst du wissen, dass die Gatarbeiter aus Haiti in den 60igern zurück über den Grenzfluss getrieben wurden, da die DomReps plötzlich keine Gastarbeiter mehr haben wollten. Nicht wenige wurden gejagt und auch getötet. Der Witz geht so. Wie erkennst du, ob einer ein Haitianer ist ? Lass ihn das spanische Wort perejil sagen. Perejil bedeutet Petersilie. Wenn er aus Haiti kommt, wo eine Abart des Französischen gesprochen wird, eine Art Patois, vergleichbar dem Pidgin Englisch, so kann er unmöglich perejil aussprechen. Dann treibe ihn in den Fluss.

      In Marokko habe ich alle Schichten kennen gelernt. Zunächst nur Mittelschichtler, dann auf einmal viele Kriminelle, Drogensüchtige, Diebe, Betrüger und Mörder.

      Irgendwie zog es mich in diese Gesellschaft. Na so was… ich muss jedes Mal an Dich denken – ich pflege zuweilen zu denken, und ist es denn ein Gräuel fürwahr! -, wenn ich mir Mama Leones Opus magnum rein ziehe, sorry, gnihi… Eine meiner persönlichen Top Ten der Rubrik „Filmszenen“: „Noodles“ liest „Martin Eden“; auf dem Klo halbe Treppe. Hab‘ ich gekichert! – Das am Rande und zur Verspannung! Dann habe ich ich rund 6-9 Monate mit zwei Bettlerinnen zusammen gelebt und naturgemäß viel Zeit mit ihnen verbracht. „Naturgemäß“? – Aha.

      Soviel zur Unterschicht. Es geht immer auch noch wesentlich tiefer, je nachdem in welchem Land du lebst. In meinen jungen Jahren, so Mitte Zwanzig zog es mich auch zu Drogensüchtigen und Kriminellen. Ich könnte das erklären, immerhin ist mir der Freundeskreis der Anna Lyse nicht gänzlich unbekannt. Aber ich will nicht zu weit abschweifen.

      Nun bringe ich das Thema Gesellschaftsschichten zu seinem Ende. Mit einer Art Anekdote aus meinem Leben.

      Eines Tages begegnete ich einem alten Studienkollegen und ehemaligem Freund vor dem Haus, in dem ich in Frankfurt wohnte. Nennen wir ihn Adam. Adam hatte einen Zwillingsbruder mit einem schwer auszusprechendem polnischem Namen, der ihm nur in einem Punkte ähnlich war. Beide waren ausgesprochen hässlich. Die Gesichtshaut des Bruders war von Akne gezeichnet, deswegen wurde er Hautarzt.

      Adam war wie sein Bruder sehr sportlich und in vielen Sportarten mehr als begabt, fast schon meisterlich spielten beide Fußball, Basketball, Tennis und übten sich in Leichtathletik. Deswegen wurde Adam Knochenarzt. Da beide, wie erwähnt sportlich gebaut, aber hässlich waren, gelang es Adam nur mit Mühen, eine Frau zu ehelichen.

      Doch nach vielen Anläufen gelang es ihm. Er verdiente viel Geld in seiner eigenen Kassenarztpraxis und dies verhalf ihm vermutlich zu besagter Ehefrau. Nach kurzer Zeit wuchs seine Familie an, denn ihm wurden zwei Töchter geboren. Als die Töchter ein Alter erreichten, in dem es in der Mittelschicht üblich ist, ihnen eine angemessene Ausbildung und den Erwerb von Kulturassecoires angedeihen zu lassen, wurden sie zum Ballettunterricht, zum Reiten und zum Erlernen eines Musikinstruments ermutigt, vielleicht auch gezwungen, das weiss ich nicht so genau. Vermutlich mussten sie nicht gezwungen werden, denn Mittelschichtler zeigen in diesem Punkt Einsicht. Seine Ehefrau forderte einen eigenen Personenkraftwagen, so hatte die junge Familie schon sehr bald zwei Automobile. In der Mittelschicht ist es üblich, sich gegen dies und jenes zu versichern. Die sechs Versicherungen aufzuzählen, halte ich für müssig. Ein bis an sein Lebensende sehr gut verdienender Allianzvertreter, der für jede Versicherung, die er anlandete, bis an sein Lebensende jährlich einen gewissen Prozentsatz an Provisionen kassiert, könnte zu den sechs Versicherungen, die eine junge Familie so braucht, stundenlang referieren. Nebenbei, die Allianz ist jetzt in drei Ressorts zerschlagen worden, good banks and bad banks, da der Bereich Lebensversicherungen wegen der Nullzinsen, der unrentablen Rentenpapiere und der immer weiter steigenden Lebenserwartung, mittlerweile bankrott ist. Aber das nur nebenbei. Allianzaktien kann ich nicht empfehlen. Auch das nur nebenbei.

      Die Ehefrau verlangte weiterhin standesgemäße Kleidung, Schmuck und Reisen an Orte wie Dubai, den Malediven und nach Thailand, vermutlich wollte sie auch die Karibik erforschen. Standesgemäß ! Dazu gehört auch eine Luxuswohnung, welche ein standesgemäßes Ambiente aufzuweisen hat, Dinner und Parties für den Freundeskreis und die Anstellung von Haushaltshilfen auf Teilzeitbasis.

      Selbst ein Knochenarzt mit eigener Kassenarztpraxis kann das nicht bezahlen. Die Ehefrau gab aber nicht nach und bestand auf ein standesgemäßes Leben. Was tun fragte schon Lenin.

      Adam mußte immer mehr Patienten anwerben und arbeitete bald 60 Stunden in der Woche. Aber immer noch reichte das Geld nicht. Also bot er auch Samstags und Sonntags seinen Patienten die Sprechstunde an. Damit überschritt er die Achtzig Stunden Woche.

      Und dann … erlitt er einen Schlaganfall. Mit 40 Jahren. Ein sportlicher Nichtraucher und ein Mann, der eigentlich kerngesund sein sollte. Aber durch den unsäglichen Arbeitsstreß war sein Blutdruck in untherapierbare Höhen gestiegen, die eine Hirnader zum Platzen brachten. Er überlebte. lernte wieder gehen und sprechen. Und malochte weiter für seine gierige Ehefrau. Dies erzählte er mir auf der Strasse vor meinem Wohnhaus. Dann verlor ich ihn wieder aus den Augen.

      So viel zu den Gefahren und Nöten des Mittelstands. Über die Oberschicht ganz zu schweigen …

      Das ist fürchterlich – weil es fürchterlich typisch zu sein scheint… Ich bin mir sicher, dass ich das gar nicht aushalten würde, oder jedenfalls nicht sehr lange, dieses ständige Lavieren zwischen unzähligen geschriebenen und vor allem wohl ungeschriebenen Regeln, Erwartungen, Normen, „Gesetzen“ usw.; man „muss“ die und die Klamotten tragen, sich in den und den Locations, yeah, sehen lassen, der Gattin mindestens dieses und jenes Auto „bieten“… Nee! Nee nee. Aber wenn ich das nicht will, muss ich mich damit abfinden, draußen zu sein… – Es soll aber auch noch was Anderes geben!

      Ich will dein Bloghäuschen nicht vollends okkupieren, deswegen nur noch eins.
      Tust Du aber, und das tut dem teilzeitverblödeten K. aber offensichtlich gut. – Alles hat seine zwei Schattenseiten, har har…

      Kannst du Billiard spielen ? Poolbilliard ? 1 gelb, 2 blau, 3 rot … und die schwarze 8 zuletzt ins angesagte Loch über Bande ?

      Habe ich in meinem Leben vielleicht ein Dutzend Mal (wobei es mir allerdings durchaus behagte). Deswegen war ich schon im Traum am Kichern über diese Szene, die passt überhaupt nicht!!!

      Du bist geimpft, ich werde morgen geimpft, wir könnten als Pool spielen. Ach, ich vergass. Die Billiardspielstuben sind ja geschlossen . Zu dumm. Dabei gibt es in Obergiesing in der Nähe der Isar ein Cafe mit 4 Billiardtischen, in dem Konstantin Wecker in jungen Jahren häufig anzutreffen war, bis er die Nase zu weit in den Schnee steckte … Ich schweife ab. Herr Wecker wird mir immer aus „Schwestern oder Die Balance des Glücks“ in Erinnerung bleiben (ich darf das, ich bin schizotyp); „Herr Edelschneider verlässt unseren Betrieb; er möchte singen!“… Diese meine Assoziationen, oder so ähnlich, dürften zwar nicht ganz den Intentionen der Drehbuchautorin und Regisseurin entsprechen (die übrigens der in den letzten zwanzig Jahren leider auch mit mir befassten führendsten Mitgliedin der dynamischen Sektion des Freudeskreises Anna Lyse erschreckend ähnlich sieht), aber ich bin halt anders als all‘ die Andern, ha!

      Wie komme ich auf Billiard ? Na wegen deines Traums mit den Billiardkugeln, womit d e r K r e i s s i c h s c h l i i e s s t.

      Die Billiardkugeln erinnern mich an die Eier des Mannes in seiner (Unter-) Hose. Nee. Nee nee. Da passt jetzt aber eindeutig das fürchterlich durchgekaute Bonmot, manchmal wäre die Möhre ’ne Möhre und kein Penis. – Heute wurde mir ja unter anderem geträumt von einem etwa 20jährigem Frollein mit blütenweißem Baumwollhöschen, ach. – Das am Rande!
      Los cojones del macho. Das Mojo von Austin Powers. Ich schweife ab …

      ENDE

      Möge das Große Energiefeld mit Dir sein! Der Herr segne Dich und mache Deine Tippfinger elastisch und ausdauernd! – Usw.

      PS: Nee, noch was!!! Zunächst noch ein Klischee – jedes Leben ist erzählenswert, bla. Aber bei der Lektüre Deiner Schilderungen der Reisen des S. durch die Welt hatte ich schier schnurstracks (ich liebe diese Formulierung „schier schnurstracks“ und werde sie deshalb nur noch höchstens 30 Mal anbringen) den Gedanken, dass man das auch oder auch das „in Form bringen“ sollen müsste, oder so ähnlich. Ich kann dies sehr empfehlen; die Fernschule ist nicht so bekannt, obwohl die Kurse hammermäßig preiswert sind und der „Monopolist“ immer noch am lautesten werbetrommelt. – Ich meine nur; das war nur so ’n Gedanke! Es gibt auch in meinem Kurs („Kreatives Schreiben“), den ich erstaunlicherweise komplett abbezahlt habe, ha, eine komplette Lektion zum Thema „Autobiografie“. – Das am Rande und zur Verspannung!

      PPS: Bitte achten Sie, werter Herr, auch auf das schier genialische Wortspiel: Freudeskreis Anna Lyse, nicht Freundeskreis. Auch in K. schlummert ein Poet fürwahr (hoffentlich wacht er nicht auf)…

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