(… Einblicke in die nicht vorhandene Phantasie des K….)

Prä-Scriptum: Aus den ewigen inneren Monologen des K., an wen auch immer gerichtet; die scheinen allerdings nicht ganz dem motus animi continuus zu entsprechen. K. hat Phantasie (man betrachte auch die Sprechblase im, *hüstel*, wunderschönem Headerbild), aber die ist ihm so früh und gründlich ausgetrieben worden, dass er sie abwertet oder völlig „wegschiebt“. Allein, das ist noch gar nichts – etliche Schüler scheinen während ihrer Schulzeit mit Textbausteinen gesteinigt worden zu sein…

***

„Bleiben wir bei ‚arrogant‘! Ich nehme an, dass Sie wissen, was das heißt, andernfalls Sie das Wort nicht benutzen würden. Da gibt es Leute, die studieren sechs Jahre Medizin und absolvieren dann noch eine fünfjährige Facharztausbildung. Diese Leute werden sich mit mir unterhalten und dabei diverse Fragebögen und dergleichen auswerten, die ich ausgefüllt habe, und dann werden Sie eventuell eine erste Diagnose stellen. Sie haben nicht fünf Minuten lang mit mir gesprochen und keinerlei offiziell anerkannte Fachkenntnisse und sind sich sicher, meinen Geisteszustand einschätzen zu können. Das heißt im Grunde, dass Sie mich als ‚arrogant‘ bezeichnen in genau dem Moment, in dem Ihre eigene Anmaßung zum Himmel stinkt. Wenn ich jetzt jedoch auch nur versuche zu erklären, dass Sie einem seelischem Mechanismus namens ‚Projektion‘ erliegen, werde ich wieder mit empörten Rückmeldungen zugeschüttet, ich würde mich als Züchoteerahpeut sehen. Frage – wer hat den berühmten Knick in der Optik?“

(Die Adressatin dieser leidenschaftlichen Anklagerede – Empfänger unbekannt – versinkt erwartungsgemäß im Boden…)

***

(Hausmeister kommt während des Unterrichts ins Klassenzimmer) „Ich bin gar nicht da!“ – „Wie machen Sie das?“ (Zuruf eines Schülers) – „28 Jahre realer Sozialismus. Alles geheim!“

***

Er cremt sie am Strand ein. „Ich habe jetzt ’n Problem – wo hört der Rücken auf?“ – „Tablet liegt auf der Kühltasche, google ‚Frauenkörper‘!“ (Inniges zweisames Kichern. Zärtliches Miteinander, Aufeinander, Ineinander usw., ach. – Ja, auch der ältere Bürger hat diesbezüglich noch Bedürfnisse fürwahr!)

***

„Wenn ich in Ihrer Haut stecken würde, dann würde ich doch ackern wie ’n Gaul!“ – „Wenn Sie in meiner Haut stecken würden, würden Sie sich nach ’ner halben Stunde die Hose bis zum Gummi voll scheißen und lauthals nach der Mutti brüllen! Das ist ja das Problem! Es scheint oft nicht möglich zu sein, existentielle Erfahrungen aus einer Lebenswelt dergestalt Vertretern einer anderen Lebenswelt zu vermitteln, dass Letztere sich einfühlen können. – Wenn sie es überhaupt wollen! – Und das sind möglicherweise ‚Klassen und Schichten‘, nicht die Besitzenden und Nicht-Besitzenden…“

***

(Öffentliche Podiumsdiskussion oder dergleichen. Ein Gast zu einem anderem.) „Warum sind Sie hier? Um Fragen zu stellen und möglichst beantwortet zu bekommen? Um Diskussionen anzuregen? Um auf Probleme hinzuweisen, die Ihrer Meinung nach nicht oder nicht hinreichend bearbeitet werden? – Oder um Ihren Frust auszukotzen? Im letzterem Fall kann ich halbstündiges Laufen um die nächsten Häuserblocks empfehlen! Oder Sie machen gleich ’ne Therapie, um zu begreifen, wo der Frust herkommt und hingehört. Aber das ist natürlich wieder Psycho-Gedöns – kann weg…“

Postscriptum: K. sieht jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder promoviert er als Briefträger, denn es gibt Postdoktoranden, oder er macht ’ne Vorschulung zum Umdenker. – Har. Har. Har.

Dieser Beitrag wurde unter Ich belle trist veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.