(… Fridolin Senilowitsch Koskatov wird immer alberner*…)

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‚Kabarett!‘ kommt prompt per Mentalfunk… Als sollte der Abituraufsatz von Karl Marx „umgesetzt“ werden; jeder soll die (Arbeits-)Stelle finden, sinngemäß, die ihm dergestalt gemäß ist, dass er dort am meisten beizutragen vermag, an der er wirklich Ersprießliches für die Menschheit erbringen kann usw. Die schwärmerisch-pathetischen Formulierungen kann man vernachlässigen; damals wurde Wein so getrunken wie heute etwa Tee oder Kaffee, und Dichter und Denker waren schon mittags im Tee, unter anderem daher die schier rauschhafte Diktion.

Komische „Symptome“… – Oder was meint Ihr, liebste diplomierte Damen und Herren des Freudeskreises Anna Lyse? – Nicht so drängeln!

Eine Art „Kommunismus auf immaterieller Ebene“, der Budenzauber, und er erinnert halt sehr an die Kohärenz in Eschbachs grandioser Trilogie, und er funktioniert ohne Chip in der Omme.

Ein anderer Versuch der Deutung, oder „Deutung“, wäre folgender. Der Geburtsname von K.’s Mutter war „Hitzler“. Sie war blond und blauäugig und wurde 1934 im Drittem Reich geboren. K. sieht zwei Möglichkeiten. Entweder ist sie gehänselt worden, oder, und das scheint ihm wahrscheinlicher in dieser gesellschaftlichen Großsymbiose, es hob ein mystisch-magisch wabernd-webendes Raunen an; in diesem Ton, den nachher auch die Stasi drauf hatte, die auch eine Großsymbiose darstellte, weswegen unter anderem man die immer gleich heraus gekannt hat aus der Menge.

Mit anderen Worten schlägt bei K.’s abweichendem Erleben, von vielen für pathologisch gehalten, die irrsinnige Fiktion der „jüdischen Weltverschwörung“ durch? – „Gnade der späten Geburt“ scheint nicht nur nicht zutreffend, vielmehr gewissermaßen das Gegenteil zutreffen dürfte, wie übrigens bei vielen Politikersprüchen und unabhängig von der politischen Ausrichtung der Sprecher. Kein Zufall, dass zum Zeitpunkt von Dr. Kohls politischem Abschied Bücher und Filme über Vertreibung und Traumatisierung zu boomen begannen. Dieses „Durchschlagen“ unbewältigter unbewusster Inhalte dürfte zudem umso stärker sein, desto weniger der Betroffene in seiner Peergroup, also in gewissem Sinne im Hier und Jetzt, in der Gegenwart, anzukommen vermag, weil ihm das etwa, wie etwa K., geradezu verboten wurde, wodurch die ganze üble Fülle der mitgeschleppten unbewussten Inhalte „übergeben“ wird, was in der Tat zum sich Übergeben ist. K. hat grundsätzlich Schuldgefühle gegenüber Juden (er ist 1961 in Eisenhüttenstadt geboren!), und es gibt welche, die spüren und „nutzen“ das.

(… K. braucht keine Dr. Anna Lyse, der macht das selbst…)

(Ist schwer beeindruckt von seinem Tiefsinn. Wischt Knutschflecken vom Spiegel. Abhang Vorhang. Minutenlang anhaltendes stürmisches Schweigen. Die Delegierten erheben sich von den Plätzen und schrauben die Sitzbänke ab.)

PS: Jetzt wird auch klar, warum K. „albern“ sein musste; die dem Ulk nachfolgenden Gedanken sind starker Tobak… – Der Junge ist so was von überspannt, der braucht dringend… – Halspastillen! – Ja ja!

* Wir werden Ihnen Ihre Witzchen schon noch austreiben, Sie kleiner Scheißer…

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