Versuch x+1 über die ewigen Unstimmigkeiten mit den Stimmen

Har. Har. Sehr witzig!* (Quelle)

Warum komme ich gerade jetzt auf dieses Thema? Nun, dieses Artikels wegen, den ich aus Gründen wieder einmal aus dem Netz gefischt habe; ich habe ihn bereits früher gefunden. Der hat mich umgehauen, um wieder einmal eine scheinbar massentauglich-pseudopubertätliche Formulierung zu versuchen, *hüstel*. Bereits bei meiner Teilnahme an den Gründungsrunden des Netzwerks Stimmenhören in Big B habe ich bemerken müssen, und in der Tat bemerkt, dass ich auch oder gerade als Bekloppter nur Mittelmaß bin. Welch narzisstische Kränkung, gleich geht Old Ron wieder ein bisschen schluchzen, ach!

Dieser Artikel setzt noch eins drauf… Santana! Churchill! Dickens!!! Der jedoch was draus gemacht hat! Wäre ich doch nie drauf gekommen, Alter…

Außerdem, und wie ebenfalls schon Dutzende Male erwähnt, habe ich seit rund einem Vierteljahrhundert etlichen Mitgliederinnen und Mitgliedern des Freudeskreises Anna Lyse mehr Ohren abgekaut, als denen je wachsen werden, um ihnen zu vermitteln, dass ich weder spinne noch psychotisch bin noch, chch, O-Ton vox populi, den Simulanten spiele. Das hat, milde formuliert, nicht viel gebracht, und das liegt natürlich an mir… (???)

Es gibt verschiedene sozusagen Sprecher oder Kanäle in meinem Kopf und sehr wahrscheinlich nicht nur in meinem.

Das innere Sprechen scheint „normal“, zum Beispiel jetzt beim Tippen dieser Zeilen, oder auch beim Lesen. Es ist eher ein inneres Mitsprechen. Lautes Wiederholen dieses inneres Sprechens habe ich mir schon antrainiert beim Lesen und Schreiben Lernen. Dergleichen ist legitim und man braucht keine einschlägige Ausbildung, um festzustellen, dass Lernen umso effizienter sein dürfte, desto mehr Sinne im Lernprozess eingebunden sind.

Ich hatte schon erwähnt, dass mein Interesse am Judentum auf allerdings typisch groteske Weise geweckt wurde durch meinen Vater, der mich in meiner Vorschulkindheit immer wieder damit aufgezogen hat, dass ich mich gebärden würde wie ein gläubiger Jude beim Studium der Schrift, weil ich über Jahre hinweg fast jeden Vormittag in einem Wohnzimmersessel sitzend nach den (Schlager-)Klängen des riesigen Röhrenradios geschaukelt habe.

(… grandiose Freudvolle Fehlleistung – „gebären“ statt „gebärden“…)

Mein Unmut über die Behauptung, ich wäre ein Muttersöhnchen, könnte hier verständlich werden, denn diese Jaktationen sind typisch für autistische oder emotional vernachlässigte Kinder. Meine Mutter war aber bei meinen Schaukelexzessen, „Schon wieder full wie ’ne Radehacke!“, immer anwesend. Hier wird deutlich, dass mein Zynismus immer auch eine Art Problemlösungsversuch darstellt, denn an dieser Stelle will ich die zynische Anmerkung gar nicht unterdrücken, die Beziehung zwischen meiner Mutter und mir wäre offenbar besonders innig gewesen, har har. – Das Krasse ist, dass ich über solche Sprüche regelmäßig selbst grinsen muss, aber das wirklich am Rande.

Ungeheuerlich, was ich da geschrieben habe, oder?! „Nazi-Schwein!“ Gläubige Juden sind Quasi-Aspies oder was?

Nee. Die Pointe ist – Gruppe… Selbstverständlich habe ich lange gebraucht, um dessen gewahr zu werden, denn häufig sehe ich in Kontakten und Begegnungen vornehmlich den inhaltlichen Aspekt und blende den Beziehungsaspekt aus. Man betet immer in der Gruppe, ohne Minjan gibt es keinen wirklichen Gottesdienst. Das heißt, hier ist dieses Schaukeln nicht wie bei klein Ron, dem süßem Töchterchen mit Schwanz, Ausdruck deprimierender Deprivation und zugleich der Versuch, diese zu kompensieren, sondern im Wortsinn verkörpertes und damit besonders nachhaltiges Lernen in der Gemeinschaft. – So weit wieder für heute einige überflüssige Gedanken diesbezüglich…

(… ‚Er dichtet doch nich‘, er dichtet doch nich‘!‚Geh‘ wieder arbeiten!‘…)

Diese „Hallus“, siehe eben oben über diesem Absatz, sind anders. Es ist, als würde ständig im Hintergrund eine Gruppe sitzen, die mich beobachtet und bewertet, und Letzteres fast immer im Sinne von „herunter Machen, herunter Putzen“ usw. Im Juli a. c. ist mein 35. Jubiläum dieses „Budenzaubers“, man gewöhnt sich an alles. Meist aber sind dort wirklich Menschen, von denen mir rational klar ist, dass sie sehr wahrscheinlich nicht ständig über mich reden, denn ich bin mir des Weiteren darüber im Klaren, man glaubt es kaum, das ich nicht der Nabel der Welt bin.

Makaber ist, ohne Ironie gesagt, dass ich erst beim Sehen des Films „Das weiße Rauschen“ wahrgenommen habe, dass viele oder vielleicht die meisten Betroffenen die Stimmen offenbar hören, als würden der oder die Sprecher neben ihnen stehen.

Ich erlebe das anders, fast ausschließlich als Murmeln im Hintergrund. Einige Gründe will ich hier anführen, aus denen ich den sozusagen hirnbiochemischen Erklärungsversuchen dieser nach wie vor meist pathologisierten Phänomene, vorsichtig ausgedrückt, misstrauisch gegenüber stehe.

Erstens haben viele Menschen diese Situation real erlebt in ihrer Kindheit. Du hast nichts verkehrt gemacht, Du bist verkehrt, Du hast nicht Scheiße gebaut, Du bist Scheiße usw. usf. Dies entspricht dem Grundton dieses Gebrabbels im Hintergrund. Zweitens erinnert dieses Geschehen an den Chor im antikem Drama, der im Hintergrund die Handlung kommentiert und gewissermaßen zusammenfasst. Drittens, und deshalb diese „launigen“ Formulierungen wie „dauerhaft kommentierende virtuelle Diensteinheit“ usw., erinnert der Ton an den von real agiert habenden Gruppen von Genossen Tschekisten.

Ich finde das Video bei YouTube nicht wieder, was vermutlich bezeichnend ist, unschöne Grüße von meinem Unbewusstem, in dem eine derartige Gruppe in Aktion gezeigt wird und man die Kommentare der Nossinnunnossn gegenüber Zielpersonen hört, beispielsweise einem Geschäftsmann aus dem Westen.

Alles, was Du tust, ist falsch, aber auch das Gegenteil ist es und erst recht nichts Tun, weil Du nicht zu uns gehörst, weil Du verdächtig und „verkehrt“ bist allein schon und vor allem aus dem Grunde, dass wir gezwungen sind, Dich wahrzunehmen… – So was in der Art, trallala.

Es könnte ungeheuerlich erscheinen, aber ich wiederhole es zum wiederholtem Male, dass ein Häftling selbst im scharfem Knast immer noch gewissermaßen seine seelische Privatwelt als Zuflucht hat, ich jedoch nicht. Dies erst recht nicht dieser, wieder zynisch gesagt, mindestens merkwürdigen Quasi-Anti-Traumatherapie wegen. In der Traumatherapie wird der Klient angeregt, etwas vereinfacht gesagt, einen sicheren Ort zu imaginieren. Ich kann das nicht; jedes Mal, wenn ich etwa beim Einschlafen in eigene innere Bilder abzugleiten „drohe“, wie sie wohl jeder in dieser Situation kennt, werde ich durch Hupen, Tröten, Pfeifen, Klatschen, Trommeln usw. aufgeschreckt.

(… was will der Kerl eigentlich… gibt der das Opfer, weil er möglicherweise durch operative Vorgänge pseudopsychotisch geworden ist**… und jetzt will er ’ne Entschädigung oder was, hihihi… das is‘ ’n Schmarrn… diese Zahlungen haben symbolischen Charakter… auch ’ne Million „repariert“ die fast 35 in einer Art inszenierten Psychose erlebten Jahre nicht… bla…)

Schließlich hatte ich sehr selten sozusagen wirkliche Halluzinationen in dem Sinne, dass da nichts war und quasi Stimmen aus dem Nichts kamen. Bezeichnend scheint mir aber auch hier, wann die aufgetreten sind. Das geschah beispielsweise bei befruchtenden Begegnungen mit meiner Ex, während der ich hörte bzw. „hörte“: „Kuckuck!“ Dies im hämisch-schadenfreudig-überlegenem Ton, als wolle mir jemand mitteilen, und sehr wahrscheinlich eine Frau, dass es kein Entkommen gäbe und ich an ihrer Leine laufen würde. Nein, die Mama ist es eben nicht, zefix.

Wieder einmal hat K. sich nun in bewährter Weise in seinem Bloghaus entladen! Allein, er schadet ja dabei niemandem, sondern hat, wir berichteten, nach derlei harmlosen Eruptionen gar guten Stuhlgang…

PS: Vortrefflich, das, ganz vortrefflich! Den Link hat K. seinen Favoriten hinzugefügt. – Um wieder einmal etwas Konstruktives anzumerken zu versuchen, zefix…

** Immer wieder stelle ich mir die gehässige Frage, wie lange Leute, die mich für einen Simulanten halten usw., so was ausgehalten hätten. Ich vermute, kaum über drei Jahrzehnte hinweg. Oh, schöner Schmerz! Hier wirkt natürlich wieder dieser preußische Durchhalte-Ethos, siehe etwa, und das muss jetzt kommen, „Der Tod in Venedig“. Bla.
** „Begabter Halbpsychotiker!“, Zitat Dipl.-Psych. A.

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