(… warum K. den Hut zieht vor den „Genossen Tschekisten“…)*

K. hatte 1999 bei seinem erstem Aufenthalt im Haus der ewigen Kindheit in M etwas gewissermaßen Amtliches in der Stadt zu erledigen und bei diesem Stadtgang ist er auch einmal die Goethestraße in Richtung Bahnhof hinunter gelaufen. Ein älteres Paar kam ihm entgegen, und K. ahnte schon bei der Annäherung des bis zur beidseitigen Ermüdung eingespielten Duos, was kommen würde. Es kam. Das Gespräch verstummte, beide sahen auf K. in dieser Art, die er schon unzählige Male als deutliches Zeichen für heftige Übertragungen erleben musste, und während das Pärchen an K. vorbei lief, erbrach die Frau geradezu, scharf gezischt und hasserfüllt: „Milieutherapie!“

K. hat seiner damaligen Therapeutin vorsichtshalber gar nicht von diesem Erlebnis erzählt. Mit einiger Sicherheit wären von ihr Rückmeldungen etwa des Inhalts gekommen, K. erlebe sein Über-Ich, wesentlich geprägt durch den quasi verinnerlichten Vater, als Angreifer von außen usw. usf. Dagegen wäre gar nichts zu sagen gewesen, denn dieser seelische Mechanismus ist tatsächlich des Öfteren zu beobachten, und eben nicht nur im therapeutischem Feld. Allein, erstens kannte K. diesen Mechanismus schon lange und zweitens und vor allem traf er in diesem seinem Fall keineswegs zu.

Was ist da abgegangen? – Kriegst die Rastung, Digga!

K. hat bei seiner Hospitation im Hirschkindergarten 1984 durchaus wahrgenommen, dass das von ihm angebetete Mädchen mit den roten Haaren bis unter den culus manchmal irgendwie spielte. Er hatte beim bezeichnenderweise, weil geradezu ein für ihn typisches Verhaltenssymptom darstellendem gründlichem Vorab-Studium eines vom Chefarzt verfassten Fachbuches über „Neurosenlehre und Psychotherapie“ gelesen, dass vorwiegend hysterisch strukturierte Neurotische dazu neigen würden, unbewusst Figuren aus Büchern und Filmen in der sogenannten Realität nachzuspielen.

K. hatte sich schuldbewusst angesprochen gefühlt, da er befürchtete, selbst derartiges Nachspielen, unbemerkt von ihm selbst, vollzogen zu haben. Schuldig fühlte er sich des Weiteren, weil er das Mädchen innerlich bereits nach kurzer Zeit als vorwiegend hysterisch strukturierte Neurotikerin gesehen hatte. Allerdings bestätigte sie ihm zu seiner Verblüffung diese seine Wahrnehmung sinngemäß. Zudem pflegte K. mit seinem damals noch in Entwicklung befindlichem Sarkasmus zu sagen, dass er froh sein könne, hin und wieder sagen zu können, warum er Schuldgefühle hätte.

Besonders eine Szene war K. im Gedächtnis geblieben, worüber er selbst am meisten überrascht war.

K. hatte, da er dies für eine Art männliches Abenteuer hielt, eine Granate in die Neurosen-Klinik geschmuggelt, d. h., eine mindestens 0.7 Liter mental illuminierender Flüssigkeit enthaltende Flasche aus dem Spirituosen-Regal der nächsten Kaufhalle. In blöde Glückseligkeit versinkend durfte K. feststellen, dass sie ebenfalls hinter der eigentlich für therapeutische Gruppenübungen und vor allem Großgruppen-Sitzungen vorgesehenen Baracke erschienen war, um besagte Flasche leeren zu helfen.

‚Nicht schlecht!‘, dachte K. bzw. dachte es in ihm, ‚die hat ja voll ’n Zug! Einmal angesetzt und mindestens ein Sechstel der Pulle weggeputzt!‘

Hier hatte er das deutliche Empfinden, dass sie gewissermaßen in einer Rolle wäre. Schon einige Male hatte er ähnliche Beobachtungen gemacht, sie aber sofort verdrängt. Er dachte aber nicht weiter darüber nach, weil ihn diese Beobachtung eher irritierte und ihm nicht klar war, um welche „Rolle“ es sich handelte. Zudem oder vor allem war K. 23 und sie war 22 und er war in diesem wunderbarem Zustand das Gehirn partiell lähmender jugendlicher Verliebtheit. Er nahm es gleichsam als einen versuchten Koitus wahr, aus der Flasche trinken zu dürfen, die sie eben an ihren, courths gemahlert, lieblichen Blütenlippen gehalten hatte, ach…

So weit, so gut bzw. ungut. Mindestens vier Jahre später erlebte K. dann diesen Aha-Effekt, nachdem er bereits etliche Rückmeldungen verständnislos registriert hatte, als er in fast psychotischem Glauben, ausschließlich an ihn gesendeten Zeichen folgen zu müssen, stundenlang durch die Straßen von Big B gewandert war.

Er sah den Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und es machte „Klick“. Die im Hirschkindergarten von K. angeschmachteten Mitpatientin sah der Christiane F. im Film sehr ähnlich.

‚Aha, ich spiele also den Stricher, im Unbewussten!‘, dachte es in ihm, zumal er einige der bei seinen tumben Trottoir-Touren empfangenen Feedbacks endlich zu verstehen vermochte.

Zu dieser Zeit war K. über derartige aus ihm zunächst unverständlich erscheinenden Erlebnissen gezogene logische Schlüsse eher erheitert, zumal er es mehrfach erlebt hatte, dass ihm derartiges Rollenspiel in der sogenannten Realität unterstellt worden schien, obwohl er die Bücher oder Filme noch gar nicht gelesen oder gesehen hatte, deren Helden nachzuäffen ihm nachgesagt wurde. „Kann alles befohlen werden!“ war die Floskel aus dem Armee-Jargon, die K. dazu einfiel, was ihn noch mehr erheiterte.

1999 war K. dann allerdings nicht mehr erheitert. Dies nicht nur deshalb, weil er wiederum erst mit jahrelanger Verzögerung realisierte, was mit diesem ehrlich empört gezischtem „Milieutherapie!“ gemeint gewesen sein dürfte. K. hatte sich inzwischen resigniert damit abgefunden, dass selbst hochqualifizierte Leute krudes Zeug redeten, wenn es um „Psycho“ ging, aber diese Rückmeldung war dann doch ein Highlight. Die Frau schien überzeugt zu sein, dass es sich bei „Milieutherapie“ um Therapie für Leute aus dem Milieu handelte, wie etwa dem der Stricher…

Was aber hatte diese realsatirisch-tragikomische Rückmeldung im Bahnhofsmilieu von 1999 mit K.’s Verliebtheit in der Neurosen-Klinik Berlin-Hirschgarten 1984 zu tun?

Nun, K. hatte sich in ein Mädchen verknallt, dessen Vater nicht nur bei der Firma war, sondern gar, wenn K. das richtig mitbekommen hatte, bei der Elite der Elite, der HVA. Allerdings war er angeblich, nicht aus Ungnade, in einer Art Vorruhestand. K. war insgeheim stolz auf seinen Witz, Friedrich Wolf wäre ein demokratischer Aufklärer gewesen und einer seiner Söhne hätte das missverstanden. Immerhin hatte K. diesen Witz für sich behalten, was auf eine zumindest gewisse Alltagstauglichkeit im Realsoz hinzudeuten schien.

Dass er nun, um seine kläglich-verzweifelten Werbeversuche auszuführen, sich in eine Art Wohnsiedlung mit unsichtbarem Zaun begeben musste, störte K. nicht weiter, denn er war selbst in einer derartigen, relativ geschlossenen Klein-Lebenswelt aufgewachsen, unter Familien von Berufssoldaten der Bereitschaftspolizei.

Allerdings war hier, bei denen, alles noch ein bisschen schärfer. Als etwa ca. 1000 Kilometer westlich ein Manöver der NATO stattfand, lief um die Wohnblocks der Träger von Schild und Schwert der Partei im östlichen Ostberlin ein Posten mit MPi Streife. Einmal wurde K. darauf aufmerksam, dass man auf ihn aufmerksam geworden war. Wieder einmal fuhr ein LADA mit vier Männern in Anzug und mit Krawatte an ihm vorbei, die sehr druckvoll-fordernd blickten. Allerdings wurde dieses Mal der Textbaustein „Was mach’n Sie’n hier?“ nicht eingesetzt.

Aber das machte alles nichts! K. gehörte, wenngleich nicht einmal Parteimitglied, irgendwie dazu, er war auf der richtigen Seite, das diente alles dem (Welt-)Frieden und dem Fortschritt usw. Nicht nur K. glaubte derart selbstverständlich daran, dass er diese Überzeugung nicht einmal ansatzweise zu verbalisieren oder gar kritisch zu reflektieren versuchte.

Süüüß! Ein „nützlicher Idiot“, wie Dr. Uljanow in anderem Zusammenhang formuliert hat, nichtsdestotrotz K. diese Formulierung hier angemessen fand. Es musste viele derartiger „Idioten“ gegeben haben, andernfalls diese DDR sich nicht so lange hätte halten können.

K. war gewissermaßen als ein mindestens unsicheres Element in ein auf mehrfache Weise gesichertes Lebensfeld eingedrungen, was Aktivitäten der Sicherer der Gesicherten nach sich ziehen musste, was K. aber als verliebter Trottel nicht wahrhaben konnte und wollte.

Wer ist dieser, schlimmstenfalls durch feindlich-negative Beeinflussung leicht weg getreten wirkende Jüngling? Hier wirkte der schon von Jack London im „Martin Eden“ beschriebene Effekt. Sie hatten längst vergessen, wie es ist, hoffnungslos verknallt zu sein, oder es gar nie erlebt, und nun musste dieser seltsame K. leicht breit sein oder dergleichen.

Wo kommt der her? Was will der? Ist er womöglich Einer von uns? Wenn ja, wo ist er angebunden? Dienstgrad und Name, oder ich schreib‘ Sie auf. Wenn nicht, ist er verdächtig allein deshalb, weil er nicht dazu gehört und wir trotzdem gezwungen sind, ihn wahrzunehmen. Ist der berechtigt, in diesem Wohnkomplex neuen Typus zu erscheinen und auch nur Kontakt aufzunehmen zur Tochter eines Offiziers an der unsichtbaren Front? Usw. usf.

Zunächst verfasste K. einige Gedichte, die er auch dreieinhalb Jahrzehnte danach noch als für das Beste von seinen Versuchen halten würde, sich im literarischen Schreiben zu üben. Er fertigte in erstaunlich geschickter, weil von heftigen Gefühlen getriebener Handarbeit ein kleines Büchlein mit diesen Gedichten sowie Collagen, Aphorismen und Witzen aus seiner Produktion an und schenkte es dem Mädchen zu Weihnachten.** Ihre Freude darüber hielt er natürlich in der rührenden Verwirrung seines Ausnahmezustandes für ein Zeichen beginnender Gegenliebe.

Nicht abgesandter Brief an die Eltern
 
Ihr vor uns schon erwachsen Gewesenen,
was habt Ihr uns vorgegaukelt.
 
Wenn Ihr traurig wart
Habt Ihr uns davon gejagt,
Aus Angst, schwach gesehen zu werden.
 
Eure Freuden habt Ihr getarnt als Vorrechte,
Als sollten wir nicht erkennen Eure Unzufriedenheit beim Freuen.
 
Über Bedrückungen habt Ihr uns nur beigebracht,
Dass unsere eigenen kindlichen nicht ernst zu nehmen wären.
 
Die Offenbarung von Sehnsüchten war immer Alkoholfolge.
 
Die Ängste um uns waren immer unerkennbar hinter Maßregelungen.
 
Was Wunder, wenn wir nicht wagen, traurig zu sein,
Wenn die endlich erreichten Freuden uns enttäuschen,
Wenn wir geängstigt sind durch unsere Furcht,
Wenn wir unsere Sehnsüchte nicht benennen können,
Wenn wir unseren Kindern nur Regeln beibringen…

Das war eines der Gedichte und es ist vorzeigbar, weil richtige Lyrik, wie K. auch oder erst recht einige Jahrzehnte danach glaubt. Wieder einmal war er für einen Augenblick ganz bei sich, ohne Sarkasmus und Zynismus und Schnullerchen und Faxen usw. Cherchez la femme

***

Dann aber schlug K. sie in die Flucht. Einige Jahre später musste K. bereits sofort an sie denken, als er nur den Titel eines Buches des Therapeuten Eric Berne las, „Was sagen Sie, nachdem Sie ‚Guten Tag‘ gesagt haben?“

Ihm war bereits in der Klinik aufgefallen, dass sie geradezu zwanghaft einer Art Ritual bei der Begegnung mit Menschen folgte insbesondere, wenn diese Menschen sie noch nicht kannten. Bereits nach wenigen Sätzen und unabhängig vom Thema dieser Sätze teilte sie dem Gesprächspartner mit, dass sie mit 12 von einem 48-jährigem verführt worden wäre. Diese stereotyp erfolgende Auskunft ohne Aufforderung wirkte wie ein Schutzschild und ein Warnsignal.

K. schrieb dem Mädchen eine Art Fabel, in der es um Kätzchen ging, die einmal furchtbar verletzt worden wären, als sie ihrer Sehnsucht nach Nähe, Zärtlichkeit, Liebe usw. nachgegeben hätten, weswegen sie diese Sehnsucht nun nicht mehr zulassen könnten usf. K. mahlerte wieder einmal courths, aber der Kern seines Textes war durchaus ernst.

Sie brach daraufhin die Therapie ab und suchte buchstäblich das Weite. Ein gemeinsamer Bekannter erklärte K., sie hätte vorher noch geradezu als ein dickes Ausrufezeichen ausgerufen: „K. hat ’ne Macke!!!“ – War ihr das nicht vorher klar? War auch sie überzeugt, K. würde, O-Ton vox populi, den Simulanten spielen?

Natürlich hat K. lange und immer wieder über diesen Abbruch nachgedacht, zumal er selbst in seinem Leben Dutzende derartige Abbrüche getätigt hat, und natürlich hält er alle seine Überlegungen vorsichtshalber für Mutmaßungen und Spekulationen. Mit der Zeit schien ihm jedoch immer klarer, dass er nicht wirklich ins Schwarze getroffen hatte, sondern möglicherweise dicht davor gewesen war, einen fatalen Selbstbetrug wahrzunehmen, dem sie sich unterworfen hatte.

Vielleicht hatte weniger der 48-jährige sie verführt, sondern sie ihn, aus dem sehr berechtigtem Antrieb heraus, ihren Eltern und insbesondere ihrer Mutter, von der sie wie in einem goldenem Käfig gehalten wurde, nachdrücklich zu zeigen, dass sie ein eigenständiges Wesen und auf dem Wege war, erwachsen zu werden.

Danach war das Mädchen, möglicherweise, vor der eigenen Courage zurück gezuckt, zumal niemand auf ihrer Seite zu sein schien, und hatte die sozusagen offizielle Deutung des Geschehens übernommen. Dafür sprachen erstens ihre geradezu zwanghafte Auskunft im Ton der Rechtfertigung vor allen möglichen Leuten, die gar nicht danach gefragt, ja, das Gespräch nicht einmal in die Nähe dieses Themas gebracht hatten, sowie die offenkundige Tatsache, dass die Stäbe des goldenen Käfigs nach dem Vorfall dicker und stabiler geworden waren.

K. hatte das Mädchen in ihrem Zuhause besucht und in ihrem Umfeld begleitet und mit leisem Entsetzen feststellen müssen, dass und wie sehr die ihm nicht zu Unrecht durch Therapeuten zuteil gewordene Charakterisierung „das Kind“ auch auf sie zuzutreffen schien. Wieder einmal, so schien es K. später des Weiteren, hatte er die Identifikation mit einem Symptom-Geschwister mit der Möglichkeit des Partnerwahlversuchs „verwechselt“ und ausagiert, statt über den mit unerledigten alten Geschichten überlasteten Beziehungs-Clinch in der Therapie zu arbeiten.

An dieser Stelle jedoch wurde K. vielleicht am schärfsten in seinem Lebens-Slalom-Lauf deutlich, wie wenig ihm seine Intelligenz nützte; er konnte sich damit im Grunde, wie er mehrfach persiflierte, nach statt gehabter Entleerung seine rückwärtige Darm-Austritts-Öffnung besäubern. Wieder einmal war ein Versuch gescheitert, eine erfüllte Jugendliebe zu erleben, und wieder einmal nahm K. Misserfolg als ihm im Grunde gemäße Erfahrung resigniert hin.

Aber hatte dieses tragikomisch-bittere wahre Geschichtchen nicht über seine Person hinaus weisende Eigenheiten? K. wurde sich auch dessen immer mehr sicher. „Da haben wir also den Kaiser verjagt/Und seine Gemahlin verlötet/Die Kinderchen, die man im Pudding fand/besabbert und völlig verblödet/wurden in Arbeitslager gesteckt…“ usw., hat Meister Gundermann später gesungen.

Mit anderen Worten hatte man versucht, so schien es K. zunehmend, eine neue Gesellschaft mit neuen Menschen zu erbauen, um dann alten Wein in neue Schläuche zu füllen, da man sich mit der Umgestaltung der materiellen Basis begnügt hatte und auf der eigentlich menschlichen Ebene der psychischen Dynamik kaum Befreiung stattgefunden hatte.

Selbstverständlich hat K. diesen Gedanken nicht geäußert, weil er ebenso selbstverständlich abgeschmettert worden wäre mit an Gebetsformeln erinnernde Textbausteine wie: „Lieber junger Freund, es handelt sich hier um Überbleibsel der alten Gesellschaft, die wir im Zuge unserer gesetzmäßigen Entwicklung Schritt für Schritt überwinden werden!“, bla bla bla.

Im Grunde, und dieser Gedanke zu der Groteske kam K. bereits kurz nach ihrem kläglichem schnellem Ende, hatte er sich gebärdet wie der Lümmel vom Hilfs-Kutscher, der die Grafen-Tochter im Schlossgarten anhimmelt, nur war hier der Schlossgarten ein Stasi-Wohnviertel usw. usf. Die Herrschaften Genossen hatten reproduziert, was sie nicht ohne Berechtigung zu liquidieren einst angetreten waren und nahmen das gar nicht bewusst wahr. Das konnten sie wohl auch nicht; „Wir sind kein Psycho-Club!“

Was hat das alles aber mit dem angeblichem Stricher Spielen des K. zu tun? Nun, wie wahrscheinlich alle braven Mädchen hat auch sie sich sehr wahrscheinlich ganz tief drin danach gesehnt, eine Pippi Langstrumpf zu sein, und nicht nur wegen der feuerroten Haarpracht. K. vermutet allerdings seit Langem, dass diese Sehnsucht auch sozusagen in umgekehrter Richtung wirkt, aber das am Rande. Sie hatte sich demzufolge auch mit Christiane F. identifiziert, einem Ausbund des faulenden Kapitalismus usw.

Nachdem auch dieser Versuch fehlgeschlagen war, sie aus den fürchterlichen neurotischen Arrangements ihrer Familie zu befreien, weil K. typischer Weise resigniert abwinkend die Flinte schon vor dem Erreichen des Feldes ins Korn geworfen hatte, weil sowieso alles eitel und Haschen nach Wind schien, begann sie nun zu projizieren, und zwar aus der, aua, Sicherheit ihrer Position heraus. – Hier aber begibt sich K. ausdrücklich endgültig ins Reich der Spekulation, wie es so schön oder unschön heißt…

Diese Geschichte mit der auswurfähnlichen Aussage der Frau im Bahnhofsviertel von M ist nur die vielleicht deutlichste, nicht die einzige, die darauf hindeutet, dass mehr oder weniger bewusste Denunziation des K. stattgefunden haben dürfte. K. hat nicht nur nie homosexuelle Kontakte gar bis zur Prostitution gehabt, sondern im fraglichem Zeitraum gar keine sexuellen Kontakte, har har.

Wenn aber noch 20 Jahre nach dem Mauerfall Wirkungen möglicherweise nicht operativer Bearbeitung, aber von Klatsch und Tratsch neuen Typus in der Großfamilie neuen Typus der Tschekisten bis nach M wirken, dann – Chapeau!

K. wird nicht wieder in diesem Leben, dafür haben welche Leute auch immer wie auch immer 1986 gesorgt…

Um es jedoch im Zeugnis-Beurteilungs-Deutsch auszudrücken, bereitet es K. große Freude, längere Niederschriften über seine Erlebnisse mit Sorgfalt anzufertigen und seinen zahlreichen Nichtlesern zu präsentieren.

In diesem Sinne – „Nie mehr bereit!“

PS: Was soll das nun vorstellen, Herr Koske? Das ist keine Reportage, kein Feuilleton, keine Story, es ist… – ja, was? Und – wieder nicht gedichtet, wieder nur berichtet, zefix! Mittlerweile grüßen Regimenter von Murmeltieren ewig! Aber immerhin, das muss man zugeben, Sie Koske, haben Sie sich wieder einmal auf halbwegs adäquate Weise entladen. Zumindest heute schießen Sie nicht mehr „der Landesmutter/durch den Rock ins Unterfutter“, *hüstel*. Vortrefflich, das, ganz vortrefflich! Fahren Sie fort, am besten auch im wörtlichem Sinne!

** Unter anderem deswegen. K. hält es an dieser Stelle für zumindest nicht unangemessen anzumerken, dass es immerhin ein stellvertretender Direktor der CIA war, der etliche Monde vor dieser Niederschrift bzw. Niedertippe des K. sinngemäß erklärte, von der Effizienz der Stasi könne die CIA nur träumen. War nich‘ alles schlecht, ja ja. Wieder einmal muss K. feststellen, und er stellt es auch einigermaßen zerknirscht fest, dass ihm beim Thema Stasi das Gruseln regelmäßig nachträglich zu kommen scheint, was allerdings zugegebenermaßen sein Problem sein dürfte, was er auch einzusehen bereit und in der Lage scheint.
** Schier grandiose freudvolle Fehlleistung – statt „Collagen“ schrieb K. zunächst „Kollegen“, muaha. Gehste krachen, Alter, echt!

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