(… weitere Nachtarbeitsversuche des vierfach verhartzten K….)

Eine Art Sanatorium! Ja ja, wieder ein mannhafter Beitrag, „Hier ist ‚Einfried‘, das Sanatorium!“ usw.* Nicht typisch für unsere postsozialistischen Menschen! Ich bin im und vor einem rundum saniertem und modernisiertem palaisartigem Gebäude aus spätestens dem 19. Jahrhundert. Prächtige Parkanlagen erstrecken sich um das Rekonvaleszenten-Schlösschen, aus- und einladend, dicht bepflanzt mit sorgfältig gepflegten Blumenbeeten, Hecken, Sträuchern und Baumgruppen wie auf einer historischen Postkarte.

Das Übliche… Streckenweise muss ich mich durch die geradezu Massen hindurch kämpfen, die durch die Gänge, Treppenhäuser und Säle strömen, wie in einer Schulpause. Die vorbei strömenden Menschinnen und Menschen sind jedoch ausnahmslos Erwachsene, die meisten sind schon älter.

Es kommt keinerlei Kontakt zustande; ich bin quasi unsichtbar. Mich beutelt das Gefühl eigentlich in Worten kaum zu erfassenden verlassen Seins, das ich aus der Vorschul-Kindheit kenne, wenn mein unmittelbar vorgesetzter Vorfahre mich im Wald hat stehen lassen, oder aus der späteren Kindheit, wenn mein märchenhaftes Stiefmütterchen die Haustür nicht aufgeschlossen hat, weil ich statt um 20.00 Uhr erst um 20.10 Uhr erschienen bin und ich dann die ganze Nacht lang durch die Stadt „spaziert“ bin.

Ebenfalls aus der sogenannten Realität bekannt ist dieses permanente Hinter- oder Untergrundgefühl elender Rotzkotzscheißpiss-Traurigkeit, für das nirgends Platz zu sein scheint, auch nicht im Freudeskreis Anna Lyse. Stattdessen funktioniere ich der jeweiligen Situation entsprechend, auch oder gerade im Traum.

Des Weiteren unwohlbekannt ist, dass am Anfang alles freundlich und entspannt läuft. Ich scheine in einer Gruppe halbwegs angekommen; mehr ist wahrscheinlich eh‘ nicht drin, „Bindungsloser Psychopath!“, O-Ton vox populi. Dann verlasse ich, wiederum Klappe, die x+erste, mit einem Auftrag mein Zimmer und finde nicht mehr zurück.

Ich irre durch die Gänge. Einige Dutzend Meter vom Rehabilitationspalast entfernt stehe ich vor einer Art Amphitheater, das wie ein Krater in den Boden gebaut ist. An der gegenüberliegenden Seite hängen zwischen unzähligen Papierschlangen und Luftballons offenbar liebevoll von Kinderhänden gemalte, schreiend bunte Plakate mit den Aufschriften: „Offiziere“, „Unteroffiziere“ usw. Das könnte natürlich ein Tagesrest sein, der sich auf die Fußnote dieses Postings bezieht, stehnsebequem!

An einer Hausecke drückt mir eine ältere Frau ein Baby in die Arme, das mich förmlich anstrahlt, glucksend, gackernd und kichernd, als ich es hoch nehme und ansehe. Ich bin völlig verblüfft – ich bin doch ein Monstrum! Mehrere Umstehende, unter anderem die Frau, sind gänzlich aus dem Häuschen. Ich schließlich auch, aber da ist dieses Hintergrundgefühl, das alles positive Erleben vergiftet.

War das wieder eine sozusagen Konfiguration des inneren Kindes? Das wäre ja ’n gutes Zeichen, denn das Menschlein war geradezu euphorisch?!

In der Tat war ich in den letzten Tagen recht heftig am in die Tasten tasten, wenngleich ich immer noch nicht wirklich schöpferisch war oder nur in sparsam-dürftigen Ansätzen; ich habe immer noch nicht richtig gedichtet, gesponnen, phantasiert, *jammer jammer*. Die frustrierte Hausfrau neigt zum präorgastischem Jammern, man kennt das…

Plötzlich ist das Baby weg. Es zeigt sich, dass es hinter mir auf dem Sessel lag, als ich mich in seltener Sprachlosigkeit auf diesen setzte. Das Kindchen scheint nicht erdrückt zu sein, vielmehr ist es plötzlich eine Art Lumpen-Puppe. Die Szene löst sich in der Weise auf, wie ich es gleichfalls schon unzählige Male erlebt habe; eine Art Ausblenden wird getätigt.

Natürlich nicht bestanden. – So vergehen die Tage, bzw. Nächte, die auf dem drittem Planeten des Systems mir gegeben sind. Ach, schöner Schmerz…

* Thomas Mann, „Tristan“, in „Sämtliche Erzählungen“, S. Fischer 1963, Seite 170, tandaradei! – Wie kann man nach Thomas Mann überhaupt noch deutsche Prosa schreiben? – Man wird das ja wohl noch sagen dürfen…‚Siehta sich wieda als Nachfolga von Thomas Mann, hähä!‘ – Schon im Vorab herzlichen bzw. galligen Dank für die zu erwartende Rückmeldung, Ihr Obenseelenmeister!

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