Immerhin g i b t es immer wieder diese Augenblicke…

Pinterest. Muaha.

K. schreibt immer nur Berichte. Da haben wir es doch wieder – Stasi, nich‘, hähä! Er scheint keine Phantasie zu haben, aber eine bemerkenswerte Ausdauer, die in der Tat einer besseren Sache wert wäre, dieses zugegebenermaßen doofe Defizit zu beklagen.

Womöglich, so denkt es zuweilen hämisch in ihm, sind das Langzeitwirkungen seines Gastspiels an der Werbefachschule. K. scheint verinnerlicht zu haben, dass ein Grundprinzip der Werbung Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in der sogenannten Kundenpenetration besteht, womit ausdrücklich nicht gemeint ist, den Verbraucher zu ficken, sorry.

Immer wieder muss K. an die vielleicht groteskeste der vielen schrägen Szenen seines Lebensfilms denken bzw. es denkt in ihm, diesbezüglich. Er war der zweitbeste Student seiner Seminar-Gruppe und nicht der Einzige, der den deutlichen Eindruck hatte, dass eine Ausbildung zum Kommunikationswirt mehr mit ihm zu tun haben könnte als Teller waschen oder Kohlen schippen oder Schlüssel ausgeben oder Flaschen sortieren oder Zeitungen Printmedien zustellen usw. usw. usf.

Dennoch und trotzdem und vielleicht erst recht ist er eines unschönen Tages nach einer Vorlesung nach Hause gegangen und nicht mehr wieder gekommen, obwohl nichts passiert war, was nur im Entferntestem eine derart skurrile, aua, Fehlleistung hätte erklären können. K. kann diesen Vor- bzw. Weggang bis heute nicht erklären, vermutet aber immer wieder, er könnte etwas mit Fugue zu tun gehabt haben. Wie meist bei solchen Vermutungen ist K. schier begeistert, wie sehr sie ihm weiterhelfen, *hüstel*…

Wenn K. ein Blog führen würde, würde er an dieser Stelle posten: „Ich schweife ab!“, was auf zumindest temporär adäquate Selbstwahrnehmung hindeuten könnte. – Zur Sache, zefix!

Womöglich hat K. Phantasie. Er scheint sie jedoch, und ganz offensichtlich aus Gründen, derart schnell und nachdrücklich abzuwerten, dass er sie vorsichtshalber selbst nicht wahrnimmt. In Wahrheit laufen in seinem Kopf bei fast allen Ereignissen, Erlebnissen, Begegnungen usw. in dem Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre, diese Ereignisse, Erlebnisse, Begegnungen usw. ergänzende, erweiternde, fortführende und sie manchmal gar stimmig vollendende Szenen ab.

Hier wirkt wieder das ihm unwohlbekannte Verkehren ins Gegenteil. K. hat, wie auch ihm selbst scheint, nicht keine Phantasie, sondern in einem gewissem Sinn und Maß genügt die sogenannte Realität nicht und K. hat sich bereits als Vierkäsebreit resigniert damit abgefunden und sich wohlig-wehmütig-waschweibisch in seine Depris gekuschelt.

Dieses Fortspinnen in der sogenannten Realität wahrgenommener, manchmal geradezu winziger Details könnte jedoch, scheint K. immer wieder – Literatur sein… Hähä. Gehste krachen, Alter! An dieser Stelle wird natürlich wieder einmal deutlich, was K. auch durchaus wahrnimmt, wie treffend das Bild vom Tausendfüßler ist, der darüber nachdenkt, wie er die Füße setzen soll und nicht mehr von der Stelle kommt. Ach, schöner Schmerz…

Eine dieser Erweiterungen, wenn nicht logisch und emotional befriedigenden Abrundungen der sogenannten Realität, verläuft seit etlichen Monden immer einmal wieder wie folgendermaßen dargelegt in K.’s zerebralem Weltraum.

In diesem internationalem Netz hat er einmal eine Szene mit zwei jungen Mädchen gesehen, die mit den altertümlichen Besen, wie sie z. B. in der Saga um Harry Potter zur Grundausstattung gehören, eine Straße kehrten. Nein, K. wollte nicht, O-Ton vox populi, die Alte mal knallen. Er war angetan und gerührt und was Oppas halt empfinden, wenn sie denken, dass es doch recht sehr erfüllend wäre, ein solches famoses Enkeltöchterchen zu haben. K. gibt die Hoffnung keineswegs auf, dass er vielleicht, obgleich ohne Kinder, Enkel haben wird. K. hält dergleichen Erwägungen für witzig, was niemanden überraschen kann, der ihn auch nur ein bisschen kennt, insofern es überhaupt Leutinnen und Leute gibt, die ihn mehr als nur ein bisschen kennen.

K., ha, phantasierte nun, dass er theatralisch etwas wie „Herr Sarrazin, kommen Sie schnell!“ rufen würde und dafür mit dem Lachen des einen Mädchens belohnt werden, das nämlich, sarrazynisch gesprochen, ein etwa 16-jähriges Kopftuchmädchen war. Mehr als ein derartiges Lachen eines hübschen Mädchens erwartet Mann doch im Alter gar nicht, ist K. überzeugt, pah!

„Herzlich willkommen zu unserer heutigen Übung 15 c im Nah-Kurs ‚Neuer Müll in alte Säcke‘! Wir beugen uns nun langsam unter wohligem Ächzen nach vorn und ziehen ihr behutsam, aber männlich-entschlossen die Strümpfe hoch. Damit sind wir für heute fertig mit der Welt! Tragen Sie nun 1 ½ Kilogramm Rheuma-Salbe ‚Knorpelcrash 3000‘ auf. Denken Sie daran, das völlig überteuerte Bullshit-Präparat nur einzumassieren und nicht oral zuzuführen oder zur Reparatur selten dämlich demolierten Spielzeugs Ihrer wohlstandsverblödeten Enkel zu verwenden!“ (Bildquelle)

Dann, ha, phantasierte K. weiter, dass er die lieblich Kehrende fragen würde, ob sie denn mit diesem Besen auch fliegen könne, worauf sie schelmisch vergnügt ihm mit dem Besen drohte. Schnitt – K. schreitet neu beschwingt weiteren Herausforderungen am unterem Rand der Gesellschaft entgegen!

Mehr nicht, aber, ach – schööön… K. neigt dazu, wie schon des Öfteren deutlich wurde, courths zu mahlern.

Gestern Nachmittag jedoch, an einem sommerlich sonnigem Sonnabend im November in M, Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren, traf K. einige Minuten, nachdem er durchaus energisch aus seinem spitzwegigem Dachstübchen in die sogenannte Realität gegangen war, auf eine Frau mit einem solchem Besen. Sie war allerdings silberhaarig und überhaupt „Richtig was zum Anlangen, nicht wie ihre Nymphchen und Elfchen!“, wie sehr befugte Fachkräftinnen nicht müde wurden, seine Partnerwahl-Versuche kritisch zu hinterfragen. Wohlgemerkt Frauen haben das gesagt; nix mit sexistischem Macho usw., hähä!

Es gab in K. einen Ruck; sorry, Herr Herzog! Zwischen Dichtung und Wahrheit, ha, war die Mauer weg, nur für einen kleinen Augenblick, aber immerhin. Es platzte zu seiner eigenen Überraschung die bisher nur im dürftig-phantastischem Probehandeln geprobte Frage aus K. heraus, ob man mit diesem Besen auch fliegen könne, ha!

Und siehe, die Frau war erheitert, wie K. ungläubig feststellen durfte! Zudem vermochte er gleichfalls zu seiner eigenen Überraschung den Gedanken zuzulassen, dass er noch nicht ganz aus dem Rennen raus zu sein scheint, tandaradei!

Gewiss, die Frau hatte K. angelächelt, was diesen Ruck erleichtert haben mochte. K. gelang es gar, was fürwahr eine persönlichkeitsspezifische Singularität darstellen dürfte, sich nicht umzudrehen, um zu prüfen, wer mit dem Lächeln gemeint sein könnte, vielmehr er es schier unerschrocken auf sich bezogen hat, Alter! Das mit dem zurück Lächeln lernt K. sicher noch in den nächsten vierzig Jahren, har har. Das ist was ganz Altes; genauer gesagt, etwas ganz Frühes, bla.

Eine winzige, gewiss lächerlich banale Szene, aber – da geht es lang; raus aus der Spur usw. Es geht dabei gar nicht so sehr um Männlein und Weiblein; Szenen zwischen diesen zeigen nur besonders deutlich, worum es gehen könnte.

Was K. am meisten bezeichnenderweise beunruhigt, obwohl er eigentlich erfreut sein sollte, ist seine Grundstimmung oder sein Untergrund- oder Hintergrund-Gefühl in solchen real erlebten Short-Short-Stories. Diese Stimmung oder dieses Gefühl erinnert ihn deutlich an seine Hoch-Zeit in der dritten Klasse, als er, ach, Hedwig, einen Sommer lang ganz oder fast ganz da war war, ganz oder fast ganz im, igitt, Hier und Jetzt, ohne oder fast ohne Schuldgefühle, irrationale Ängste und Zwangsgedanken usw.

Was geht ab, Mann? Nähert sich K. immer mehr einem Durchbruch? Sieht das nach Heilung aus? „Heilen“ als „heil machen, ganz machen“? K. hat vorzüglich Leutinnen und Leuten, die das gar nicht wissen wollten, nur erst ca. dreißig Mal zu erklären versucht, dass sein Lebens-Slalom-Lauf eine Asymptote zu sein scheint, indem er immer näher ran, aber nie ankommt, ach…

Geht ja gar nicht! Kann ja nicht sein! Da kommt noch was, da federt quasi noch was zurück, ha! K. wird noch abgestraft für die ungeheuerliche Frechheit seines, igitt, Unbewussten, ihn ins Freie, Leichte, Helle, Weite, Heitere, Spielerisch-Unbekümmerte usw. führen zu wollen, des seiest Du gewiss, herbe Dame Welt!

PS: Was aber treibt die Hauptverwaltung Buden-Zauber (HAUBUZ)? Nun, die Lautstärke des Mental-Funks ist nach wie vor quasi bis an die Grenze des Hörbaren herab geregelt, was K. noch misstrauischer stimmt, als er ohnehin meist ist; dennoch kommen wieder die üblichen Feedbacks.
 
‚Will nich‘ arbeiten!‘, ‚Lächerlich!‘, ‚Dichtet doch nich‘, schreibt Tagebuch!‘, ‚Sieht sich als Retter der Menterschwaige!‘, ‚Stasischwein, schreibt wieder seine Berichte!‘, ‚Einfacher Arbeiter!‘, ‚Hau hier ab!‘, ‚Willa wieda berühmt werden!‘, ‚Will berühmt werden mit Tagebuchschreiben!‘, ‚Merkt nich‘, dissa schwul is‘, hält sich für geisteskrank!‘, ‚Willa wieda hierbleiben!‘ (K. sollte wieder irgendwo hin wollen, hat aber die entsprechende Traumprüfung nicht bestanden).
 
Usw. usw. usf. Täglich murmeln Bataillone von Murmeltieren. Allein, dergleichen erlebt K. jetzt seit 1986 und man gewöhnt sich an alles, bla. Wie gleichfalls erst ca. dreißig Mal erwähnt, scheint es K. sinnlos, über dies sinistre Erleben Fachkräftinnen- und Kräften des Freudeskreises Anna Lyse zu berichten; keine Therapie mehr!

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2 Antworten zu Immerhin g i b t es immer wieder diese Augenblicke…

  1. Herr Ösi sagt:

    Ich geb ja zu… den Beitrag hab ich nicht gelesen. Womöglich war er zu lang.

    Aber das Bildchen, das Bildchen…

    • Herr Koske sagt:

      … Du fällst auch noch drauf rein – ich bin schwer enttäuscht…

      (… ist so was auch sexistisch, wenn die Frauen fun hatten bei den Aufnahmen… darf Mann noch sagen, dass das ein wahnsinnig wohlgeformter… – ach, lassen wir das…)

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