(… K. qualifiziert sich verstohlen-vergnügt zum Lingguisten…)

K. ist durchaus in der Lage und auch bereit zuzugeben, dass derartige Wortspielchen wie das eben in der Überschrift Headline verwandte möglicherweise albern sein könnten. Allein, er ist immer mindestens erleichtert feststellen zu dürfen, zumindest Rudimente von Kreativität in sich umgehend zu erleben als wie versetzte Darmwinde.

„Das dazu!“, wie Physiklehrer M. immer zu sagen pflegte, worauf er eine autoritätsuntergrabende Kniebeuge andeutete, und dies immerhin zu einem Zeitpunkt, als Begriffe wie „workout“ oder „stretching“ selbst in der in Sonnenuntergangsrichtung gelegenen freien Welt noch längst nicht üblich waren.

Zwischendrein wird etwas in K. neuerlich kreativitätlich. Ein Erderkundungsroboter einer extragalaktischen Zivilisation gerät an die Genossen Tschekisten der Firma GHG (Gucken, Horchen, Greifen), hält ihre Kommunikation für die irdisch übliche und schreibt fortan IM-Berichte. – Ein Plot, in der Tat! Okay, ein Plotchen, um wieder einmal das vorzüglich im Ostpreußischem gebräuchliche Suffix „-chen“ schier spielerisch zu verwenden. Das ist jedoch Plot 40+, den K. seit etwa 1984, *hüstel*, konzipiert hat. So kummt man zu nüscht, dessen ist sich K. durchaus bewusst; allein, er genießt es, sich darob in seinen Schmerz zu vergraben, ach…

Genug davon! Zur Sache, sakra! K. ist nun beherbergt in einem Hause, das mehrere Lebenswelten früher in einer Straße errichtet wurde, die nach Hermann Lingg benannt ist. Beim Recherchieren in diesem internationalem Netz, das gerade im Alter sehr hilfreich sein kann, wie K. bereits erfreulich oft erleben durfte, hat er zu seiner Überraschung nicht nur festgestellt, dass Hermann Lingg ein Dichter war und als solcher noch mit 70 zum Ritter geschlagen wurde, sondern auch oder vor allem, dass viele seiner Werke online sind.

Vortrefflich, das, ganz vortrefflich! Wir goutieren das innig fürwahr! In einem im, ha, Cotta’schem Verlag anno 1854 herausgebrachtem Gedicht-Band aber schreibt Lingg so nett (zu Wortspielen, siehe eben oben). Wie es immer so schön oder unschön heißt, wurden Rechtschreibung und Grammatik behutsam angepasst, hier vom bewährt arrogantem K.

Nachtgedanken
 
1.
 
Am lang verschleiertem Gemälde bleichen
Die Farben endlich ab, welk wird die Blüte,
Die sich umsonst nach Licht und Sonne mühte,
Die Kraft versiegt, kann sie nicht Ruhm erreichen.
 
Trug waren die verhängnisvollen Zeichen!
Verzehrt vom Feuer, das mich einst durchglühte,
Vom Grab der Hoffnung, das ich tatlos hüte,
Holt bald der Tod mich weg wie andre Leichen.
 
Oft nachts, wenn alle Pulse heißer pochen,
Naht mir ein Geist und flüstert voll Verhöhnung
Titanen nur sind nicht zu unterjochen!
 
Du hast die Wahl, ergib Dich in Versöhnung
Dem Allgemeinlos oder ungebrochen
Erhebe selbst die Hand zu Deiner Krönung!
 

***

Dies ist nur der erste Teil des Werkchens, um wieder einmal das vorzüglich im Ostpreußischem gebräuchliche Suffix „-chen“ schier spielerisch zu verwenden; es besteht aus insgesamt drei Sonetten.

Warum aber hat dieses Gedicht in K. eine Saite zum Schwingen gebracht, um es wieder einmal courths gemahlert zu formulieren?

Nun, zunächst muss K. an seine bereits vor geraumer Zeit gepostete These denken, bzw. es denkt in ihm, dass es eigentlich schon immer Internet gegeben hätte, im Sinne eines virtuellen Raumes, in dem über Länder und Zeiten hinweg Geister, Meta-Geister, Geistliche, von allen Geistern Verlassene usw. kommuniziert haben.

Korrekt – die Weltliteratur! K. findet sich, wenn er in sich lauscht, durchaus stolz auf diesen Gedanken, behält dieses Empfinden jedoch fürsorglich vorsorgend für sich.

„Holt bald der Tod mich weg wie andre Leichen“

Bereits dieser Gedanke bzw. dieses Empfinden, irgendwie tot zu sein, obwohl physisch noch am Leben, ist offensichtlich bereits lange vor Zombiemania und „The Walking Dead“ usw. nicht nur aufgetreten, sondern auch nachvollziehbar verbalisiert worden. Gemeint ist wohl, so denkt es in K., der gewissermaßen Tod der Fähigkeit zu kindlich-kreativ-verspielter Wahrnehmung der sogenannten Wirklichkeit.

Schon allein diese Zeilen versetzen K. in einen Zustand, den er mit aller Zurückhaltung und jedenfalls vorläufig als „Verblüffung“ bezeichnen möchte und denn auch bezeichnet.

Auch „Naht mir ein Geist und flüstert voll Verhöhnung/Titanen nur sind nicht zu unterjochen!“ enthält einen Gedanken, oder scheint ihn zu enthalten, denn K. traut sich oder jedenfalls seinem Unbewusstem nicht recht, der von vielen Schreibwerktätigen auszudrücken versucht worden ist.

Eva Strittmatter etwa hat sinngemäß erklärt, dass ihr gewissermaßen der letzte Schwung fehlen würde, der Mut und die Kraft zum sozusagen Sprung ins Letzte, Höchste, Ungebundene, in dem die ganz Großen leben und weben und wirken und würgen würden, tandaradei! Etwas in dieser Art, K. kann das nicht besser beschreiben; er kommt aus dem Osten und die hatten dort zu wenig Buchstaben. Verblüffend ist hier für ihn, dass es sich, wie das Beispiel Strittmatter zeigt, um durchaus gegenwärtige AutorInnen handelt, die den Linggschen Gedanken, yeah, covern.

Schließlich aber das: „Du hast die Wahl, ergib Dich in Versöhnung/Dem Allgemeinlos oder ungebrochen/Erhebe selbst die Hand zu Deiner Krönung!“

Ha! Ha!!! Hier hat wer vor über anderthalb Jahrhunderten beschrieben, und noch dazu für Ottilie Normalverbraucherin einigermaßen mühelos nachvollziehbar, was K. seit Jahrzehnten aufreibt. Wie geht das denn???

Dutzende Male seit seinem etwa 1976 bewusst gefasstem Entschluss, was mit Schreiben machen zu wollen, der sich unbewusst schon länger in ihm formte oder so ähnlich, fand sich K. immer wieder taub und dumpf und müde an der Stelle, an der er sich in etwa sagte:

‚Lass den Scheiß! Du bist völlig unbegabt! Dergleichen lässt sich nicht erzwingen! Finde Dich heiter-gelassen-relaxt damit ab, stinknormal zu sein. Bemühe Dich schier schnurstracks, als Durchschnittsmensch in der breiten Masse ohne seltsame Verirrungen wie, har har, „Dichten“, anständig Dein Leben zu meistern, am besten in einem solidem Handwerksberuf wie zum Beispiel Quanten-Mechaniker! „Halbes Jahr Tiefbau, denn is‘ Schluss mit Lürück und Fühlosofie!“, was, Nossinnunnossn, hä hä hä!?‘

Ach, K. liebt dergleichen! Diese mental-masochistischen Selbstzüchtigungen scheinen seine körperlichen und seelischen Abläufe zu fördern als wie Massagen mit Birkenreisern in der russischen Sauna.

(… mindestens unheimlich aber könnte hier erscheinen, dass die dauerhaft kommentierende virtuelle Diensteinheit [DAUKOVIDI] der Hauptverwaltung Budenzauber [HAUBUZ] seit 1986 hunderte Male ‚Einfacher Arbeiter!‘ gesendet hat…)

Abgesehen aber davon, dass alle Versuche K.’s kläglich gescheitert sind, diesen Teil in ihm, der in irgendeiner Weise irgendetwas ausdrücken möchte, zum Schweigen zu bringen und nur noch normaler Mensch zu sein ohne Flausen und Faxen und Phantastereien, ist das noch nicht die Pointe.

Die Pointe besteht vielmehr darin, dass in K. einige Tage, bevor er den Kollegen Linng entdeckte („Herr K., kommen Sie wieder runter?!“), der Gedanke sich ausbildete, oder so ähnlich, es wieder einmal mit Lyrik zu versuchen.*

Da K. es jedoch in einem therapieresistentem Zwang geradezu liebt, gewissermaßen die Latte so hoch wie möglich zu legen, hatte er dabei sogleich an Übungen gedacht, in Sonetten zu machen, Alter. Dabei hat er natürlich im Hinterkopf die genialen Anmerkungen Sloterdijks über den Menschen als das übende Wesen wehmütig-wohlig wirken lassen… Ach, wäre er doch Wert und Wirkung von Übungen früher gewahr geworden, *heule heule*!

Es gibt, denkt es in K. an dieser Stelle schier zwangsläufig, Dinge zwischen Penis und Vagina, von denen sich unsere Spermien nichts träumen lassen; sehr frei nach „Hamlet“. Für die Freunde von RTL II unter seinen zu Recht zahlreichen Nichtlesern möchte K. hier anmerken und merkt er denn auch in der Tat an, dass es sich bei „Hamlet“ um ein Stück von diesem großbritannischem Getränkegroßhändler handelt, „Shakes & Beers“ oder so ähnlich. Voll schwul, Bro, kriegst die Rastung, Digga!

PS: Das Bild zeigt, Überraschung, Hermann Lingg; die Ursprungsdatei des Bildes ist, keine Überraschung, gemeinfrei, tandaradei!

* Vor schon wieder etlichen Monden hat ein Mitabitourist K.’s, von dem K. dergleichen zuletzt erwartet hätte, K. einige gar artige Blätter mit Gedichten gesandt, die K. bis etwa 1985 geschrieben hatte. Das war vor allem deshalb stark, weil K. diese Versuche längst verloren hatte; oh, schöner Schmerz! In diesen Papieren aber fanden sich gewiss Beiträge pubertätlichen Schnullifaxes, jedoch auch einige kleine Stücke, bei deren Lektüre K. den unwohlbekannten Effekt besonders stark ausgeprägt erlebte, sich zu fragen, ob wirklich er das geschrieben hätte, warum er da nicht dran geblieben wäre usw. usw. usf. Ewig grüßen Bataillone von Murmeltieren fürwahr! K. behauptet gar ohne Irokasmus usw., dass zwei oder drei dieser lyrischen Versuche nicht nur das Beste sind, was er literatlos zustande gebracht hat, sondern richtige Literatur, vorzeigbare mindestens Gesellenstücke. Natürlich hat K. den Kontakt zu besagtem Kameraden seiner verpennten Pennälerjahre abgebrochen bzw. einschlafen lassen; ihm ist nicht zu helfen, in der Tiefe unerreicht im Sinne Ammons, gehört in ’ne Einrichtung… Bla.

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2 Antworten zu (… K. qualifiziert sich verstohlen-vergnügt zum Lingguisten…)

  1. Herr Ösi sagt:

    Mach das! Ich meine… die Lyrik. In meinem bescheidenen Blog ist sie eine eigenständige Rubrik. Mit Bildchen durchsetzt oder gar als Video kommt es auf das einzelne Wort gar nicht an. Weil Gesamtkunstwerk… 😉

    Das war der Klugschiss zum Sonntag. Ausnahmsweise schon samstags gesprochen…

    • Herr Koske sagt:

      … ja, das färbt ab vom Ossi-Kossi – Planvorsprung…

      (Har. Har.)

      … ich werde heute was rein hochuploaden – oder so ähnlich; ganz ohne Irokasmus und dgl. Schnullifax… ich muss erst noch schnell nachsehen, ob die Welt noch da ist und so…

      Möge der Alpinist auch als Nürnbergsteiger a weng Gaudi ham, nich‘!

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