(… Frauen s i n d härter…) … (… is‘ so, Alter…)

Das war eine der skurrilsten Strecken meines Lebensslalomlaufes, die Fahrschule bei der Fahne. Allein, die Ausbildung war ausgezeichnet. Nein, das ist keine Ostalgie oder so ’n Scheiß! Man ist nicht ein paar Stunden gefahren und hat dann den Lappen bekommen, sondern war wochenlang am, im, auf und unter dem Fahrzeug zugange und hat dann das Großgerät im Schlaf beherrscht, wie es so schön oder unschön heißt. Zudem wurde die Fahrerlaubnis der Klasse erworben, mit der man alles fahren konnte außer Busse, Panzer und dgl. Massenbeförderungsmittel. Ich glaube, es war die Klasse 5. Die Fahrschule war zudem kostenlos, weil zur militärischen Ausbildung gehörend. Diese Vorzüge sind mir natürlich erst viele Jahre später klar geworden. War nich‘ alles schlecht, ach.

Ich wurde am URAL 375 D geschult, und das war persönlichkeitsspezifisch tragikomisch. Die schwierigen Abschnitte des Trainings habe ich fast ohne Probleme bewältigt. Es gab eine Nachtfahrt mit Nachtsichtgerät, Fahrten mit Schutzmaske sowie Strecken über etliche künstlich errichtete Hindernisse wie mit Altreifen oder Baumstücken ausgelegte Fahrrinnen oder Wassergräben- und Bassins, und das alles im Wald und auf der Heiden, juchhe.

„Fast ohne Problem bewältigt“, weil mir auf der entgegengesetzt der Fahrtrichtung geneigten Kurve der Motor ausgegangen ist. Der Fahrlehrer hat es genossen, mich endlich strategisch zusammen scheißen zu können. Ein altgedienter Fähnrich*, der fachlich schwer was drauf hatte, charakterlich militärisch robust strukturiert war und nicht gut zu sprechen auf, Zitat Leutnant H., „halb gewalkte Intellektuelle“ wie mich. Klein Ron hat sofort ’ne Vaterübertragung geschoben und ist voll verkrampft. Allein – ich habe gut bestanden.

Dann kam der Abschnitt, auf den sich alle gefreut hatten; nicht allein, aber vor allem, weil er der leichteste war. Wir fuhren stundenlang auf normalen Straßen, vor allem auf Landstraßen, die oft schier leer waren. Es war Hochsommer, die Landschaft war lieblich bis kitschverdächtig und – „Sonne lacht/Sowjetmacht!“ Kurt Schramm, deutscher Arbeiterdichter, der diesen Vers völlig ernst gemeint hatte. Wieder einmal habe ich mir vorgenommen, nach meiner Entlassung aus dem aktivem Wehrdienst derartige Landschaften bei derartigen Wetterlagen zu genießen; natürlich habe ich es nie getan.

Jetzt hatte ich ’n Problem. Es drohte die Gefahr, dass etwas im Leben Spaß machen könnte, ha! Der Fahrlehrer schnauzte mich mehrfach an, weil ich nach seiner Wahrnehmung fast auf der Gegenspur oder im Straßengraben war, während ich ausgerechnet in dieser Situation mich in meiner sicheren Wahrnehmung wiegte, gar im wörtlichen Sinne in der Spur zu sein.

Es erschien ein Senior mit einem gleichfalls keineswegs mehr jugendlichem Dackel. Der alte Herr stand am linken Straßenrand, der alte Hund am rechten Straßenrand und dazwischen war die Leine, auf die Herr Koske mit seinem tonnenschwerem taigafähigem Geschoss zu bretterte.

Ich glaube, an der Stelle hat mich der Fähnrich aus dem LKW geschmissen und mir befohlen, zu Fuß zur Kaserne zurückzukehren. Ich hatte etliche Kilometer bei höchst hochsommerlichen Temperaturen zu bewältigen. Zudem wurde ich der berechtigten Feindschaft des Soldaten gewahr, der ebenfalls Fahrschüler war und während meiner Übungsfahrt auf der Ladefläche gesessen hatte. Das Scheppern, das mich während meiner immerhin etwa halbstündigen Fahrt zumindest ein bisschen beunruhigt hatte, war dadurch verursacht worden, dass der Soldat, wenn ich auf die Klötze gestiegen war, über diese Ladefläche geschleudert worden und mit dem Stahlhelm irgendwo gegen geknallt war, den er inzwischen freiwillig aufgesetzt hatte.

Mein Kompaniechef schickte mich zum Augenarzt und der murmelte lakonisch, ich hätte gar nicht erst auf den Fahrersitz steigen dürfen, denn ich würde über fast kein räumliches Sehen verfügen.

Wieso war das niemandem aufgefallen, spätestens bei den gründlichen Musterungsuntersuchungen? – Mein infantil-neurotischer Glaube an die Götter in Weiß erhielt den ersten Haarriss.

Ich Sprutz war jedoch gar froh, diese Ausbildung beenden zu können, für die ich im Zivilleben -zig Tausende hätte hinblättern müssen. „Der Junge war schon immer etwas retardiert!“, hätte Tante Paula gesagt, wenn es sie gegeben hätte.

Oppa erzählt wieder ’ne olle Kamelle von seine Jugend, nich‘, höhö! – Aber mein Leben wäre mit Sicherheit anders verlaufen, hätte ich die Fleppe, *heule heule*…

(… sofort kommt per Mental-Funk die Rückmeldung: ‚Banal!‘… außerdem, natürlich: ‚Willa wieda die Fahrerlaubnis machen!‘… entsprechende Traumprüfungen waren aber schon längst dran und ich habe, Überraschung, nicht bestanden… und – ich weiß, dass mein Leben banal ist, Ihr beknackten bekackten Hirnis… hähä, denen habe ich es gegeben…)

Kurzum, wenn ich einmal voll die Kohle hätte, würde ich mir keine Villa am See, keinen Maserati, keine Jacht kaufen, sondern – siehe Video…

So. – Nun weißt Du, wie es ist, herbe Dame Welt, wenn man Einen fahren lässt, zefix!

*PS: Einige Stunden nach dem Posten dieses Postings ist mir immerhin aufgefallen, dass mein hier locker-flockig abgehandeltes Thema etwas mit diesem Traum vor einigen Tagen zu tun haben könnte… Diese Fast-Synchronizität zwischen Eindrücken und Erlebnissen im Traum und in der sogenannten Realität ist selten.
PPS: Ich kann mir in meiner Bosheit nicht verkneifen anzumerken, dass in den letzten Wochen dauernd per Mental-Funk der innere Zuruf: ‚Wohnmobil!‘ kam, den ich natürlich nicht verstanden habe. Kann mir das eine diplomierte Fachkraft erklären („dergleichen“ habe ich seit 1986 hunderte Male erlebt)? – Lassen wir das! Keine Therapie mehr!

* Liebe zu Recht zahlreiche Nichtleserinnen, werte Nichtleser! Während in der Bundeswehr „Fähnrich“ ein Dienstgrad der Offizieranwärter ist, war ein Fähnrich in der NVA Angehöriger einer eigenen Dienstgrad- und Laufbahngruppe zwischen Unteroffizieren und Offizieren. Im idealtypischem Fall galt, dass Berufsunteroffiziere („Feldwebel“) einen Meisterabschluss hatten, Fähnriche einen Fachschulabschluss und Offiziere einen Hochschulabschluss. Über allen aber stand Erich H., und der war unter anderem Lyriker…

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4 Antworten zu (… Frauen s i n d härter…) … (… is‘ so, Alter…)

  1. Herr Ösi sagt:

    Ja, dieser Ural 375D ist halt noch ein richtiges Fahrzeug. Kein Frauenauto mit im Windkanal weichgespülten Formen und Einparkhilfe. Auch einen Cupholder, ohne den der moderne Mensch scheinbar nicht auskommt, suchst du vergeblich. Kurz, ein Fahrzeug für den kompromisslosen Mann.
    Umso erstaunlicher die Reaktion des Herrn Fähnrich. Egal, wo der alte Mann mit seinem alten Hund sich auf der Fahrbahn gerade befand. Im Ural 375D bremst du nicht, du gibst Gas. Vielleicht noch ein warnendes Hupen… wenn du einen guten Tag hast… 😉

    • Herr Koske sagt:

      … das war ja das Problem (oder eines der Probleme) – K. hat das gepackt mit Kuppeln, Gas geben, Bremsen, „nur“ an der falschen Stelle… aber jedenfalls war ich ’n bisschen an der Luft, nich‘ wahr…

      (… das Teil ist voll robust… ist auch heute noch auf dem Markt, und durchaus sozusagen garagengepflegt… hassu mal ’n Euro, ejh…)

      • Herr Ösi sagt:

        In der Innenstadt parken könnte ein Problem werden… das heißt… nicht für den Ural 375D, sondern für die Autos um ihn herum… chchch chchch

        • Herr Koske sagt:

          Das war ja das Coole! Ich hatte fast keine Ängste auf der Schüssel auszustehen – wenn nicht gerade ’n Panzer gekommen wäre (nur paar Kilometer entfernt war ’n Panzerverband stationiert, *ratter knatter rumms*), hätte mein urrussischer Donnerkasten eh‘ alles weg geschoben, gnihi. Nur dem Fahrlehrer hat das, wie schmerzlich angedeutet, überhaupt nicht gefallen. – Aber irgendwas is‘ ja immer, *heule heule*…

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